Unfrei im Freistaat

Freiheit für den Rothirsch in Bayern

Hätten Sie es gewusst? Der „König des Waldes“ ist eigentlich der „Herrscher des Offenlands“! Denn ursprünglich war der Rothirsch in halboffenen Steppenlandschaften zu Hause. Darauf weist schon das Geweih hin, das im Wald ja eher hinderlich ist. Doch heute gibt es in Deutschland außerhalb von Wäldern kaum noch Rothirsche: Die Menschen haben die Tiere in den Wald zurückgedrängt. Dort führen sie ein scheues und wenig artgerechtes Leben. Rothirsche können nur noch selten in freier Wildbahn beobachtet werden. Das ist einer der Gründe, warum immer mehr Menschen glauben, der Rothirsch sei der „Mann vom Reh“!

Feuer frei auf den Rothirsch in Bayern!


In Deutschland leben etwa 180.000 Rothirsche, davon 30.000 in Bayern. Die größte Verbreitung liegt in Bayern in den Alpen, in der Oberpfalz und im Spessart. Große Wälder wie der Steigerwald, die Fränkische Alb, der Frankenwald und weite Teile des Bayerischen Waldes sind hingegen so gut wie rotwildleer. Im Freistaat Bayern leben Rothirsche nur auf 14 Prozent der Landesfläche! Und das nicht etwa, weil es keine geeigneten Lebensräume gibt, sondern aufgrund politischer Vorgaben! Der Rothirsch darf nur in zehn offiziellen Rotwildgebieten leben. Er ist unfrei im Freistaat! Alle anderen Landesteile sind per Gesetz „rotwildfrei zu halten“. Das heißt dort: Feuer frei auf den Rothirsch! Begründet wird diese Politik mit Fraßschäden auf den Feldern und im Wald. Aber auch in den Bundesländern ohne offizielle Rotwildgebiete wird erfolgreich Landund Forstwirtschaft betrieben.


„Freiheit im Freistaat“


Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert eine Auflösung der Rotwildgebiete, um dem Rothirsch mehr Raum zum Leben zu geben. Rothirsche unternehmen besonders im Frühling ausgedehnte Wanderungen – die eng begrenzten offiziellen Rotwildgebiete machen das unmöglich. Denn außerhalb dieser Gebiete verlangt das Gesetz, dass sie erlegt werden!


Der Rothirsch - ein Wildtier im Dauerstress


Selbst in den wenigen Waldgebieten Bayerns, in denen der Rothirsch leben darf, steht er im Kreuzfeuer verschiedener Nutzungsinteressen. Land- und Forstwirte wollen ihn nicht haben, Jäger stellen ihm nach – teilweise sogar nachts. Und viele Freizeitaktivitäten bringen Unruhe in sein Revier. Das ist vor allem im Winter für den Rothirsch ein Problem. Denn er ist ein echter Energiesparer und reduziert in der kalten Jahreszeit den Stoffwechsel. Die körpereigene „Heizung“ läuft jetzt auf Sparflamme. Wird er gestört, muss er seine Energiereserven für die Flucht sehr schnell aktivieren und anschließend mehr fressen. Doch das Nahrungsangebot ist knapp. Notgedrungen knabbert er dann an jungen Bäumen und Baumrinde. Das führt zu Wildschäden im Wald und zu einer noch intensiveren Bejagung. Ein Teufelskreis, der sich nur durchbrechen lässt, wenn geeigneter Lebensraum zur Verfügung steht und Rothirsche im Winter Ruhe finden.


„Jagdfrei für den Rothirsch“


Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert kürzere Jagdzeiten, Jagdruhe ab Silvester, keine Nachtjagd und Wildruhezonen, in denen auch Wanderer und Wintersportler Rücksicht auf die Tiere nehmen. Der Rothirsch ist ein Meisterwerk der Natur – wir wollen es bewahren und ihm ein artgerechtes Leben ermöglichen.


Rotwildverbreitung in Deutschland und Bayern


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Ein Meisterwerk der Natur


Der Rothirsch ist das größte Landsäugetier in Deutschland – und ein Meisterwerk der Natur. Sein rotbraunes Sommerfell gab ihm den Namen. Ausgewachsene Tiere können 250 Kilogramm wiegen. Als Wiederkäuer können sie Baumrinde und Gras genauso gut verdauen wie Kräuter und Moose, Knospen und Kastanien. Auch Getreide, Kartoffeln und Rüben verschmähen sie nicht. Zum Vergleich: Ein Rehbock bringt nur etwa 25 Kilogramm auf die Waage. Rothirsche haben einen sehr guten Geruchssinn, sind wachsam und leben in Rudeln mit klaren sozialen Rangordnungen. Außerhalb der Brunft leben sie nach Geschlechtern getrennt. Die Muttertiere kümmern sich mit großer Fürsorge um ihr Kalb. Das Geweih wird jedes Jahr im Februar abgeworfen und wächst innerhalb von nur 120 Tagen nach. Bis zu 14 Kilogramm Knochenmasse werden neu gebildet. Ein faszinierender Prozess! Die Paarungszeit der Hirsche beginnt im September. Vier Wochen lang kämpfen die älteren Hirsche um die weiblichen Tiere. Der Stärkste wird der Platzhirsch. Er muss sich gegen die Rivalen durchsetzen und schüchtert sie mit eindrucksvollem Röhren ein.




Der letzte Schrei?

Die Gefahr, dass der Ruf der Schreiadler in Deutschland verstummt, ist größer denn je. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg leben nur noch etwa einhundert Brutpaare!

Bitte helfen Sie als Schreiadler-Pate das Überleben des kleinsten heimischen Adlers in Deutschland zu sichern!