Der Schwarzspecht gilt auch als „Zimmermann des Waldes“. In seinen geräumigen Höhlen zieht nicht nur er seinen Nachwuchs groß, sondern auch eine Vielzahl anderer Arten nutzt diesen Rückzugsraum. Aktiver Höhlenbaumschutz kommt also nicht nur dem Schwarzspecht zu Gute, sondern hilft, die Artenvielfalt im Wald nachhaltig zu sichern. Obwohl Höhlenbäume rechtlich geschützt sind, passiert es immer wieder, dass sie versehentlich gefällt werden. Aus diesem Grunde fördert sich die Deutsche Wildtier Stiftung Projekte, in denen die „Habitatbäume“ ausfindig gemacht und markiert werden. Wissenschaftliche Arbeiten aus den Bereichen Naturschutz und Forstpraxis haben gezeigt, dass nur die dauerhafte Markierung der Bäume und das Kartieren ihrer Standorte den Erhalt dieses wertvollen Lebensraumes gewährleisten können. Die Akteure ermöglichen eine transparente Naturschutzarbeit, indem sie die Informationen abschließend den jeweiligen Revierförstern, Waldbesitzern und Forstwirten übergeben.
Gemeinsam mit PLENUM, einem Projekt des Landes Baden-Württemberg zur Erhaltung und Entwicklung von Umwelt und Natur, engagierte sich die Deutsche Wildtier Stiftung im Schwarzspecht-Schutz. Im Jahr 2005 fand Schwarzspecht-Experte Luis Sikora im Landkreis Reutlingen auf 36.000 Hektar Waldfläche rund 400 Höhlenbäume des Schwarzspechtes. Er hat diese Bäume markiert und in digitale Karten übertragen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Luis Sikora und PLENUM setzte die Deutsche Wildtier Stiftung bis zum Sommer 2009 in den Landkreisen Esslingen und Alb-Donau fort. 6.000 weitere Hektar Altbuchenbeständen wurden durchkämmt und ihre Höhlenbäume dauerhaft vor dem Fällen geschützt.
Ebenfalls im Jahr 2005 hat die Deutsche Wildtier Stiftung in Kooperation mit dem Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide in Mecklenburg-Vorpommern ein dreijähriges Naturschutzprojekt ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Der Schwarzspecht und seine Höhlen“ realisierten die Projektpartner umfassende Aktionen zum Schutz des Vogels und seines Lebensraumes.
Das Projektgebiet umfasst eine Waldfläche von 19.000 Hektar mit alten Baumbeständen und kleinen Altholzinseln innerhalb der jüngeren Forstteile. Die Arbeiten begannen mit einer ausführlichen Analyse der verfügbaren Forst- und Naturschutzdaten, um herauszufinden, welche Waldgebiete dem Schwarzspecht einen besonders attraktiven Lebensraum bieten. Im nächsten Schritt erfolgte dann die systematische Höhlenbaumsuche. Jeder einzelne Höhlenbaum wurde mit einem Ring aus besonders wetterfester Farbe versehen, nummeriert, per GPS eingemessen und auf topographische Karten übertragen. So kann der Baum jeder Zeit mühelos wiederaufgesucht werden. Übrigens: Erfahrungswerte haben gezeigt, dass die Höhlenbaumsuche und das systematische Erfassen der Bäume pro Hektar etwa eine Stunde in Anspruch nimmt.
Die Finanzierung erfolgte aus Eigenmitteln der Deutschen Wildtier Stiftung und des Fördervereins des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide. Zusätzlich wurde das Projekt auch aus den Erträgen der Bingo-Umweltlotterie der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Des Weiteren erhielt das Projekt finanzielle Unterstützung durch die Staatlichen Ämter für Umwelt und Natur in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg, der Akademie für Nachhaltige Entwicklung Mecklenburg-Vorpommern sowie durch den NABU Kreisverband Parchim.