Schwarzspecht

Ein Rotschopf hämmert und meißelt für die Artenvielfalt im Wald

steckbrief_schwarzspecht-fullscreenheader

Population in Deutschland:

über 30.000 Brutpaare

Bedrohungsstufe:

1

nicht bedroht

Die Bestände haben zugenommen oder sind stabil.

2

rückläufig, aber nicht bedroht

Die Bestände sind bemerkbar zurückgegangen oder es ist eine Verschlechterung abzusehen.

3

bedroht

Die Bestände sind erheblich zurückgegangen oder durch menschliche Einwirkungen bedroht.

4

vom Aussterben bedroht

Ein extrem großes Risiko des Aussterbens in der Zukunft.

Einleitung

Das Hämmern des Schwarzspechtes ist unverkennbar. Wo er zu hören ist, gibt es meistens alte Laubwälder. Dank des Schwarzspechtes ist die Artenvielfalt in diesen Wäldern besonders hoch: Viele andere Wildtiere sind als Nachmieter auf die geräumigen Höhlen unserer größten Spechtart angewiesen.

Fakten

Lateinischer Name

Dryocopus martius

Schwarzspecht: Alter

bis zu 14 Jahre, im Durchschnitt deutlich weniger

Schwarzspecht: Gewicht

ca. 300 gr

Idealer Baumläufer

Schwarzspechte sind ideale Baumläufer: Für einen besseren Halt am Baumstamm haben ihre Füße eine nach hinten gerichtete Zehe (Kletterfüße) und besonders lange Schwanzfedern, mit denen sie sich am Baumstamm abstützen (Stützschwanz).

Schwarzspecht beim Hämmern

Nahrung

  • Insekten

  • Wirbellose

Feinde

Habicht Sperber Baummarder Waschbär

Größe

SchwarzspechtMerkmale

Schwarzspechte sind größer als eine Amsel, aber etwas kleiner als eine Rabenkrähe. Ansonsten gilt bei ihnen Nomen est omen - bis auf eine winzige Ausnahme: Der Haarschopf des Schwarzspechts ist immer knallrot, beim Männchen als schmales Band, beim Weibchen als kleiner Fleck am Hinterkopf.

SchwarzspechtStoßdämpfer im Kopf

Schwarzspechte bauen mit ihrem Schnabel große Baumhöhlen, meißeln die Gänge von Baumlarven auf, und selbst in der Balz ist das Hämmern an Baumstämmen ein wichtiges Ritual. Damit Schwarzspechte bei alledem keine Kopfschmerzen bekommen, sind in ihren Kopf diverse Stoßdämpfer eingebaut: Alle Stöße werden gleichmäßig auf den Ober- und Unterschnabel verteilt und durch schwammiges Knochengewebe an der Schnabelbasis abgefedert. Auch die Augäpfel, das Zungenbein und die Halswirbel sind speziell für die Abfederung der schnellen Stöße von Kopf und Schnabel angelegt.

SchwarzspechtFlattern und Gleiten, Fallen und Fliehen

Der Flug des Schwarzspechtes erinnert an den des Eichelhähers: Kurze, flatternde Flügelschläge wechseln mit Gleitphasen ab. Abwärts fliegen Schwarzspechte häufig mit angelegten Flügeln. Der für Spechte typische wellenförmige Bogenflug kann besonders kurz vor der Landung beobachtet werden. Offene Bereiche ohne Baumvegetation werden von dem typischen Waldbewohner nur ungern überflogen. Für den Abflug von einem senkrecht stehenden Baumstamm drücken sich Schwarzspechte durch Strecken des Kopfes und des Oberkörpers vom Stamm ab. Auf der Flucht vor Greifvögeln lassen sich Schwarzspechte im Flug fallen und entweichen im Zickzack zwischen den Baumstämmen. Dabei sind sie mit bis zu 60 km/h doppelt so schnell als beim normalen Fortbewegungsflug.

SchwarzspechtTrommler und Schreier

Schwarzspechte lassen sich im Wald vor allem an ihren Lautäußerungen erkennen. Ihre charakteristischen Rufe, das Trommeln an Baumstämmen und selbst die Geräusche beim Flügelschlag sind unverkennbar. Am häufigsten zu hören ist das krrü… krrü… krrü während des Fluges und der schallende Standortruf ki-jäh. Beide Laute können bei günstiger Witterung noch über einen Kilometer entfernt gehört werden. Während der Balz dient die hohe und metallisch klingende Lautreihe kwihkwihkwihkwi der Revierabgrenzung. Zur innerartlichen Kommunikation zählt auch das Trommeln an bevorzugten Baumstämmen. Die Frequenz kann dabei bis zu 17 Schläge pro Sekunde betragen.

SchwarzspechtLebensweise

Schwarzspechte leben monogam - für eine Brutsaison. Außerhalb der Brutzeit leben sie eher in einer offenen Beziehung, in der sich der Aktionsraum der Revierinhaber großzügig überlappen kann. Ergiebige Nahrungsressourcen werden jetzt sogar freundschaftlich geteilt. Während der Balz und Brutzeit verschmelzen die Teilreviere von Männchen und Weibchen wieder zu einem Kernrevier, und die Freundschaft zu anderen Spechten wird gekündigt.

Ökologische Rolle

steckbrief_schwarzspecht_lebensweise_oekologische-rolle

Zimmermann der Artenvielfalt

Der Schwarzspecht spielt eine sehr wichtige Rolle für die Artenvielfalt im Ökosystem Wald. Durch den Bau von besonders großen Baumhöhlen stellt er Wohnraum für viele andere Tierarten zur Verfügung. Nachmieter von Schwarzspecht-Höhlen sind Hohltauben, Raufußkauz, Baummarder, Siebenschläfer oder sogar die Schellente. Viele dieser zum Teil gefährderten Arten brauchen den Schwarzspecht als Zimmermann des Waldes, denn eine Buntspechthöhle wäre ihnen zu klein.

Verhalten

steckbrief_schwarzspecht_lebensweise_verhalten

Mit Ritualen gegen Rivalen

Das Repertoire an Gesten und Rufen der Schwarzspechte ist sehr vielseitig. Dringt in der Brutzeit ein Rivale ins Spechtrevier, jagen sich die Kontrahenten gegenseitig in spiralförmigen Linien die Baumstämme hoch. Das Treiben wird von Streck- und Schwenkbewegungen des Kopfes begleitet, wobei Männchen ihrem Rivalen immer die rotbeschopfte Kopfplatte zuwenden. Reichen diese Drohungen nicht aus, kommt es nach dem ultimativen Kampschrei „Kjack“ zum Schnabelgefecht.

Lebensraum

steckbrief_schwarzspecht_lebensweise_zu-hause-im-altbau-aus-vollholz

Zu Hause im Altbau aus Vollholz

Bei der Wohnungswahl zählen für den Schwarzspecht drei Dinge: Lage, Lage, Lage. Denn Schwarzspechte brüten am liebsten in alten Rotbuchenwäldern, die ein geschlossenes Kronendach und gleichzeitig möglichst wenig Unterwuchs haben. Nur hier können sie vor ihren Feinden im Zickzack-flug zwischen den Baumstämmen entkommen. In geeigneten Wäldern häufen sich dann schnell die Höhlenbäume. Diese Höhlenzentren sind naturschutzfachlich besonders wertvoll.

SchwarzspechtBedrohungen

Durch den veränderten Waldbau finden Schwarzspechte bei uns heute bessere Lebensbedingungen als selten zuvor. Trotzdem: Auch moderne Wirtschaftsweisen bergen eine Gefahr für den Schwarzspecht.

Entscheidung bei der Wohnungssuche: Lage sticht Zustand

Intensivierung der Forstwirtschaft

Es ist ein Erfolg des Naturschutzes, dass es heute wieder mehr alte Laubbäume in unseren Wäldern gibt. Trotzdem birgt der moderne Waldbau mit großflächiger Naturverjüngung auch Risiken für den Schwarzspecht. Der Grund: Ein Schwarzspecht kann einem Angreifer, wie etwa einem Habicht, nur entkommen, wenn er bodennah in schnellem Zickzack-flug zwischen den Baumstämmen flieht. Wird er daran von jungen Bäumchen behindert, hat er keine Chance zu entkommen. Wenn ihm die Lage nicht mehr zusagt, verlässt er also solche Wälder, in denen es eigentlich geeignete Wohnungen gibt.

Versehentlicher Abriss trotz Bestandsschutz

Intensivierung der Forstwirtschaft

Höhlenbäume sind als Fortpflanzungs- und Ruhestätten nach dem Gesetz grundsätzlich geschützt. Da es aber sehr schwierig und aufwendig ist, die Höhleneingänge in mehreren Metern Höhe zu entdecken, werden diese Bäume leider manchmal übersehen und aus Versehen gefällt. Für den Schwarzspecht selbst ist dies viel weniger ein Problem als für seine vielen Nachnutzer, die teilweise in großer Wohnungsnot sind. Bekannte Höhlenbäume sollten daher markiert werden, um sie vor versehentlichem Fällen zu schützen.

SchwarzspechtWas wir tun

Die Deutsche Wildtier Stiftung führt seit dem Jahr 2005 immer wieder Projekte rund um den Zimmermann des Waldes durch. Der Startschuss war ein dreijähriges Projekt mit dem Naturpark Nossentiner/ Schwinzer Heide, in dem auf großer Fläche Höhlenbäume gesucht und markiert und eine breite Öffentlichkeitsarbeit rund um den Schwarzspecht betrieben wurde. Gleichzeitig wurden seither im Biosphärengebiet Schwäbische Alb Schwarzspecht-Höhlenbäume kartiert, mit GPS erfasst und dauerhaft markiert. Eine erneute Belegungskontrolle der Schwarzspecht-Höhlen in den Jahren 2016 und 2018 liefert einen Überblick über die Bestandssituation des Schwarzspechts und über eine Reihe weiterer Vogel- und Säugetierarten, die die Höhlen nutzen.

Häuslebau im Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Artenschutzprojekte

Seit dem Jahr 2005 hat die Deutsche Wildtier Stiftung gemeinsam mit dem Planungsbüro Naturkonzept aus Pfullingen Schwarzspechthöhlen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb kartiert, markiert und untersucht. Durch die Langzeitbeobachtung der Schwarzspechthöhlen ergab sich schließlich die Frage, ob die Anzahl der für größere Arten unbrauchbar gewordenen Bruthöhlen zwischenzeitlich durch Höhlenneubauten ausgeglichen werden konnten. Ob und in welchem Ausmaß neue Höhlenbäume die unbrauchbaren ersetzen, wird durch ein aktuelles Projekt ermittelt.

Höhlenbäume sind Lebensbäume – Werden Sie Pate!

Artenschutzprojekte

Leider werden Höhlenbäume immer wieder übersehen und unbeabsichtigt gefällt. Um sie bis an ihr natürliches Lebensende zu erhalten, hat die Deutsche Wildtier Stiftung in verschiedenen Waldgebieten Deutschlands Höhlenbäume des Schwarzspechtes suchen, dauerhaft markieren und mittels GPS erfassen lassen. Für diese Höhlenbäume vergibt die Deutsche Wildtier Stiftung Baumpatenschaften. Die Höhlenbäume werden dadurch dauerhaft als Lebensraum für den Schwarzspecht und seine „Nachmieter“ erhalten.

Projekte

Viele unserer Projekte haben zum Ziel, Lebensräume für eine Vielzahl von Arten durch Prozessschutz oder durch nachhaltige Bewirtschaftung zu bewahren und zu fördern.

Totholz bietet zahlreichen Tieren Lebensraum.

Wildtierland

Mit dem Kauf von Flächen können Lebensräume für Wildtiere und Wildpflanzen dauerhaft gesichert werden.

Zum Projekt
Gut Klepelshagen

Gut Klepelshagen – Wirtschaften mit der Natur

Auf Gut Klepelshagen zeigt die Deutsche Wildtier Stiftung, wie hervorragend ein Leben und Wirtschaften mit der Natur funktionieren kann.

Zum Projekt

SchwarzspechtHelfen

Unterstützen Sie unsere Bemühungen, Naturerbeflächen durch Flächentausch zusammenzulegen oder zu vergrößern.

Weiteres Material