Haselmaus

Kletterkünstler in der Strauchschicht

Haselmäuse schauen aus Baumhöhle

Population in Deutschland:

keine Angabe möglich

Bedrohungsstufe:

1

nicht bedroht

Die Bestände haben zugenommen oder sind stabil.

2

rückläufig, aber nicht bedroht

Die Bestände sind bemerkbar zurückgegangen oder es ist eine Verschlechterung abzusehen.

3

bedroht

Die Bestände sind erheblich zurückgegangen oder durch menschliche Einwirkungen bedroht.

4

vom Aussterben bedroht

Ein extrem großes Risiko des Aussterbens in der Zukunft.

Einleitung

Die Haselmaus ist keine Maus im eigentlichen Sinne sondern der kleinste Vertreter europäischer Bilche. Auch die größeren Arten Siebenschläfer, Gartenschläfer und Baumschläfer gehören zur Gruppe der Bilche. Typisch für sie alle ist ein langer Winterschlaf. Durch ihre versteckte Lebensweise in der Dunkelheit können Haselmäuse kaum beobachtet werden.

Fakten

lateinischer Name

Muscardinus avellanarius

Haselmaus: Alter

bis zu 6 Jahren

Haselmaus: Gewicht

15 bis 35 g

Hasel

Die namensgebende Nuss ist im Herbst eine wichtige Nahrungsquelle. Obwohl Haselmäuse auch in Lebensräumen vorkommen, in denen es keine Haselnüsse gibt. Um an die fetthaltigen Kerne zu gelangen, öffnen Haselmäuse sie nach einem charakteristischem Muster: In die noch nicht verholzte Schale wird ein kreisrundes Loch genagt, wobei nur Haselmäuse hierbei ihre Nagezähne parallel zur Lochkante führen. Nussschalen mit diesen typischen Fraßspuren weisen sicher auf die Anwesenheit von Haselmäusen hin.

Haselmaus

Nester

Den Tag verschlafen Haselmäuse in faustgroßen Nestern aus Laub und Gras, die sie geschickt zwischen dünne Zweige, ins Brombeerdickicht oder in Baumhöhlen bauen. Die Kobel mit einer Eingangsöffnung ähneln dem Nest des Zaunkönigs. In der Mitte befindet sich eine besonders eng gewobene, wärmende Kammer. Nester in denen Mütter ihre Jungen aufziehen sind größer. Gerne werden Nester auch in Nistkästen für Vögel gebaut.

Nahrung

  • Insekten

  • Baumfrüchte

  • Nektar und Pollen

  • Samen und Kerne

  • Triebe, Knospen und Blätter

Feinde

Eulen Wildkatzen Marderartige Wildschwein

Größe

HaselmausMerkmale

Der Körper der Haselmaus ist typisch für kleine Nagetiere und ähnelt in Größe und Form einer Echten Maus (z.B. Wald- oder Gelbhalsmaus). Er ist angepasst an ein nächtliches Leben als Kletterkünstler. Ob kleinste Zweige oder glatte Baumstämme – Haselmäuse können sie erklimmen.

HaselmausFell und Schwanz

Ihre nahezu goldene Erscheinung lässt Haselmäuse regelrecht leuchten. Das Fell hat eine helle ockerfarbene Grundfärbung mit weißen Partien an Kehle und Bauch. Während die jungen Haselmäuse im ersten Lebensjahr etwas dunkler gefärbt sind, erscheinen die älteren Haselmäuse leuchtend gelb-orange. Der Schwanz ist etwas dunkler, gelegentlich endet er mit einer weißen Spitze. In einigen Populationen gibt es auch schwarze Individuen. Der Schwanz ist, anders als bei Mäusen, dicht behaart und in etwa genauso lang wie der Körper. Er dient als Balancierhilfe bei schneller Fortbewegung zwischen den Ästen. Befindet sich die Haselmaus bei kalten Temperaturen im Torpor, also im Energiesparmodus, rollt sich der Schwanz auf der Bauchseite bis über den Kopf hinweg.

HaselmausPfoten

Haselmäuse verfügen über eine Fähigkeit, die nur wenigen Tieren und dem Menschen vorbehalten ist: Durch das Gegenüberstellen einzelner Finger und der Möglichkeit, diese zu krümmen, sind sie in der Lage, fest zuzupacken und Äste oder ähnliches zu ergreifen – obwohl sie keinen „Daumen“ haben. Auch an den Hinterpfoten können Haselmäuse jeweils die erste Zehe einer anderen Zehe gegenüberstellen. Wird die letzte Zehe zudem im rechten Winkel abgespreizt, schaffen es die Haselmäuse auch die glattesten Baumstämme zu erklimmen. Die Vorderpfoten sind um 30 Grad nach außen und nicht direkt nach vorn gerichtet – das unterstützt die Fähigkeit zum absolut sicheren Greifen und Klettern zusätzlich. Der gut sechs Zentimeter lange und behaarte Schwanz dient den Tieren beim Klettern dazu, die Balance zu halten.

HaselmausLebensweise

Weil Haselmäuse eine sehr versteckte Lebensweise führen und nur in der Dämmerung und Nacht aktiv sind, bleiben sie vom Menschen meist völlig unbemerkt. Ihr Lebensraum in naturnahen Wäldern und artenreichen Feldgehölzen ist geprägt durch dichten Aufwuchs und ein hohes Versteckreichtum. Ihr Speiseplan ist abwechslungsreich: Überwiegend ernähren sich Haselmäuse von Früchten, Samen und Knospen der Sträucher, die sie nur selten verlassen. Mit Haselnüssen, Bucheckern, anderen Baumfrüchten und Beeren futtern sich die Haselmäuse im Herbst reichlich Speck für den Winterschlaf an. Aus Laub, Gräsern und Moos bauen sie Schlafnester und Nester für die Jungenaufzucht. Nur zwischen April und Oktober sind sie regelmäßig aktiv. Wer in seinem naturnahen Garten etwas Gutes für Haselmäuse tun möchte, pflanzt fruchttragende Wildsträucher und lässt wilde Brombeerecken, die viel Versteckmöglichkeiten und Nahrung bieten, stehen.

Lebensraum

Haselmaus auf Brombeere

Artenreiche Strauchschicht

Haselmäuse sind auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot angewiesen. Im Frühjahr bevorzugen sie Pollen und Knospen, im Sommer Beeren und Früchte und im Spätsommer und Herbst fetthaltige Samen. Daneben werden aber auch Insekten gefressen. Lebensräume der Haselmaus sind daher durch eine hohe Artenvielfalt fruchttragender Sträucher wie Holunder, Faulbaum, Brombeere und Hasel gekennzeichnet. Lichte Standorte, wie gestufte Waldränder und Hecken sorgen für gute Blüh- und Fruchtbedingungen und somit für ein optimales Nahrungsangebot. Haselnuss-, Weißdorn- oder Brombeersträucher bieten allen heimischen Wildtieren, nicht nur der kleinen Haselmaus, einen perfekten Zufluchtsort und einen „gedeckten Tisch“. Manchmal nisten sich die kleinen Nager auch in von Vögeln verlassenen Nistkästen an Bäumen ein und verschlafen hier den Tag.

Verhalten

Haselmaus im Winterschlaf

Energiesparmodus Torpor

Nahezu die Hälfte eines Jahres verbringt die Haselmaus im Winterschlaf in einem Nest am Boden. Eingerollt wie eine Kugel und bewegungsunfähig zehrt sie bei stark eingeschränkten Körperfunktionen über Monate von den Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen hat. Herzschlag und Atmung sind stark verlangsamt – zwischen zwei Atemzügen können bis zu elf Minuten liegen! Damit verhält sich die Haselmaus wie ihr naher Verwandter, der ebenfalls aus der Familie der Bilche stammt: der Siebenschläfer. Bei Außentemperaturen weit unter dem Gefrierpunkt liegt die Körpertemperatur der Haselmaus nur noch knapp über dem Gefrierpunkt. Schon an kalten Tagen im September fallen Haselmäuse vorübergehend in diesen sogenannten Torpor.

Fortpflanzung

Zwei Hasemäuse

Mutterfamilien

Haselmäuse werden mit einem Jahr geschlechtsreif. Nach einer Tragzeit von 22 bis 24 Tagen bringt das Weibchen zwei bis fünf Junge zur Welt, die es rund einen Monat lang säugt. Neugeborene sind blind, nackt und mit 2-3 Gramm nicht größer als ein Fingernagel. Das Männchen beteiligt sich nicht an der Jungenaufzucht. Nach 40 Tagen werden die Jungen selbstständig und suchen eigene Reviere und Nester auf. Jungerwachsene verbringen die Tagesruhe gern zu zweit in einem Nest. Von Juni bis weit in den September hinein sind mehrere Würfe möglich. Haselmäuse können – wenn ihr Lebensraum intakt ist – bis zu sechs Jahre alt werden. Die Nager sind vom Aussterben bedroht und geschützt. Vor allem der immer größere Mangel an Strauchschichten zerstört ihren Lebensraum! Können sich die Tiere im Herbst kein Speckpolster anfressen, verhungern sie während des Winterschlafs.

HaselmausBedrohungen

Haselmäuse sind besonders durch den Verlust geeigneter Lebensräume bedroht. Artenreiche Waldrand- und andere Saumstrukturen, die sie zum Überleben dringend braucht, haben in der ertragsorientierten Forst- und Landwirtschaft einen eher geringen Stellenwert.

Verlust von Saumstrukturen

Intensivierung der Landwirtschaft

Für die EU-Agrarförderung sind klare Abgrenzungen von Ackerschlägen anhand von Luftbildern notwendig. Um diese zu gewährleisten werden Übergangszonen wie abgestufte Waldränder zwischen Feldblock und Wald, als wichtige Haselmauslebensräume, nicht zugelassen.
Auf Grünlandstandorten führt ein natürlicher Aufwuchs von Sträuchern und Büschen zu einem Verlust der Förderfähigkeit im Rahmen der Agrarförderung, verbunden mit einem hohen Rückzahlungsrisiko für den Bewirtschafter - auch sie werden massiv bekämpft.
Eine schleichende Ausweitung von Ackerschlägen auf Weg- und Gewässerränder zerstört potentielle Lebensräume der Haselmaus. Ein natürlicher Aufwuchs mit Sträuchern auf nicht bewirtschafteten Säumen bietet nicht nur der Haselmaus nahrungsreiche Rückzugsgebiete und Wanderhabitate in der der strukturarmen Agrarlandschaft.

Agrarlandschaft

HaselmausWas wir tun

Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt die Grundlagenforschung an Haselmäusen, um ihre Lebensraumansprüche besser zu verstehen. Vieles über die Ökologie der versteckt lebenden Art blieb bisher im Verborgenen. Grundlegende Erkenntnisse sind aber Voraussetzung für einen effektiven Artenschutz.

Was frisst die Haselmaus?

Artenschutzprojekte

Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt Untersuchungen zur Nahrungszusammensetzung von Haselmäusen. Der Experte Sven Büchner und seine Kollegin Nicolle Bräsel kennen bereits viele Bestandteile der Haselmauskost. Sie stoßen bei ihren bemerkenswert umfangreichen, mikroskopischen Kotanalysen aber auf Grenzen. Insbesondere für die Bestimmung von Pollen und Resten kleiner Insekten wie Blattläusen sind innovative Analysen auf Ebene des Erbgutes verspeister Organismen notwendig. Die Untersuchung von Kotproben aus unterschiedlichen Regionen und Lebensräumen soll neue Erkenntnisse zur Haselmaus-Ökologie liefern. Einbezogen werden hierbei auch Proben aus bisher eher untypischen Haselmaushabitaten. Ziel der Untersuchung ist, Schutzmaßnahmen wie die Förderung von Lebensräumen für Haselmäuse optimal zu gestalten.

Dialog mit der Praxis

Naturbildung

Die Zahl der Kinder, die heute noch Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung wahrnehmen können, sinkt immer weiter. Viele Kinder und auch Erwachsene kennen nicht mehr den Unterschied zwischen Reh und Hirsch, noch weniger wissen sie, dass eine Haselmaus ebenso wie das Eichhörnchen in einem Kobel wohnt. Kinder in Natur- und Waldkindergärten lernen ihre natürliche Umgebung von Anfang an und jeden Tag aufs Neue kennen. Im Spiel erleben sie nicht nur die Natur um sie herum, sondern lernen nebenbei die großen und kleinen Wildtiere in deren Lebensräumen kennen. Oft zeigen sich besondere Wildtiere schon im Namen der Institution, so beispielsweise bei unserem Patenkindergarten in Hessen, den „Haselmäusen“.
Im Projekt Patenkindergärten unterstützt die Deutsche Wildtier Stiftung Natur- und Waldkindergärten deutschlandweit. Mit Hilfe unserer Patenkindergärten arbeiten wir gemeinsam an Themen und Projekten, um diese wertvolle Arbeit zu stärken.

Projekte

In unseren Naturbildungsprojekten erfahren Kinder und Jugendliche mehr über unsere heimischen Wildtiere. In Kürze erfahren Sie an dieser Stelle auch mehr zu unserem neuen Haselmaus-Projekt.

Patenkindergärten

Patenkindergärten

Mit Hilfe unserer Patenkindergärten arbeiten wir gemeinsam an Themen und Projekten, um die wertvolle naturpädagogische Arbeit zu unterstützen.

Zum Projekt
Schwarzspecht

Schwarzspecht -Zimmermann der Artenvielfalt

Der Schwarzspecht ist der Zimmermann im Ökosystem Wald. Seine Großhöhlen nutzen über 50 weitere Tier- und Insektenarten als „Nachmieter“. Neben vielen …

Zum Projekt

HaselmausHelfen

Die Haselmaus profitiert von vielen Projekten und Maßnahmen, die die Deutsche Wildtier Stiftung zu anderen Tierarten durchführt und durch die natürlicher Lebensraum geschaffen wird. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende!

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