Alpensteinbock

König der Alpen

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Population in Deutschland:

ca. 800 Exemplare

Aktueller Bestand:

Zunahme

Die Bestände nehmen zu.

Stabil

Die Bestände sind stabil.

Abnahme

Die Bestände nehmen ab.

Unbekannt

Keine Angabe zur Bestandsentwicklung möglich.

Einleitung

Der Alpensteinbock (Capra ibex) ist eine Charakterart der alpinen Landschaft. Seine imposante Erscheinung und seine spektakulären Kletterkünste machen ihn zu einem der faszinierendsten Wildtiere in Deutschland. Durch intensive Bejagung war er im Alpenraum im 19. Jahrhundert fast ausgerottet, heute hat sich der Bestand mit über 52.000 Tieren in Europa erholt.

Fakten

Wissenschaftlicher Name

Capra ibex

Alpensteinbock: Alter

Bock: bis 17 Jahre, Geiß: bis 22 Jahre

Alpensteinbock: Gewicht

Bock: 75–95 kg, max. 130 kg, Geiß: 35–45 kg, max. 60 kg

Hörner

Die charakteristischen, nach hinten gebogenen Hörner des Alpensteinbocks können bis zu einem Meter lang werden. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Feinden und bei der Konkurrenz der Männchen um Paarungspartnerinnen.

Illustration: Laura Fuchs

Kletterkünstler

Alpensteinböcke sind wahre Kletterkünstler. Sie erklimmen selbst die steilsten Felswände der Alpen und bewegen sich mit sicherem Tritt an steinigen Hängen, auf schmalen Vorsprüngen oder in Felsspalten.

Nahrung

  • Gräser und Kräuter

  • Rinde

  • Triebe, Knospen und Blätter

Feinde

Luchs Wolf Braunbär Steinadler

max. Größe in cm

AlpensteinbockMerkmale

Alpensteinböcke sind mit ihrem dichten, braunen Fell hervorragend an die extremen Umweltbedingungen in der alpinen Landschaft angepasst. Mit einer Schulterhöhe von fast einem Meter und einem Gewicht von bis zu 130 Kilogramm sind die männlichen Tiere eine imposante Erscheinung. Und dann ist da noch das auffälligste Merkmal: ihre gewaltigen Hörner.

AlpensteinbockRobustes Fell

Der Alpensteinbock hat ein dichtes und robustes Fell mit weicher Unterwolle, das ihn vor Kälte, Regen, Schnee und Wind in den alpinen Höhenlagen schützt. Im Winter wird sein Fell nicht nur länger und dichter, sondern auch dunkler. So kann es zusätzlich Wärme absorbieren. Beide Geschlechter sind im Winter graubraun gefärbt. Im Sommer ist das Fell der männlichen Tiere dunkelbraun, das der Geißen rötlich bis goldbraun.

AlpensteinbockTrittsicher in jedem Gelände

Der Alpensteinbock ist bekannt für seine außergewöhnlichen Kletterfähigkeiten – die verdankt er seinem Körperbau. Seine kräftigen Hinterbeine sind etwas länger als die Vorderbeine. Dadurch ist er auch in schwierigem, steilem Gelände sicher unterwegs. Die zwei Zehen seiner breiten Hufe kann er unabhängig voneinander bewegen. Kanten aus Horn und weiche Ballen verhindern, dass er abrutscht. Dank dieser anatomischen Besonderheiten findet der Alpensteinbock auch dort Halt, wo andere Tiere nicht weiterkommen. So kann er Beutegreifer abschütteln und in der unwirtlichen Gebirgswelt überleben.

AlpensteinbockImposante Hörner

Die großen, gebogenen Hörner sind das wohl markanteste Merkmal der Art. Sie kommen zum Einsatz, wenn die Böcke um Weibchen oder Territorien kämpfen oder sich gegen Feinde verteidigen. Bei der Geburt hat ein Alpensteinbock noch keine Hörner, aber schon nach wenigen Wochen werden sie sichtbar und wachsen ein Leben lang weiter. Da sich das Wachstum mit den Jahreszeiten verändert, entstehen Jahresringe – daran lässt sich, ähnlich wie bei Bäumen, das Alter eines Tiers abschätzen. Die Hörner der Männchen haben an der Oberseite auffällige Knoten und können eine Länge von einem Meter erreichen. Auch die Geißen haben Hörner. Sie sind aber weniger imposant und werden höchstens 35 Zentimeter lang.

AlpensteinbockLebensweise

Alpensteinböcke sind stets in Gruppen unterwegs. Mit etwas Glück lassen sie sich gut beobachten. Ihre Fluchtdistanz ist im Gegensatz zu anderen Säugetieren recht gering – sie lassen Menschen nah herankommen, bevor sie das Weite suchen. Wanderer treffen entweder auf Herden erwachsener Männchen mit ausgeprägten Hörnern oder auf Gruppen von Weibchen und Jungtieren.

Verhalten

Foto: imageBROKER.com / W. Rolfes

Getrennte Herden

Männliche und weibliche Alpensteinböcke sind den größten Teil des Jahres getrennt unterwegs. Geißen und bis zu zwei Jahre alte Jungtiere schließen sich zu Herden von 10 bis 20 Tieren zusammen. Sie halten sich in höheren, felsigen Lagen auf, wo sie sich bei Gefahr schnell in Sicherheit bringen können. Auch Männchen sind häufig in größeren Gruppen unterwegs. Da sie wegen ihres größeren Gewichts deutlich mehr fressen müssen als Weibchen, beweiden sie gemeinsam tiefer gelegene Flächen, auf denen sie mehr Nahrung finden.

Fortpflanzung

Foto: Foto: imageBROKER.com / Patrick Frischknecht

Nachwuchs ab Mai

Während der Paarungszeit zwischen Dezember und Januar mischen sich die Gruppen aus männlichen Alpensteinböcken unter die Herden der Weibchen. Die älteren, ranghöheren Männchen versuchen, den paarungsbereiten Geißen zu imponieren. Das Rivalitätsverhalten zwischen den Männchen ist im Vergleich zu anderen Ziegenartigen aber gering ausgeprägt. Bis April bleiben die Gruppen gemischt. Etwa fünfeinhalb Monate nach der Paarung, also zwischen Mai und Juni, bringen die Weibchen ihre Jungen in geschützten Höhenlagen zur Welt.

Überwinterung

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Ab an den Südhang

Alpensteinböcke bewohnen das ganze Jahr über die Felsregionen oberhalb der Waldgrenze der Alpen. Sie sind in Höhenlagen bis zu 3.200 Metern zu finden, wobei sie im Winter etwas tiefer absteigen. Dann halten sie sich vor allem an den besonnten, nach Süden bis Südwesten ausgerichteten Hängen auf, wo die Schneedecke dünner ist. Sie scharren dort tagsüber nach Futter: Polsterpflanzen, Flechten und trockenes Gras. Als Wiederkäuer können sie aus dieser kargen Nahrung ausreichend Energie gewinnen.

AlpensteinbockBedrohungen

Vor rund 200 Jahren fast ausgerottet, hat der Alpensteinbock seinen Lebensraum durch Wiederansiedlungen und strenge Jagdverbote im letzten Jahrhundert fast vollständig zurückerobert. Der Erfolg für den Naturschutz hat eines der beeindruckendsten Wildtiere Mitteleuropas gerade noch rechtzeitig vor dem Aussterben bewahrt. Leider steht die Art heute vor neuen Herausforderungen.

Wie anpassungsfähig ist der Alpensteinbock?

Genetische Verarmung und Klimawandel

Biologen sehen in der extrem geringen genetischen Vielfalt der Art die größte Bedrohung für den Alpensteinbock. Alle heute lebenden Tiere stammen von nur etwa 100 Vorfahren ab, die Anfang des 19. Jahrhunderts vor der Ausrottung bewahrt wurden. Genetische Verarmung kann dazu führen, dass die Überlebens- und Fortpflanzungsraten sinken (Inzuchtdepression) und Krankheiten sich schnell ausbreiten. Vor allem angesichts des Klimawandels, der in den Alpen Gletscherschmelzen, eine Verschiebung der Vegetationsgrenzen sowie Temperatur- und Wetterextreme verursacht, ist die geringe genetische Vielfalt ein Grund zur Sorge. Die Art wird in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten großen klimatischen Veränderungen ausgesetzt sein, und ihre Lebensräume werden schrumpfen.

Fotoquelle: imageBROKER.com / Moritz Wolf

AlpensteinbockWas wir tun

Der Alpensteinbock ist in Deutschland glücklicherweise nicht mehr vom Aussterben bedroht. Das könnte sich durch Inzucht und Klimawandel langfristig ändern. Von unserem Schutzprojekt für die Gämse in den Bayerischen Alpen, in dem wir unter anderem die Folgen des Klimawandels für die alpine Tierwelt berücksichtigen, profitieren auch die Steinböcke. Außerdem rücken wir immer wieder Tierarten durch die Wahl zum „Tier des Jahres“ in den öffentlichen Fokus. Der Alpensteinbock war zuletzt 1997 Tier des Jahres.

Gut für die Gämse – gut für den Steinbock

Lebensraum schützen

Die Nutzung der alpinen Hochlagen für Naturtourismus und Wintersportaktivitäten schränkt den Lebensraum des Alpensteinbocks immer weiter ein. Dasselbe gilt für die Gämse. Im Rahmen unseres Schutzprojekts für die Gämse setzen wir uns seit Jahren dafür ein, dass Wildschongebiete nach dem Vorbild der europäischen Nachbarländer ausgewiesen werden, in denen nicht nur die Jagd, sondern auch der Wintersport und der Naturtourismus eingeschränkt sind. Die Einrichtung solcher Gebiete würde auch dem Alpensteinbock zugutekommen.

Projekte

Die Deutsche Wildtier Stiftung führt ein Projekt zum Vorkommen von Gämsen in den Bayerischen Alpen durch. Daraus können wir auch Rückschlüsse auf den Lebensraum des Alpensteinbocks ziehen. Mit dem Titel „Tier des Jahres“ haben wir auf den Alpensteinbock und seine Bedrohung aufmerksam gemacht.

Tier des Jahres

Tier des Jahres

Mit der Wahl zum Tier des Jahres setzt die Deutsche Wildtier Stiftung die langjährige Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild fort. Seit 1992 wird jedes Jahr ein Tier des Jahres gewählt, um es in den öffentlichen Fokus zu rücken.

Zum Projekt
Gämsen auf einer Felskuppe

Gämse – der Konflikt in Bayern

Bei uns in Deutschland finden Gämsen vor allem in Bayern einen geeigneten Lebensraum: felsige Regionen für den Sommer und Wälder für den Winter. Doch sie werden im südlichsten Bundesland gerade in öffentlichen Wäldern sehr intensiv gejagt.

Zum Projekt

AlpensteinbockHelfen

Bitte unterstützen Sie uns dabei, alpine Lebensräume für Wildtiere wie Alpensteinbock, Alpenschneehase oder Gämse zu bewahren!

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