Schweinswal

Unser einziger Wal

Schweinswal guckt aus dem Wasser,
© imageBROKER.com / Willi Rolfes Schwimmende Schweinswale mit Jungtier,
Copyright blickwinkel/AGAMI/W. J. Strietman

Population in Deutschland:

keine Angabe möglich

Bedrohungsstufe:

1

nicht bedroht

Die Bestände haben zugenommen oder sind stabil.

2

rückläufig, aber nicht bedroht

Die Bestände sind bemerkbar zurückgegangen oder es ist eine Verschlechterung abzusehen.

3

bedroht

Die Bestände sind erheblich zurückgegangen oder durch menschliche Einwirkungen bedroht.

4

vom Aussterben bedroht

Ein extrem großes Risiko des Aussterbens in der Zukunft.

Einleitung

Der Gewöhnliche Schweinswal (Phocoena phocoena) ist unser einziger heimischer Wal und in Nord- und Ostsee anzutreffen. Seine bevorzugten Lebensräume sind flache Küstengewässer, in denen er nach Fisch jagt. Wie alle Zahnwale macht sich auch der Schweinswal zur Orientierung, Partnersuche und Jagd nach Fischen durch Ultraschallwellen ein akustisches Bild seiner Umgebung. Im Unterschied zu den Delfinen haben Schweinswale aber keine schnabelförmige Schnauze, sondern eine abgerundete Kopfform. Beim Auftauchen aus dem Wasser ist ihre kleine dreieckige Finne gut zu erkennen.

Fakten

lateinischer Name

Phocoena phocoena

Schweinswal: Alter

bis zu 20 Jahre

Schweinswal: Gewicht

Ø 48 kg (Männchen) und 57 kg (Weibchen)

Woher kommt der Name Schweinswal?

Früher hielten Seefahrer den Schweinswal möglicherweise für ein Schwein. Die Gründe hierfür können ähnliche Körpermerkmale wie die breite Zunge und seine dicke Fettschicht unter der gummiartigen Haut sein, die ihn vor dem Auskühlen im Meer schützt. Frühere Bezeichnungen sind auch Tümmler oder Kleiner Tümmler.

Gewöhnlicher Schweinswal ,
© Solvin Zankl

Kommunikation und Orientierung mittels Echoortung

Nahrung

  • Wirbellose

  • Fische

  • Schalentiere

Feinde

Haie (nicht in D) Schwertwale (nicht in D)

Größe

SchweinswalMerkmale

Der Schweinswal hat einen gedrungenen Körper mit einem runden Kopf und einer angedeuteten Schnauze. Am Ober- und Unterkiefer besitzt er kleine, kräftige Zähne. Um im Meer gut vorwärtszukommen hat er eine kräftige, etwa 50 Zentimeter breite Schwanzflosse. Seine Brustflossen sind oval und laufen spitz zu. Die Bauchseite ist weiß bis cremefarben, der Rücken ist dunkelgrau oder schwarzbraun gefärbt.

SchweinswalGlatte Haut und dicke Fettschicht

Die Haut der Schweinswale ist sehr glatt und besitzt keine Haare oder Schweißdrüsen. Somit können sie auch nicht schwitzen, ihre Haut ist dicht und wasserabweisend. Über den Blutkreislauf können Schweinswale ihre Körpertemperatur regulieren. In besonders kalten Meeren schützt sie eine Fettschicht vorm Erfrieren. Denn ihre Unterhaut besitzt ein dickes, wärmeisolierendes Fettgewebe – den Blubber. Erwachsene Schweinswale haben eine Fettschicht von 25 bis 35 Millimeter und Jungtiere eine von 40 bis 60 Millimeter. Je nach Alter kann die Fettschicht daher zwischen 20 bis 50 Prozent des Körpergewichtes betragen.

SchweinswalKommunikation mittels Echoortung

Zur Kommunikation und Orientierung unter Wasser nutzen Schweinswale Echoortung – ähnlich wie Fledermäuse. Denn in der Tiefe ist es sehr dunkel und das Licht dringt nicht sehr weit vor. Schallwellen breiten sich im Wasser sehr gut aus. Daher nutzen alle Zahnwale die Echoortung. Hierfür erzeugen sie wiederholt kurze, für den Menschen nicht hörbare Schallimpulse (Klicks) im Ultraschallbereich. Diese geben sie über die sogenannte Melone, einem Organ aus Fettgeweben, in ihre Umgebung ab. Die von der Umgebung zurückgeworfenen Schallwellen (Echo), etwa von Fischen, werden über den Unterkiefer an das Innenohr weitergeleitet. So können sich Schweinswale ein akustisches Bild ihrer Umgebung machen.

SchweinswalSeltene Sichtung

Die kleinen Wale kommen zum Atmen mit einem hörbaren Blas nur kurz an die Wasseroberfläche. Dann tauchen sie wieder mit einer rollenden Bewegung unter. Zu sehen ist dabei nur ihr Rücken mit der dreieckigen Finne, die Schwanzflosse taucht nicht aus dem Wasser. Sprünge sind nur sehr selten zu beobachten. Ein Tauchgang kann bis zu sieben Minuten dauern, und beim Schwimmen kommen sie auf eine Geschwindigkeit von bis zu 22 Stundenkilometern. Die Lebenserwartung von 20 Jahren erreichen Schweinswale nur selten, in der Regel werden sie nur fünf bis neun Jahre alt. Denn es gibt viele Gefahren im Meer, denen die Tiere zum Opfer fallen können.

SchweinswalLebensweise

Schweinswale sind auf der Nordhalbkugel weit verbreitet. Die hohe See meiden sie in der Regel, vielmehr bevorzugen sie Küstengewässer mit nahrungsreichen Flachmeeren wie Fjorden, Buchten oder Flussmündungen mit einer Wassertiefe von bis zu 20 Metern. Schweinswale sind selten in größeren Gruppen unterwegs, sondern häufiger einzeln oder als Mutter-Kind-Paar anzutreffen.

Verbreitung in Nord- und Ostsee

Zwei Schweinswale schwimmen zusammen,
Copyright blickwinkel/AGAMI/W. J. Strietman

In der Ostsee sind die Schweinswale ganzjährig anzutreffen, dabei gibt es einzelne Gebiete, in denen sie vermehrt auftreten. Beispielsweise sind sie häufiger in der Kieler Bucht (im Winter), Flensburger Förde, im Kleinen Belt und westlich der Insel Darß anzutreffen. Ihr Kalbungsgebiet ist die zentrale Ostsee. Die Wanderung der Schweinswale in der Ostsee ist von folgenden Faktoren abhängig: Dichte und Verbreitung von Nahrungstieren ( z. B. von Heringsschwärmen ), Salzgehalt des Wassers, Vereisung des Meeres im Winter.

Auch in der Nordsee gibt es unterschiedliche Schwerpunkte in der Verbreitung. So lassen sich die Tiere in Walschutzgebieten vor Amrum und Sylt beobachten, aber auch vermehrt vor den Küsten Niedersachsens bis hin zur niederländischen Küste. Grund hierfür sind die Wanderrouten der Futterfische wie Hering, Kabeljau und Scholle, welchen die Schweinswale folgen.

Frischer Fisch

Copyright Kichigan/Shutterstock.com

Hauptbestandteil ihrer Nahrung ist Fisch. Je nach Meeresgebiet unterscheidet sich die Zusammensetzung der Nahrung: So wurden unter anderem Hering, Seehecht, Sprotte, Sardinen, Stint und Scholle bei Schweinswalen als Nahrung identifiziert. Daneben ernähren sie sich aber auch von Würmern, Schnecken, Krebstieren und Tintenfischen. Die gefressenen Fische sind meistens kleiner als 25 Zentimeter, da die Schweinswale größere Fische nicht schlucken können. Insbesondere die säugenden Muttertiere benötigen viel Nahrung und vertilgen pro Tag bis zu 500 Fische.

Mutter-Kind-Beziehung

Schweinswal Mutter und Kalb,
Copyright, Heloise Hamel (SDU/ITAW-TiHo)

Mit drei bis vier Jahren sind weibliche Schweinswale geschlechtsreif. Sie gebären nach einer Tragzeit von zehn bis elf Monaten ein Kalb, und die Paarung findet bereits kurz nach der Geburt wieder statt. Die Weibchen sind damit durchgehend tragend oder säugend. Während der Fortpflanzung und Kalbungszeit von Juni bis August bilden sie oft Gruppen. Nach der Fortpflanzung verlassen die Männchen die Weibchen und ziehen als Einzelgänger weiter. Die Mutter-Kind-Gruppen bleiben noch länger zusammen. Das Kalb wird acht bis elf Monate mit einer fettreichen Milch gesäugt. Nach etwa fünf Monaten wachsen die ersten Zähne und das Kalb beginnt, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Bis das Jungtier von der Mutter entwöhnt ist, dauert es etwa ein Jahr.

SchweinswalBedrohungen

Auch wenn der Schweinswal weltweit nach der IUCN Red List als „nicht gefährdet“ aufgeführt wird, sind seine Bestände in Europa gefährdet. In Deutschlands Roter Liste wird er als „stark gefährdet“ geführt. Insbesondere die Vorkommen in der Ostsee sind stark bedroht. Der Schweinswal ist hauptsächlich durch Ersticken in Stellnetzen (Beifang) sowie durch Unterwasserlärm und schleichende Vergiftung bedroht. Aufgrund der Gefährdung ist der Schweinswal auf europäischer Ebene nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie Anhang II & IV) streng geschützt.

Nahrungsmangel und verhängnisvolle Netze

Intensivierung der Fischerei

Durch Überfischung in Nord- und Ostsee wird den Schweinswalen ihre Nahrungsgrundlage entzogen. Insbesondere der Rückgang von Schwarmfischen ist problematisch.

Immer wieder werden Schweinswale auch unbeabsichtigt zu Opfern in Grund- und Stellnetzen. In den engen und feinen Maschen bleiben sie bei der Nahrungssuche am Meeresgrund hängen und sterben innerhalb weniger Minuten, da sie nicht zum Atmen auftauchen können. Um dies zu verhindern gibt es seit ein paar Jahren Versuche mit sogenannten Pingern, die Schweinswale auf die Netze aufmerksam machen sollen. Sie senden künstliche akustische Warnsignale aus. Jedoch wird in der Forschung auch befürchtet, dass sich Schweinswale schnell an die Signale gewöhnen können und dadurch verstärkt angelockt werden. Deshalb werden auch Forderungen gestellt, die die Fischerei insbesondere in Meeresschutzgebieten gänzlich verbietet.

Viel Lärm im Meer

Menschliche Infrastruktur

Schweinswale reagieren äußerst empfindlich auf Unterwasserlärm. Vor allem der permanente Lärm aus der Schifffahrt macht ihnen zu schaffen. Das empfindliche Gehör wird dabei geschädigt und die Wale verlieren ihre Orientierung. Bei den Bauarbeiten zu Offshore-Windkraftanlagen werden Stahlpfähle mit ohrenbetäubendem Lärm in den Meeresboden gerammt. Dieser ist auch aus größerer Entfernung wahrzunehmen. Auch die militärischen Unterwassersprengungen von Munition können zu tödlichen Verletzungen führen. Sind die Schweinswale nur 650 Meter entfernt, wird ihre Lunge zerrissen, aber auch Gehör und Gehirn werden geschädigt.

Um die Einflüsse von Lärm und Explosionen zu vermindern werden sogenannte Blasenschleier verwendet. Diese bilden einen aufsteigenden Vorhang aus Luftbläschen und dämpfen dadurch den Schall ab. Es lässt sich aber nicht gänzlich vermeiden, dass Schweinswale doch zu nah heranschwimmen und dabei beispielsweise Gehörschäden erleiden.

Schweinswal mit Schiff im Hintergrund
Copyright, Heloise Hamel (SDU/ITAW-TiHo)

Schleichendes Gift

Menschliche Infrastruktur

Durch die intensive anthropogene Nutzung von Nord- und Ostsee enthält das Wasser zahlreiche Schadstoffe wie Schwermetalle oder Pestizide. Über die Nahrungskette gelangen diese in den Körper der Schweinswale und reichern sich dort insbesondere im Fettgewebe an und wirken sich negativ auf das Immunsystem und die Fruchtbarkeit aus. Auch führen manche Gifte zu einer stärkeren Anfälligkeit für Parasiten und andere Krankheitserreger. So wurden bei der Obduktion verendeter Schweinswale häufig Lungenwürmer, Entzündung des Lungengewebes oder Parasiten in der Herzkammer festgestellt. Diese Faktoren zusammen mit der Gefahr des Ertrinkens in Netzen und Unterwasserlärm führen dazu, dass die Population der zentralen Ostsee von der IUCN Red List als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft ist.

Am Strand angespülter toter Schweinswal,
© imageBROKER.com / Erhard Nerger

SchweinswalWas wir tun

Der Schweinswal lebt in der Nord- und Ostsee, die durch den Menschen intensiv genutzt werden. Dort hat er mit vielen Bedrohungen wie Unterwasserlärm, Vergiftung durch Schwermetalle und Überfischung zu kämpfen. Und immer wieder läuft er Gefahr, als Beifang zu enden – vor allem in Stellnetzen. Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt daher Forschungsprojekte, die verhindern sollen, dass Schweinswale sich in Netzen verfangen und ertrinken.

Untersuchung zur Habitatnutzung des Schweinswals in der Ostsee

Artenschutz

Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt das Forschungsprojekt „Habitatnutzung des Schweinswals in einem Gebiet mit starker anthropogener Nutzung“ des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in der Eckernförder Bucht. Das ITAW erhebt mithilfe eines akustischen Monitorings durch Schweinswal-Detektoren (CPOD) Daten zum Schweinswalvorkommen. Denn das Gebiet der Eckernförder Bucht ist stark durch anthropogene Nutzung geprägt. Stellnetzfischerei, ein hohes Schifffahrtsvorkommen und militärische Aktivitäten wie Unterwassersprengungen sind erhebliche Belastungen für die Meeressäuger. In diesem Gebiet werden auch akustische Warngeräte (PALs) mit künstlichen Schweinswalklicks an den Stellnetzen eingesetzt. Die Verhaltensreaktionen der Wale auf die PALs sollen genauer untersucht werden, da es bislang nur Studien zum Beifang gibt, aber nicht zur Verhaltensweise der Schweinswale. Mithilfe dieser Daten können bessere Schutzmaßnahmen zum Schweinswal entwickelt werden.

Projekte

Im Küstenlebensraum engagieren wir uns beispielsweise auf den Halligen im Wattenmeer und in der Eckernförder Bucht. Auf den Halligen fressen Füchse, Marder und Ratten die Gelege vieler Küstenvögel – auch stark bedrohter Arten. Ein Forschungsprojekt soll jetzt Aufschluss darüber geben, wer genau die Gelege vieler Küstenvögel räubert und welche quantitative Bedeutung der Einfluss der einzelnen Prädatoren hat. In der Eckernförder Bucht wird die Habitatnutzung der Schweinswale in einem Forschungsprojekt untersucht. Dieses Gebiet ist geprägt von starker anthropogener Nutzung, die einen negativen Einfluss auf das Schweinswalvorkommen hat. Diese Daten sind notwendig, damit geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden können.

Austernfischer mit Küken / Foto: Mathias_Feldhoff

Küstenvögel – Räuber gefährden die Brut

Auf den Halligen im Wattenmeer fressen Füchse, Marder und Ratten die Gelege vieler Küstenvögel – auch stark bedrohter Arten. Ein Forschungsprojekt soll jetzt Aufschluss darüber geben, wer genau die Räuber sind und welche Bedeutung ihr Treiben hat.

Zum Projekt

Blogbeiträge

Schwimmende Schweinswale mit Jungtier,
Copyright blickwinkel/AGAMI/W. J. Strietman

Kleiner Tümmler in großer Not

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Gewöhnlichen Schweinswal zum Tier des Jahres 2022 gekürt. Der bis zu zwei Meter lange Meeressäuger ist heute...

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Unsere Küsten bilden nur einen schmalen Saum an Nord- und Ostsee, dabei gehören sie zu einem der spannendsten Lebensräume. In Wattenmeer, Boddenlandschaften und Sandbänken hat sich über Jahrhunderte eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. Doch diese besonderen Biotope sind bedroht, z. B. durch Fischerei oder Müll. Wir setzen uns dafür ein, diesen besonderen Naturschatz zu bewahren.

© imageBROKER.com / AVTG

Lebensräume sichern und heimische Küsten schützen

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Werden Sie zum Schweinswal-Retter und helfen Sie mit, die Forschung voranzutreiben – damit der kleine Wal wieder sein Lebensalter von 20 anstatt derzeit oft nur fünf Jahren erreicht. Warum Schweinswale Fischernetze häufig nicht als Gefahr erkennen und sich verletzen oder gar ertrinken, weil sie zum Atmen nicht auftauchen können, ist nicht ausreichend untersucht. Erste Versuche zeigen, dass man diese Netze durch akustische Warngeräte sowie durch Kunststoffperlen für Schweinswale hörbar und sichtbar machen kann.

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