Wildkatzen - auf der Spur

Ein Forschungsprojekt zur Auswirkung von Störeinflüssen in den Lebensräumen der Europäischen Wildkatze

Wildkatze im Unterholz

Bewaldete Mittelgebirge sind in Deutschland die wichtigsten verbliebenen Lebensräume der Europäischen Wildkatze. Insbesondere in naturnahen Wäldern mit hohem Laubholzanteil findet die Wildkatze ein optimales Nahrungs- und Versteckangebot vor. Wissenschaftler ermitteln hier entsprechend hohe Dichten. Als sogenannte Quellpopulationen bilden diese Kernlebensräume die wichtigste Grundlage für den Erhalt und die Wiederausbreitung der Wildkatze – dem übergeordneten Ziel europaweiter Schutzbemühungen.

IN DEUTSCHLAND ERHOLT SICH DER BESTAND AN WILDKATZEN LANGSAM

Vor nicht allzu langer Zeit lebten Wildkatzen fast überall in Europa. Aus vielen ihrer früheren Verbreitungsgebiete sind sie heute verschwunden.

Die Wildkatze ist auf einen geringen Teil ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes zurückgedrängt. Dennoch gehörte sie in Deutschland in den vergangenen Jahren zu den Gewinnern unter den heimischen Wildtieren. Denn heute leben wieder einige Tausend Wildkatzen auch in der Peripherie der verbliebenen Kernlebensräume sowie in weiteren Mittelgebirgsregionen. Dieser positive Trend muss durch eine Minimierung von Beeinträchtigungen weiterhin unterstützt werden, so dass ehemalige Lebensräume dauerhaft wiederbesiedelt werden können. Zu beachten ist eine hohe Jungensterblichkeit. Nur mit Glück erreicht einer von vier geborenen Welpen das Erwachsenenalter. Aufgrund dieser geringen Reproduktionsrate ist die Wildkatze weiterhin auf Artenschutzmaßnahmen angewiesen.

STUDIE ZUR AUSWIRKUNG VON STÖREINFLÜSSEN IN DEN LEBENSRÄUMEN DER EUROPÄISCHEN WILDKATZE

Um sinnvolle Schutzmaßnahmen entwickeln zu können, wollen wir herausfinden, welche Folgen Störeinflüsse auf Wildkatzen haben können.

Die Waldlebensräume der Wildkatze sind sowohl Erholungsort für viele Menschen als auch in forstwirtschaftlicher Nutzung. Durch weitere wirtschaftliche Maßnahmen in sensiblen Waldlebensräumen, wie die Errichtung und der Betrieb von Windenergieanlagen, kommen neue Einflüsse hinzu. Welche Folgen diese möglichen Störungen für die jeweilige Wildkatzenpopulation haben, ist völlig unbekannt und soll in einem Forschungsprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung untersucht werden.

Die umfangreiche Studie wird gemeinsam mit führenden Wildkatzenexperten Deutschlands umgesetzt. Partner sind ÖKO-LOG Freilandforschung (Dr. M. Hermann), das Institut für Tierökologie und Naturbildung (O. Simon), das Büro Dokumentation-Forschung-Gutachten (M. Trinzen) und die Bygul Wildtier-Akademie (G. Neumann) als Koordinatorsstelle.

Mit unserem Engagement für angewandte Forschung im Themenfeld „Auswirkungen möglicher Störeinflüsse in Lebensräumen der Wildkatze“ setzt sich die Deutsche Wildtier Stiftung insbesondere für eine naturverträgliche Nutzung sensibler Waldstandorte ein.

Hilmar Freiherr von Münchhausen
Wildkatze mit einem Jungtier

AUFBAU DER STUDIE

Drei Untersuchungsregionen - einheitliche Methoden

Um eine wissenschaftlich notwendige Menge entsprechender Forschungsdaten zu gewinnen, sollen Studien in insgesamt drei vergleichbaren Untersuchungsgebieten erfolgen. Sämtliche Gebiete werden sich im Bundesland Rheinland-Pfalz befinden, wo die Wildkatze am weitesten verbreitet ist. Die überwiegend bewaldeten Studienflächen weisen jeweils zur Hälfte einen stark mit Störquellen belasteten Bereich und einen weitestgehend unbelasteten Bereich auf.
Im ersten Schritt sollen in den drei Untersuchungsregionen mögliche Störreize, die Wildkatzen beeinträchtigen könnten, erfasst werden. Eine telemetrische Beobachtung von Wildkatzen in den Gebieten soll Aufschluss über ihre Raumnutzung in Zusammenhang mit bestimmten Störeinflüssen liefern. Erstmals erfolgt eine Erhebung des Stresshormon-Levels von Wildkatzenpopulationen in unterschiedlich stark von Störeinflüssen belasteten Gebieten. Dauerhafte Stressbelastungen können zu physiologischen Beeinträchtigungen, wie niedrigere Reproduktionsleistungen, führen. Um weitere Daten zur Populationsstruktur und zu speziellen Gefährdung zu gewinnen, sollen aufgefundene Totfunde gesichert und wissenschaftlich untersucht werden.

ERFASSUNG MÖGLICHER STÖRREIZE

Die Erhebung menschlicher Einflüsse in den Untersuchungsgebieten beschränkt sich auf solche, die räumlich eindeutig zugeordnet werden können. Dies sind die Quellen von Lärm, Licht und allgemeiner Beunruhigung sowie unmittelbare Verluste und Zerstörungen typischer Lebensraumstrukturen der Wildkatze. Sie werden im Geoinformationssystem (GIS) erfasst, um sie mit Raumnutzungs-Daten sendermarkierter Wildkatzen zu analysieren.

TELEMETRIE

Zur Ermittlung der Raumnutzung von Wildkatzen in den unterschiedlich stark belasteten Bereichen der Untersuchungsgebiete wird angestrebt, je Gebiet bis zu zwölf Katzen telemetrisch zu beobachten. Dabei werden GPS-Halsbandsender verwendet, die regelmäßig Aufenthaltsorte der überwiegend nachtaktiven Art erheben.
Die große Menge Telemetriedaten unterschiedlicher Wildkatzen wird dann für umfangreiche Analysen im GIS verwendet. Mögliche Auswirkungen menschlicher Einflüsse auf die Funktion von Ruhe-, Nahrungs- und Reproduktionshabitaten der Wildkatze sollen so bewertet werden können.
Es sollen möglichst ebenso viele weibliche wie männliche Wildkatzen mit Sendern ausgestattet werden. Gefangen werden die Wildkatzen schonend in geschlossenen Holzkastenfallen. Diese sind mit einem Fallenmelder ausgerüstet, der eine zügige Behandlung und Wiederfreilassung ermöglicht.

ERFASSUNG DES STRESSHORMON LEVELS

Erstmals in der Geschichte der Wildkatzenforschung erfolgt eine Grunderfassung des Stresshormon-Levels der Art. Hierfür werden Populationen vergleichend untersucht, die unterschiedlich starken bzw. keinen menschlichen Einflüssen in ihrem Lebensraum ausgesetzt sind. Für die Stresshormon-Analyse, die in Kooperation mit dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW, Berlin) erfolgt, werden Haarproben benötigt, wobei nur wenige Einzelhaare ausreichen.

BALDRIAN ALS LOCKMITTEL

Gewonnen werden die Proben mit Hilfe der sogenannten Lockstock-Methode: Wildkatzen reiben sich gern an einem mit Baldrian besprühten Kantholz und verlieren dabei einige Haare. Diese schonend gewonnen Gewebeproben eignen sich für genetische Analysen aber eben auch für die Erfassung des Stresshormon-Levels. Auch die im Rahmen von Telemetriestudie und Totfundmonitoring (s. u.) gewonnenen Proben, fließen in die Stresshormonanalyse ein. Ziel ist es, ausreichend Proben aus den belasteten und weitestgehend unbelasteten Gebieten der Untersuchungsgebiete mit denen einer gänzlich von Störeinflüssen verschonten Population (z.B. der Karpaten) grundlegend zu vergleichen.

Für die im Rahmen der Telemetriestudie sendermarkierten Wildkatzen wird die Entwicklung des Stresshormon-Levels in aufeinanderfolgenden Jahren erfasst. Gegebenenfalls ergeben sich hierbei Zusammenhänge zwischen der Höhe des Stresshormon-Levels und erhobenen Störreizen.

Totfunde – Lieferanten wichtiger Daten

TOTFUNDMONITORING

Innerhalb der zu untersuchenden Regionen und darüber hinaus sollen sämtliche registrierten Totfunde (zu erwarten sind überwiegend Straßenverkehrsopfer) gesichert werden, um sie einer Übersichtssektion nach wissenschaftlichen Standards zuzuführen. Sie liefern wichtige Erkenntnisse zur Verbreitung der Art, zur Nahrung und zum Zustand der Population. Darüber hinaus weisen eine genaue Dokumentation der Fundorte und die Ergebnisse wissenschaftlicher Analysen von Totfunden auf Gefährdungen, auch bestimmter Altersgruppen hin. Für die Sicherung von Wildkatzen-Totfunden wird ein effektives Melde-, Lager- und Transfersystem in den drei Untersuchungsgebieten organisiert. Die Sektionen erfolgen am Arbeitskreis Wildbiologie der Universität Gießen.

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Wildkatze

Waldreiche Mittelgebirge sind die letzten Rückzugsräume der Wildkatze in Deutschland. Von hier aus erobert sie sich heute fast unbemerkt ehemalige Lebensräume zurück.

Zum Steckbrief
Ein Luchs im Pfälzerwald

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Zum Projekt
Wildkatze mit angelegten Ohren

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