Nur einige wenige Brutpaare des Großen Brachvogels gibt es in Hessen noch. Der Große Brachvogel (Numenius arquata) wird mittlerweile auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands als „stark gefährdet“ geführt. Jeder Kükenverlust ist bedrohlich für den Fortbestand dieser größten Watvogelart mit dem markanten bis zu 17 Zentimeter langen Schnabel.
Die Deutsche Wildtier Stiftung organisierte deshalb zusammen mit dem Naturschutzfonds Wetterau in Hessen im Oktober 2007 ein völlig neuartiges Schutzprojekt: Im letzten Rückzugsraum des Großen Brachvogels in Hessen wurden je vier Flutrinnen und -mulden gebaut, damit der Vogel künftig geschützte Brutgebiete hat und der Nachwuchs genügend Nahrung findet. Als Bodenbrüter baut der Große Brachvogel sein Nest in Bodenmulden im feuchten Grünland. Viele Küken überleben die Aufzuchtsphase nicht: Gelege und Jungtiere werden nicht nur beim Mähen vernichtet, sondern fallen auch natürlichen Fressfeinden zum Opfer.
Die Grundidee des Schutzprojektes ist es, den extrem wasserscheuen Fuchs durch die Flutrinnen von den Nestern fernzuhalten. Diese Rinnen sind 30 Zentimeter flache, acht Meter breite, mit Wasser gefüllte Senken, die sich in Form eines abgerundeten Rechtecks um die Feuchtwiesen ziehen. Auf diese Weise schützen die Rinnen ein Gebiet von 1.560 Quadratmetern. Gespeist werden sie aus dem im Winter und Frühjahr hoch anstehenden Grundwasser. Zusätzlich wurden Flutmulden, ähnlich kleiner Tümpel, in der Nähe der Brutplätze angelegt. Sie dienen dem Großen Brachvogel und anderen seltenen Wiesenbrütern wie Bekassine, Kiebitz und Uferschnepfe als Nahrungsquelle.
Im Frühsommer verlassen die Jungvögel ihre Nester und erst im Hochsommer trocknen die Mulden und Rinnen wieder aus. So können die Landwirte problemlos ihr Heu ernten und es wird verhindert, dass sich dort hochwüchsige Gräser und Kräuter oder gar Gehölze ansiedeln. Bei der Wahl seines Nistplatzes ist der Brachvogel nämlich sehr eigen: Er baut sein Nest nur in offenes, weit überschaubares Gelände.
„Im Wetteraukreis konnten die Landwirte in den vergangenen Jahren zusätzlich davon überzeugt werden, ihre Wiesen erst dann zu mähen, wenn die Kükenaufzucht abgeschlossen ist“, erklärt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, anlässlich der Vereinbarung des Schutzprojektes mit dem Naturschutzfonds Wetterau. „So entgehen diese Wiesenbrüter auch dem grausamen Mähtod.“