Das LIFE-Luchsprojekt im Pfälzerwald ist abgeschlossen

Ein Erfolg für den Artenschutz

Eurasische Luchs (Lynx lynx), sitzt im Gebüsch © imageBROKER.com / Farina Graßmann

Von 2015 bis 2020 hat die Deutsche Wildtier Stiftung das LIFE-Luchsprojekt unterstützt, bei dem 20 Luchse (Lynx lynx carpathicus) aus der Schweiz und der Slowakei wieder im Pfälzerwald beheimatet wurden. Die Pinselohren bekamen Sendehalsbänder, zudem fand ein genetisches Monitoring statt. Wer hat mit wem Nachwuchs bekommen? Der erste Wurf ließ nicht lange auf sich warten. Inzwischen besiedeln die heimlichen Waldbewohner große Teile des Pfälzerwaldes und Teile der Nordvogesen. Das Ziel, einen neuen Luchs-Populationskern im Pfälzerwald zu initiieren, wurde also erreicht.

Hamburg, 07. Oktober 2021

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Das LIFE-Projekt „Wiederansiedlung von Luchsen im Biosphärenreservat Pfälzerwald“ ist beendet. Zur Abschluss-Tagung am 11. September 2021 in Annweiler/Rheinland-Pfalz veröffentlichten die Projektpartner eine gemeinsame Dokumentation (zur Dokumentation zur Abschluss-Tagung „LIFE Luchs Pfälzerwald“ (rlp.de)). Die Deutsche Wildtier Stiftung hat die Auswilderung von Luchsen im Pfälzerwald zusammen mit anderen Natur- und Umweltorganisationen unterstützt. „Insgesamt ist die Wiederansiedlung der Pinselohren und die Gründung einer weiteren Kernpopulation gelungen“, sagt Malte Götz von der Deutschen Wildtier Stiftung, „alle Beteiligten und vom Thema Luchs betroffenen Personengruppen haben durch ihren engen Austausch miteinander dazu beigetragen.“

Das Wiederansiedlungsprojekt lief von 2015 bis 2020 im deutschen Teil des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen. Es wurde mithilfe des Förderprogramms LIFE der Europäischen Union von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) und ihrem Projektpartner Landesforsten Rheinland-Pfalz, SYCOPARC in Frankreich und WWF Deutschland durchgeführt. Die Projektkosten betrugen rund 2,75 Millionen Euro; etwa die Hälfte davon finanzierte das LIFE-Programm der EU. Neben vielen anderen Organisationen beteiligte sich auch die Deutsche Wildtier Stiftung an der Finanzierung.

In den fünfeinhalb Jahren wurden 20 Luchse, zwölf Weibchen und acht Männchen, aus Populationen in der Schweiz und der Slowakei für das LIFE-Projekt eingefangen und nach einer Quarantänezeit unter tierärztlicher Beobachtung im Pfälzerwald freigelassen. Zum Teil handelte es sich um Luchse, die in der Slowakei als Waisen möglichst fernab menschlicher Kontakte aufgezogen wurden. Alle Luchse wurden mit GPS/GSM-Telemetriesendern versehen, wobei die Halsbänder über eine mechanische Sollbruchstelle verfügten. Mithilfe der Sendehalsbänder konnten die Artenschützer den Bewegungsradius der Luchse über ein bis zwei Jahre lang verfolgen. „Auch ein genetisches Monitoring wurde durchgeführt, um rückverfolgen zu können, welche der ausgewilderten Luchse zusammen Nachwuchs bekommen hatten“, erklärt Götz.

Wie andere beteiligte Organisationen übernahm auch die Deutsche Wildtier Stiftung die Patenschaft für zwei Luchse. Während Luna, unsere erste Patenluchsin, aufgrund des vorzeitigen Ausstiegs ihres GPS-Sendehalsbandes bereits nach wenigen Monaten außerhalb des Monitorings blieb – ein letzter genetischer Nachweis von Luna im Projektgebiet gelang im April 2017–, konnte Juri, unser zweiter Patenluchs, mehrere Monate lang sein Terrain erkunden, durchgehend von den Forschern dokumentiert. „Der in der Schweiz gefangene Luchs fühlte sich in seinem neuen Lebensraum wohl“, so Götz. Im Frühjahr 2019 hatte der damals zweijährige Juri auf der Suche nach einem Streifgebiet zunächst einen zentralen Bereich des Pfälzerwaldes erkundet und sich dann im Mai weit in Richtung Süden orientiert. In den Sommermonaten hielt er sich auch eine Weile auf französischem Gebiet auf, bis er seinen Weg grenznah auf französischer Seite in Richtung Nordosten fortsetzte. Vom Spätsommer bis November hielt er sich dann wieder überwiegend im Landkreis Südwestpfalz zwischen Primasens im Süden und Kaiserslautern im Norden auf. Leider wurde Juri Anfang 2020 leblos aufgefunden. Eine kleine Verletzung an seiner Pfote hatte sich stark entzündet und am Ende zu einer tödlichen bakteriellen Infektion verschiedener Organe geführt.

Bis Ende August 2021 gab es vier dokumentierte Verluste von umgesiedelten Luchsen durch Unfälle, überwiegend im Straßenverkehr. In den Vogesen wurde 2021 ein Jungtier tot aufgefunden, das 2019 im Pfälzerwald geboren wurde; Todesursache unbekannt.

Aber es konnten auch große Erfolge verzeichnet werden: Das Männchen Arcos wanderte weit nach Süden in die Hochvogesen und legte dabei in einem Monat eine Strecke von etwa 350 Kilometern zurück. Das Männchen Cyril überquerte den Rhein. Wie effektiv und sinnvoll bei derartigen Wanderungen Schutzmaßnahmen an Straßen sind, zeigten bereits die Luchse im Pfälzerwald: Regelmäßig nutzen sie bei ihren Streifzügen die zu diesem Zweck errichteten Wildbrücken an der A6 und der B10 – ein voller Erfolg. Auch die schmalste Stelle der Vogesen, der Bereich der Zaberner Steige, an der eine Autobahn, eine TGV-Bahntrasse und der Rhein-Marne-Kanal den Wald durchkreuzen, wurde von fünf Luchsen erfolgreich gequert. Die Artenschützer konnten bereits im ersten Jahr nach Beginn der Umsiedlungen einen Wurf mit zwei Jungtieren verzeichnen. In den ersten vier Jahren wurden mindestens 16 Jungtiere im Pfälzerwald nachgewiesen. Ein Wurf erfolgte auf der französischen Seite des Biosphärenreservates.

Fazit

Die Luchse konnten ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellen. Dass der Straßenverkehr ein hohes Risiko darstellt, zeigte sich dennoch deutlich. Auch mögliche Konflikte mit Nutztierhaltern konnten in dem Projekt untersucht werden. „Bei der Rückkehr von Luchsen bleiben gelegentlich Risse von Nutztieren, etwa von Schafen und Ziegen, nicht aus“, so Götz. Innerhalb von fünf Jahren Projektlaufzeit wurden elf Schäden an Nutztieren festgestellt, manchmal waren Herden oder Gehege mehrfach kurz hintereinander betroffen. Die Tierhalter wurden für die Verluste zu 100 Prozent entschädigt, es wurden auch Präventionsmaßnahmen gezahlt, etwa Elektrozäune zum Schutz einer Herde.

Sylvia Idelberger von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz fasst in ihrem Vortrag zusammen: „Das Hauptziel, nämlich einen neuen Luchs-Populationskern im Pfälzerwald zu initiieren, wurde erreicht.“ Große Teile des Pfälzerwaldes wurden von Luchsen besiedelt, ebenso Teile der Nordvogesen. Auch im Norden und Westen des Pfälzerwaldes wurden erste Reviere etabliert. „Der neu gegründete Luchs-Kern ist zwar noch klein und fragil – aber wenn weitere Nachkommen geboren werden und ein Großteil davon weiblich ist, dann wird es in naher Zukunft immer mehr Luchse im Pfälzerwald geben.“

Wie erfolgreich eine Wiederansiedlung von Luchsen sein kann, zeigt das Luchsprojekt im Harz. Ausgehend von 24 Luchsen, die zwischen 2000 und 2006 im niedersächsischen Teil des Nationalparks Harz angesiedelt wurden, ist eine gesunde Population erwachsen. Regelmäßig werden heute Luchse im gesamten Harz, auch fernab des Schutzgebietes mit seinen Teilen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie im Thüringer Südharz, nachgewiesen. Diese Tiere aus dem Harz haben es bereits geschafft, weiter entfernte Waldgebiete wie das nordhessische und nordthüringische Bergland und den Solling wieder für sich zu beanspruchen – die Erfolgsgeschichte eines Artenschutzprojektes! Im Harz und in den angrenzenden Gebieten ist der Luchs, auch in den Köpfen der Menschen, inzwischen wieder ein fester Bestandteil unseres heimischen Wildtiervorkommens geworden.

Nun gilt es, die isoliert gelegenen Teilpopulationen von Luchsen in Europa durch weitere Artenschutzprojekte miteinander in Kontakt zu bringen – ein genetischer Austausch ist der Garant für ein langfristiges Überleben. Dem waldreichen Deutschland kommt hierbei eine Schlüsselfunktion zu. Der Verbund geeigneter Lebensräume und Querungshilfen, wie Wildbrücken und -tunnel an größeren Straßen und Bahntrassen, sind die wichtigsten Bausteine, die auch vielen anderen Tierarten zugutekommen. Anders als Wölfe besiedeln Luchse aufgrund deutlich geringerer Reproduktionsraten ihre Lebensräume nur sehr langsam wieder. Zudem sind Luchsweibchen keine Langstreckenwanderer. Daher sind weitere Wiederansiedlungen notwendig. Diese werden derzeit diskutiert, z. B. für den Thüringer Wald.

Luchs

Luchs

Der Luchs hat ein fantastisches Hörvermögen. Seine Haarpinsel an den Ohrenspitzen und sein auseprägter Backenbart unterstützen ihn dabei.

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Ein Luchs im Pfälzerwald

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