Trauerseeschwalbe

Trauerseeschwalbe im Flug

Population in Deutschland:

ca. 950 Brutpaare

Aktueller Bestand:

Zunahme

Die Bestände nehmen zu.

Stabil

Die Bestände sind stabil.

Abnahme

Die Bestände nehmen ab.

Unbekannt

Keine Angabe zur Bestandsentwicklung möglich.

Einleitung

Die Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht und steht im Anhang 1 der Vogelschutzrichtlinie. Hauptursache für den Bestandsrückgang sind Lebensraumverlust, Störungen am Brutplatz, Nistplatzmangel und die hohe Anzahl an Fressfeinden. Die Trauerseeschwalbe findet bei uns nur noch wenige intakte Auen und Seen zum Brüten. Oft fehlen ihnen Wasserpflanzen zum Nestbau und Nahrung.

Fakten

Wissenschaftlicher Name

Chlidonias niger

Trauerseeschwalbe: Alter

bis zu 20 Jahre

Trauerseeschwalbe: Gewicht

50 - 70 gr

Auf der Stelle fliegen

Die Trauerseeschwalbe ist ein eleganter Flieger. Sie fängt ihre Hauptnahrung Libellen meistens im Flug: Entweder direkt in der Luft oder von der Wasseroberfläche. Dazu stehen sie manchmal regelrecht in der Luft (rütteln) oder fliegen sogar ein kleines Stück rückwärts.

Trauerseeschwalbe in schwarz-weiß

Ansicht Ei

Nahrung

  • Insekten

  • Fische

  • Wirbellose

Feinde

Wanderfalke Habicht Fischotter Waschbär

Größe

TrauerseeschwalbeMerkmale

Hört man den Namen der Trauerseeschwalbe das erste Mal, könnte man glauben der Vogel steht für Tod und Trauer. Das Aussehen und die Lebensweise haben nicht im geringsten etwas mit dem Tod zu tun. Lediglich die schwarze, schiefergraue Gefiederfärbung in der Brutzeit führte zur Namensgebung. Trauerseeschwalben im Schlicht- und Jugendkleid haben eine weiße Bauchunterseite.

TrauerseeschwalbeGefieder

Zweimal im Jahr mausern die Trauerseeschwalben, das heißt, sie erneuern ihr Gefieder. So kommen sie im Mai in einem glänzend schwarzgrauen Prachtkleid an ihren Brutplätzen an. Der Kopf ist schwarz, Rücken und Flügel schiefergrau gefärbt. Schnabel und Füße sind ebenfalls schwarz und bilden die dunkelsten Körperpartien. Beide Geschlechter der Trauerseeschwalbe sind nur im Brutkleid bei genauerem Hinsehen zu unterscheiden. Das Weibchen ist dann etwas heller gefärbt als das Männchen. Im sogenannten Ruhe- oder Winterkleid wechselt der Vogel dann in ein helleres Federkleid und nur noch der Scheitel, Hinterkopf und die Ohrdecken sind schwarz. Das restliche Gefieder ist grau-weiß und im Gesamteindruck viel freundlicher. Ausgewachsene Jungvögel erhalten ebenfalls ein schwarz-weißes Federkleid.

TrauerseeschwalbeSumpfseeschwalben - zum Verwechseln ähnlich

Die Trauerseeschwalbe ist nicht allein: Zwei nahe Verwandte treten manchmal mit ihr zusammen auf. Die Weißflügelseeschwalbe sieht ihr ganz besonders ähnlich, hat aber schwarze Unterflügeldecken und weiß befiederte Armdecken. Die Weißbartseeschwalbe ist insgesamt vom grauen Gefieder her heller, etwas größer und hat einen kräftigen roten Schnabel. Im Flug ist sie auch gut an ihrer schwarzen Kopfplatte zu erkennen, die bis in den Nacken reicht.

TrauerseeschwalbeVerhalten

Trauerseeschwalben jagen im Tiefflug über Gewässer und Wiesen. Im Frühjahr fliegen die Männchen mit einem Fisch im Schnabel laut rufend über die Kolonie und übereichen den Fisch am Ende dem Weibchen als Brautgeschenk. Bei diesen rasanten Balzflügen zeigen die Trauerseeschwalben eindrucksvoll ihr Flugvermögen und bei vielen Manövern in der Luft stockt dem Beobachter der Atem. Das Weibchen wird kulinarisch vom Zukünftigen verwöhnt, indem es ständig mit Futter wie Fischchen, Libellen, Schmetterlingen und Großinsekten versorgt wird. Auch für ihre Jungen bringen die Männchen einzelne Beutetiere im Schnabel zur Kolonie. Dann kündigen sie ihre Ankunft schon von weitem mit einem charakteristischen Ruf an.

TrauerseeschwalbeLebensweise

Trauerseeschwalben brüten in Kolonien, die Nester stehen oft sehr dicht nebeneinander. Die Koloniestandorte sind von Wasserstand und Nestunterlagen abhängig und können von Jahr zu Jahr wechseln. Auch auf dem Zug und im Winter sind die Vögel gern gesellig und selten allein zu beobachten.

Zug und Überwinterung

Zug der Trauerseeschwalben

Leben auf See

Trauerseeschwalben verbringen viel Zeit auf den Wegen in ihre Winterquartiere – nur höchstens drei Monate verbringen die Vögel bei uns in Deutschland. Ab Juli versammeln sich die Vögel an den Rastplätzen, die Hauptzüge erfolgen spätestens im August. Dabei fliegen die noch nicht geschlechtsreifen Jungvögel vorneweg. Ein beeindruckender Anblick, wenn Tausende Trauerseeschwalben am Ijsselmeer rasten und von dort weiter nach Westafrika! Den Winter verbringen die Vögel an den Küsten von Mauretanien, Ghana und Nigeria. Kleine Fische, die sie an der Oberfläche von Gewässern aufschnappen, sind dann die Hauptnahrung. Auf der Jagd fliegen sie weite Strecken übers Meer und überqueren mitunter den Äquator. Im April und Mai machen sich die Schwalben wieder auf den Weg in ihre Brutgebiete – entlang der Küstenlinien der Westsahara und Marokkos fliegen sie über Spanien, Frankreich und der Schweiz zurück nach Deutschland.

Nahrung

Trauerseeschwalben jagen aus der Luft

Jagen aus der Luft

Trauerseeschwalben jagen häufig im Flug. Dabei fliegen sie niedrig über dem Wasser und sammeln ihre Nahrung am liebsten von der Wasseroberfläche auf. Dort finden sie Wasserinsekten wie Libellen und Wasserkäfer sowie deren oft recht große und nahrhafte Larven. Auch kleine Fische werden gerne gefangen. Diese werden meist stoßtauchend erbeutet. Auch das Absammeln von Regenwürmern auf Äckern und kurzrasigen Flächen wird häufig beobachtet. Bevor die Altvögel diese an ihre Jungen verfüttern, werden die Regenwürmer im Gewässer gewaschen. Lässt der Jungvogel das Beutetier fallen, wird der „Waschgang“ nochmals wiederholt! Schmetterlinge und Schwebfliegen werden gerne fliegend von Feuchtwiesen, Weiden und Brachen abgesammelt. Haben die Seeschwalben ein Insekt entdeckt, können sie für kurze Zeit in der Luft stehen und das Beutetier anvisieren und absammeln. Aber auch regelrechte Verfolgungsflüge vollführen die Trauerseeschwalben auf der Jagd nach Großschmetterlingen.

Fortpflanzung

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Brut auf schwimmenden Inseln

Zum Brüten bevorzugen Trauerseeschwalben schwimmende Nester auf dichten Teppichen von Wasserpflanzen. Seltener brüten sie in überschwemmten Wiesen. Zur Nestanlage werden Pflanzen wie die Krebsschere, Seerose, aber auch lockere Schilfbestände, Schlamminseln und Altgras aufgesucht. Manchmal werden auch künstliche Unterlagen für den Nestbau genutzt. So findet man Nester auf Treibholz oder „Zivilisationsmüll“, wie Kanistern, Styroporplatten und Plastikeimern. Das Nistmaterial besteht aus abgestorbenen Pflanzenteilen, die aus der Nestumgebung gesammelt werden. Beim Nestbau geben sich die Altvögel wenig Mühe und das Material wird nur sehr liederlich übereinander gestapelt! Das Gelege besteht aus zwei bis drei Eiern und wird von beiden Partnern 20 bis 22 Tage bebrütet. Die Jungen, die nach drei Wochen Brutzeit schlüpfen, können sehr bald schwimmen und das Nest verlassen. Sie müssen aber von den Eltern regelmäßig aufgewärmt werden. Im Alter von knapp 3 Wochen verlassen sie mit den Eltern die Kolonie.

TrauerseeschwalbeBedrohungen

Früher war die Trauerseeschwalbe in Flusstälern und Sumpfgebieten weit verbreitet. Heute sind nur noch wenige ihrer angestammten Lebensräume übrig, weil der Mensch ihnen das Wasser abgegraben hat.

Schwimmende Fressfeinde

Prädatoren

Fressen und gefressen werden gehört zur Natur dazu. Eier und Jungvögel sind willkommene Beute für verschiedene Vogel- und Säugetierarten. Trauerseeschwalben können ein verlorenes Nest durch ein Nachgelege ersetzen und leben zudem lange. So können sie die Verluste langfristig ausgleichen. Weil der Trauerseeschwalbe aber nur noch wenige Brutgebiete verblieben sind, stellen zu hohe Brutverluste durch Nesträuber eine zusätzliche Gefahr dar. Vor allem die eingeführten Raubsäugerarten Amerikanischer Mink, Marderhund und Waschbär breiten sich weiter aus und können lokal zu hohen Jungvogelverlusten führen.

Marderhund am Wasser

Wasser ist überlebenswichtig

Intensivierung der Landwirtschaft

Die größte Gefahr für die Trauerseeschwalbe ist der Verlust ihres Lebensraums. Durch fortschreitende Trockenlegung von Feuchtgebieten, intensive Flurbereinigungen und Landwirtschaft sowie Verfehlungen beim Wasserbau gehen seit Jahrzehnten große Teile ihrer Brutgebiete verloren. Heute fehlen in den Gewässern häufig die Schwimmpflanzen für den Nestbau. Besonders die seltene Krebsschere ist heute aus vielen Gewässern verschwunden, aber auch Seerosen sind rar. Kurzfristig helfen hier künstliche Nisthilfen.
Aber Feuchtgebiete müssen nicht nur einen Brutplatz bieten, sondern auch groß und artenreich genug sein um die Vögel samt ihren Jungen zu ernähren. Das ist nur in naturnahen Lebensräumen möglich. Ohne Erhaltung eines Netzwerks aus intakten Flussauen und natürlichen Seen kann die Trauerseeschwalbe langfristig nicht überleben.

Intensive Landwirtschaft bedroht die Trauerseeschwalbe

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TrauerseeschwalbeWas wir tun

Die Deutsche Wildtier Stiftung hilft den Trauerseeschwalben mit Lebensraum und Nisthilfen im Herzen ihres Verbreitungsgebiets in Mecklenburg-Vorpommern.

Ein neuer Brutplatz: der Hinterwiesenweiher

Artenschutzprojekte

Unsere Renaturierungsmaßnahmen, also die Wiederherstellung von naturnahem Lebensraum in Gut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern helfen den Trauerseeschwalben. Als Entwässerungen rückgängig gemacht wurden, indem Drainagen durchbrochen wurden, entstand der Hinterwiesenweiher. Er zählt heute zu einem der wichtigsten Brutplätze für Trauerseeschwalben in der gesamten Region. Seit 2004 brüten die seltenen Vögel auf dem Gewässer. Künstliche Nisthilfen, die jedes Jahr von den Mitarbeitern der Deutschen Wildtier Stiftung ausgebracht werden, unterstützen die bedrohten Brutpaare. Der anfangs relativ kleine Brutbestand stabilisierte sich in den Folgejahren auf bis zu 41 Brutpaare und zählt heute zu den größten Kolonien dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern. Lebensraumverbessernde Maßnahmen werden stetig am Standort durchgeführt und ein langjähriges Monitoring mit wertvollen Datenreihen begleitet die Arbeit der Deutschen Wildtier Stiftung. Auch die seltene Krebsschere bekommt in Klepelshagen neuen Lebensraum. Mit ihrer Ansiedlung im Koloniegewässer wollen wir weitere Effekte zum Schutz von Tier und Pflanze erzielen. Auf den Wiesen und Weiden ringsum ist dank der ökologischen Landwirtschaft mit Weidevieh auch die Insektennahrung für die Seeschwalben gesichert.

Wohnungsbau auf dem Wasser

Artenschutzprojekte

Jedes Jahr im April werden auf dem Hinterwiesenweiher künstliche Nisthilfen für die bedrohte Trauerseeschwalbe ausgebracht. Die Vögel danken es mit erfreulichen Jungenzahlen. Aber nicht nur in Klepelshagen kümmern wir uns um den wichtigen „Wohnungsbau für Trauerseeschwalben“. Ehemalige Koloniestandorte der Trauerseeschwalben in Mecklenburg-Vorpommern sollen wieder belebt werden. Mit künstlichen Nistplattformen sollen die Vögel wieder in potentiellen Gewässern angesiedelt werden. Fachgruppen vor Ort betreuen und überwachen die neuen Kolonien. Schon im ersten Jahr des Projektes konnte so ein Koloniestandort wiederbesiedelt werden und die Trauerseeschwalbe brütete hier sehr erfolgreich! Weitere Lebensräume werden mit unseren Nisthilfen ausgestattet. Unser Ziel: Eine Stabilisierung des Brutbestandes im gesamten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Projekte

Wir helfen den Trauerseeschwalben einen Brutplatz zu finden. Dafür unterstützen wir sie mit unseren Projekten.

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Trauerseeschwalbe – Brutinseln als letzte Rettung

Die Trauerseeschwalbe ist in Deutschland extrem bedroht. Wir unterhalten ihre größte künstliche Brutkolonie in Mecklenburg-Vorpommern.

Zum Projekt
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Trauerseeschwalbe bei der Brut

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