War der Schreiadler um 1900 noch flächendeckend in den nordöstlichen Bundesländern und in Bayern anzufinden, so zählte man 2009 nur noch 101 Brutpaare des Aquila pomarina in Deutschland. 17 weniger als noch 1992!
Heute ist der Schreiadler außer in Deutschland auch in Mittel- und Osteuropa, zwischen Baltikum und Balkan, bis nach Moskau verbreitet. Außerhalb Europas brütet die kleinste heimische Adlerart in der Türkei, dem Nordiran und im Kaukasus. Weltweit rechnet man mit 15.000 bis 20.000 Brutpaaren.
Damit gilt der Schreiadler weltweit als bedrohte Art, deren Schutzstatus in verschiedenen Abkommen festgehalten ist:
- Rote Listen der gefährdeten Brutvögel Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs: vom Aussterben bedroht
- Rote Liste der Brutvögel Deutschlands: Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht)
- EU-Vogelschutzrichtlinie (RL 79/409/EWG): Anhang 1 – vom Aussterben bedrohte Arten (Arten, für die besondere Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind)
- Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS- Convention on the Coservation of Migratory Species), Anhang II
Die Gründe für die anhaltend dramatische Abnahme der Population sind vor allem der Lebensraumverlust und der Abschuss auf den Zugwegen durch Trophäenjäger:
Der Schreiadler benötigt für die Brut und Aufzucht der Jungen ungestörte, unzerschnittene, grund- oder stauwassernahe Wälder mit hohem Laubwaldanteil und großer Strukturvielfalt. Diese Waldbereiche sollten möglichst wenig forstwirtschaftlich genutzt und während der Brutzeit nicht durch menschliche Aktivitäten gestört werden. Als Nahrungsflächen braucht der Adler vor allem Feuchtgrünland in der Nähe seines Horstes.
Der illegale Abschuss ist die zweite wesentliche Ursache für den Rückgang des Schreiadlers ist. Er ist ein Langstreckenzieher mit Überwinterungsquartier im südlichen Afrika. Da der Schreiadler ein Thermikflieger ist, fliegt er bevorzugt am östlichen Rand des Mittelmeeres entlang, wo er vor allem in der Südtürkei, in Syrien, dem Libanon sowie in Nordägypten intensiver Wilderei ausgesetzt ist.