Schreiadler - Lebensräume sichern

Der Schreiadler ist in den meisten Bundesländern Deutschlands bereits ausgestorben. Wir stellen unser umfassendes Schutzprogramm vor.

Schreiadlerjunges mit offenem Schnabel.

Die Zahl brütender Schreiadler ist in Deutschland seit 1990 um ca. 25 % zurückgegangen. In Mecklenburg-Vorpommern brüten nur noch circa 85, in Brandenburg etwa 25 Paare. In allen anderen Bundesländern ist der kleinste Adler Deutschlands ausgestorben! Um ihn vor dem Aussterben zu retten, führt die Deutsche Wildtier Stiftung ein umfassendes Schutzprogramm durch: Wir sichern und optimieren Lebensräume, setzen uns für einen besseren Schutz auf Zugwegen ein und organisieren eine breite Öffentlichkeitsarbeit, um Menschen auf den faszinierenden Greif aufmerksam zu machen.

Schreiadler-Lebensraum-Projekt

Um die letzten Schreiadler-Brutpaare in Deutschland vor dem Aussterben zu schützen, erprobt die Deutsche Wildtier Stiftung seit 2010 in fünf Brutgebieten in Mecklenburg-Vorpommern, wie eine Schreiadler-gerechte Landnutzung in die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe integriert werden kann. Die jeweils rund 50 Hektar großen Offenland- und Waldflächen liegen im Naturpark Feldberger Seenlandschaft und im Landkreis Rostock in der Nähe von Teterow. Grundsatz im Projekt ist die Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirten auf freiwilliger Grundlage und ein Ausgleich von wirtschaftlichen Nachteilen.

Das Projekt mit dem Titel „Sicherung und Optimierung von Lebensräumen des Schreiadlers in Mecklenburg-Vorpommern“ wird vom Bundesamt für Naturschutz als Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Daneben erfolgt eine Förderung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Klara Samariter-Stiftung. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Feldberger Seenlandschaft (Dr. Peter Wernicke) und dem Büro Salix (Dr. Wolfgang Scheller) durchgeführt.

Ackern für den Adler

In den Projektgebieten wird die Nahrungssituation der Schreiadler, die ihre Beute überwiegend im landwirtschaftlich genutzten Offenland im Umkreis von drei Kilometer um den Horst herum suchen, durch die Umwandlung von Ackerland in Grünland oder Brachen verbessert. Das Anlegen von Waldrandstreifen und die Renaturierung von Kleingewässern helfen dem Schreiadler, mehr Beutetiere zur Aufzucht des Jungadlers zu finden.

Die noch als Schreiadler-Lebensraum geeigneten Teile des Brutwaldes wurden im Rahmen des Projektes zu sogenannten „Waldschutzarealen“ zusammengefasst. Je nach Waldtyp werden diese Gebiete kaum oder auch gar nicht forstwirtschaftlich genutzt. Ein Schreiadler-gerechter Umgang der verschiedenen Waldtypen wurde bereits gemeinsam mit der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern erarbeitet. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes wird unter anderem in zwei Brutgebieten die Dichte von Kleinsäugern erfasst.

Von unserem Projekt können andere profitieren!

Das Ergebnis des Projektes ist ein Modell, das auf alle noch vorhandenen Brutgebiete in Deutschland übertragen werden kann. Dafür haben die Projektpartner auch Vorschläge für eine Schreiadler-gerechte Gestaltung von öffentlichen Förderinstrumenten erarbeitet. Denn der Schutz des Schreiadlers ist nicht allein Aufgabe der betroffenen Land- und Forstwirte. Ihr Einsatz für den Artenschutz soll sie nicht wirtschaftlich benachteiligen – im Gegenteil, die Bewahrung der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft ist eine zu honorierende Dienstleistung von Landnutzern für die gesamte Gesellschaft. Die Neugestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) ab dem Jahr 2014 bietet die Chance, im Rahmen der ländlichen Entwicklung gezielt Naturschutzprogramme zum Schutz der letzten Schreiadler-Lebensräume aufzulegen.

Vertragsnaturschutz für den Schreiadler

Die Ansprüche des Schreiadlers an das Offenland gleichen denen anderer Greifvogelarten wie dem Rotmilan, seine Ansprüche an den Waldlebensraum denen anderer anspruchsvoller Waldarten wie Schwarzstorch, Mittelspecht oder Mopsfledermaus. Vertragsnaturschutz für den Schreiadler dient somit in gleicher Weise anderen, zum Teil stark bedrohten Arten. Mit der Neugestaltung ihrer Förderpolitik für die ländlichen Räume ab 2015 haben die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die Chance erhalten, die Weichen im Sinne des Artenschutzes zu stellen. Um diesen Prozess zu unterstützen, hat die Deutsche Wildtier Stiftung im Frühjahr 2014 einen Leitfaden zur Schreiadler-gerechten Förderung veröffentlicht. Die im Leitfaden formulierten Vorschläge für Vertragsnaturschutz berücksichtigen verschiedene Arten der Finanzierung und der Vertragsgestaltung. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Kalkulation von wirtschaftlichen Nachteilen durch eine Schreiadler-gerechte Bewirtschaftung. Zu diesem Zweck wurde ein betriebswirtschaftliches Gutachten in Auftrag gegeben. Der Leitfaden stellt die ausgelaufenen Wald- und Agrarumweltmaßnahmen der Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (2005-2013) vor und bewertet sie aus Sicht des Schreiadlerschutzes. Dabei wird schnell klar, dass die bisher angebotenen Möglichkeiten im Vertragsnaturschutz nicht ausreichen, um den Druck auf die letzten verbliebenen Sommerhabitate des vom Aussterben bedrohten Adlers zu entschärfen. Die im Leitfaden formulierten Vorschläge für zukünftige Wald- und Agrarumweltmaßnahmen ermöglichen eine bedarfsgerechte Fortschreibung bzw. Entwicklung von geeigneten Förderinstrumenten in den Bundesländern.

Der Leitfaden wurde im Rahmen des Projektes zur „Sicherung und Optimierung von Lebensräumen des Schreiadlers in Mecklenburg-Vorpommern“ produziert. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums, durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Klara Samariter-Stiftung gefördert.

Bredenfelde – Flächenerwerb für den Schreiadler

Im Naturpark Feldberger Seenlandschaft (Mecklenburg-Vorpommern) hat die Deutsche Wildtier Stiftung 2014 und 2015 knapp 60 ha Acker- und Grünland erworben, um die Nahrungssituation für den Schreiadler, der in dieser Region eines seiner letzten Schwerpunktvorkommen hat, zu verbessern. Dazu sollen die Flächen in Kooperation mit den Landwirten vor Ort Schreiadler-gerecht bewirtschaftet werden. Ziel ist es, die Zahl der Kleinsäuger wie z.B. der Mäuse als Beutetier für den Schreiadler zu erhöhen und die Jagdmöglichkeiten in Nähe des Horstbaums zu verbessern. Die Flächen wurden auch mit Fördermitteln des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) sowie des Landes Mecklenburg-Vorpommern gekauft. Weitere Mittel kamen von Spendern der Deutschen Wildtier Stiftung wie u.a. der Paul Friedrich und Ursula Schnell Stiftung.

Adler-TV: Untersuchungen zum Schreiadler mit der Webcam

Seit dem Frühjahr 2011 unterstützt die Deutsche Wildtier Stiftung ein Schreiadlerprojekt in Lettland, bei dem das Brutgeschehen an zwei Schreiadlerhorsten in Echtzeit auf die Internetseite der Deutschen Wildtier Stiftung übertragen wird. Ziel des Projektes ist, Umfang und Art der Beutetiere, mit denen die Altvögel ihre Küken füttern, zu untersuchen. Im Frühjahr vor der Ankunft der Schreiadler installiert dafür der lettische Schreiadler-Experte und Kooperationspartner der Deutschen Wildtier Stiftung Dr. Uģis Bergmanis an zwei bekannten Horsten je eine versteckte Kamera.

Den Rückblick auf Adler-TV in den vergangenen Jahre und eine Auswahl der besten Szenen finden Sie unter hier.

Fachtagungen für den Schreiadler

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat im Jahr 2011 ihr 1. Schreiadlersymposium veranstaltet. Das 2. Schreiadlersymposium fand vom 04. bis 06. September 2015 in Zusammenarbeit mit dem EU-LIFE Projekt Schreiadler Schorfheide-Chorin statt. Bei den Symposien tauschen sich Ornithologen und Greifvogel-Freunde mit Vertretern der Praxis und der Wissenschaft sowie mit Entscheidungsträgern aus Politik und Verbänden über den aktuellen Stand der Forschung aus und diskutieren Ansätze für den Artenschutz. Der im Anschluss an das jeweilige Symposium erarbeitete umfangreiche Tagungsband dient als Dokumentation der Tagung und trägt die Inhalte der Schreiadlersymposien weit über den Teilnehmerkreis hinaus.

Schutz auf den Zugwegen

Schreiadler sind auf ihrem Zugweg in das südliche Afrika vielen Gefahren ausgesetzt. Als Thermiksegler fliegt der seltene Adler während seines ca. 65-tägigen Zuges nicht über das offene Wasser des Mittelmeers, sondern über den Bosporus und über die Länder des Nahen Ostens. Vor allem in der Türkei, dem Libanon und Syrien droht ziehenden Greifvögeln Gefahr durch Wilderer. Ein abgeschossener Adler gilt als Statussymbol! Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt daher internationale Bemühungen zum Schutz von ziehenden Vogelarten. Sie analysiert die jagd- und naturschutzrechtliche Situation in relevanten Ländern entlang der Zugroute, sensibilisiert internationale Jagdorganisationen wie den Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) für die Problematik der illegalen Jagd auf den Schreiadler und eröffnet und vermittelt Kontakte zum Sekretariat der „Bonner Konvention“ (Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten [CMS]) in Bonn und in Abu Dhabi.

Eine große Chance für den Schutz der Schreiadler auf ihren Zugwegen ist aus Sicht der Deutschen Wildtier Stiftung das „Verwaltungsabkommen zur Erhaltung der wandernden Greifvögel in Afrika und Eurasien“ (MoU Greifvögel), dem Deutschland und die Europäische Union im Jahr 2011 beigetreten sind. Wichtigstes Ziel des MoU Greifvögel ist die Koordinierung von Schutz- Maßnahmen für Greifvögel in ihrem Verbreitungsgebiet.

Schreiadlerjunges

Im Verleih: Fotoausstellung zum Schreiadler

Die Deutsche Wildtier Stiftung verleiht eine hochwertige Fotoausstellung zum Schreiadler. Sie schildert mit 29 professionellen Schreiadler-Fotografien ein Jahr im Leben des bedrohten Greifvogels. Die Besucher begegnen ihm bei seiner Rückkehr in die Brutgebiete im April, verfolgen die Jungenaufzucht und das Phänomen des Kainismus und begleiten ihn zurück auf seinem gefahrvollen Zug ins Winterquartier im südlichen Afrika.

Weitere Informationen zur Ausstellung, einen Tourplan und Informationen zur Ausleihe finden Sie unter www.Schreiadler.org.

Die Fotoausstellung wurde im Rahmen des E+E-Projektes zur „Sicherung und Optimierung von Lebensräumen des Schreiadlers in Mecklenburg-Vorpommern“ erarbeitet. Das Projekt wird u.a. vom Bundesamt für Naturschutz und durch das Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Feldberger Seenlandschaft und dem Büro Salix durchgeführt.

Brandaktuell: Schreiadlerschutz geht vor Ausbau der Windenergie!

Die Zahl der Windenergieanlagen (WEA) ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Neben Fledermäusen sind davon besonders Greifvögel betroffen, die mit den Rotorblättern kollidieren. Schreiadler meiden die Nähe von WEA aber vor allem aufgrund der vielen Störungen, die durch den Betrieb der Anlagen entstehen. WEA können somit indirekt zu einem beträchtlichen Verlust des Anteiles an Nahrungsflächen innerhalb des Hauptaktionsraumes führen. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert daher, Brutplätze im Umfeld von sechs Kilometern von weiteren Belastungen durch WEA zu verschonen.

Schreiadler im Flug.

Projektwebsite

Schreiadler.org ist unsere Plattform für den Schreiadler mit Live-Web-Cam im Adlerhorst.

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Schreiadler sitzend.

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Wildtierland - Landschaften in guten Händen

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