Die Gefahr, dass der Ruf der Schreiadler in Deutschland verstummt, ist größer denn je. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg leben nur noch etwa einhundert Brutpaare!
Bitte helfen Sie als Schreiadler-Pate das Überleben des kleinsten heimischen Adlers in Deutschland zu sichern!
Hätten Sie´s gewusst?
Alttestamentarische Zustände, ein Wandersmann und der seltenste aller Adler
Die Kniffe der Natur sind nicht immer leicht zu verstehen. Schon in seinen ersten Lebenstagen stört ein Schreiadlerjunges die Familienidylle mit einer Bluttat. Wenn er nach den ersten Lebenswochen den Babyflaum verliert, wird der Schreiadler zu einem begnadeten Flieger. Dennoch fängt er seine Beute meistens nicht aus der Luft heraus. Schon seit dem 19. Jahrhundert wird es eng für den „Pommernadler“. Immer weniger Raum zum Brüten und zur Jagd lässt der expandierende Mensch dem Schreiadler.
Drama im Schreiadlerhorst
Tollpatschig und unbedarft sehen junge Schreiadler mit ihrem weißen Flaum und den taucherbrillenartigen Maserungen um die Augen aus. Wer ein Schreiadlerjunges in seinem Horst sitzen sieht, käme niemals auf den Gedanken, dass ein angeborener Aggressionstrieb das Schicksal der ersten Lebenstage bestimmt. In einem Abstand von drei bis vier Tagen legt das Weibchen in der Regel zwei Eier. Das erstgeborene Junge verdrängt sein Geschwisterchen vom Futter und hackt sogar mit seinem Schnabel auf es ein, bis es stirbt. Kain erschlägt Abel. Die Verhaltensweise ist genetisch bedingt und erfolgt unabhängig vom Ernährungszustand. In der Fachsprache heißt diese Tötungshandlung „obligatorischer Kainismus“. Als Sofortrettungsmaßnahme für den Schreiadler werden Zweitgeborene im Jungvögelmanagement der Deutschen Wildtier Stiftung sofort nach dem Schlüpfen aus dem Horst genommen und in einer Naturschutzstation aufgezogen. Nach sechs Wochen erlischt der Aggressionstrieb „Kains“ und „Abel“ kann zurück in das Horst gesetzt werden.
Lauf, Adler, lauf!
Hand aufs Herz: Würden Sie noch einem Steak hinterherlaufen, wenn Sie fliegen könnten? Der Schreiadler tut´s. Seine Beute – kleinere Säugetiere und Amphibien – erlegt der kleine Adler meistens zu Fuß. Einem Weißstorch gleich läuft er durch offene, feuchte Landschaften und trägt seine Mahlzeiten nicht wie andere Greifvögel mit den Füßen, sondern im Schnabel davon. Doch auch im Suchflug oder auf Heuhaufen, Zaunpfählen oder Bäumen harrt der Schreiadler aus, um im richtigen Augenblick einen delikaten Happen zu erlegen.
Ein seltener Gast
Ein Schreiadler lebt gefährlich. Viele Einflüsse bedrohen seinen Lebensraum: An erster Stelle steht die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft. Daneben werden Siedlungen gebaut und ehemals verlassene Feldwege asphaltiert. An den Wochenenden strömen Erholungssuchende in die Wälder und stören dadurch den scheuen Adler. Neben Reit-, Wander- und Radwegen brütet der Schreiadler nicht gerne. Auch Windkraftanlagen meidet er großräumig. Sogar Kriminelle haben es auf den seltenen Adler abgesehen. Im Winter zieht der Schreiadler 10.000 Kilometer weit ins südliche Afrika. Besonders in der Südtürkei, in Syrien, dem Libanon und in Nordägypten gilt das Abschießen eines Greifvogels als Statussymbol und beweist die Männlichkeit des Jägers. Doch auch in Deutschland wird dem Schreiadler und seinen Eiern nachgestellt. 1999 wurde ein Eiersammelskandal aufgedeckt, bei dem 120.000 Eier sichergestellt wurden.



