„Heilkräuter“ für Klima und Wildtiere

Energie aus Wildpflanzen statt Monokulturen aus Mais

Bunte Mischung statt monotonem Mais ist besonders für Wildtiere lebenswichtig


Sogar gegen die Klima-Katastrophe ist ein Kraut gewachsen! Genauer gesagt handelt es sich um Wildkräuter, die zu Biogas verarbeitet werden können. Gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) und vier weiteren Organisationen will die Deutsche Wildtier Stiftung, dass Wildkräuter in klimaneutrale Energie verwandelt werden. Und das kommt nicht nur dem Klima zugute! Feldhasen und Fledermäuse, Rebhühner und Rehe sowie viele andere Wildtiere finden Nahrung und Schutz zwischen Wildkräutern.

Die Kehrseite der Biogasproduktion aus nachwachsenden Rohstoffen ist der Maisanbau. Mais liefert zwar hohe Erträge und damit viel Biogas, doch das hat auch gravierende Nachteile für Wildtiere und die Umwelt. Denn beim Maisanbau handelt es sich um eine intensive Anbauart mit hohem Einsatz an Dünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln. Das widerspricht sowohl dem Klimaschutz-Gedanken als auch dem Naturschutz. Hoher Düngemitteleinsatz und der Umbruch von Grünland setzen mehr schädliche Klimagase frei als später durch das Biogas eingespart werden. Zudem wird dadurch der Lebensraum für Wildtiere im ländlichen Raum immer knapper.

Maiswüsten und Wildschäden

Monotone Maisanbauflächen bedeuten für die Tierwelt vor allem weniger Lebensraum und unzureichende Nahrung. Das Beispiel der Honigbiene verdeutlicht dies für die Insekten. Mittlerweile müssen Imker ihre Bienenvölker bereits im Juni mit Zuckerlösungen zufüttern, da die Bienen sonst verhungern würden. Die Jäger sehen noch eine weitere Gefahr: In vielen Revieren ist das Wildschadenrisiko durch Wildschweine gewachsen! Denn sie finden auf Maisfeldern stets reichlich Nahrung. Geht es dann um die Begleichung der Wildschäden, kommen auf so manchen Waidgenossen erhebliche finanzielle Belastungen zu.

Der Negativtrend ist eindeutig: Während die Anbaufläche für Energiepflanzen in den letzten Jahren stetig zunimmt, sind die Populationsgrößen vieler Wildtierarten im ländlichen Raum stark gesunken. Doch es gibt eine Alternative zur Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen, die nicht zu Lasten der Wildtiere geht! Dabei lassen sich energiepolitische Ziele und Naturschutz miteinander verbinden. Die Deutsche Wildtier Stiftung stellt einen interessanten Weg aus dem Dilemma vor: Eine mehrjährige, artenreiche Wildpflanzenmischung ist die Lösung.

Wildkräuter sind ein Allheilmittel für eine Vielzahl von Problemen: Neben dem Schutz der Wildtiere sind für den Landwirt vor allem die reduzierten Kosten für Dünge- und Pflanzen-schutzmittel sowie die hohe Ertragssicherheit und Gasausbeute wichtige Aspekte. Daher wurden jetzt nach erfolgreichen Laborversuchen die ersten Testflächen in Unterfranken (Bayern) und im Raum Oldenburg (Niedersachsen) mit den Wildpflanzenmischungen angesät. Das Pflanzenpotential ist riesig. Aktuell werden über 70 verschiedene Pflanzenarten auf ihre Eignung geprüft.

Deutschland hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Endverbrauch bei 25 bis 30 Prozent liegen. Dieses Ziel wird nur zu erreichen sein, wenn auch der Einsatz von Biomasse zur Erzeugung von Biogas weiter zunimmt. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, fördert den Anbau nachwachsender Rohstoffe. Und Wildkräuter können als „Heil-Kräuter“ fürs Klima und für die Wildtiere dabei gute Dienste leisten.

„Energie aus Wildpflanzen“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Netzwerks Lebensraum Brache. Das Projekt wird von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) geleitet und von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert.

Die weiteren Projektpartner sind:

  • der Deutsche Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL)
  • die Deutsche Wildtier Stiftung
  • der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC)
  • der Landesjagdverband Bayern e.V. (BJV)
  • sowie die Firma Saaten Zeller

Aktuelle Veranstaltung

Am 12. April 2011 findet in Berlin eine Veranstaltung zum Thema 

Energie aus Wildpflanzen - Energetische Verwertung von kräuterreichen Ansaaten in der Agrarlandschaft und im Siedlungsbereich

statt.

Download:

 

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