Das Reh

Im Sommer verliebt: das Reh


Mit dem sommerlichen Hoch kommen auch die Hormone der Rehe in Wallung! An schwülen Tagen, besonders vor und nach Gewittern, kann man die Ricke häufig am Rand von Golfplätzen sehen und hören. Mit ihren unverkennbaren Fieptönen lockt sie den Bock. Doch weibliche Rehe fiepen nicht nur verführerisch – für die Nasen der Böcke duften sie obendrein betörend nach „Reh- Parfüm“. Das Sekret, das dem Bock Paarungswillen signalisiert, wird an den Hinterläufen der Ricke produziert. Der Bock, vom aufreizenden Duft und Liebesgeflüster der Ricke geradezu fremdbestimmt, nimmt blindlings die Verfolgung auf und jagt hinter ihr her. Dabei überqueren die Tiere nicht selten Hauptstraßen, aber vor allem Feldwege! Gerade auf dem Weg zu abgelegen liegenden Golfplätzen kommt es deshalb häufig vor, das „verliebte Rehe“ einfach auf die Straße laufen. Das ist für Autofahrer nicht ungefährlich. Gerade jetzt im Sommer kommt es deshalb häufig zu Wildunfällen. Autofahrer, die ein Reh sehen, müssen auf alles gefasst sein und immer mit nachfolgenden Tieren rechnen. Das Warnschild „Achtung Wildwechsel“ ist unbedingt zu beachten! Hier heißt es, Geschwindigkeit reduzieren, bremsbereit fahren und die Straßenränder im Auge behalten. Besonders gefährlich sind die Übergangsbereiche zwischen Wald und Feld, denn hierher kommen die Rehe auf der Suche nach Nahrung.

Die Ricke ist keine Rabenmutter

Die Reh-Brunft beginnt in der zweiten Juliwoche und endet erst Mitte August. Bis das weißgetupfte Reh-Kitz zur Welt kommt, vergehen viele Monate. Die Ricke hat eine verlängerte Tragzeit, die eine Eiruhe bis in den Dezember einschließt. Erst im nächsten Mai kommt der Nachwuchs zur Welt. Zwillingsgeburten sind bei Rehen nicht selten. Die Kleinen werden meist im hohen Gras versteckt, damit Feinde wie der Fuchs den Kitzen nichts anhaben können. Die Reh-Mutter kommt am Tag immer nur kurz vorbei, um die Kleinen zu säugen und zu säubern. Trotzdem sind Rehe keine Rabenmütter. Sie bleiben nicht beim Nachwuchs, um Feinde durch ihre Anwesenheit nicht unnötig auf die Kitze aufmerksam zu machen.

Trügerische Sicherheit im Gras

Trotzdem ist das Rehkitz auch dann nicht sicher, denn im tiefen Gras lauert manchmal der Tod. Wenn der Landwirt im Frühsommer Gras mäht, rattern rotierende Messer auf das kleine Tier zu, das sich vor Angst nicht rührt und nur noch fester auf den Boden drückt. Durch sein geflecktes Fell und das hohe Gras ist das Kitz so gut getarnt, dass der Landwirt es nicht sieht. Oft ist der Tod des Kitzes besiegelt. Doch nicht nur Rehe, auch Hasen und Vögel, die auf dem Boden brüten sowie Amphibien finden den Tod unterm Messer. Über 500.000 kleine und große Wildtiere verenden jedes Jahr auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen unter Mähmaschinen. Fünf Millionen Hektar Fläche sind in Deutschland als landwirtschaftlich genutztes Grünland ausgewiesen. Das sind auch fünf Millionen Hektar Lebensraum für Wildtiere wie Rehe, aber auch Feldhasen und Wiesenbrüter wie den Kiebitz und den Brachvogel. Gerade mitten in der Brut- und Aufzuchtzeit vieler Tierarten beginnt die Mähsaison. Doch die Landwirte können helfen, Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren. Das Mähen der Fläche von innen nach außen erleichtert den Wildtieren die Flucht, denn sie laufen bei Gefahr nicht über bereits gemähte Flächen – das verbietet ihr Instinkt. Auch neue Techniken helfen, Wildtiere zu schützen. 

Die Randzonen moderner, ökologisch bewirtschafteter Golfplätze sind dagegen für Rehe und viele andere Wildtiere eine Oase. Viele Plätze liegen idyllisch eingebettet in Wildkräuter-Randzonen. Hier findet das naschhafte Reh eine Vielzahl von Pflanzen, die ihm schmecken. Außerdem bietet diese Bepflanzung Unterschlupf und Schutz vor Feinden. Golfplätze sind für unsere heimischen Wildtiere damit zur festen Größe im ökologischen System geworden. Und für die Spieler ist es ein schöner Anblick zwischen zwei Abschlägen ein verliebtes Reh-Pärchen oder eine Ricke mit Kitz zu beobachten.

 

Der letzte Schrei?

Die Gefahr, dass der Ruf der Schreiadler in Deutschland verstummt, ist größer denn je. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg leben nur noch etwa einhundert Brutpaare!

Bitte helfen Sie als Schreiadler-Pate das Überleben des kleinsten heimischen Adlers in Deutschland zu sichern!