Windenergie und Artenschutz

Keine Windkraftanlagen im Wald

Windenergieanlagen im Lebensraum Wald

Der Ausbau der Windenergie ist zur Gefahr für zahlreiche Wildtiere geworden. In Deutschland fallen den Windkraftanlagen heute im Jahr bis zu 250.000 Fledermäuse und über 12.000 Greifvögel zum Opfer. Besonders gilt das im Wald. In den für Windparks geeigneten Hochlagen finden sich vielfach wertvolle, alte und naturnahe Waldbestände, die ein Garant der biologischen Vielfalt sind. Deutschland braucht dringend einen einheitlichen, hohen Standard, um Natur- und Artenschutz in die Energiepolitik zu integrieren. Wir erheben unsere Stimme – mit Stellungnahmen an die Verantwortlichen und Diskussionsbeiträgen. Wir sammeln Fakten, erstellen Studien und unterstützen juristisches Vorgehen gegen rechtswidrige Baugenehmigungen.

DER AUSBAU ERNEUERBARER ENERGIEN IST NUR DORT RICHTIG, WO WERTVOLLE NATURRÄUME UND DEREN ARTEN NICHT GEFÄHRDET WERDEN.

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland schreitet voran. Anfang 2017 waren an Land 28.675 Windenergieanlagen installiert. Nach den Plänen der Bundesregierung und vieler Bundesländer soll der Ausbau intensiv weitergehen. Vielerorts gefährdet der naturschutzfachlich unkontrollierte Ausbau von Windenergie die Ziele des Natur- und Artenschutzes, zu denen sich die Bundesregierung mit der „Strategie zur Biologischen Vielfalt“ verpflichtet hat. Daher ist eine sorgfältige Prüfung potentieller Standorte und die umfassende Abwägung aller naturschutzfachlichen Belange notwendig, bevor Windparks errichtet werden.

Mit der Öffnung des Waldes als Standort für Windenergieanlagen werden die Potenziale einerseits beträchtlich erweitert, zugleich verschärfen sich aber die Konflikte zwischen dem Ausbau der Windenergie und dem Natur- und Artenschutz. Denn Wälder haben einen hohen ökologischen Wert und werden durch den Bau und Betrieb von Windenergieanlagen langfristig in ihrer Funktion als Lebensräume für Wildtiere beeinträchtigt. Seit 2010 hat sich die Anzahl an Windenergieanlagen im Wald innerhalb Deutschlands versiebenfacht. Den bislang stärksten Zubau gab es 2016 mit bundesweit 387 Neuanlagen und einer Gesamtleistung von 1.094 MW. (Quelle Abbildung: Bundesverband Windenergie)

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WILDTIERE DÜRFEN NICHT DIE VERLIERER DER ENERGIEWENDE SEIN.

Waldgebiete sind im Vergleich zu Agrarlandschaften weit weniger intensiv vom Menschen genutzt und daher oft ein wichtiger Rückzugsort für bedrohte Tierarten, insbesondere für Fledermäuse und Vögel. Alle in Deutschland heimischen Fledermausarten stehen mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Es ist dringend notwendig einen hohen Standard bei der Anwendung von Natur- und Artenschutz in die Energiepolitik zu integrieren, um einen weiteren Rückgang gefährdeter Wildtiere zu vermeiden.

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Studie: Windenergie im Lebensraum Wald

WALD IST UNERSETZBARER LEBENSRAUM FÜR SELTENE PFLANZEN UND TIERE

Für die Deutsche Wildtier Stiftung hat der renommierte Biologe und langjährige Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland Dr. Klaus Richarz 2014 und 2016 umfangreiche Studien verfasst. Sie beschreiben das Gefährdungspotenzial waldgebundener Arten durch den Bau und den Betrieb von Windkraftanlagen. Sie stellen die Bedeutung der Wälder für die Erhaltung der biologischen Vielfalt vor und zeigen auf, dass ein weiterer Ausbau von Windenergieanlagen vor allem im Wald einen Eingriff in eine Tabuzone darstellt und nur in Ausnahmefällen naturschutzfachlich und –rechtlich vertretbar wäre.

Hier können Sie die aktuelle Studie kostenlos bestellen.

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10 Forderungen der Deutschen Wildtier Stiftung zur Berücksichtigung des Arten- und Naturschutzes bei der Nutzung der Windkraft

Keine Windenergieanlagen in Wäldern und an Waldrändern!

Wälder und Waldränder sind unverzichtbare Lebensräume für Wildtiere in unserer ohnehin intensiv genutzten Kulturlandschaft. Sie sind aus Gründen des Arten- und Naturschutzes frei von Windenergieanlagen zu halten.

Keine Windenergieanlagen in Schutzgebieten!

In Nationalparks, Naturschutzgebieten, Kernzonen von Biosphärenreservaten, gesetzlich geschützten Biotopen, Natura 2000 und IBA Gebieten sind keine Windenergieanlagen zu bauen. In diesen Schutzgebieten und deren Pufferzonen muss der Artenschutz Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben.

Das Helgoländer Papier strikt einhalten!

Die im „Helgoländer Papier“ veröffentlichten aktuellen Empfehlungen der Staatlichen Vogelschutzwarten zu Abstandsregelungen zwischen Brutplätzen sowie anderen bedeutsamen Vogellebensräumen und Windenergieanlagen müssen in ganz Deutschland konsequent beachtet und einheitlich umgesetzt werden.

Die Zerstörung von Brutplätzen strenger ahnden!

Die Brutstandorte u.a. von Greifvögeln, Störchen oder Kranichen müssen langfristig und länderübergreifend einheitlich geschützt werden. Wurden Horstbäume mutwillig zerstört, muss der Brutbereich auf der Grundlage des Helgoländer Papieres trotzdem dauerhaft eine Tabuzone für Windenergieanlagen bleiben.

Den Kollisionstod von Wildtieren reduzieren!

In allen bestehenden Windparken sind Maßnahmen zur Reduktion von Vogelkollisionen und Fledermausverlusten umzusetzen. Kumulative Auswirkungen von neuen Windenergieanlagen in Regionen mit bereits hoher Windparkdichte auf Vögel und Fledermäuse müssen bei Planung und Genehmigung berücksichtigt werden.

Beweislast umkehren!

Die Betreiber von Windenergieanlagen müssen sicherstellen, dass naturschutzfachliche Ziele der Windenergienutzung nicht entgegenstehen. Es gilt das Vorsorgeprinzip: Im Zweifel für den Natur- und Artenschutz. Ein bau- und betriebsbegleitendes Monitoring muss für den Anlagenbetreiber verpflichtend sein.

Klagerecht nutzen!

Einige anerkannte Naturschutzverbände nutzen das ihnen zur Verfügung stehende Einspruchs- und Klagerecht im Konflikt zwischen Windkraft und Naturschutz unzureichend. Verbände, die bei der Planung von Windenergieanlagen in Schutzgebieten das ihnen anvertraute Klagerecht nicht ausüben, müssen im Hinblick auf ihr Verbandsklagerecht überprüft werden.

Keine Privilegierung für Windenergieanlagen im Baurecht!

Das grundsätzlich bestehende Verbot des Bauens im Außenbereich ist für Windenergieanlagen durch den § 35 Baugesetzbuch durchbrochen worden. Dieses Privileg für den Bau von Windenergieanlagen ist abzuschaffen.

Das Bundesnaturschutzgesetz anwenden!

Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ist es u.a. verboten, wild lebende Tiere der besonders geschützten Arten zu töten. Für Windkraftanlagen sind keine Ausnahmegenehmigungen vom Tötungsverbot mehr zu erteilen.

Technische Anleitung Wind erarbeiten!

Die Bundesregierung wird aufgefordert, eine bundesweit gültige Verwaltungsvorschrift „TA Wind“ vorzulegen. In dieser technischen Anleitung zum Bau und Betrieb von Windenergieanlagen sind bundesweit einheitliche Standards zur Berücksichtigung des Arten- und Naturschutzes festzulegen.

Projektregionen

  • Mecklenburg-Vorpommern

    Die Friedländer Große Wiese

    Windkraftplanungen bedrohen die Friedländer Große Wiese (FGW) in Mecklenburg-Vorpommern. Das große Niedermoorgebiet direkt an einem der größten Binnenseen Deutschlands, dem Galenbecker See, ist ein einzigartiger Lebensraum für unsere Vogelwelt von internationaler Bedeutung auch für viele gefährdete Arten. Seit drei Jahren setzen sich die Deutsche Wildtier Stiftung und der Naturschutzbund (NABU) Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit vielen engagierten Bürgern für den Erhalt dieses Gebietes ein. 2019 ist die Situation kritischer denn je. Entgegen aller naturschutzfachlichen Bedenken sollen großflächig Windkraftvorhaben ermöglicht werden.

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    Das Gebiet

    Die FGW ist als größtes zusammenhängendes Niederungsmoor Norddeutschlands ein international bedeutender Vogellebensraum von hohem naturschutzfachlichem Wert. Die großräumig trockengelegten Flächen bilden ein Mosaik aus Acker und Grünland sowie zahlreichen Feldgehölzen. Die gesamte Region ist als Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvögel und als Brutgebiet für zahlreiche Wat- und Wasservogelarten von hohem Wert. Dies kommt auch im Zusammenspiel der verschiedenen Schutzgebiete zum Ausdruck, die sich zum Teil sogar überlappen. Die FGW gehört zu dem IBA-Gebiet DE 054 „Putzarer See, Galenbecker See, Brohmer Berge“, einer Fläche, die gleich mehrere Schutzgebiete umfasst:

    1. Naturschutzgebiete nach dem BNatSchG
      a) NSG 049 „Galenbecker See“ (1.885 ha)
      b) NSG 069 „Putzarer See“ (457 ha)
    2. Schutzgebiete nach der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie der EU
      a) DE 2348-301 „Galenbecker See“(1.856 ha)
      b) DE 2248-301 „Putzarer See“ (516 ha)
    3. Schutzgebiete nach der EU-Vogelschutzrichtlinie (SPA)
      a) DE 2347-401 „Großes Landgrabental, Galenbecker und Putzarer See“ (14.203 ha)

    Die Arten

    Die Deutsche Wildtier Stiftung hat in den vergangen Jahren die gesamte Vogelfauna des Gebiets dokumentiert und die Daten wissenschaftlich ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass das große Artenspektrum mit einer Vielzahl streng geschützter, teils windkraftsensibler Vogelarten einen enormen naturschutzrechtlichen Konflikt zu der Windkraftplanung darstellt.
    Die gesamte Region um den Galenbecker See mit den angrenzenden Vernässungszonen und dem umliegenden Grünland ist ein idealer Lebensraum für zahlreiche Wat- und Wasservögel. Die FGW wird von vielen Arten als Bruthabitat und zur Nahrungssuche genutzt. Bestimmte Bereiche werden dabei bevorzugt, sodass sich die häufig frequentierten Flugrouten über das gesamte Gebiet ziehen.
    Eine Vielzahl von Greifvögeln nutzt die Friedländer Große Wiese nicht nur als Brutstätte, sondern auch verstärkt im Winter als Nahrungsgebiet. Häufig zu beobachten sind beispielsweise die windkraftsensiblen Arten Mäusebussard, Rotmilan, Kornweihe und Raufußbussard. In näherer Umgebung kommen auch Seeadler, Schreiadler sowie Eulenarten wie die Sumpfohreule vor.
    Während den Zeiten des Vogelzugs wird die Fläche als Rastgebiet von tausenden Kranichen, nordischen Gänsen, Schwänen, Enten besonders tagsüber zur Nahrungssuche genutzt. Auch große Trupps von Kiebitz und Großem Brachvogel sind im Frühling und Herbst auf den Grünlandflächen zu beobachten.

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    Beziehungen zwischen dem Schlafplätzen Galenbecker See und Vernässungsflächen und den zugehörigen Nahrungsflächen für Gänse, Schwäne und Kraniche (Quelle: M. Tetzlaff, Deutsche Wildtier Stiftung)

    Aktuelle Windkraftplanung

    Einen Teilerfolg konnte die Deutsche Wildtier Stiftung auf Ebene der Regionalplanung bereits erzielen. Eines der zwei geplanten Windeignungsgebiete auf der FGW wurde aufgrund der eingereichten ornithologischen Hinweise aus der Planung genommen. Der Regionale Planungsverband erklärt dazu:
    „Mit ergänzendem Schreiben vom 05.03.2018 teilte die Untere Naturschutzbehörde mit Verweis auf die Beobachtungen der Deutschen Wildtier Stiftung mit, dass sich – seit der Umsetzung des EU-Life-Sanierungskonzeptes (2007) „Naturraumsanierung Galenbecker See für prioritäre Arten“ mit der Projekt-Nr. LIFE2000 NAT/D/7038 REV – das Rastverhalten von Großvögeln im Bereich der Friedländer Großen Wiese stark verändert habe. Infolgedessen habe sich die Bedeutung des Galenbecker Sees sowie der angrenzenden Vernässungszonen für Wat- und Wasservögel und des insgesamt betrachteten Untersuchungsraums, zu dem auch die Friedländer Große Wiese zählt, erheblich erhöht. Beim Kranich wurden 2009 Rastbestandsgrößen zwischen 945 und 3.500 genannt, im Jahr 2014 wurden Rastbestandszahlen von mehr als 20.000 erreicht. Bei Saat-und Blässgänsen wurden 2009 Bestandsgrößen von insgesamt 8.500 erlangt, für 2014 seien mehr als 30.000 Exemplare beobachtet worden.“

    Angesichts dieser Einschätzung, ist es unverständlich, dass lediglich eine der zwei betroffenen Flächen von der Windkraftplanung ausgeschlossen werden soll. Am Windeignungsgebiet „Lübs/Friedländer Große Wiese“ (Eignungsgebiet Nr. 34/2015) wird weiter festgehalten. Aktuell liegt der Entwurf der zweiten Änderung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms Vorpommern für die vierte Öffentlichkeitsbeteiligung aus. Noch bis zum 23. Januar 2019 können Stellungnahmen zu den aktualisierten Plänen, dem Umweltbericht und der erfolgten Abwägung eingereicht werden.
    Zeitgleich wird das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für den Bau und Betrieb von 12 Windenergieanlagen durchgeführt. Der Windpark soll auf der Planfläche Nr. 34/2015 gebaut werden. Solange es keinen rechtskräftigen Regionalplan mit verbindlichen Windeignungsgebieten gibt, können Windparks mit Genehmigung der zuständigen Behörde theoretisch überall gebaut werden.

    Die Deutsche Wildtier Stiftung und der NABU MV haben in einer anwaltlichen Stellungnahme ausführlich begründet, warum der Bau von Windenergieanlagen auf der Planfläche nicht mit dem Bundesnaturschutzgesetz vereinbar ist. Weder die Festlegung eines Windeignungsgebiets auf der Friedländer Großen Wiese noch der Antrag von 12 Windenergieanlagen gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) sind genehmigungsfähig.

  • Brandenburg

    Bliesendorfer Heide

    Für das Windeignungsgebiet WEG 24 „Bliesendorfer Heide“ im Landkreis Potsdam-Mittelmark hat die Windenergiefirma Notus den Antrag zum Bau und Betrieb von 18 Windenergieanlagen (WEA) gestellt, die überwiegend im Wald geplant sind. Bis heute setzen sich die angrenzenden Gemeinden gegen das Vorhaben ein und haben ihr gemeindliches Einvernehmen versagt. Da dieser verwaltungsinterne Verfahrensteil jedoch außer Kraft gesetzt werden kann, ist die Bliesendorfer Heide nicht langfristig vor Windkraft geschützt. Mehrere Bürgerinitiativen haben sich zu dem Verein Waldkleeblatt – Natürliche Zauche e. V. zusammengeschlossen und setzen sich gemeinsam gegen die Windenergieplanung in WEG 24 ein. Die Deutsche Wildtier Stiftung teilt die Auffassung, dass Windenergie in der Bliesendorfer Heide aus natur- und artenschutzrechtlicher Sicht strikt abzulehnen ist. Wenn eine Genehmigung für den Bau und Betrieb der WEA erteilt wird, sollen Rechtsmittel eingelegt werden, um diesen wertvollen Lebensraum zu erhalten.

    Das Gebiet

    Die Region ist charakterisiert durch die Havel, diverse Seen, Moore, Wälder und Heideflächen. Aufgrund der natürlichen Gegebenheiten eines divers strukturierten Lebensraums, verfügt die Region über eine große Artenvielfalt und eine bisher relativ gering belastete Flora und Fauna. Die Fläche des WEG 24 umfasst 650 ha und ist überwiegend im Wald gelegen. Neben forstlich genutzten Kieferbeständen gibt es Flächen mit Laubmischwald und kleinflächige Alteichenbestände, die ein wertvolles Habitat für Fledermäuse und Brutvögel bieten. Die Landschaftsschutzgebiete „Lehniner Wald- und Seengebiet“ und „Potsdamer Wald- und Seen- gebiet“ befinden sich in unmittelbarer Nähe zu dem Planungsgebiet. In 100 m Entfernung befindet sich das FFH-Gebiet „Kolpiensee und Mückenfenn“. In 700 m Entfernung liegt das FFH-Gebiet „Lehniner Mittelheide und Quellgebiet der Emster“. Insgesamt zeigen diese geschützten Gebiete und Landschaftselemente um und in WEG 24, wie wichtig dieser Raum für den Natur- und Artenschutz ist.

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    Die Arten

    Es wurden ca. 200 Tierarten im WEG 24 erfasst. Darunter sind viele windkraftsensible Greifvogelarten als Brutvögel. Es sind 3 Horste des Rotmilans bekannt, der das Gebiet nicht nur zur Brut, sondern auch beim Pendeln zwischen den nahegelegenen Nahrungshabitaten nutzt. Auch für den Schwarzmilan ergibt sich mit drei nachgewiesenen Horsten ein sehr hohes Konfliktpotential. Weitere Vogelarten, die in der Bliesendorfer Heide leben, sind: Kranich, Blässgans, Bluthänfling, Dohle, Erlenzeisig, Gänsesäger, Graugans, Saatgans, Singschwan, Mäusebussard, Fischadler, Seeadler, Rohrweihe, Raufußkauz, Waldkauz, Waldohreule, Habicht, Schwarzspecht, Kiebitz, Feldlerche, Heidelerche, Ortolan, Neuntöter und Sperber. Zudem wurden 11 von den 18 in Brandenburg vorkommenden Fledermausarten erfasst, nämlich Mopsfledermaus, Großer Abendsegler, Kleiner Abendsegler, Breitflügelfledermaus, Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus, Mückenfledermaus, Fransenfledermaus, Große Bartfledermaus, Graues Langohr und Braunes Langohr. Mit Ausnahme der Zwergfledermaus sind alle gefundenen Fledermausarten in Brandenburg gefährdet.

    Zossener Heide

    Im Dezember 2016 erhielt der Windenergiebetreiber ENERCON GmbH eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung zur Errichtung von sechs Windenergieanlagen (WEA) in dem Windeignungsgebiet WEG 33. Der Bau von 16 weiteren Anlagen in unmittelbarer Nähe ist beantragt. Der Verein Freier Wald e.V. hat Widerspruch gegen die Genehmigung eingelegt. Es werden erhebliche Mängel in dem avifaunistischen Gutachten der artenschutzrechtlichen Prüfung gesehen. Als trotzdem mit Rodungsarbeiten begonnen wurde, konnte im Juli 2017 die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs errungen werden. Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt den Verein Freier Wald e.V. im Verfahren gegen den Bau von Windrädern im Zossener Waldgebiet.

    Das Gebiet

    Das Waldgebiet Zossener Heide im Landkreis Teltow-Fläming (Brandenburg) ist als unzerschnittene Waldfläche ein wichtiges Bindeglied zwischen den umliegenden Naturschutz-, FFH- und Landschaftsschutzgebieten. Die Funktion als Habitatverbund ist für viele Wildtiere von großem Wert, da sie sowohl die Nahrungssuche als auch die Populationsausbreitung über ein großes Gebiet ermöglicht. Das ehemals als Truppenübungsplatz genutzte Gebiet ist heute ein reich gegliederter Landschaftsraum aus Grundmoränen, sandigen Dünenaufwehungen und Schmelzwasserrinnen. Der Wald ist mit Lichtungen, Totholz und vielfältiger Vegetation sehr strukturreich und erfüllt die Habitatansprüche eines großen Artenspektrums. Die Zossener Heide ist als Landschaftsschutzgebiet einstweilig gesichert, der naturschutzfachliche Wert wird jedoch durch den geplanten Bau von WEA akut bedroht.

    Die Arten

    Das Gebiet ist das Habitat von 80 Brutvogelarten mit bemerkenswerten Beständen seltener und bedrohter Vertreter der Großvogelfauna. Hier leben zahlreiche Schwarzspechte, Rot- und Schwarzmilane sowie See- und Fischadler. Für den äußerst störungsempfindlichen Ziegenmelker sind die unzerschnittenen, strukturreichen Waldflächen ein Brutgebiet von herausragender Bedeutung.
    Neben der diversen Vogelfauna, leben in der Zossener Heide zahlreiche Fledermausarten. Mit 14 von 18 in Brandenburg nachgewiesenen vorkommenden Arten zählt das Gebiet zu den fledermausreichsten Lebensräumen im Land Brandenburg. Die fernwandernden und besonders windkraftsensiblen Arten Großer Abendsegler, Kleiner Abendsegler und Rauhautfledermaus kommen in großen Bestandsdichten vor. Zudem gibt es in der Zossener Heide die in Brandenburg als „vom Aussterben bedrohten“ Arten großes Mausohr und Mopsfledermaus, was den besonderen Wert dieses Gebietes für den Artenschutz belegt.

Meldung von artenschutzrechtlichen Verstößen

Im Zuge des Ausbaus der Windenergie häufen sich auch Fälle von Verfolgung geschützter Arten und illegaler Zerstörung von Großvogelhorsten oder Fledermausquartieren. Wir bitten derartige Vorgänge der „Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität“ zu melden. Deren Website finden Sie hier.

WEITERE WISSENSCHAFTLICHE STUDIEN

WELTWEIT ERSTE STUDIE ZU SCHLAGOPFERN UND VOGELZUGINTENSITÄT

Zugvögel und Windenergie

Bern, 28.11.2016 – Die Schweizerische Vogelwarte Sempach hat im Auftrag des Bundesamts für Energie die erste internationale Studie „Zugvögel und Windenergie“ erstellt. Kollisionen von Vögeln mit Windenergieanlagen (WEA) gehören zu den größten Kritikpunkten bezüglich der Nutzung von Windenergie. Um die Auswirkungen von WEA auf Zugvögel zu beurteilen, müssen sowohl die Anzahl der insgesamt an einer WEA vorbeiziehenden Vögel als auch die Anzahl der dabei verunglückenden Vögel (Schlagopfer) bekannt sein. Pro Windenergieanlage wurde dabei ein Mittelwert von 20,7 Vogelopfern pro Jahr ermittelt.

Adresse für Rückfragen
Marianne Zünd, Leiterin Medien und Politik BFE, 058 462 56 75 / 079 763 86 11
Michael Schaad, Mediensprecher der Schweizerischen Vogelwarte, 041 462 97 35

STUDIE: FACHAGENTUR WINDENERGIE AN LAND

WINDENERGIE IM WALD IM LÄNDERVERGLEICH

Mitte 2018 hat die Fachagentur Windenergie an Land die dritte Auflage der Studie „Entwicklung der Windenergie im Wald - Ausbau, planerische Vorgaben und Empfehlungen für Windenergiestandorte auf Waldflächen in den Bundesländern“ veröffentlicht. Danach waren in Deutschland Ende 2017 insgesamt 1859 Windkraftanlagen in Wäldern in Betrieb. Davon wurden 80% seit 2010 errichtet.

PROGRESS STUDIE

UNTERSUCHUNG KONFLIKTFELD WINDENERGIE UND KOLLISIONSRATEN

Das Projekt „Ermittlung der Kollisionsraten von (Greif-)Vögeln und Schaffung planungsbezogener Grundlagen für die Prognose und Bewertung des Kollisionsrisikos durch Windenergieanlagen“ (PROGRESS) befasst sich mit Kollisionen von Vögeln (und Fledermäusen) als zentrales Konfliktfeld zwischen dem Ausbau der Windenergienutzung und dem Naturschutz.
Schlussbericht PROGRESS: Grünkorn, T., J. Blew, T. Coppack, O. Krüger, G. Nehls, A. Potiek, M. Reichenbach, J. Von Rönn, H. Timmermann & S. Weitekamp (2016).

Besonders betroffene Tierarten

Greifvögel leiden unter dem Ausbau von Windkraft im Wald

Greifvögel
Besonders Greifvögel sind weltweit von Kollisionen an Windrädern betroffen. In Deutschland sind mehr als 38 % der bisher registrierten 3.674 Kollisionsopfer Greifvögel. Die meisten Arten erreichen ein hohes Alter und ziehen nur wenige Junge auf, daher wirken bei ihnen Verluste besonders schwer. Für den Rotmilan bewegen sich die Verluste an WEA in Brandenburg bereits an der Grenze zur Beeinträchtigung der dortigen Population. Dabei trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art: mehr als die Hälfte aller Rotmilane weltweit brüten in Deutschland. Auch der noch weit verbreitete Mäusebussard leidet unter dem Ausbau von Windkraft im Wald. Als häufigste Greifvogelart Deutschlands führt er ebenfalls die Liste der Kollisionsopfer mit WEA an und erleidet zumindest regional Bestandsrückgänge. Waren Greifvögel bisher meistens bei ihren Flügen zur Nahrungssuche im Offenland durch die Kollision mit Rotoren gefährdet, beeinträchtigen WEA im Wald ihre Brutplätze und Rückzugsorte. Der sehr seltene Schreiadler ist auf weite, unzerschnittene Waldflächen angewiesen und ist extrem sensibel gegenüber Störungen. Der Schutz seines Lebensraums vor WEA hat eine hohe Bedeutung für die Erhaltung der kleinen Schreiadlerpopulation in Deutschland.

Für viele Vogelarten, wie z. B. Schwarzstorch, Waldschnepfe, und Auerhuhn, sind Wälder unverzichtbarer Lebensraum

Viele seltene Großvogelarten wie den Schwarzstorch sind Windkraftanlagen im Wald eine Gefahr.

Typische waldbewohnende Großvögel
Viele seltene Großvögel, wie etwa der Schwarzstorch, sind als Baumbrüter auf Wälder als Fortpflanzungsstätte angewiesen und direkt von WEA im Wald betroffen. Über den Kronen älterer Baumbestände vollführen sie ihre Revier- und Balzflüge sowie größere Streckenflüge – also genau in der Höhe in der sich auch die WEA drehen sollen. Schwarzstörche halten wegen ihrer extremen Störempfindlichkeit am Brutplatz Entfernungen von mehr als 1.000 m zu WEA ein, während sie sich auf dem Flug zu den Nahrungsgebieten durchaus auch Windparks annähern. Weitere als windkraftsensibel einzustufende Waldvogelarten sind die extrem störempfindlichen Raufußhühner, die Waldschnepfe, Auerhuhn sowie Uhu und Graureiher.

Wälder bieten für nahezu alle Fledermausarten Deutschlands einen unverzichtbaren Lebensraum

Fledermäuse
Alte, großflächige Laub- und Mischwälder werden von einer Vielzahl von Fledermausarten, wie dem Großen Abendsegler (Nyctalus noctula), als Fortpflanzungs- und Ruhestätte aber auch als Jagdhabitat genutzt.

Windenergie stellt für Fledermäuse ein hohes Gefährdungspotenzial dar.

Mehr als die Hälfte unserer Fledermausarten sucht zudem Baumhöhlen als Quartiere aus. Deswegen muss bei der Risikoabwägung von Windenergie im Wald, einem Lebensraum mit einer besonderen Bedeutung für viele Fledermausarten, sehr stark auf mögliche Beeinträchtigungen von Nahrungshabitaten sowie Fortpflanzungs- und Ruhestätten geachtet werden. Zusätzlich zu den bekannten Auswirkungen im Offenland, wie etwa der Kollision mit Rotoren oder dem Barotrauma, das bedingt durch Verwirbelungen und den Druckabfall hinter den Rotorblättern Lungen und innere Organe der Fledermäuse zum Platzen bringt, kann der Bau von Betriebswegen und Fundamenten mit den einhergehenden Rodungen zu einem Verlust der Ruhestätten und des Jagdhabitats führen.
Bei den Auswirkungen von WEA auf Fledermäuse besteht immer noch ein besonders hoher Forschungsbedarf. Jedoch ist zu befürchten, dass die Fledermauspopulationen in den nächsten Jahren dramatisch einbrechen können, wenn die hier geschilderten Erkenntnisse beim weiteren Ausbau der Windenergie unberücksichtigt bleiben.

Windparks als Barriere für Zugvögel

Zugvögel
Bei dem Bau von Windenergieanlagen muss darauf geachtet werden, dass keine Barrieren entstehen, die den Vogelzug stören. Je nach Art werden Zugvögel entweder direkt durch die Kollision mit WEA oder indirekt durch Meidung der gewohnten Flugroute beeinträchtigt. Insbesondere in der Nähe von Rastgebieten und entlang der Zugrouten ist auf Windkraft zu verzichten. Die bewaldeten Mittelgebirge können durch den weiteren, massiven Ausbau von WEA im Wald zu gefährlichen Hindernissen für Zugvögel werden.

ZUSAMMENHÄNGENDE LEBENSRÄUME SIND UNVERZICHTBAR

Weitere betroffene Tierarten
Viele unserer Wälder zählen zu den letzten großräumig unzerschnittenen Landschaften. Deshalb sind sie auch Lebensräume für störungsempfindliche Tierarten wie Luchs, Wildkatze und Rothirsch. Diese Arten benötigen den großen zusammenhängenden Lebensraum genauso wie gefährdete Vogelarten.

Zusammenhängende Lebensräume von Luchsen und anderen Wildtieren dürfen nicht durch Windkraftanlagen zerschnitten werden.

Ob die Zerschneidung großer Wälder durch Zufahrtsstraßen und Leitungstrassen für diese Arten zu einem Problem werden kann, hängt stark vom Ausmaß der damit verbundenen Störungen ab.

Die nachtaktiven Haselmäuse bewegen sich fast ausschließlich in der Strauch- und Baumschicht. Gehölzfreie Bereiche wie breit ausgebaute Zuwegungen können daher bereits eine Barriere darstellen und Lebensräume zerschneiden. Auch für Amphibien und Reptilien kann der Verkehr auf den Zufahrten zu einer großen Gefahr werden.

Mohn am Wegesrand

Energie aus Wildpflanzen

Neben der Windenergie führt auch der Ausbau der Biogasanlagen durch den starken Anbau von Mais zum Konflikt mit Wildtieren. Lesen Sie hier, wie sich die Deutsche Wildtier Stiftung für eine Alternative zum Mais als Substrat für Biogasanlagen stark macht.

Zum Projekt
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Studie: Windenergie im Lebensraum Wald

Hier können Sie die 2. überarbeitete Auflage der Studie Windenergie im Lebensraum Wald kostenlos herunterladen.

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