Fischotter-Schutz
Biosphärenreservat Schaalsee

- Früher aufgrund seines dichten Felles eine begehrte Beute: der Fischotter

Der Fischotter: Bedrohung und Bestand
In Deutschland ist der Fischotter bereits vom Aussterben bedroht. Mit einem Gesamtbestand von bundesweit etwa 700 Tieren wird der Fischotter in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands in der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) geführt. Die größte Gefahr für den Fischotter ist mittlerweile der Straßenverkehr, denn Straßen zerschneiden immer wieder die Wanderkorridore der Säugetiere. Fischotter scheuen sich, unter Brücken hindurch zu schwimmen. Gibt es keine Möglichkeit für den Fischotter eine Brücke trockenen Fußes zu unterqueren, so wählt er den gefährlichen Weg über die Straße.
Das Ziel: Bestandserhöhung
Ziel ist es, den Fischotterbestand im Biosphärenreservat Schaalsee zu sichern und optimalerweise zu erhöhen. Hierzu werden Brücken otterfreundlich gestaltet und Leitsysteme errichtet, um die Gefahr des Überfahrens zu minimieren. Als weiterer Effekt wird so die Vernetzung der Otterpopulation gewährleistet. Ergänzende Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraumes runden das Projekt ab.
Das Projektgebiet: Biosphärenreservat Schaalsee
Das Fischotter-Projekt der Deutschen Wildtier Stiftung wird in dem 309 Quadratkilometer großen UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee im Nordwesten Mecklenburg-Vorpommerns umgesetzt. Die Seen- und Hügellandschaft besteht aus einem Mosaik von Seen, Auen- und Bruchwäldern sowie Mooren, Trockenrasen und Feuchtgrünlandflächen. Auf etwa fünf Prozent der Fläche, in den Kernzonen des Schutzgebietes, darf „neue Wildnis“ entstehen und die Natur nach ihren Gesetzen wirken. Auf der überwiegenden Fläche des Biosphärenreservates steht jedoch eine ausgewogene, umweltverträgliche Regionalentwicklung im Vordergrund.
Innerhalb des Biosphärenreservates Schaalsee befindet sich ein Fließgewässersystem zu dem die Flüsse Schilde und Schaale, der Hammerbach, der Schaalsee und der Woezer See gehören. Zwar findet der Fischotter hier vielfach keine optimalen Lebensbedingungen, dennoch ist die Tierart in stabiler Populationsstärke in diesem Gewässernetz wieder heimisch geworden.
Das Projekt: Maßnahmen und Partner
Das Projekt Fischotter-Schutz im Biosphärenreservat Schaalsee wurde 2004 in Zusammenarbeit mit dem Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee von der Deutschen Wildtier Stiftung ins Leben gerufen.
Nach einer Phase der fachlichen Vorplanung begannen 2005 die ersten konkreten Maßnahmen. Bis 2006 erfolgten der Umbau einer Brücke bei Woez, einer Brücke in Karft, der Bau einer 200 Meter langen Leitstruktur entlang der Bundesstraße L05 zwischen Püttelkow und Boddin sowie die Verbesserung des Lebensraumes durch die Bepflanzung eines Uferrandstreifens entlang der Schilde. Mit Hilfe dieser Bauten soll die Sterblichkeitsrate des Fischotters durch den Autoverkehr gesenkt werden. Der Fischotter kann nun wieder auf seinen gewohnten Wegen gefahrlos durch sein Revier schwimmen und wandern.
Weitere Konfliktpunkte entlang der Schaale und des Hammerbaches sollen bis 2010 beseitigt werden. Drei Gefahrenstellen in den Ortschaften Bantin und Boissow haben sich herauskristallisiert. Der Einbau von Laufstegen aus Holzbohlen (Bemmen) unterhalb der Brücken soll dem Fischotter auch hier das sichere Unterqueren von Brücken ermöglichen.
Die „Bachpatenschaft“: begleitende Naturbildung
Um die Bevölkerung über die notwendigen Maßnahmen des Fischotterschutzes zu informieren und zu begeistern, wurde ab 2008 das Projekt „Bachpatenschaft“ initiiert. Mit den Vorschulkindern aus der Kita „Haus Sonnenschein“ in Bantin wurden sehr engagierte und wissensdurstige Bachpaten gefunden. Während vieler Exkursionen, Veranstaltungen und Aktivitäten lernten die Vorschulkinder ihr Patenkind sowie den Lebensraum und die Lebensweise des Fischotters kennen. Ganz im Sinne der aktuellen UN-Dekade „Bildung und nachhaltige Entwicklung“ wurden die Kinder motiviert, dauerhaft Verantwortung für ihr unmittelbares Lebensumfeld zu übernehmen. Gleichzeitig wirken die jungen Bachpaten auch als Multiplikatoren nach außen. Durch Weitergabe ihrer Erfahrungen und Erlebnisse an Eltern und Freunde wurden weitere Personen über den Fischotter und seine Lebensraumansprüche informiert.