Der „Schnarchspatz“

Eine Spatzenbegegnung von Verena Liebers aus Bochum

Gemütliches Verandaplätzchen für den Schnarchspatz

Hinfliegen, ein Korn holen, weg fliegen. So machen es die Meisen. Seit mein Freund diesen Sommer ein Vogelhäuschen in seinen Garten gestellt hat, sind sie regelmäßige Gäste. Während die Amseln bald handzahm waren, blieben die Meisen eher auf Distanz und ich habe mich oft gefragt, ob sie beim Hin- und Herfliegen nicht mehr Energie verbrauchen, als durch die Körner, die sie fressen? Aber ich dachte mir: So ist eben das Vogelleben, immer auf der Hut vor Katzen und anderen gefährlichen Geschöpfen, fehlt ihnen einfach die Ruhe zur Entspannung. Doch dann kam der „Schnarchspatz.“ Er holt sich ein Korn aus dem Häuschen, setzt sich auf die Veranda, frisst und genießt. Dabei plustert er sich so breit auf, als wollte er den Hauseingang verstopfen und sieht sehr entspannt aus. Wenn er ein Computer wäre, würde ich sagen, er schaltet auf „standby“. Wenn er ein Mensch wäre, würde er bestimmt anfangen zu schnarchen. Aber er ist ein Spatz, schaltet bald wieder den Betriebsmodus an und holt sich das nächste Korn. Wenn zwischenzeitlich Meisen anfliegen, wagen sie den entspannten Gesellen nie zu stören. Schüchtern sitzen sie auf dem Dach und beäugen den Hausbesitzer. Gestritten haben sie sich noch nie. Solange der Schnarchspatz da ist, wagt sich kein anderer auf die Terrasse. Nur dass wir Menschen die Körner nachfüllen, das hat er offensichtlich noch nicht verstanden. Im Gegensatz zu den Amseln, die ihre Rosinen auch schon mal frech im Wohnzimmer eingefordert haben, flattert der kleine Spatz hektisch davon, sobald sich ein Mensch nähert und wartet dann eine ganze Weile, ehe er sein Haus wieder besetzt. Aber er hat sich dann wahrscheinlich lange genug ausgeruht. Eigentlich sind Spatzen doch sehr lebhafte Burschen. Allerdings sind „Schnarchspatzen“ vielleicht eine besondere Sorte…

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