Waldiltis
Wendige Spürnase
Bestand in Deutschland:
Bestandstrend:
Zunahme
Die Bestände nehmen zu.
Stabil
Die Bestände sind stabil.
Abnahme
Die Bestände nehmen ab.
Unbekannt
Keine Angabe zum Bestandstrend möglich.
Helfen:
Der Marder mit der Maske
Der Waldiltis (Mustela putorius) gehört zur Familie der Marder (Mustelidae) und ist hierzulande der größte Vertreter der Gattung Mustela, die Wiesel, Nerze und Iltisse umfasst. Er ist fast in ganz Europa verbreitet und wird auch Europäischer Iltis oder einfach Iltis genannt. Besonders auffällig ist seine weiße Gesichtsmaske. Der Iltis ist ein gewandter Jäger und hat einen feinen Geruchs- und Gehörsinn. Menschen bekommen ihn nur selten zu sehen, denn er lebt versteckt und geht nur nachts auf die Pirsch.
Fakten
Wissenschaftlicher Name
Mustela putorius
Waldiltis: Alter
6 bis 10, max. 14 Jahre
Waldiltis: Gewicht
0,2 bis 1,7 kg, max. 2,2 kg. Männliche Iltisse können fast doppelt so schwer werden wie Weibchen.
Berüchtigter Stinker
Um Feinde abzuwehren, kann der Iltis ein stark riechendes Sekret aus seiner Analdrüse absondern. Er wird deswegen auch Stinkmarder oder Stänker genannt.
Bunte Verwandtschaft
Der Iltis wurde bereits vor mehr als 2000 Jahren als geschickter Jäger kleinerer Beutetiere domestiziert. So entstand das Frettchen (Mustela furo), das ursprünglich bei der Jagd auf Kaninchen eingesetzt wurde und heute hauptsächlich als Haustier gehalten wird. Frettchen gibt es in den unterschiedlichsten Farben: Neben einem gelb-schwarzen sogenannten Wildtyp kommen Albinos, hellbraune und schwarze Varianten vor.
Nahrung
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Reptilien
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Amphibien
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Wirbellose
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Fische
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Kleinvögel und Vogeleier
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Kleinsäuger
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Aas
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Baumfrüchte
Feinde
Größe
WaldiltisMerkmale
Dass der Iltis zu den Mardern gehört, erkennt man auf einen Blick am typischen langen, schlanken Körper mit kurzen Beinen. Er wirkt jedoch zierlicher und gedrungener als Baum- und Steinmarder, seine Beine sind noch etwas kürzer und sein Schwanz weniger buschig und ebenfalls kürzer. Auch seine Spur sieht etwas anders aus als die der Verwandten. Er bewegt sich zwar wie Baum- und Steinmarder häufig im sogenannten Paarsprung fort, bei dem die Hinterpfoten in die Spur der Vorderpfoten gesetzt werden. Seine Sprünge sind aber um ein Drittel kürzer. Der Abdruck der Pfoten mit jeweils fünf Zehen ist ebenfalls kleiner und zarter, aber immer noch größer als der des Hermelins. In einer Iltis-Spur sind die Krallen deutlich zu erkennen, vor allem an den länglichen Hinterpfoten.
WaldiltisFell mit Farbeffekt
Die weiße Gesichtsmaske unterscheidet den Iltis deutlich von anderen Marderarten. Auch die kleinen, rundlichen Ohren sind an den Rändern weiß. Über einer gelblichen Unterwolle trägt der Iltis locker stehende, dunkle Deckhaare. Deshalb wirkt das Fell je nach Blickwinkel eher dunkel oder hell. Die Bauchseite ist stets dunkler als die Oberseite. Zweimal im Jahr wechselt der Iltis sein Fell. Das Winterhaar ist besonders weich und glänzend.
WaldiltisWachsam und wehrhaft
Der Iltis kann besonders gut riechen und hören. Er reagiert sofort auf Störungen und sucht schnellstmöglich eine Deckung auf. Gerät er in Bedrängnis, setzt er ein stark riechendes Sekret ab, das Feinde abschrecken soll. Zusammen mit Harn und Kot dient der Duftstoff auch zur Reviermarkierung. Um Bedrohungen abzuwehren, fauchen und kreischen Iltisse auch.
WaldiltisFür die Jagd gemacht
Dank seinem auffällig kompakten Körperbau kann der Iltis einige seiner Beutetiere bis in ihre Schlaf- oder Winterverstecke und Höhlen verfolgen. Die kurzen Beine und der schlanke Körper sind auch eine Anpassung an die Fortbewegung im dichten Unterwuchs und an krautigen Gewässerufern.
WaldiltisLebensweise
Iltisse brauchen versteckreiche Lebensräume und suchen die Nähe von Gewässern. Sie sind Einzelgänger. Männchen und Weibchen verbringen nur während der Paarungszeit, der Ranz, einige Tage zusammen. Die Streifgebiete der Iltisse erstrecken sich über 10 bis 150 Hektar. Man nimmt an, dass die Tiere sie nur vorübergehend nutzen und immer wieder wechseln. Häufig überlappen sich die Reviere auch. Direkte Auseinandersetzungen gibt es aber nur während der Ranz, vor allem zwischen Männchen. Iltisse schlafen viel und sind überwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv. Sie jagen kleinere Tiere wie Frösche und Wühlmäuse, aber auch Früchte stehen auf dem Speiseplan.
Ökologische Rolle
Wasserfan und Heimlichtuer
Iltisse sind fast in ganz Europa bis an den Ural verbreitet und erobern Höhen bis 1.300 Meter. Nur in Irland, Nordskandinavien und auf dem südlichen Balkan kommen sie nicht vor. Sie leben in Gebieten, in denen es viele Versteckmöglichkeiten gibt und die möglichst dicht mit Sträuchern bewachsen sind. Dabei bevorzugen sie gewässernahe Bereiche, wie die Ufer von Gräben, Bächen und Teichen oder Feuchtwiesen und Sumpfgebiete. Auch Hecken, Feldgehölze und Waldränder sind Iltis-Lebensräume. Trockene Kiefern- und Fichtenforste und strukturarme Landwirtschaftsflächen meiden die Tiere. Als Kulturfolger sind Iltisse immer wieder auch in Siedlungen anzutreffen, zum Beispiel in Gärten und Scheunen. Sie nutzen wechselnde Verstecke als Tagesquartiere: Reisighaufen, hohle Baumstämme am Boden, Wurzelhöhlen und verlassene Erdbaue von Schermäusen, Bisam, Füchsen oder Dachsen. Im Sommer ziehen sie dort ihre Jungen auf. Während der Aktivitätsphasen in der Dämmerung und nachts legen Iltisse auf der Suche nach Nahrung und zur Reviermarkierung mitunter mehrere Kilometer zurück.
Nahrung
Wenn der Iltis hamstert
Kleinsäuger von Maus bis Kaninchen, Amphibien, Reptilien, Jungvögel und Eier, Aas und verendete Fische – bei der Nahrung ist der Iltis flexibel. Er gilt als Beutetier-Opportunist und frisst, was er im Unterholz und im Wasser aufstöbert. Was genau auf dem Speiseplan steht, ist von Land zu Land unterschiedlich: In Großbritannien und Spanien sind es vor allem Wildkaninchen, in der Schweiz, Frankreich und Dänemark eher Amphibien, in Polen und Ungarn Wühlmäuse. Brechen die Bestände der bevorzugten Beutetiere ein, kann der Iltis auf Alternativen ausweichen, wenn es welche gibt. Genauso kommt es aber vor, dass sich der Bestandsrückgang wichtiger Beutetiere auf die Iltis-Population auswirkt. Neben Tieren gehören auch Obst und Beeren zur Nahrung des Iltis, aber sein Gebiss mit 34 Zähnen und der kurze Darm weisen ihn als typischen Fleischfresser aus. Er ist kein guter Kletterer, dafür aber ein gewandter Schwimmer, seine Beute fängt er oft am und im Wasser. Fische unter Wasser verfolgen wie seine Verwandten Fischotter und Nerz kann er allerdings nicht. Bekannt ist der Iltis für seine Vorratslager, in denen schon mehr als 100 Frösche oder Kröten gefunden wurden.
Fortpflanzung
Winzige Welpen
Iltisse sind nach etwa neun Monaten geschlechtsreif und paaren sich bereits ab dem ersten Frühling nach ihrer Geburt. Das ist auch notwendig für die Weitergabe der Gene, denn die Jungensterblichkeit ist besonders in den ersten Lebensmonaten sehr hoch. Paarungszeit ist von März bis Juni. Während der Ranz streifen die Männchen weit umher, immer auf der Suche nach einem Weibchen. Dabei verlieren sie sehr viel Gewicht. Zur Paarungszeremonie gehört, dass der männliche Iltis das Weibchen mit den Zähnen im Nacken greift und bis zu einer Stunde lang umherträgt, ehe es zum Geschlechtsakt kommt. Nach 42 Tagen kommen durchschnittlich fünf bis zehn Jungtiere in einem mit Unterwolle ausgepolsterten Versteck zur Welt. Die Mutter kümmert sich allein um sie. Bei der Geburt wiegen die kleinen Iltisse nur neun bis zehn Gramm. Ihr Welpenfell ist silbrig-weiß, nach drei Wochen wird es zimtfarben bis braun-grau. Im Alter von fünf Wochen öffnen sie ihre Augen. Mit 50 Tagen entspricht ihre Fellfarbe schon der von erwachsenen Iltissen. Nach 63 Tagen werden sie von der Milch entwöhnt, und spätestens im Alter von drei Monaten sind die Jungtiere komplett von ihrer Mutter unabhängig.
WaldiltisBedrohungen
Früher profitierte der Iltis von der Strukturvielfalt in der Kulturlandschaft, die ihm guten Schutz und reichlich Nahrung bot. Die intensivere Landnutzung, der Verlust von Lebensräumen und Umweltgifte machen ihm heute aber immer mehr zu schaffen. In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wird er inzwischen als gefährdet eingestuft. Den Bestandsrückgang hat auch die EU erkannt und die Jagd auf den Iltis unter Vorbehalt gestellt: Der Zustand der Population muss regelmäßig erfasst werden. Weil dabei große Unsicherheiten bestehen, ist die Jagd auf Iltisse in den meisten Bundesländern ausgesetzt.
Der Lebensraum schwindet
Wie viele andere Wildtierarten ist auch der Iltis durch die intensive Landwirtschaft bedroht. Besonders treffen ihn Eingriffe in den Wasserhaushalt der Natur, zum Beispiel wenn Gräben trockengelegt oder begradigt werden. Durch Flurbereinigungen gehen Strukturelemente der Landschaft wie naturnahe Gewässersäume, Hecken und Feldgehölze als Verstecke seiner Beutetiere verloren – und damit wichtige Nahrungsgründe des Iltis.
Asphaltierte Barrieren
Jedes Jahr werden mehrere Tausend Iltisse von Autos überfahren. Zudem sind Straßen, vor allem größere, oft unüberwindbare Barrieren für die Tiere. Sie können nicht mehr ungehindert wandern und die wenigen noch geeigneten Lebensräume erschließen. Iltisbestände dünnen so aus oder drohen genetisch zu verarmen. In der Vergangenheit hat der Straßenverkehr auch Umweltgifte in die Natur gebracht. Bis Ende der 80er-Jahre wurden Polychlorierte Biphenyle (PCB) als Weichmacher in Autoreifen verarbeitet. Über Abrieb gelangten sie in die Umwelt und verringerten die Reproduktionsfähigkeit von Marderarten. Bis heute sind die Gifte in der Landschaft nachweisbar.
Gefährliche Gäste
Krankheiten wie die Staupe, die auch Hunde befallen kann, sind eine natürliche Bedrohung für den Iltis. Zudem sind Iltisse vielen äußeren und inneren Parasiten ausgesetzt. Der Befall ist oft nicht tödlich, schwächt aber den Körper, sodass Infektionskrankheiten leichtes Spiel haben. Räudemilben etwa verursachen Hautschäden und Fellverlust. Wie bei Marderarten typisch, sind Iltisse besonders häufig von der Saugwurmart Troglotrema acutum befallen, die in der Nasennebenhöhle und im Gewebe des Schädelknochens lebt. Die unangenehmen Gäste legen Gangsysteme an und verursachen Deformationen des Schädelknochens.
WaldiltisWas wir tun
Ob Naturerbe-Gebiet, Moorwildnis oder nachhaltige Land- und Forstwirtschaft – auf unseren Stiftungsflächen in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen schaffen wir Lebensraum für viele Wildtiere. Der Iltis ist hier fester Bestandteil der Artenvielfalt.
Unsere Flächen sind Wildtierland
Auf unseren Flächen des Nationalen Naturerbes gibt es zahlreiche kleine Gewässer, die wir dauerhaft sichern und sich selbst überlassen. So bleiben sie als Lebensräume für Wildtiere erhalten, auch für den Iltis. Zudem setzen wir auf vielen Stiftungsflächen Maßnahmen zum Wasserrückhalt um. So schaffen wir Bereiche, in denen sich Amphibien fortpflanzen können – und die stehen weit oben auf der Speisekarte des Iltis. Gut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern ist der ökologische Modellbetrieb der Deutschen Wildtier Stiftung, auf dem wir ohne Umweltgifte wirtschaften. Die Ackerflächen dort werden immer wieder unterbrochen von Hecken, Feldgehölzen und Wegrainen, in denen sich Iltisse und Beutetiere wie Mäuse und Reptilien besonders wohlfühlen. Alte Entwässerungsmaßnahmen haben wir teilweise zurückgebaut und Feuchtbiotope neu angelegt oder renaturiert. So ist eine vielfältige Kulturlandschaft mit großem Artenreichtum entstanden.
Projekte
Der Iltis gilt in Deutschland als gefährdete Tierart. In unseren Gebieten des Nationalen Naturerbes, der Moorwildnis und auf den wildtierfreundlich bewirtschafteten Land- und Forstwirtschaftsflächen bieten wir ihm Lebensraum.
Blogbeiträge
WaldiltisHelfen
Wenn wir Lebensräume bewahren und wiederherstellen, schützen wir auch den Iltis. Unterstützen Sie unsere Projekte, zum Beispiel zum Wasserrückhalt in Moorwäldern. So helfen Sie dem Iltis und vielen anderen Wildtieren.