Rebhühner - Engagement für einen einstigen Allerweltsvogel

Ein internationales Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der Agrarlandschaft

Rebhuhn

Seit 1980 sind die Populationen des Rebhuhns europaweit um 94 % eingebrochen. Gemeinsam mit der Universität Göttingen und weiteren Partnern versuchen wir nun, den Bestand der Rebhühner wieder zu erhöhen. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört die Verbesserung ihrer Lebensräume durch Blühstreifen.

Situation des Rebhuhns in unserer Agrarlandschaft

Die guten Zeiten der Rebhühner endeten in den 1970er Jahren; durch Veränderungen in der Landwirtschaft wurde ihr Leben härter. Es klingt paradox, aber große Felder engen den Lebensraum der Feldhühner ein. Grenzlinien, die früher durch kleinbäuerliche Strukturen die Landschaft prägten, sind für Rebhühner überlebenswichtig. Auf diesen Grenzen finden sie Schutz vor ihren Feinden und Nahrung für die Küken. Durch die Flurbereinigung hat die Größe einzelner Felder aber mittlerweile enorm zugenommen. Monotone, ausgeräumte Landschaften und der Einsatz von Pestiziden spielen beim Bestandsrückgang der Feldhühner eine große Rolle. Insektizide vernichten zum Beispiel das Futter der gerade geschlüpften Küken, denn Insekten sind als tierisches Eiweiß für sie überlebenswichtig.

DAS INTERNATIONALE PROJEKT PARTRIDGE

Ziel

Im September 2016 wurde von der EU das internationale Projekt PARTRIDGE bewilligt. Ziel des europäischen Gemeinschaftsprojektes ist, die Biodiversität in mehreren internationalen Demonstrationsgebieten um 30 % zu steigern. Als Gradmesser gilt dabei das Rebhuhn. Seine Lebensbedingungen in der Agrarlandschaft sollen durch sogenannte Agrarumweltmaßnahmen beispielhaft verbessert werden. Das übergeordnete Ziel des Projektes PARTRIDGE ist, die Effizienz von Agrarumweltmaßnahmen zur Sicherung der Biologischen Vielfalt in den landwirtschaftlich geprägten Räumen zu verbessern.

AGRARUMWELTMASSNAHMEN

Unter Agrarumweltmaßnahmen versteht man freiwillige Natur- und Artenschutzleistungen von meistens Landwirten, die vom jeweiligen Bundesland mit einem finanziellen Ausgleich honoriert werden. Das Land Niedersachsen, in dem die Untersuchungsgebiete des deutschen Projektteils von PARTRIDGE liegen, bietet eine Vielzahl solcher Agrarumweltmaßnahmen an. Neben dem Rebhuhn sind die klassischen Feldvogelarten wie Feldlerche und Grauammer und der Feldhase stellvertretend für die gesamte Biodiversität Zielarten im Projekt.

Projektträger

Projektträger des auf vier Jahre angelegten Dach-Projektes ist der international renommierte „Game and Wildlife Conservation Trust“ aus England. Daneben beteiligen sich Institutionen aus Schottland, Belgien, den Niederlanden und eben Deutschland an dem Projekt. Der deutsche Projektpartner ist die Abteilung Naturschutzbiologie der Georg-August-Universität Göttingen, die von der Deutschen Wildtier Stiftung unterstützt wird. Weitere Unterstützer sind der Deutsche Jagdverband sowie die Manfred-Hermsen-Stiftung.

KONKRETE MASSNAHMEN ZUM SCHUTZ DER REBHÜHNER

SCHAFFUNG GEEIGNETER LEBENSRAUMSTRUKTUREN

Der Schlüssel, um das Aussterben des Rebhuhns zu verhindern, liegt in der Hand der Eigentümer und Bewirtschafter ihrer Lebensräume. Gemeinsam mit ihnen müssen die für das Rebhuhn so wichtigen kleinräumigen Lebensraumstrukturen in der intensiv genutzten Agrarlandschaft neu angelegt und gepflegt werden.

Kleinräumige Strukturen

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Felder bei uns im Durchschnitt nur wenige 1.000 Quadratmeter groß. Zwischen den vielfältigen Feldfrüchten wie Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Futterklee und anderem gab es viele Hecken, Wegränder oder unbewirtschaftete Altgrasstreifen, die einen idealen Lebensraum für das Rebhuhn und seine Küken darstellten. Durch die sogenannte Flurbereinigung wurden dann viele Hecken gerodet und kleine Ackerflächen wurden zur besseren Bewirtschaftung zu einem großen Acker zusammengefasst. Die bisher unbewirtschafteten Feldränder wurden in Kultur genommen. Auf diese Weise gibt es mittlerweile Regionen, in denen ein einziger Acker über 100 Hektar groß sein kann - das sind 1. Mio. Quadratmeter. Neben diesen riesigen Feldschlägen ist mittlerweile auch die Vielfalt der angebauten Feldfrüchte stark eingeschränkt: Neben Weizen wird häufig kaum mehr als Raps und Mais angebaut. In diesen monotonen Landschaften hat das Rebhuhn kaum eine Chance zu überleben.

Die wesentliche Aufgabe im EU-Interreg-Projekt PARTRIDGE besteht daher darin, die Landwirte bei der Neu-Anlage solcher Strukturen zu beraten und zu unterstützen. In den deutschen Demonstrationsgebieten soll dieses Ziel mit Hilfe der vom Bundesland Niedersachsen angebotenen Agrarumweltmaßnahmen zu Blühstreifen verwirklicht werden, die hier mindestens 7 % der landwirtschaftlichen Fläche einnehmen sollen. Blühstreifen werden von Landwirten im Frühjahr mit einer Mischung aus verschiedenen blühenden Wild- und Kulturpflanzen angesät. Diese streifenförmigen Landschaftselemente sind ein idealer Brutplatz für Rebhühner und bieten den Küken viel tierisches Eiweiß in Form von Insekten, Spinnen, Würmern und Larven. Damit das Risiko, gefressen zu werden, für die Rebhühner möglichst gering ist, sollten die Blühstreifen mindestens 20 m breit sein. Im Herbst und Winter sind die Dickichte der abgestorbenen Pflanzenstängel in der ansonsten ausgeräumten Feldflur mitunter die einzigen Verstecke der Rebhuhn-Familien vor Fuchs, Habicht und Co..

Im Rahmen des Projektes PARTRIDGE stehen auch Mittel für Lebensraum-verbessernde Maßnahmen zur Verfügung, die nicht über ein offizielles Agrarumweltprogramm des Bundeslandes gefördert werden können. Dazu zählt zum Beispiel die Pflege von Feldhecken.

BIOTOPVERBUND

Der in den Untersuchungsgebieten vorhandene Restbestand an Rebhühnern reicht aus, damit bei einer erfolgreichen Brut und Jungenaufzucht umliegende, bisher verwaiste Habitate wieder besiedelt werden können. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Biotopverbund. Denn eine erfolgversprechende Strategie zur Sicherung der Gesamtpopulation ist, bisher isolierte Restvorkommen wieder zu einer Gesamtpopulation zusammenzuschließen. Damit dies funktioniert, müssen die Lebensraum-verbessernden Maßnahmen wie Blühstreifen möglichst auf der Ebene ganzer Landschaften umgesetzt werden. Auf das Aussetzen von gezüchteten Rebhühnern, das nur in sehr seltenen Fällen Erfolg verspricht, wird verzichtet. Die Jagd auf die Feinde des Rebhuhns, wie etwa auf den Fuchs, ist in den Untersuchungsgebieten erwünscht und wird im Rahmen der üblichen Bejagung durchgeführt.

Monitoring - Überprüfung des Erfolges der Lebensraumverbesserung

In allen fünf internationalen Projektländern werden je zwei Demonstrationsgebiete meist durch Blühstreifen aufgewertet und zwei Vergleichsgebiete nicht aufgewertet. In diesen vier Gebieten finden Untersuchungen statt, die den Effekt der Lebensraum-verbessernden Maßnahmen auf die Zielarten dokumentieren. Die wichtigste Untersuchung ist dabei die Kartierung rufender Rebhühner im Frühjahr. In der Zeit der Familienauflösung und Paarbildung im Februar und Anfang März rufen die Rebhühner in der Morgen- und Abenddämmerung und bieten so Gelegenheit zu einer zahlenmäßigen Erfassung. Dafür verteilen sich ausreichend viele Personen in einer Landschaft und laufen in der Abenddämmerung vorher festgelegt Wegstrecken ab. Je 100 Hektar Fläche sollte etwa ein Kartierer unterwegs sein. Die Teilnehmer spielen bei der Begehung der Wegstrecken die Rufe der Rebhähne von Klangattrappen link zu unserem Rebhuhnruf ab und notieren Zeit und Ort des Abspielens sowie der antwortenden Rebhähne auf den Begehungskarten. Diese Karten werden nach den Begehungen zusammengefasst und ausgewertet und es ergibt sich ein guter Überblick über den Brutpaarbestand der Rebhühner im untersuchten Gebiet.

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