Tier des Jahres

Deutsche Wildtier Stiftung verkündet das Tier des Jahres 2018: Die Wildkatze

Wildkatze

Mit der Wahl des „Tier des Jahres“ setzt die Deutsche Wildtier Stiftung die langjährige Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild fort. Seit 2017 wählen die Förderer der Deutschen Wildtier Stiftung ein Tier des Jahres, auf das in der Öffentlichkeit aufmerksam gemacht werden soll. Sei es aufgrund seiner Gefährdung oder der Bedrohung seines Lebensraumes durch den Menschen, das Schutzbedürfnis der Art soll ein Jahr lang im Fokus stehen. Wildtiere brauchen eine Stimme, damit ihr Überleben langfristig gesichert werden kann.

Tier des Jahres 2018

Sie war zwischenzeitlich fast verschwunden und ist dabei, sich ihren Lebensraum zurück zu erobern. Mit der Wildkatze kürt die Deutsche Wildtier Stiftung eine Rückkehrerin, die auf naturnahe Wälder sowie hecken- und gehölzreiche Kulturlandschaften angewiesen ist. Die Wildkatze lebt zurückgezogen in strukturreichen Wäldern und verbringt den Tag versteckt in Baumhöhlen, Totholzhaufen oder ehemaligen Dachs- und Fuchsbauten. Scheu, einzelgängerisch und immer „in Deckung“ ist sie in ihren großen Streifgebieten unterwegs und von uns Menschen daher nur selten zu beobachten. Als geschickte Schleichjägerin erbeutet sie vor allem Mäuse. Beinahe ausgerottet leben heute wieder einige Tausend Individuen in Deutschland – vor allem in den Mittelgebirgen. Doch noch immer ist die Wildkatze gefährdet: ihr fehlen vor allem abwechslungsreiche Kulturlandschaften mit ausreichend Querungsmöglichkeiten im dichten Straßennetz, damit sie zwischen Waldgebieten wandern und sich ausbreiten kann.

Fotofallen: Wer geht durch den Wildkatzentunnel?

Verkehrsopfer mit Querungshilfen verhindern

Die Deutsche Wildtier Stiftung dokumentiert mit Hilfe automatischer Kameras (Fotofallen), wie gut eine Querungshilfe im Ostharz von Wildkatzen angenommen wird und welche weite-ren Arten sie nutzen. Die aus zwei Tunnelbauwerken und einem speziellen Zaun bestehende Schutzmaßnahme wurde an einem Abschnitt einer Bundesstraße installiert, an dem besonders viele Wildkatzen Opfer des Straßenverkehrs wurden. Bisher hat sie sich als sehr effektiv erwiesen und dient als best-practice Beispiel zur Verhinderung von Verkehrsopfern. Einmal im Monat stellen wir hier die Fotos der Arten vor, die die beiden Tunnelbauwerke zum Wechseln der Straßenseite nutzen.

Todesfalle Straßenverkehr

Die größte unmittelbare Gefährdung für Wildkatzen geht vom Straßenverkehr aus. Innerhalb ihrer großen Streifgebiete und auf weiten Wanderungen müssen die Tiere häufig Autobahnen, Bundes- und Landstraßen überqueren, auf denen es leider häufig zu Kollisionen kommt, die in der Regel tödlich enden. Vor allem sind junge Wildkatzen auf der Suche nach eigenen Revieren betroffen. Aber auch viele Erwachsene, die für den Nachwuchs sorgen, verunfallen im Straßenverkehr.

Häufig werden Wildkatzen an immer denselben Stellen überfahren. Diese Unfallschwerpunk-te kommen in Waldgebieten dort zustande, wo Wildkatzen sich an den Duftmarkierungen ihrer Artgenossen orientieren und somit häufig dieselben Wege nutzen. Aber auch in der offenen Kulturlandschaft, wo versteckreiche Strukturen, wie Hecken und Gehölze, eine Straße kreuzen, gibt es solche Gefahrenschwerpunkte. Wildkatzen sind streng an deckungsbietende Lebensraumstrukturen gebunden und verlassen diese kaum.

Für den sicheren Wechsel der Straßenseite nutzen Wildkatzen, wie auch viele andere Wildtiere gerne vorhandene Unterführungen, wie Weg- oder Gewässerdurchlässe. In der Regel werden Unterführungen von Wildkatzen eher genutzt als Überführungen.

Unfallschwerpunkte können häufig durch spezielle Schutzmaßnahmen erfolgreich entschärft werden. Von solchen Maßnahmen profitieren immer auch viele andere Arten. So können Wildkatzen mit Hilfe von Gehölzplanzungen und einem speziellen, für sie unüberwindbaren Zaun zu vorhandenen Unterführungen gelenkt werden. Wo keine geeigneten Weg- oder Gewässerunterführungen vorhanden sind, muss geprüft werden ob es technisch möglich ist, Tunnel als Querungshilfen nachträglich in die Straße zu integrieren. Mit Hilfe von Gehölzpflanzungen werden die Tiere auch hier in Richtung Unterführung geleitet. Zusätzlich verhindert ein Zaun an der Straßenböschung, dass die Tiere versuchen, an falscher Stelle die Straßenseite zu wechseln.

Tunnel mit Sichtschutz als Querungshilfe

Das Bild zeigt die für Wildkatzen errichtete Querungshilfe im Landkreis Harz. Der Tunnel mit Sichtschutz und speziellem Zaun wird gern von Wildkatzen und vielen anderen Arten zum Wechsel der Straßenseiten genutzt

Best-Practice-Beispiel im Landkreis Harz

Im Jahr 2011 wurde im Auftrag der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt an einem Unfallschwerpunkt im Ostharz eine Querungshilfe in die Bundesstraße eingebaut. Seitdem gibt es keine weiteren Wildkatzenverkehrsopfer mehr.
Die Deutsche Wildtier Stiftung dokumentiert mit Fotofallen wie die beiden Tunnel von Wildkatzen heute angenommen werden und welche weiteren Arten von der Maßnahme profitieren. Einmal im Monat werden die Kamerabilder ausgewertet und die Fotos der querenden Arten vorgestellt.

Die besten Fotofallenbilder Mai-Juni 2018

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Gemeinsam für die Wildtiere Deutschlands

Deutsche Wildtier Stiftung führt Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild fort

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild hat in den vergangenen Jahrzehnten unter Leitung von Dr. Wolfgang Burhenne und seinen Mitstreitern Herausragendes für Wildtiere nicht nur in Deutschland, sondern auch auf der internationalen Ebene geleistet. Wolfgang Burhenne war – wie kein anderer – ein Urgestein der deutschen Naturschutz- und Umweltpolitik. Er war Gründer des Vereins Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland als Sprachrohr der Wildtiere entwickelte und in dem sich namhafte politische Größen engagierten. So konnte die Schutzgemeinschaft erheblichen Einfluss auf die Gesetzgebung in Sachen Jagdwesen und Naturschutz nehmen und gestaltete maßgeblich die Anfänge der Naturschutzpolitik sowohl in Deutschland als auch weltweit mit. 1950 reiste Burhenne als Vertreter der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zur zweiten Generalversammlung der frisch gegründeten Internationalen Union zum Schutz der Natur IUCN. Ihm ist es mit zu verdanken, dass diese rund zehn Jahre später einen Rechtsausschuss gründete, aus dem heraus in den Dekaden seither zahlreiche internationale Abkommen entwickelt wurden, u.a. das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES.

Nach jahrzehntelanger erfolgreicher Naturschutzarbeit, kämpfte Wolfgang Burhenne immer noch unerschütterlich für Natur und Tierwelt. Aber das Alter fordert seinen Tribut und die Sorge um die Zukunft der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild wuchs. 2009 wurde die Schutzgemeinschaft als Verein aufgelöst und von Burhenne in eine unselbständige Stiftung mit der Elisabeth-Haub-Stiftung als Treuhänder umgeformt. Die langjährigen persönlichen Kontakte und das vertrauensvolle Verhältnis zur Deutschen Wildtier Stiftung ließen zunehmend die Idee reifen, die Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zukünftig unter dem Dach der Deutschen Wildtier Stiftung weiterzuführen. Nach intensiven Gesprächen zwischen der Schutzgemeinschaft, ihrem Treuhänder, der Elisabeth-Haub-Stiftung, und der Deutschen Wildtier Stiftung, haben die beteiligten Gremien Ende November 2016 beschlossen, die Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild unter dem Dach der Deutschen Wildtier Stiftung fortzusetzen. Beide Stiftungen ergänzen und stärken sich – im Sinne eines erfolgreichen Artenschutzes in Deutschland.

Tier des Jahres in Deutschland seit 1992

2017 Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
2016 Feldhamster (Cricetus cricetus)
2015 Feldhase (Lepus europaeus)
2014 Wisent (Bos bonasus)
2013 Mauswiesel (Mustela nivalis)
2012 Gämse (Rupicapra rupicapra)
2011 Eurasischer Luchs (Lynx lynx)
2010 Dachs (Meles meles)
2009 Braunbrustigel (Erinaceus europaeus)
2008 Wisent (Bos bonasus)
2007 Elch (Alces alces)
2006 Seehund (Phoca vitulina)
2005 Braunbär (Ursus arctos)
2004 Siebenschläfer (Glis glis)
2003 Wolf (Canis lupus)
2002 Rotwild (Cervus elaphus)
2001 Feldhase (Lepus europaeus)
2000 Äskulapnatter (Zamenis longissimus)
1999 Fischotter (Lutra lutra)
1998 Unke (Bombina)
1997 Alpensteinbock (Capra ibex)
1996 Feldhamster (Cricetus cricetus)
1995 Apollofalter (Parnassius apollo)
1994 Rotwild (Cervus elaphus)
1993 Wildkatze (Felis silvestris)
1992 Fledermaus (Microchiroptera)

Wildkatze beim Fauchen.

Wildkatze

Waldreiche Mittelgebirge sind die letzten Rückzugsräume der Wildkatze in Deutschland. Von hier aus erobert sie sich heute fast unbemerkt ehemalige Lebensräume zurück.

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Wildkatze im Unterholz

Wildkatzen – auf der Spur

Ein Forschungsprojekt zur Auswirkung von Störeinflüssen in den Lebensräumen der Europäischen Wildkatze

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Todesfalle Straßenverkehr

Keine andere vom Menschen ausgehende Gefahrenquelle beeinträchtigt Wildkatzen mehr als der Straßenverkehr. Auch in unserem Wildkatzenprojekt gab es d…

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