Noch vor wenigen Jahren war der Feldhasenbestand stark rückläufig. Und auch heute leben in Deutschland weit weniger Hasen als vor 40 Jahren. Gründe hierfür sind die Veränderung der Landschaft durch die moderne Landwirtschaft und eine Zunahme der natürlichen Feinde des Feldhasen, den Beutegreifern. Zum Beispiel durch den massiven Einsatz von Pestiziden können landwirtschaftliche Flächen intensiv genutzt werden. Dies führt zu einer Verringerung an landschaftlicher Vielfalt. Die Verarmung der Landschaftsstruktur hat gleich mehrere negative Folgen für den Feldhasen:
Ihm fehlt es an hohen Gräsern und breiten Wegesrändern mit Hecken und Büschen. So kann er sich nicht gut verstecken. Er ist der Witterung stärker ausgeliefert und auch Beutegreifer können ihn leichter entdecken. Mit der landschaftlichen Vielfalt verschwindet auch der Pflanzenreichtum. Hasen ernähren sich hauptsächlich von Wildgräsern und -kräutern, die zusammen als „Hasenapotheke“ bezeichnet werden. Eine Abnahme der Pflanzenvielfalt bedeutet für den Feldhasen deshalb, dass er weniger und weniger gute Nahrung findet. Dem Hasen kann geholfen werden, indem landwirtschaftliche Nutzflächen länger brach liegen und indem am Rande von Feldern Streifen mit wild wachsenden Pflanzen, den so genannten Ackerrandstreifen, angelegt werden.
Ein Forschungsprojekt von Prof. Dr. Klaus Hackländer (Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft) hat den Effekt von Brachflächen für den Feldhasenbestand erforscht. Über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtete Prof. Hackländer ganzjährig vier frei lebende Feldhasenpopulationen. Im Mittelpunkt seines Interesses stand die Populationsdynamik, also die Altersstruktur und die Fortpflanzung der Feldhasen. Diese Beobachtungen hat Prof. Hackländer mit einer gleichzeitigen Analyse des Nahrungsangebotes und der tatsächlich von den Hasen aufgenommenen Nahrung in Verbindung gebracht.
Die Untersuchung hat ergeben, dass Feldhasen fettreiche Pflanzenteile und nicht kohlenhydratreiche Kost bevorzugen. Nur bei ausreichendem Nahrungsangebot überlebt der Nachwuchs. Für die Praxis bedeutet dies, dass dem Feldhasen in punkto Nahrung durch zwei Maßnahmen geholfen werden kann: Ungenutzte landwirtschaftliche Flächen wie Ackerrandstreifen, Brachflächen oder Wildackerstreifen sind für den Hasen überlebensnotwendig. Hier findet er seine bevorzugte Nahrung. Daneben nimmt der Feldhase im Winter auch gerne kleine Futterstellen aus Zuckerrüben und Karotten an.
Die Forschung von Prof. Dr. Hackländer wurde von der Deutschen Wildtier Stiftung 2001 mit dem Forschungspreis ausgezeichnet. Mit diesem bis zu 50.000 Euro dotierten Preis unterstützt die Deutsche Wildtier Stiftung herausragende Nachwuchswissenschaftler. Durch den Forschungspreis möchte die Deutsche Wildtier Stiftung dazu beitragen, das Wissen über einheimische Wildtiere und ihre Lebensräume zu erweitern.