Finger weg von „jungen Wilden“!

03.04.2012

Die Deutsche Wildtier Stiftung warnt: Selten ist ein gefundenes Jungtier ein Notfall


Jetzt im Frühling ist der Nachwuchs unserer heimischen Wildtiere überall unterwegs. Was tun, wenn ein Vogel aus dem Nest gefallen ist, ein Junghase allein auf dem Acker hockt oder ein einsames Rehkitz gefunden wird? Dr. Andreas Kinser, Experte der Deutschen Wildtier Stiftung, warnt: „Wer junge Wildtiere aufnimmt, kann viel falsch machen. Denn die wenigsten Jungtiere, die im Frühjahr gefunden werden, sind wirklich in Not!“ Deshalb heißt die erste Regel: Finger weg von den „jungen Wilden“! Doch wie erkennt man einen wirklichen Notfall?

Offene Verletzungen, humpelnde Tiere, hängende Flügel, Knochenbrüche oder Verletzungen nach einem Wildunfall – nur in diesen Notfällen sollten Sie Hilfe holen! Kontaktieren Sie dann einen Tierarzt, den zuständigen Jäger oder die Polizei. Auch die örtlichen Tierheime, Naturschutzbehörden und Wildtierstationen wissen Rat. „Denken Sie auch an Ihre eigene Sicherheit“, rät Dr. Andreas Kinser. „Verletzte Tiere geraten leicht in Panik und können so selbst zur Gefahr werden.“

Kleine Vögel, die piepend auf dem Boden hocken, haben nur selten ihre Mutter verloren. Wahrscheinlicher ist es, dass sie gerade ihren ersten, glücklosen Flugversuch gewagt haben. Warten Sie ab und beobachten Sie das Junge. Meistens kommt die Vogelmutter bald und kümmert sich um den Bruchpiloten. „Wenn Sie einen noch nackten Jungvogel finden, suchen Sie sein Nest und setzen Sie ihn einfach zurück“, sagt Kinser. Im Gegensatz zu Säugetieren „riechen“ Vogeleltern schlecht und stören sich nicht an menschlichem Geruch. Einen Jungvogel groß zu ziehen ist jedoch ein Vollzeitjob! Zwischen 6 und 22 Uhr verlangt das Findelkind alle halbe Stunde nach Nahrung. Junge Tauben bekommen von ihrer Mutter eine spezielle Milch, die die Taube im Kropf bildet und können gar nicht von Menschenhand gefüttert werden.

„Auch Junghasen wurden in der Regel nicht von der Häsin verlassen“, sagt der Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. „Im Gegenteil: Das Muttertier schützt den Nachwuchs durch ihre Abwesenheit. Sie lenkt so Fressfeinde wie Füchse und Greifvögel von den kleinen Feldhasen ab, die sich zum eigenen Schutz im Acker ducken und still verhalten.“ Das Gleiche gilt im Frühsommer für Rehkitze, die sich ebenfalls im Gras tarnen. Die Ricke ist in der Nähe, kommt regelmäßig, um das Kitz zu säugen und zu säubern. Ist das Muttertier nachweislich tot, müssen der Jäger des jeweiligen Reviers oder die Polizei verständigt werden.

Häufig werden kleine Wildtiere von Katzen erbeutet und mit ins heimische Revier gebracht. Die Deutsche Wildtier Stiftung rät: Mit einem Glöckchen am Halsband können Katzen nur schwer Beute machen. Spezielle Manschetten oder Kränze aus stacheligen Pflanzen machen Bäume katzensicher. So schützen Sie das junge Vogelglück in Ihrem Garten!


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