Fledermaus – Gefährdeter Jäger der Nacht

Die Deutsche Wildtier Stiftung engagiert sich in ganz Deutschland für den Fledermausschutz

Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten Säugetieren, aber auch zu denjenigen in unserer Natur- und Kulturlandschaft, die am gefährdetsten sind. Von den 25 bekannten Fledermausarten in Deutschland stuft die Rote Liste des Bundesamts für Naturschutz nur fünf Arten als ungefährdet ein. Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten Säugetieren, aber auch zu denjenigen in unserer Natur- und Kulturlandschaft, die am gefährdetsten sind. Von den 25 bekannten Fledermausarten in Deutschland stuft die Rote Liste des Bundesamts für Naturschutz nur fünf Arten als ungefährdet ein.
Fledermäuse gehören zu den faszinierendsten Säugetieren, aber auch zu denjenigen in unserer Natur- und Kulturlandschaft, die am gefährdetsten sind. Von den 25 bekannten Fledermausarten in Deutschland stuft die Rote Liste des Bundesamts für Naturschutz nur fünf Arten als ungefährdet ein. Die Deutsche Wildtier Stiftung erforscht die Welt der nachtaktiven Räuber und entwickelt Konzepte für eine fledermausfreundliche Land- und Forstwirtschaft.

Bedrohte Fledermäuse

Fledermäuse leiden vor allem unter der Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft und der Sanierung von Gebäuden. In der Landwirtschaft führen der Einsatz von Pestiziden, der Verlust wichtiger Strukturelemente (z. B. von Hecken) durch die „Ausräumung“ der Landschaft sowie der anhaltende Trend zu Monokulturen auf Ackerflächen zum Verlust von Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten. Das damit einhergehende Insektensterben entzieht den Fledermäusen vielerorts die Nahrungsgrundlage. Die Sanierung von Gebäuden und der Verlust von dörflichen Strukturen sowie fehlende Habitatbäume und zu wenig Totholz in Wäldern erschweren es den Fledermäusen, geeignete Sommer- und Winterquartiere zu finden.

Was wir tun

Die Deutsche Wildtier Stiftung erforscht die Welt der Fledermäuse und leitet aus den gewonnen Erkenntnissen wissenschaftlich fundierte Konzepte zum Fledermausschutz ab. Dazu gehören konkrete Maßnahmen wie die Pflanzung von Hecken, das Herrichten ehemaliger Bunkeranlangen auf den Naturerbeflächen als Winterquartiere und die Auswahl von geeigneten Habitatbäumen im Nutzwald.

Ursachenanalyse

Welche Gründe für den Rückgang dieser Fledermausart verantwortlich sind, soll eine umfassende Ursachenanalyse aufzeigen. Im Rahmen einer Pilotstudie der Deutschen Wildtier Stiftung in Schleswig-Holstein testen Experten hierfür neuste Methoden der Fledermausforschung.

Wir beobachten aktuell den dramatischen Rückgang einer ehemals häufigen Fledermausart.

Dr. Markus Dietz, Institut für Tierökologie und Naturbildung

FLUGAKROBAT AM ABENDHIMMEL

Der Abendsegler ist im Vergleich zu anderen Fledermausarten eine in großen Höhen fliegende Art, die ihre Tagesquartiere überwiegend in Bäumen, seltener auch in Felsspalten aufsucht. Sogar an Hochhäusern findet der Große Abendsegler (Nyctalus Noctula) Verstecke wie Betonspalten oder Dachüberhänge. In ganz Deutschland verbreitet, liegt sein Verbreitungsschwerpunkt im Norddeutschen Tiefland, wo die Art in Waldgebieten Wochenstuben gründet. Dies sind Zusammenschlüsse von Weibchen vor der Geburt der Jungen. Ihr Nachwuchs wächst innerhalb dieser Kolonien über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen heran. Zur Paarung und Überwinterung verlässt ein Teil der Tiere seine Wochenstubengebiete und wandert ab Oktober nach Mittel- und Süddeutschland, nach Frankreich oder in die Schweiz. Gleichzeitig kommen Tiere aus Schweden oder dem Baltikum, um in Norddeutschland zu überwintern.

Der Abendsegler ernährt sich im offenen Luftraum von sogenanntem Luftplankton – schwärmenden Insekten, die sich in Höhen bis zu 1.000 Meter über dem Boden aufhalten.

PLÖTZLICH SELTEN

Fledermäuse werden überwiegend akustisch erfasst. Mithilfe von Detektoren können Experten ihre Ultraschallrufe hörbar machen. Jede Art hat individuelle Rufe, sodass man sie unterscheiden kann. Während der Große Abendsegler bis vor etwa zehn Jahren flächendeckend bei akustischen Erfassungen in Deutschland angetroffen werden konnte, nimmt die Nachweisdichte zunehmend ab. Kolonien in Schleswig-Holstein zeigen starke Schwankungen nach unten, was als Negativtrend der Population interpretiert werden kann. Die Reproduktionsraten in 2017 waren in den beobachteten Kolonien extrem gering.

Über die Ursachen für den negativen Populationstrend kann bislang nur spekuliert werden. Als mögliche Faktoren kommen die Verringerung des Nahrungsangebotes durch den Insektenschwund, die unmittelbaren Verluste durch Kollisionen an Windenergieanlagen sowie der Verlust von Quartieren in Wäldern und Gebäuden infrage.

PILOTSTUDIE AN PLÖNER SEEN

Um die Faktoren zu erkunden, die einen negativen Einfluss auf Populationen des Großen Abendseglers haben können, sind umfassende Ursachenanalysen notwendig. Bei einer hochmobilen Fledermausart geht dies nicht ohne eine ausgefeilte Beobachtungstechnik.
Deshalb werden Erfassungsmethoden zunächst in unserer Pilotstudie in Schleswig-Holstein getestet. Es ist geplant, diese Untersuchungen später auch in weiteren Regionen Deutschlands durchzuführen. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

Fragestellungen

• In welchen Teilen der Landschaft versuchen Abendsegler Nahrung zu erbeuten?

• Welche Beutetiere werden bevorzugt, und lassen sich über die Beutetiere Rückschlüsse auf die Abnahme ihrer Dichten (Insektenschwund) gewinnen?

• Wie ist das Flugverhalten von Großen Abendseglern im Bereich von Windenergieanlagen?

• Wie ist der Populationszustand ausgewählter Kolonien zu bewerten (Zahl reproduktiver Weibchen, Kolonieentwicklung, Reproduktionsrate)?

• Welche Aktivitätsdynamik kann in den Quartiergebieten in Wäldern und in gezielt überwachten Ganzjahresquartieren ermittelt werden?

KÜNSTLICHE HÖHLEN HELFEN FLEDERMAUSKUNDLERN

Ein seit über 20 Jahren bekanntes, sogenanntes Kastenrevier bei Plön (Schleswig-Holstein) dient den Fledermauskundlern Dr. Markus Dietz, Karl Kugelschafter und Matthias Göttsche als Testgebiet. Hier werden spezielle Fledermauskästen von Abendseglern als Tagesquartiere genutzt. Einige der Individuen, die hier auch ihre Jungen zur Welt bringen und heranziehen, sind bereits individuell markiert und seit mehreren Jahren bekannt. Mithilfe akustischer Dauer-Erfassungen, die die Ultraschallrufe der Fledermäuse registrieren, wird die Aktivität an den künstlichen Höhlen erfasst.

In den Kastenrevieren an den Plöner Seen sollen zudem Kot-Analysen Auskunft über die Zusammensetzung der Beutetiere geben und Lichtschranken-Systeme die Aktivitätsdynamik an Kunsthöhlen erfassen. Darunter auch Kästen, die einigen Großen Abendseglern als Winterquartier dienen. Mithilfe der Kästen können durch Kontrollen im Spätsommer auch Reproduktionsraten ermittelt werden.

ÖKOLOGISCHE ANSPRÜCHE UND BEEINTRÄCHTIGUNGEN ERFASSEN

Die Radio-Telemetrie, bei der man Signale mit einer Antenne verfolgen muss, ist eine bereits häufig angewandte Methode auch in der Fledermausforschung. Mit ihrer Hilfe können Tagesquartiere und begrenzt auch Flugwege erhoben werden. In dieser Studie kommt die moderne GPS-Telemetrie zum Einsatz. Sie liefert regelmäßiger und zuverlässiger Daten zu den Aufenthaltsorten. Mittlerweile wiegen die Mini-GPS-Empfänger nur noch ein bis zwei Gramm. Trägt die Fledermaus einen dieser Logger für einige Tage, werden dabei eigenständig Lokalisationen und Daten zur Aktivität in vorprogrammierten Zeitabständen gespeichert. Die gewonnenen Informationen liefern wichtige Erkenntnisse über das Flugverhalten in der Landschaft und zu Ruhephasen ebenso wie zu bedeutenden Lebensraumstrukturen und zu Flughöhen. Nach wenigen Tagen löst sich der Logger wieder vom Fell – mit etwas Glück während der Tagesruhe innerhalb des Kastens, sodass der Sender aufgefunden und ausgelesen werden kann.
Im Rahmen der Pilotstudie an den Plöner Seen wurden im Sommer 2018 zunächst zehn weibliche Abendsegler mit einem GPS-Sender ausgestattet. Fünf der Datenspeicher konnten nach einigen Tagen in den Kästen wiedergefunden werden, ihre Auswertung dauert an. Erste Einblicke in die vielen GPS-Daten weisen darauf hin, dass sich die Tiere uneingeschränkt in ihrem Lebensraum fortbewegt und große Flugstrecken von mehreren Kilometern Länge zurückgelegt haben. Die abschließende Analyse der Daten ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen.

Film- und Tonaufnahmen der Fledermauskundler an den künstlichen Höhlen ermöglichen faszinierende Einblicke in das versteckte Leben der Großen Abendsegler.

Ansprechperson

Flächenmanagement und Fledermäuse

Dr. Sebastian Brackhane

Dr. Sebastian Brackhane

Fledermaus im Flug

Fledermäuse

Fledermäuse (Microchiroptera) gehören zu einer sehr alten Säugetiergruppe, die seit Millionen von Jahren auf der Erde lebt.

Zum Steckbrief
Foto: Michael Tetzlaff

Flächenkarte

Mit dem Kauf von Flächen können Lebensräume für Wildtiere und Wildpflanzen dauerhaft gesichert werden.

Zum Projekt
Nationales Naturerbe NNE - Foto: B. Lasdin

Spenden

Alle Spendengelder werden in voller Höhe ohne Abzug von Kosten für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit für Natur- und Artenschutzprojekte verwendet.

Jetzt Spenden