Windenergie und Artenschutz

Keine Windkraftanlagen im Wald

Windenergieanlagen im Lebensraum Wald

Der Ausbau der Windenergie ist zur Gefahr für zahlreiche Wildtiere geworden. In Deutschland fallen den Windkraftanlagen heute im Jahr bis zu 250.000 Fledermäuse und über 12.000 Greifvögel zum Opfer. Besonders gilt das im Wald. In den für Windparks geeigneten Hochlagen finden sich vielfach wertvolle, alte und naturnahe Waldbestände, die ein Garant der biologischen Vielfalt sind. Deutschland braucht dringend einen einheitlichen, hohen Standard, um Natur- und Artenschutz in die Energiepolitik zu integrieren. Wir erheben unsere Stimme – mit Stellungnahmen an die Verantwortlichen und Diskussionsbeiträgen. Wir sammeln Fakten, erstellen Studien und unterstützen juristisches Vorgehen gegen rechtswidrige Baugenehmigungen.

DER AUSBAU ERNEUERBARER ENERGIEN IST NUR DORT RICHTIG, WO WERTVOLLE NATURRÄUME UND DEREN ARTEN NICHT GEFÄHRDET WERDEN.

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland schreitet voran. Anfang 2017 waren an Land 28.675 Windenergieanlagen installiert. Nach den Plänen der Bundesregierung und vieler Bundesländer soll der Ausbau intensiv weitergehen. Vielerorts gefährdet der naturschutzfachlich unkontrollierte Ausbau von Windenergie die Ziele des Natur- und Artenschutzes, zu denen sich die Bundesregierung mit der „Strategie zur Biologischen Vielfalt“ verpflichtet hat. Daher ist eine sorgfältige Prüfung potentieller Standorte und die umfassende Abwägung aller naturschutzfachlichen Belange notwendig, bevor Windparks errichtet werden.

Mit der Öffnung des Waldes als Standort für Windenergieanlagen werden die Potenziale einerseits beträchtlich erweitert, zugleich verschärfen sich aber die Konflikte zwischen dem Ausbau der Windenergie und dem Natur- und Artenschutz. Denn Wälder haben einen hohen ökologischen Wert und werden durch den Bau und Betrieb von Windenergieanlagen langfristig in ihrer Funktion als Lebensräume für Wildtiere beeinträchtigt. Seit 2010 hat sich die Anzahl an Windenergieanlagen im Wald innerhalb Deutschlands versiebenfacht. Den bislang stärksten Zubau gab es 2016 mit bundesweit 387 Neuanlagen und einer Gesamtleistung von 1.094 MW. (Quelle Abbildung: Bundesverband Windenergie)

Der Ausbau der Windenergie im Lebensraum Wald ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen.

WILDTIERE DÜRFEN NICHT DIE VERLIERER DER ENERGIEWENDE SEIN.

Waldgebiete sind im Vergleich zu Agrarlandschaften weit weniger intensiv vom Menschen genutzt und daher oft ein wichtiger Rückzugsort für bedrohte Tierarten, insbesondere für Fledermäuse und Vögel. Alle in Deutschland heimischen Fledermausarten stehen mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Es ist dringend notwendig einen hohen Standard bei der Anwendung von Natur- und Artenschutz in die Energiepolitik zu integrieren, um einen weiteren Rückgang gefährdeter Wildtiere zu vermeiden.

projekte_windenergie_content_m

Studie: Windenergie im Lebensraum Wald

WALD IST UNERSETZBARER LEBENSRAUM FÜR SELTENE PFLANZEN UND TIERE

Für die Deutsche Wildtier Stiftung hat der renommierte Biologe und langjährige Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland Dr. Klaus Richarz 2014 und 2016 umfangreiche Studien verfasst. Sie beschreiben das Gefährdungspotenzial waldgebundener Arten durch den Bau und den Betrieb von Windkraftanlagen. Sie stellen die Bedeutung der Wälder für die Erhaltung der biologischen Vielfalt vor und zeigen auf, dass ein weiterer Ausbau von Windenergieanlagen vor allem im Wald einen Eingriff in eine Tabuzone darstellt und nur in Ausnahmefällen naturschutzfachlich und –rechtlich vertretbar wäre.

Hier können Sie die aktuelle Studie kostenlos bestellen.

projekte_windenergie_content_l

10 Forderungen der Deutschen Wildtier Stiftung zur Berücksichtigung des Arten- und Naturschutzes bei der Nutzung der Windkraft

Keine Windenergieanlagen in Wäldern und an Waldrändern!

Wälder und Waldränder sind unverzichtbare Lebensräume für Wildtiere in unserer ohnehin intensiv genutzten Kulturlandschaft. Sie sind aus Gründen des Arten- und Naturschutzes frei von Windenergieanlagen zu halten.

Keine Windenergieanlagen in Schutzgebieten!

In Nationalparks, Naturschutzgebieten, Kernzonen von Biosphärenreservaten, gesetzlich geschützten Biotopen, Natura 2000 und IBA Gebieten sind keine Windenergieanlagen zu bauen. In diesen Schutzgebieten und deren Pufferzonen muss der Artenschutz Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben.

Das Helgoländer Papier strikt einhalten!

Die im „Helgoländer Papier“ veröffentlichten aktuellen Empfehlungen der Staatlichen Vogelschutzwarten zu Abstandsregelungen zwischen Brutplätzen sowie anderen bedeutsamen Vogellebensräumen und Windenergieanlagen müssen in ganz Deutschland konsequent beachtet und einheitlich umgesetzt werden.

Die Zerstörung von Brutplätzen strenger ahnden!

Die Brutstandorte u.a. von Greifvögeln, Störchen oder Kranichen müssen langfristig und länderübergreifend einheitlich geschützt werden. Wurden Horstbäume mutwillig zerstört, muss der Brutbereich auf der Grundlage des Helgoländer Papieres trotzdem dauerhaft eine Tabuzone für Windenergieanlagen bleiben.

Den Kollisionstod von Wildtieren reduzieren!

In allen bestehenden Windparken sind Maßnahmen zur Reduktion von Vogelkollisionen und Fledermausverlusten umzusetzen. Kumulative Auswirkungen von neuen Windenergieanlagen in Regionen mit bereits hoher Windparkdichte auf Vögel und Fledermäuse müssen bei Planung und Genehmigung berücksichtigt werden.

Beweislast umkehren!

Die Betreiber von Windenergieanlagen müssen sicherstellen, dass naturschutzfachliche Ziele der Windenergienutzung nicht entgegenstehen. Es gilt das Vorsorgeprinzip: Im Zweifel für den Natur- und Artenschutz. Ein bau- und betriebsbegleitendes Monitoring muss für den Anlagenbetreiber verpflichtend sein.

Klagerecht nutzen!

Einige anerkannte Naturschutzverbände nutzen das ihnen zur Verfügung stehende Einspruchs- und Klagerecht im Konflikt zwischen Windkraft und Naturschutz unzureichend. Verbände, die bei der Planung von Windenergieanlagen in Schutzgebieten das ihnen anvertraute Klagerecht nicht ausüben, müssen im Hinblick auf ihr Verbandsklagerecht überprüft werden.

Keine Privilegierung für Windenergieanlagen im Baurecht!

Das grundsätzlich bestehende Verbot des Bauens im Außenbereich ist für Windenergieanlagen durch den § 35 Baugesetzbuch durchbrochen worden. Dieses Privileg für den Bau von Windenergieanlagen ist abzuschaffen.

Das Bundesnaturschutzgesetz anwenden!

Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ist es u.a. verboten, wild lebende Tiere der besonders geschützten Arten zu töten. Für Windkraftanlagen sind keine Ausnahmegenehmigungen vom Tötungsverbot mehr zu erteilen.

Technische Anleitung Wind erarbeiten!

Die Bundesregierung wird aufgefordert, eine bundesweit gültige Verwaltungsvorschrift „TA Wind“ vorzulegen. In dieser technischen Anleitung zum Bau und Betrieb von Windenergieanlagen sind bundesweit einheitliche Standards zur Berücksichtigung des Arten- und Naturschutzes festzulegen.

Meldung von artenschutzrechtlichen Verstößen

Im Zuge des Ausbaus der Windenergie häufen sich auch Fälle von Verfolgung geschützter Arten und illegaler Zerstörung von Großvogelhorsten oder Fledermausquartieren. Wir bitten derartige Vorgänge der „Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität“ zu melden. Deren Website finden Sie hier.

WEITERE WISSENSCHAFTLICHE STUDIEN

WELTWEIT ERSTE STUDIE ZU SCHLAGOPFERN UND VOGELZUGINTENSITÄT

Zugvögel und Windenergie

Bern, 28.11.2016 – Die Schweizerische Vogelwarte Sempach hat im Auftrag des Bundesamts für Energie die erste internationale Studie „Zugvögel und Windenergie“ erstellt. Kollisionen von Vögeln mit Windenergieanlagen (WEA) gehören zu den größten Kritikpunkten bezüglich der Nutzung von Windenergie. Um die Auswirkungen von WEA auf Zugvögel zu beurteilen, müssen sowohl die Anzahl der insgesamt an einer WEA vorbeiziehenden Vögel als auch die Anzahl der dabei verunglückenden Vögel (Schlagopfer) bekannt sein. Pro Windenergieanlage wurde dabei ein Mittelwert von 20,7 Vogelopfern pro Jahr ermittelt.

Adresse für Rückfragen
Marianne Zünd, Leiterin Medien und Politik BFE, 058 462 56 75 / 079 763 86 11
Michael Schaad, Mediensprecher der Schweizerischen Vogelwarte, 041 462 97 35

STUDIE: FACHAGENTUR WINDENERGIE AN LAND

WINDENERGIE IM WALD IM LÄNDERVERGLEICH

Mitte 2018 hat die Fachagentur Windenergie an Land die dritte Auflage der Studie „Entwicklung der Windenergie im Wald - Ausbau, planerische Vorgaben und Empfehlungen für Windenergiestandorte auf Waldflächen in den Bundesländern“ veröffentlicht. Danach waren in Deutschland Ende 2017 insgesamt 1859 Windkraftanlagen in Wäldern in Betrieb. Davon wurden 80% seit 2010 errichtet.

PROGRESS STUDIE

UNTERSUCHUNG KONFLIKTFELD WINDENERGIE UND KOLLISIONSRATEN

Das Projekt „Ermittlung der Kollisionsraten von (Greif-)Vögeln und Schaffung planungsbezogener Grundlagen für die Prognose und Bewertung des Kollisionsrisikos durch Windenergieanlagen“ (PROGRESS) befasst sich mit Kollisionen von Vögeln (und Fledermäusen) als zentrales Konfliktfeld zwischen dem Ausbau der Windenergienutzung und dem Naturschutz.
Schlussbericht PROGRESS: Grünkorn, T., J. Blew, T. Coppack, O. Krüger, G. Nehls, A. Potiek, M. Reichenbach, J. Von Rönn, H. Timmermann & S. Weitekamp (2016).
Auf dem Parlamentarischen Abend der Deutschen Wildtier Stiftung 2016 hielt einer der führenden Ornithologen Deutschlands, Prof. Dr. Oliver Krüger, einen beeindruckenden Vortrag. Der Biologe am Lehrstuhl für Verhaltensforschung an der Universität Bielefeld erläuterte die „Progress-Studie“, bei der die Kollisionsraten von Greifvögeln an Windkraftanlagen erforscht wurden. Eine schriftliche Fassung des Vortrages können Sie hier herunterladen.

Besonders betroffene Tierarten

Greifvögel leiden unter dem Ausbau von Windkraft im Wald

Greifvögel
Besonders Greifvögel sind weltweit von Kollisionen an Windrädern betroffen. In Deutschland sind mehr als 38 % der bisher registrierten 3.674 Kollisionsopfer Greifvögel. Die meisten Arten erreichen ein hohes Alter und ziehen nur wenige Junge auf, daher wirken bei ihnen Verluste besonders schwer. Für den Rotmilan bewegen sich die Verluste an WEA in Brandenburg bereits an der Grenze zur Beeinträchtigung der dortigen Population. Dabei trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art: mehr als die Hälfte aller Rotmilane weltweit brüten in Deutschland. Auch der noch weit verbreitete Mäusebussard leidet unter dem Ausbau von Windkraft im Wald. Als häufigste Greifvogelart deutschlands führt er ebenfalls die Liste der Kollisionsopfer mit WEA an und erleidet zumindest regional Bestandsrückgänge. Waren Greifvögel bisher meistens bei ihren Flügen zur Nahrungssuche im Offenland durch die Kollision mit Rotoren gefährdet, beeinträchtigen WEA im Wald ihre Brutplätze und Rückzugsorte. Der sehr seltene Schreiadler ist auf weite, unzerschnittene Waldflächen angewiesen und ist extrem sensibel gegenüber Störungen. Der Schutz seines Lebensraums vor WEA hat eine hohe Bedeutung für die Erhaltung der kleinen Schreiadlerpopulation in Deutschland.

Gefährdungspotenzial Fledermäuse

WÄLDER BIETEN FÜR NAHEZU ALLE FLEDERMAUSARTEN DEUTSCHLANDS EINEN UNVERZICHTBAREN LEBENSRAUM

Alte, großflächige Laub- und Mischwälder werden von einer Vielzahl von Fledermausarten, wie dem Großen Abendsegler (Nyctalus noctula), als Fortpflanzungs- und Ruhestätte aber auch als Jagdhabitat genutzt.

Windenergie stellt für Fledermäuse ein hohes Gefährdungspotenzial dar.

Mehr als die Hälfte unserer Fledermausarten sucht zudem Baumhöhlen als Quartiere aus. Deswegen muss bei der Risikoabwägung von Windenergie im Wald, einem Lebensraum mit einer besonderen Bedeutung für viele Fledermausarten, sehr stark auf mögliche Beeinträchtigungen von Nahrungshabitaten sowie Fortpflanzungs- und Ruhestätten geachtet werden. Zusätzlich zu den bekannten Auswirkungen im Offenland, wie etwa der Kollision mit Rotoren oder dem Barotrauma, das bedingt durch Verwirbelungen und den Druckabfall hinter den Rotorblättern Lungen und innere Organe der Fledermäuse zum Platzen bringt, kann der Bau von Betriebswegen und Fundamenten mit den einhergehenden Rodungen zu einem Verlust der Ruhestätten und des Jagdhabitats führen.
Bei den Auswirkungen von WEA auf Fledermäuse besteht immer noch ein besonders hoher Forschungsbedarf. Jedoch ist zu befürchten, dass die Fledermauspopulationen in den nächsten Jahren dramatisch einbrechen können, wenn die hier geschilderten Erkenntnisse beim weiteren Ausbau der Windenergie unberücksichtigt bleiben.

Weitere betroffene Tierarten

ZUSAMMENHÄNGENDE LEBENSRÄUME SIND UNVERZICHTBAR

Viele unserer Wälder zählen zu den letzten großräumig unzerschnittenen Landschaften. Deshalb sind sie auch Lebensräume für störungsempfindliche Tierarten wie Luchs, Wildkatze und Rothirsch. Diese Arten benötigen den großen zusammenhängenden Lebensraum genauso wie gefährdete Vogelarten.

Ob die Zerschneidung großer Wälder durch Zufahrtsstraßen und Leitungstrassen für diese Arten zu einem Problem werden kann, hängt stark vom Ausmaß der damit verbundenen Störungen ab.

Die nachtaktiven Haselmäuse bewegen sich fast ausschließlich in der Strauch- und Baumschicht. Gehölzfreie Bereiche wie breit ausgebaute Zuwegungen können daher bereits eine Barriere darstellen und Lebensräume zerschneiden.

Zusammenhängende Lebensräume von Luchsen und anderen Wildtieren dürfen nicht durch Windkraftanlagen zerschnitten werden.

Amphibien und Reptilien
Straßenverkehr ist eine besondere Gefahr für Amphibien und Reptilien. Insbesondere bei der Errichtung der Anlagen muss darauf geachtet werden, dass keine Schlaf- und Ruhestätten zerstört oder beeinträchtigt werden. Ob Amphibien oder Reptilien an dem Standort betroffen sind, muss vorher umfassend geprüft werden. Die Bauzeitenregelungen müssen dann entsprechend an den Artenschutz angepasst werden. Weiterhin bleibt der Betrieb der Anlagen aufgrund des zunehmenden Verkehrs auf den Zufahrten für diese Arten ein Risiko.

Mohn am Wegesrand

Energie aus Wildpflanzen

Neben der Windenergie führt auch der Ausbau der Biogasanlagen durch den starken Anbau von Mais zum Konflikt mit Wildtieren. Lesen Sie hier, wie sich die Deutsche Wildtier Stiftung für eine Alternative zum Mais als Substrat für Biogasanlagen stark macht.

Zum Projekt
projekte_wea_wald_content_m

Studie: Windenergie im Lebensraum Wald

Hier können Sie die 2. überarbeitete Auflage der Studie Windenergie im Lebensraum Wald kostenlos herunterladen.

Herunterladen
spenden-energiepolitik

Spenden

Alle Spendengelder werden in voller Höhe ohne Abzug von Verwaltungskosten und Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit für Wildtier- und Naturschutzprojekte verwendet.

Jetzt Spenden