Expertenforum

Raum für grundsätzliche Fragen des Naturschutzes

Expertenforum

Naturschutz findet heutzutage jeder gut. Aber was genau bedeutet das, wenn dies mehr sein soll, als eine gefällige Floskel, mit der sich jeder gerne schmückt? Wer schützt welche Natur warum und was sind die Herausforderungen für die Zukunft? Mit dem Expertenforum hat die Deutsche Wildtier Stiftung ein Forum geschaffen, um über grundsätzliche Fragen des Naturschutzes zu diskutieren.

Raum für grundsätzliche Fragen

Nicht nur die Natur selbst wandelt sich unentwegt, auch der Naturschutz. Seit es ihn gibt, hat er sich immer wieder neu erfunden. Er ist von politischen Umständen abhängig, vom Zeitgeist, manchmal sogar von Moden. Kritische Selbstreflektion ist deshalb immer wieder nötig. Einmal jährlich lädt die Deutsche Wildtier Stiftung Experten aus Wissenschaft, Naturschutzverbänden, Bundes- und Landesbehörden, Politik und Medien ein, um über die eigene Arbeit nachzudenken, konstruktiv zu streiten und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

Naturschutz in der Milieu-Falle?

Expertenforum 2016

Das Expertenforum 2016 stand unter dem Titel „Naturschutz in der Milieu-Falle?“ Die Deutsche Wildtier Stiftung lud zu einer Debatte über die Fragen, wer die Akteure im Naturschutz sind und welche Perspektiven sich für die Naturschutzarbeit aus dieser Zustandsbeschreibung ergeben.

Themen

Zunächst stellte Dr. Thomas Petersen vom Meinungsforschungsinstitut Allensbach die Ergebnisse einer Umfrage vor, die die Deutsche Wildtier Stiftung in Auftrag gegeben hatte. Die Daten zeigen, dass der heutige grüne Zeitgeist nicht unbedingt mit mehr Naturinteresse oder Naturwissen einhergeht. Dr. Christiane Schell, Leiterin der Grundsatzabteilung des Bundesamtes für Naturschutz, stellte die Frage, weshalb Naturschutz in der Politik oft eher eine nachgeordnete Rolle spielt.

Die Umwelthistorikerin Dr. Anna Katharina Wöbse stellte die lange Geschichte weiblichen Engagements im Naturschutz vor und versuchte zu erklären, warum es so oft unsichtbar blieb. Dr. Uta Hasenöhrl ging der Frage nach, ob sich nur die Saturierten für die Natur interessieren und begab sich auf die Spuren der einst machtvollen proletarischen Naturschutzbewegung. Der grüne Berliner Abgeordnete Dr. Turgut Altug forderte in seinem Vortrag die Naturschutzverbände auf, mehr auf Migranten zuzugehen.

Ivo Bozic von der Deutschen Wildtier Stiftung fragte, wieso Veganismus und Vegetarismus derzeit im Trend sind, der Naturschutz aber nicht. Und der Journalist Stefan Theil berichtete von der Naturschutzbewegung in den USA und stellt fest, dass dort Frauen, jüngere Menschen, Afro- und Hispano-Amerikaner deutlich unterrepräsentiert sind.

Ergebnis der Debatte

Die Debatte im Kreis von 50 Expertinnen und Experten ergab, dass insgesamt Grund besteht, nicht nur pessimistisch in die Zukunft zu blicken, denn es gibt durchaus in allen gesellschaftlichen Bereichen ein reges Interesse an Naturthemen. Allerdings bleibt es eine große Herausforderung, Menschen auch zu einem Engagement für den Naturschutz zu bewegen.

Naturschutz neu denken und gestalten

Expertenforum 2015

Beim ersten Expertenforum unter dem Titel „Naturschutz neu denken und gestalten“ 2015 haben wir in einem Kreis von 40 Experten beispielhaft über zwei Zielkonflikte diskutiert, die in der Naturschutzszene selbst wie auch in der Gesellschaft höchst umstritten sind: Wild versus Wald und Windkraft versus Vogelschutz.

Themen

Der Biologe Prof. Dr. Hansjörg Küster fragte in seinem Vortrag, welche Natur wir eigentlich schützen wollen und plädierte für eine kulturelle Verständigung darüber, wie mit jeder einzelnen Landschaft zu verfahren sei. Der Präsident des Deutschen Forstvereins Carsten Wilke plädierte aus Sicht der Bewirtschafter für mehr Rationalität im Umgang mit der Natur.

Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, machte sich in seinem Referat für den Rothirsch stark und kritisierte unter anderem die „No-go-Areas“ in Bayern. Der Zoologe Prof. Dr. Joseph H. Reichholf stellte zentrale Grundsätze des Naturschutzdiskurses in Frage und zeigte auf, wie die Wissenschaft zuweilen in Konflikt mit eingefahrenen Weltbildern gerät. Der ehemalige BUND-Landesvorsitzende aus Rheinland-Pfalz, Harry Neumann, kritisierte die Verfahren zur Bewilligung von Windkraftanlagen und fragte, ob Menschen und Natur Opfer einer falschen Energiepolitik werden.

Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, plädierte für Klimaschutz als nachhaltigen Naturschutz. Er hält einen Umstieg auf erneuerbare Energien im Einklang mit Naturschutzinteressen für möglich. Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, kritisierte die Auswirkungen und Grundlagen der derzeitigen Klimapolitik, die auf Kosten der Natur stattfinde. Das fachkundige Publikum nutze die Gelegenheit ausgiebig, sich auszutauschen.

Ergebnis

So konträr manche Positionen auch waren, so konstruktiv konnte über sie geredet werden. Für die Deutsche Wildtier Stiftung war die Tagung daher eine Ermutigung, auch künftig im Naturschutz umstrittene Themen offen verbandsübergreifend zu diskutieren. Mit dem um einige Hintergrundartikel erweiterten Tagungsband haben wir die Debatte weit über den Teilnehmerkreis hinaus bekannt gemacht.

Tagungsband

Den Tagungsband „Naturschutz neu denken und gestalten“, der das Expertenforum 2015 dokumentiert, können Sie als Heft bei unseren Publikationen kostenfrei bestellen. Der Tagungsband des Expertenforums 2016 wird demnächst erscheinen.

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Tagungsband Expertenforum 2015

Alle Themen des 1. Expertenforums sind im Tagungsband "Naturschutz neu denken und gestalten" dokumentiert.

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