Biber

Deutschlands größtes Nagetier

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Population in Deutschland:

mindestens 40.000 Tiere

Bedrohungsstufe:

1

nicht bedroht

Die Bestände haben zugenommen oder sind stabil.

2

rückläufig, aber nicht bedroht

Die Bestände sind bemerkbar zurückgegangen oder es ist eine Verschlechterung abzusehen.

3

bedroht

Die Bestände sind erheblich zurückgegangen oder durch menschliche Einwirkungen bedroht.

4

vom Aussterben bedroht

Ein extrem großes Risiko des Aussterbens in der Zukunft.

Einleitung

Der Eurasische Biber (Castor fiber) war ursprünglich in Europa weit verbreitet, wurde jedoch bis ins 19. Jahrhundert hinein vom Menschen verfolgt und verschwand in weiten Teilen Europas und fast ganz Deutschland. Durch konsequente Schutzmaßnahmen und Auswilderungen im 20. Jahrhundert haben sich die Bestände des Bibers in den letzten Jahrzehnten wieder deutlich erholt. Er lebt in langsam fließenden und stehenden Gewässern mit Gehölzen nahe dem Ufer. Wie kein anderes Tier gestaltet der Biber die Landschaft nach seinen Ansprüchen: Er fällt Bäume, baut Burgen und Dämme und staut Bäche auf. Dadurch schafft er nicht nur sich, sondern auch vielen Pflanzen und Tieren einen geeigneten Lebensraum.

Fakten

lateinischer Name

Castor fiber

Biber: Alter

bis zu 20 Jahre

Biber: Gewicht

20 bis 30 kg  

Die Biber-Kelle

Die Biber-Kelle ist der breit abgeflachte, beschuppte Schwanz und ein wahres Multifunktionsorgan: Sie dient als Steuer und Ruder beim Schwimmen, als Kommunikationsmittel bei Gefahr, indem mit ihr auf die Wasseroberfläche geklatscht wird, als Fettspeicher im Winter, als Stütze beim Sitzen und zur Abkühlung an heißen Tagen, indem sie ins kalte Wasser gehalten wird.

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Wo gehobelt wird, fallen Späne

Biber fällen Bäume. Dabei sitzen sie auf den Hinterbeinen und benagen Bäume etwa einen halben Meter über dem Boden, quer zum Stamm. Mit den oberen Schneidezähnen haken sie in die Rinde und mit den unteren wird geraspelt. So entstehen zwei parallele, knapp 10 mm breite Rillen, rund um den ganzen Stamm – die typische „Sanduhr-Form“.

Nahrung

  • Triebe, Knospen und Blätter

  • Gräser und Kräuter

  • Rinde

  • Feldfrüchte

Feinde

Seeadler Uhu Raubfische (Hecht, Wels) Fuchs

Größe

BiberMerkmale

Das größte Nagetier Deutschlands ist mit seinem Körper perfekt an den Lebensraum Wasser angepasst, obwohl es nur ein paar Stunden täglich dort verbringt.
Seine Gestalt ist stromlinienförmig, um den Energieverbrauch im Wasser zu reduzieren. Der kompakte Körperbau besitzt ein sehr gutes Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen, wodurch weniger Wärme verloren geht. An Land wirkt der Biber oft plump und unbeholfen. Aber seine schnellen Sprints und Kletterkünste sind nicht zu unterschätzen, das Erklimmen von Steilufern bereitet ihm keine Probleme.

BiberDichter Pelz

Das Fell des Bibers ist eines der dichtesten im Tierreich und in der Regel hell- bis dunkelbraun gefärbt. Es besteht aus zwei Haartypen: den oberen langen Grannenhaaren und der dichten Unterwolle. Dazwischen bildet sich eine isolierende Luftschicht, die als Wärmeschutz und Auftrieb beim Schwimmen dient. Ein Biber besitzt bis zu 23.000 Haare pro Quadratzentimeter.
Das Fell braucht eine ausgiebige Pflege, damit es vor Nässe und Kälte schützen kann. Daher wird es regelmäßig mit einer speziellen Putzkralle (Doppelkralle) an der zweiten Zehe der Hinterfüße gekämmt und mit einem öligen Analsekret eingefettet, um es wasserabweisend zu machen.

BiberNagezähne

Der Biber besitzt je zwei Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer, die bis zu dreieinhalb Zentimeter lang sind und nie aufhören zu wachsen. Der Zahnschmelz auf der Zahnvorderseite ist eisenoxidhaltig, daher orange und sehr hart – im Gegensatz zum Zahnschmelz auf der Zahninnenseite. Indem die harte vordere Zahnseite der unteren Zähne den weicheren inneren Zahnschmelz der oberen Zähne beim Nagen abschleift, werden die Zähne ständig geschärft. Eine kräftige Kiefermuskulatur ermöglicht die nötige Beißkraft für das Fällen von Bäumen. Da Biber zwischen Schneide- und Backenzähnen eine Lücke besitzen, können sie ihre Lippen zurückziehen und damit den Mundraum vollständig schließen. So kann beim Tauchen kein Wasser in den Mund gelangen und die Tiere können unter Wasser fressen.

BiberSinnesorgane

Augen, Nase und die kleinen Ohren liegen hoch am Kopf auf einer Linie. Beim Schwimmen kann der Biber somit fast vollständig abtauchen und nur den oberen Teil des Kopfes über Wasser halten. Dadurch kann er Gefahren rechtzeitig wahrnehmen, ohne selbst entdeckt zu werden. Biber können bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben, Nase und Ohren sind dabei verschlossen und die Augen werden durch ein zusätzliches Augenlid geschützt. Während der Hör- und Geruchssinn sehr gut ausgebildet sind, können Biber nur sehr schwach Grauschattierungen im Nahbereich sehen. Mit Hilfe von Tasthaaren an der Schnauze können sich die Tiere im trüben Wasser und beim Eintauchen in die Biberburg orientieren.

BiberLebensweise

Der dämmerungs- und nachtaktive Biber gestaltet seine Umwelt so umfangreich wie kaum eine andere Tierart. Damit schafft er eine Vielfalt an Lebensräumen und Strukturen und trägt wesentlich zur Dynamik von Gewässerlandschaften bei. Die vom Biber gestalteten Flüsse bieten den besten Hochwasserschutz. Als ausgesprochenes Familientier lebt er in Biberbauen, die auf verschiedene Weise errichtet werden können und immer einen sogenannten Wohnkessel und einen Eingang unter Wasser haben.

Lebensraum

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Landschaftsgestalter

Biber fällen Bäume, um an Nahrung zu gelangen und Dämme und Burgen zu bauen. Als Vegetarier fressen sie die schmackhaften jungen Zweige und Knospen hoch oben aus den Baumkronen sowie im Winter die Rinde. Sie bevorzugen Weichhölzer wie Weiden und Pappeln. Diese schnellwachsenden Pionierarten treiben nach kurzer Zeit wieder aus und auf den freien Flächen können sich durch den Kahlschlag licht- und wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Aus den größeren Ästen bauen sich die Biber ihre Burg. Zum Schutz vor Feinden liegt der Eingang immer unter Wasser. Wenn der Wasserstand nicht ausreicht oder zu stark schwankt, baut der Biber Dämme, um den Pegel zu erhöhen und konstant zu halten. Dadurch vergrößert sich die Wasseroberfläche und die Fließgeschwindigkeit verringert sich. Mit diesen sogenannten Biberteichen schaffen die Tiere wichtige Lebensräume für viele Pflanzen, Fische, Amphibien, Insekten und Vögel. Nebenbei werden die Ufer befestigt, Überschwemmungen abgemildert und der Versandung von Flüssen wird vorgebeugt. Bäume und Stämme, die der Biber liegen lässt, schaffen wichtige Totholz-Lebensräume.

Fortpflanzung

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Gesellige Familienbande

Biber leben in Familienverbänden, die in der Regel aus den Elterntieren und den letzten zwei Jungtiergenerationen bestehen. Zwischen April und Juni bringt das Weibchen ein bis vier Junge zur Welt. Die ältesten geschlechtsreifen Biber müssen nun das elterliche Revier verlassen. Die Jungen bleiben im ersten Monat im sicheren Wohnkessel der Biberburg, dem zentralen Mittelpunkt der Familie. Der Nachwuchs wird von den Eltern und den älteren Geschwistern aufgezogen. Die Familie legt meist mehrere verschiedene Wohnbaue an: vom einfachen Erdbau bis zur vollständig von Wasser umgebenen Biberburg. Die Wohnkessel sind etwa 30 bis 40 Zentimeter tief und haben einen Durchmesser von rund einem Meter. Alte Baue können eine Breite von über zehn Metern erreichen und besitzen mehrere Eingänge und Kessel. Zusätzlich gräbt der Biber im Revier verteilt unterschiedliche Röhren. Sie dienen als Fluchtwege, verbinden zwei nebeneinander liegende Gewässer oder bieten einen versteckten Ausstieg. Das Revier wird von allen Familienmitgliedern mit Bibergeil, einem öligen Sekret aus Drüsen am Hinterkörper, markiert und verteidigt.

Verhalten

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Im Biberrevier

Biber leben bevorzugt in langsam fließenden und stehenden Gewässern mit weichen Gehölzarten in Ufernähe. Ihre Ausbreitung zeigt jedoch, dass sie in ihrer Lebensraumwahl sehr flexibel sind, da sie die Landschaft einfach nach ihren Ansprüchen umgestalten können. Es sind nur wenige Ansprüche, die der Biber an ein Gewässer stellt: Es muss ausreichend tief sein, damit der Biber darin schwimmen und tauchen kann und damit das Wasser im Winter nicht bis auf den Grund zufriert. Das Ufer muss zum Graben geeignet sein, damit Baue und Röhren angelegt werden können. Die wichtigste Voraussetzung sind jedoch Bäume als Nahrungsquelle.
Die Reviergröße ist abhängig von der Menge an Gehölzen und erstreckt sich in der Regel über eine Länge von 1 bis 5 Kilometern am Ufer entlang. Da Biber auf das Wasser angewiesen sind, nutzen sie die Uferstreifen nur bis zu 50 Meter ins Landinnere hinen. Die Nähe von Menschen macht dem Biber nichts aus, für die dauerhafte Besiedelung ist es nur wichtig, dass die Menge an gefällten Bäumen im Jahr wieder nachwachsen kann.
Foto: Gerhard Schenk, Naturkundliches Bildungszentrum Ulm

BiberBedrohungen

Früher wurde der Biber aufgrund seines Pelzes und zur Fleischgewinnung von Menschen gejagt und wegen seiner Flussbautätigkeit verfolgt. Mittlerweile gilt er in Europa als nicht gefährdet. In Deutschland steht der Biber noch auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Arten (Stand 2020).

Hohe Jungtiersterblichkeit

Jungtiersterblichkeit und Prädatoren

Etwa 60-75 % der Jungtiere überleben die ersten zwei bis drei Lebensjahre nicht. Die meisten Jungen ertrinken. Gerade im Frühjahr, wenn durch Starkregen oder Schneeschmelze Hochwasser und starke Strömungen herrschen, sind die Jungen meist noch zu schwach, um den Bau tauchend verlassen zu können und werden dabei weggespült. Auch natürliche Feinde wie Greifvögel, Raubfische oder Füchse sind für die jungen Biber gefährlich.

Biber im Wasser

Konflikt mit menschlicher Landnutzung

Schäden in der Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung reicht oft bis an die Gewässerufer, wodurch ursprüngliche Auenlandschaften fehlen und damit die typischen schnell wachsenden Auengehölze wie Weiden und Pappeln – die bevorzugte Nahrung des Bibers. Da der Biber in der Lage ist, sich in einem gewissen Rahmen anzupassen und den für ihn ungenügenden Lebensraum nach seinen Bedürfnissen umzugestalten, kollidieren seine Nutzungsansprüche mit denen des Menschen. Das führt zu Konflikten: Wenn seine bevorzugte Nahrung fehlt, vergreift der Biber sich auch mal an Obstbäumen und an Feldfrüchten wie Zuckerrüben oder Mais. Sein unterirdisches Tunnelsystem kann eine Gefahr für Landmaschinen sein, wenn durch deren Gewicht die Röhren einbrechen. Das durch die Dämme aufgestaute Wasser kann die Felder stark vernässen oder überfluten, was zu Ernteeinbußen führen kann. Daher ist ein Management ist in Biber-Siedlungsgebieten unumgänglich, zum Beispiel durch Präventivmaßnahmen sowie Beratung und finanzielle Entschädigung der betroffenen Landwirte.

Kanal

Tod auf der Straße

Menschliche Infrastruktur

Die Zerschneidung der Reviere und hohe Siedlungsdichten zwingen die Tiere immer häufiger, Straßen zu überqueren – gerade zu Zeiten der Reviersuche bei Jungbibern. Der Straßenverkehr ist für 40-50 % der Todesfälle verantwortlich.

BiberWas wir tun

Wir schaffen Lebensraum für Biber auf den stiftungseigenen Naturerbeflächen, aber auch in unseren wildtierfreundlich bewirtschafteten Gebieten. Wir geben dem Biber Raum und erfreuen uns an seiner Gestaltungskraft, die er nahezu ungehindert einsetzen kann.

Lebensraum auf Nationalen Naturerbeflächen

Artenschutzprojekte

In den fließenden und stehenden Gewässern auf den Flächen der Deutschen Wildtier Stiftung wird das Vorkommen von Bibern gefördert. Die Stiftung treibt die Renaturierung von Bachläufen und Feuchtgebieten voran und pflanzt Weichhölzer, die dem Biber zu Gute kommen.

Projekte

Wir bieten Biber Schutz auf unseren Flächen, die naturnah und im Einklang mit den Bedürfnissen unserer heimischen Wildtiere bewirtschaftet werden.

Totholz bietet zahlreichen Tieren Lebensraum.

Wildtierland

Mit dem Kauf von Flächen können Lebensräume für Wildtiere und Wildpflanzen dauerhaft gesichert werden.

Zum Projekt

Blogbeiträge

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Biber in Klepelshagen

Hier berichtet Michael Tetzlaff, Naturschützer und Landschaftspfleger, regelmäßig von den Wildtieren auf den Flächen des Gutes und in der Umg…

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BiberHelfen

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