Die Gefahr, dass der Ruf der Schreiadler in Deutschland verstummt, ist größer denn je. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg leben nur noch etwa einhundert Brutpaare!
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Hätten Sie´s gewusst?
Cleverer Familienplaner statt Wetterprophet
Nach einer alten Bauernregel entscheidet sich am 27. Juni – dem Siebenschläfer-Tag – wie das Sommerwetter der nächsten sieben Wochen wird. Doch der hörnchenähnliche Nager ist kein tierischer Meteorologe. Trotzdem ist für ihn das Wetter nicht ganz unwichtig. Nach dem Winterschlaf „entscheidet“ er über seine Familienplanung. Die gestaltet er nach der Bucheckern-Ernte im kommenden Herbst: Wird die Ernte schlecht ausfallen, bleibt die Kinderstube leer. Mit dieser Fähigkeit gibt der Siebenschläfer der Forschung bis heute Rätsel auf.
Der Langschläfer ist kein Einbrecher!
Von Mitte September bis in den Mai hinein hält der Nager tief und fest Winterschlaf in seiner unterirdischen Höhle, die er vorher mit Gras und Laub wohnlich ausgepolstert hat. Der Siebenschläfer ist also ein richtiger Langschläfer, der länger als sieben Monate schläft. Dazu senkt er seine Körpertemperatur auf etwa fünf Grad und fährt seinen Stoffwechsel extrem herunter. Seine Herzschlagfrequenz verringert sich von gut 300 Schlägen in der Minute auf fünf! Lediglich seine Fettreserven halten ihn am Leben. Ist der Siebenschläfer dann im Frühjahr wieder wach, lässt er sich tagsüber nur ungern blicken. Erst nachts wird er putzmunter. Wenn er über den Dachboden poltert, wird der Eindringling im Eigenheim häufig für einen Einbrecher gehalten. Denn der kleine Kerl macht Lärm wie ein Großer. Mittlerweile gilt das knapp 120 Gramm schwere Tier in Deutschland als bedroht.
Nackter Nachwuchs
Etwa vier Wochen nachdem die Siebenschläfer erwacht sind, beginnt die Paarungszeit. Die Männchen sind nur dann zeugungsfähig, wenn das Angebot an Nahrung im kommenden Herbst stimmt. Um den Nachwuchs kümmern sich die Väter nicht. Die Jungen werden nackt und blind in der Wohnhöhle geboren und von dem Weibchen mindestens fünf Wochen lang gesäugt und liebevoll gepflegt. Ein Wurf hat drei bis elf Siebenschläfer-Babys. Schon nach zwei Monaten sind die Jungtiere selbständig. Als Wohnraum werden die Baumhöhlen von Bunt- und Schwarzspechten annektiert. Manchmal zieht ein Siebenschläfer auch in den Vogelnistkasten im Garten ein.
Aberglaube und Delikatesse
Der Siebenschläfer-Tag hat ursprünglich mit dem kleinen Nager nichts zu tun. Er geht auf eine Legende aus der Zeit der Christenverfolgung zurück. Im 3. Jahrhundert wurden sieben Mönche lebendig in einer Höhle eingemauert. Doch die Folteropfer waren Jahre später nicht etwa gestorben: Sie hatten nur geschlafen. Im Mittelalter stand die Zahl 7 ganz allgemein für „viel“ oder eine sehr lange Zeit. Deshalb kommen im Märchen beispielsweise die Siebenmeilenstiefel vor. Mit dem Namen „Siebenschläfer“ wollte man also einfach sagen, dass dieses Tier sehr lange schläft. Doch der kleine Nager war für die Menschen nicht nur ein Langschläfer-Phänomen, sondern auch eine Delikatesse. Die alten Römer schätzten das Tierchen so sehr, dass sie Siebenschläfer züchteten und in Ställen gemästet haben. Geschichtsschreiber haben sogar Kochrezepte festgehalten. Noch heute steht der Siebenschläfer in einigen Teilen Frankreichs und Sloweniens auf der Speisekarte.



