Spatz – Wohnungsnot in der Stadt

Spatzenretter Hamburg – Weltstadt rettet Weltvogel

Spatz

Früher war der Haussperling – auch Spatz genannt – ein häufiger Nachbar des Menschen. Doch die moderne Bauweise macht ihm das Leben schwer. Es fehlen Nist- und Versteckmöglichkeiten sowie Nahrung für die Jungvögel. Dies brachte den geselligen Singvogel und Kulturfolger in Hamburg auf die Rote Liste und deutschlandweit auf die Vorwarnliste. Mit diesem Naturschutzprojekt möchte sich die Deutsche Wildtier Stiftung aktiv für den Schutz des Spatzen einsetzen. In Hamburg und Berlin werden Kita- und Grundschulkinder in konkreten Projekten zum Thema „Kinder werden Spatzenretter“ für das Thema sensibilisiert und aktiv in die Umsetzung von Schutzmaßnahmen eingebunden.

Vom „Allerweltsvogel“ auf die Rote Liste

WARUM IST EIN SOFORTIGES ENGAGEMENT WICHTIG?

In Hamburg pfeifen die Spatzen längst nicht mehr von allen Dächern. Neue und sanierte Gebäude mit glatten Fassaden bieten kaum noch Nischen, die als Brutplatz dienen können. Eine weitere Ursache für den Rückgang des Haussperlings (Passer domesticus) ist der Mangel an Insekten – notwendige Nahrung für die Jungen. Naturnahe Grün- und Brachflächen verschwinden. Und die Vorliebe vieler Menschen für exotische Pflanzen und artenarmes Einheitsgrün ist für Spatzen problematisch, denn solche Flächen bieten unseren heimischen Insekten kaum Nahrung. Erwachsene Haussperlinge leben überwiegend vegetarisch und sind ganzjährig auf Samen und Körner angewiesen.

Die aktuelle 4. Rote Liste der gefährdeten Brutvögel Hamburgs zeigt die Dringlichkeit. Mit großem Abstand hat der Haussperling, der bis in die 1980er-Jahre noch die häufigste Brutvogelart in der Stadt war, am meisten Brutpaare verloren. Von 29.000 Brutpaaren zur Zeit der 3. Fassung der Roten Liste Mitte der 2000er-Jahre sind noch maximal 16.000 Brutpaare übrig geblieben. Seit der ersten Atlaskartierung Ende der 1990er-Jahre hat die Art sogar mehr als 50 Prozent ihres Bestandes verloren. Als erste deutsche Großstadt hat Hamburg den Haussperling 2018 auf die Stufe der gefährdeten Vogelarten gesetzt.

Weltstadt rettet Weltvogel

WIE VIELE SPATZEN LEBEN IN HAMBURG?

Ein Ziel der Deutschen Wildtier Stiftung in Kooperation mit dem Verein Neuntöter e. V. ist es, dem Bestandsrückgang des Spatzen in vielen Hamburger Stadtteilen dauerhaft entgegenzuwirken. In der Hansestadt soll sein verbliebener Lebensraum langfristig erhalten und erweitert werden, damit sich die verbliebenen Bestände erholen können. Um zielgerichtet Schutzmaßnahmen umsetzen zu können, braucht es zunächst einmal Daten über den Bestand. Deshalb fand im Frühjahr/Sommer 2020 eine Erfassung der Spatzenbestände im städtischen Bereich nördlich der Elbe statt. Denn insbesondere in den Bezirken Altona, Eimsbüttel, Nord und Wandsbek ist der Haussperling verschwunden. Die Erfassung von Brutplätzen wird laufend fortgesetzt.

Erfassungsmethode

Die Kartierungen der Brutvorkommen führte Simon Hinrichs vom Neuntöter e. V. zwischen März und Juli 2020 durch. Im August und September 2020 erfolgten Nachkontrollen, auch um die Nutzung der Gebiete außerhalb der Brutzeit beurteilen zu können.
Zunächst suchte der Projektleiter vom Neuntöter e. V. bekannte Reviere von Haussperlingen auf, um Veränderungen in der Bestandssituation feststellen zu können. Bei neu entdeckten Brutvorkommen wurde auch das Umfeld untersucht, um die genaue Verbreitung zu erfassen. Jede Kolonie wurde mindestens zwei Mal kontrolliert, da Spatzen mehrmals im Jahr brüten können und die Zahlen dadurch verlässlicher sind.

Ergebnisse der Kartierung

In vielen Stadtteilen Hamburgs ist der Spatz verschwunden. In Barmbek, Eilbek, Eppendorf und Winterhude konnten gar keine Spatzen mehr gefunden werden. Die Ursachen für das Verschwinden sind vermutlich Sanierungen alter Gebäude, die Entfernung von Fassadenbegrünung (insbesondere Efeu) und der Verlust von Gärten und Parks durch den Bau neuer Wohnungen, die sogenannte „Nachverdichtung“.
Vielfach fehlen dichte, dornige Hecken und Brachflächen für die Nahrungssuche nach Samen und Insekten sowie das offene Gelände. Stadtteile mit hohen Straßenbäumen und schattigen, dunklen Bereichen werden von Spatzen eher gemieden. Durch Versiegelungen, beispielsweise durch Nachverdichtungen, gibt es zudem immer weniger Gärten und Brachflächen in der Stadt. Dabei sind sie so wichtig, denn die artenreiche Vegetation in Gärten und Brachflächen sorgt meist für eine große Artenvielfalt und somit für eine reichhaltige Nahrungsquelle für Spatzen und für viele andere Tierarten. Nur offene Böden bieten auch Möglichkeiten für die Sandbäder zur Gefiederpflege. Aber in Neubauvierteln stehen die Gebäude oft sehr dicht zusammen, und der verbliebene Freiraum wird mit exotischen Pflanzen und Einheitsgrün gestaltet. Eine weitere Erkenntnis: Spatzen mögen auch Bereiche mit Außengastronomie, wo Krümel und Reste als Ersatz für Samen oder Körnerfutter anfallen.
Von den 51 untersuchten Standorten mit Kolonien gab es nur zehn Standorte mit über zehn Brutpaaren und 18 Standorte mit nur ein bis drei Brutpaaren. Große Populationen mit über 20 Brutpaaren sind nur noch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen an den Randbereichen der Stadt zu finden. Dort ist noch ein ausreichendes Nahrungs- und Brutplatzangebot vorhanden.

Hilfe für den Spatzen

Als Kulturfolger lebt der Spatz in menschlichen Siedlungen. Daher haben wir Menschen für diese Art in den Städten eine besondere Verantwortung. Von Ausweisungen neuer Naturschutzgebiete profitiert der kleine Vogel kaum und nur indirekt. Aufgrund seines sehr geringen Aktionsradius von 100 Metern während der Brutzeit müssen Schutzmaßnahmen in direkter Umgebung der Vorkommen erfolgen. Problematisch sind sanierte und neue Gebäude mit Wärmedämmung, denn sie bieten kaum Nischen, in denen der Spatz Platz zum Brüten findet.
Im Umfeld vorhandener Spatzenvorkommen sollten Nistkästen an Gebäuden aufgehängt werden. Besonders geeignet sind dafür Schulen, Kitas, Kirchen und öffentliche Gebäude, wo die Spatzen langfristig geschützt werden können. Auch Siedlungen von beispielsweise größeren Wohnungsbaugenossenschaften kommen als langjährig bleibende Brutplätze infrage.
Ergänzend zu den Nistkästen ist das Pflanzen von heimischen Hecken und Sträuchern eine wichtige Maßnahme für den Erhalt der Spatzenkolonien. Denn dichte Hecken sind ein weiteres überlebenswichtiges Element in einem Spatzenrevier. Hier finden die kleinen Vögel Schutz und Nahrung. Oft sind es einzelne Sträucher oder Hecken, die als „zentrale Sammelstelle“ einer ganzen Population dienen. Alternativ nutzen sie auch begrünte Fassaden. Der Verlust solcher Sammelplätze und Schutzräume kann ebenfalls zur Aufgabe von Brutplätzen führen.

Beispiele aus der Projektumsetzung

NEUE SPATZEN-SIEDLUNGEN

Im direkten Umfeld der Spatzenbestände werden die Hausbewohner und -eigentümer sowie öffentliche Einrichtungen, wie z. B. Kitas und Schulen, informiert und individuell zu Maßnahmen beraten (Anbringung von Nistkästen und Heckenpflanzung mit heimischen Sträuchern) sowie bei der Umsetzung begleitet. Durch diese Schutzmaßnahmen werden auch weitere Arten gefördert, insbesondere Vögel und Insekten.
Die Katholische Pfarrei St. Paulus in Hamburg-Billstedt mit angrenzender Schule und Kita konnte bereits spatzenfreundlich gestaltet werden: Das Außengelände der Pfarrei ist umgeben von Ligusterhecken, die attraktive Sammelplätze für den einstigen Allerweltsvogel sind. Zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Schule St. Paulus wurden auf dem Schulgelände heimische Sträucher und Stauden als Nahrungsquelle gepflanzt. Und um den Spatzen ein langfristiges, sicheres Zuhause zu bieten, wurden an geeigneten Ostfassaden Nistkästen montiert. Mit diesen Maßnahmen kann diese Brutkolonie hoffentlich dauerhaft erhalten werden.
Auch an weiteren Standorten, wie am Fischmarkt Hamburg-Altona, in Horn und Bramfeld, konnten bereits Nistkästen montiert und Sträucher gepflanzt werden.

Projektziel

Eine lebendige, artenreiche Natur direkt vor der Haustür schafft Lebensqualität für alle. Auch die Anwohner übernehmen Verantwortung für den Schutz ihrer gefiederten Nachbarn und tragen das Wissen und Bewusstsein in die ganze Stadt – so wird der Spatz zum Stadtgespräch. Nur was sie kennen und schätzen, werden sie später auch schützen wollen. Ergänzend dazu können Schulen und Kitas die Janosch-Spatzenkiste der Deutschen Wildtier Stiftung ausleihen, um gleichzeitig die Naturbildungsarbeit und das Bewusstsein von Stadtkindern für die Natur vor der eigenen Haustür zu fördern.

Unsere Partner und Förderer

Spatz

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Der Spatz sucht als sogenannter Kulturfolger die Nähe zum Menschen. Er lebt in enger Nachbarschaft zu uns und profitiert von menschlichen Strukturen.

Zum Steckbrief
Über unser Projekt

Kinder werden Spatzenretter

Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich mit ihrem Projekt „Rettet den Spatz!“ für den Schutz des Haussperlings ein. Mit der Janosch-Spatzenkiste werden der Spatz und seine Gefährdung zu einem Thema in der Naturbildungsarbeit mit Kindern.

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