Reh

Anpassungsfähiger Kräuterprofi

Reh

Population in Deutschland:

ca. 2.500.000 Exemplare

Bedrohungsstufe:

1

nicht bedroht

Die Bestände haben zugenommen oder sind stabil.

2

rückläufig, aber nicht bedroht

Die Bestände sind bemerkbar zurückgegangen oder es ist eine Verschlechterung abzusehen.

3

bedroht

Die Bestände sind erheblich zurückgegangen oder durch menschliche Einwirkungen bedroht.

4

vom Aussterben bedroht

Ein extrem großes Risiko des Aussterbens in der Zukunft.

Einleitung

Das Reh ist die in Europa häufigste und kleinste Art der Hirsche. Als sogenannter „Trughirsch“ ist es näher mit dem Elch verwandt als mit dem bei uns heimischen Rot- oder Damhirsch. Ursprünglich besiedelten Rehe die Randzonen von Wäldern und Gebüschen, heute kommt es aber in allen Wäldern und sogar in der offenen, fast deckungslosen Feldflur vor.

Fakten

lateinischer Name

Capreolus capreolus

Reh: Alter

bis zu 12 Jahre

Reh: Gewicht

15 - 22 kg

Hufabdruck Reh

Bild eines Rehs

Geruchssinn

Ein Reh hat einen ausgeprägten Geruchssinn. Es kann einen Menschen auf mehr als 300 Meter Entfernung wittern.

Nahrung

  • Gräser und Kräuter

  • Triebe, Knospen und Blätter

Feinde

Fuchs Wolf Luchs Wildschwein

Größe

RehMerkmale

Anders als der langbeinige, ausdauernde Rothirsch sucht das Reh bei Beunruhigung mit wenigen schnellen Sprüngen Deckung im dichten Unterholz oder Gebüsch. Daher wird es dem sogenannten „Schlüpfertypus“ zugerechnet. Durch die leicht nach vorn abfallende Wirbelsäule liegt die Kruppe, also der hintere Teil des Rumpfes, höher als die Schulter - der Widerrist. Die Beine sind im Verhältnis zum Körper eher lang und die Hinterläufe sind im Sprunggelenk stark eingeknickt. Alle Merkmale sind damit auf das schnelle Durchschlüpfen von dichter Vegetation angepasst.

RehGeweih

Ebenso wie bei Rotwild tragen bei den Rehen nur die Böcke, also die männlichen Tiere, ein Geweih. Im Regelfall ist jede Stange eines normal entwickelten, älteren Rehbockes etwa 15 bis 20 Zentimeter hoch und weist drei Enden auf. Die wichtigste Funktion dieses Geweihes ist der Kampf mit Artgenossen. Über Duftdrüsen an der Stangenbasis markiert der Rehbock außerdem sein Revier.

Bei Rehböcken, die mindestens das erste Lebensjahr abgeschlossen haben, fällt das Geweih jährlich in der Zeit von Oktober bis November ab und beginnt unter einer nährenden Basthaut sofort neu zu wachsen. Das Wachstum endet im Frühjahr, wenn die Basthaut abstirbt und vom Bock durch Fegen an Büschen und jungen Bäumen abgestreift wird.

RehBehaarung

Das Fell der Rehe ist im Sommer braun-rot bis rot bis fahlgelb. Die Innenseite der Läufe und der Unterbauch sind heller und der Bereich um den After, der sogenannte Spiegel, ist gewöhnlich gelblich-weiß. Der Übergang vom Sommer- zum Winterfell erfolgt im Frühherbst. Im Winter sind Rehe eher hell- bis dunkelgrau und jedes einzelne Haar ist dann hohl, was der besseren Isolierung durch Lufteinschluss dient. Der Spiegel ist dann deutlicher ausgeprägt, wobei bei weiblichen Rehen die sogenannte Schürze, also die rudimentären Reste eines Schwanzes, als Haarbüschel zu erkennen sind. Der Spiegel hat dadurch bei weiblichen Tieren die Form eines Kleeblatts, bei männlichen Tieren ist er eher nierenförmig.

Vor allem im westlichen und mittleren Norddeutschland gibt es neben den normal gefärbten Tieren immer wieder schwarze Rehe. Im Sommer sind bei diesen Kopf, Nacken, Rumpf und oberer Teil der Läufe glänzend tiefschwarz, die Körperunterseite wirkt grauschwarz. Im Winter sind sie eher dunkelgrau.

RehLebensweise

Rehe sind sehr standorttreu und halten die Grenzen ihres Aktionsraums, zum Beispiel Feldränder, Wege, Straßen oder Hecken genau ein. Zur Reviermarkierung dienen ihnen Drüsen oberhalb der Hufe und den Rehböcken zusätzlich die Duftdrüsen auf der Stirn. Rehböcke besetzen ihre Territorien häufig über mehrere, aufeinanderfolgende Jahre. Die Ricken leben vor allem während der ersten Wochen nach der Geburt des Kitzes einzelgängerisch in einem kleinen Aktionsraum, den sie gegen andere Ricken verteidigen. Zu Beginn des Herbstes schließt sich Rehwild zu kleinen Verbänden, den Sprüngen, zusammen. Vor allem in der offenen Feldflur können diese Verbände aus Dutzenden Individuen bestehen.

Ökologische Rolle

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Das Reh als Lebensraumgestalter

In ungestörten Ökosystemen ist die wichtigste Funktion des Rehs wohl die des Beutetieres für Wolf und Luchs. Doch auch das Aufschlagen des Waldbodens durch Rehböcke, das „Plätzen“ und das Scharren am Waldboden im Winter führt zu Bodenverwundung mit Folgen für das Ökosystem Wald: Die Humusauflage wird an diesen Stellen entfernt und der Rohboden freigelegt. Dies ist wiederum der notwendige Wuchsplatz für Pflanzensamen, die nur auf rohem Boden keimen wie zum Beispiel Birke, Kiefer oder Tanne.

Doch große Wildtiere wie Rehe erfüllen noch andere Funktionen: Ihr ausgefallenes Winterfell nutzen viele Vogelarten für den Nestbau. Abgeworfene Geweihstangen sind durch ihren hohen Kalzium- und Phosphorgehalt vor allem bei zahlreichen Nagetieren beliebt. Und auch der Tod hat seine Funktion: Die Kadaver von verendetem Wild dienen vielen Tierarten als Nahrung.

Nahrung

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Auf dem Speiseplan: Blätter und Kräuter

Rehe sind wie alle Hirscharten Wiederkäuer, die ihre Nahrung erst verdauen können, nachdem sie sie hochgewürgt und ein zweites Mal zerkaut haben. Im Gegensatz zu Rot- und Damwild bevorzugen Rehe ausschließlich leicht verdauliche Nahrung wie junge Gräser, Knospen, Kräuter und im Winter die grünen Blätter von Brom- und Himbeeren. Die meisten der von Rehen geschätzten Äsungspflanzen deuten auf einen hohen Stickstoffgehalt des Bodens hin und sind damit besonders eiweißreich. In der Feldflur fressen Rehe besonders gerne Raps, der vor allem im Frühjahr eine große Rolle in ihrer Ernährung spielt.

Ein etwa 20 Kilogramm schweres Reh braucht zwischen zwei und vier Kilogramm Grünmasse pro Tag. Von März bis Juli und von Anfang September bis Anfang November nehmen die Tiere stark an Gewicht zu. Die im Frühjahr aufgebauten Reserven werden während der Brunft im Juli und August wieder abgebaut und die im Herbst angelegten Reserven dienen der Überbrückung des Nahrungsmangels im Winter.

Fortpflanzung

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Im Sommer ist Brunftzeit

Die Brunft des Rehwildes findet bei uns etwa von Mitte Juli bis Mitte August statt. Wochen zuvor haben die Rehböcke bereits ihre Reviere markiert und gegen Eindringlinge verteidigt. Besonders intensiv ist dieses Territorialverhalten im Mai, wenn Imponier- und Drohgebärden bei gleich starken Böcken häufig im direkten Kampf mit dem Geweih enden. Die Brunftzeit der Ricken ist im Gegensatz zu den Rehböcken kurz und beginnt etwa 67 Tage nach der Geburt ihres Kitzes. Sie dauert nur jeweils etwa vier Tage. Rehböcke wittern paarungsbereite Ricken in ihrem Territorium und folgen ihnen manchmal über Tage. Die Böcke verlieren in dieser Zeit erheblich an Körpergewicht.
Nach der Paarung entwickelt sich das befruchtete Ei bei Rehen durch die sogenannte Keimruhe erst ab Dezember. Die Kitze kommen im darauffolgenden Mai und Juni zur Welt. Je nach Biotop bringen Ricken einzelne Kitze oder Zwillinge zur Welt, in seltenen Fällen Drillinge.

RehBedrohungen

Rehe sind in Deutschland nicht bedroht sondern gehören zu den Gewinnern in unserer Kulturlandschaft. Weil sie so zahlreich sind, werden bei uns jährlich über 1 Million Rehe erlegt. Allerdings sollte sich die Art der Jagd stärker den Bedürfnissen der Wildtiere anpassen - dazu gehören unter anderem kürzere Jagdzeiten , für die sich die Deutsche Wildtier Stiftung deutschlandweit einsetzt. Ein großes Tierschutzproblem ist außerdem die Verstümmelung von Rehkitzen unter den Messern der landwirtschaftlichen Mähmaschinen.

Tod auf der Straße

Straßenverkehr

Fast 200.000 Rehe fallen jährlich dem Straßenverkehr zum Opfer und sterben mitunter erst nach einigen Tagen qualvoll an ihren Verletzungen.
Tag für Tag werden bundesweit Jäger von der Polizei zu verletzten Wildtieren gerufen, um den Fangschuss zu setzen und die tierischen Unfallopfer von ihrem Leiden zu erlösen. Dabei lässt sich das Massensterben der Tiere auf Deutschlands Straßen minimieren. Wenn Autofahrer das Warnschild für Wildwechsel sehen, sollten sie die Straßenränder im Auge behalten und bremsbereit fahren. Dann lässt sich ein Wildunfall eher vermeiden. Besonders gefährlich sind die Übergangsbereiche zwischen Wald und Feld.

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Kommt es zu einem Wildunfall, muss zunächst die Unfallstelle gesichert und dann in jedem Fall die Polizei gerufen werden. Ist das Tier geflohen, sollte sich der Autofahrer möglichst den Fluchtweg merken und ihn kennzeichnen. Ein angefahrenes Tier schleppt sich häufig noch in den Wald, wo es mitunter Tage lang leiden muss, ehe es verendet. Mit einem dafür ausgebildeten Hund kann der herbeigerufene Jäger der Fährte des Wildes folgen und das Tier von seinem Leid erlösen. Bei Wildunfällen sollte sich der Mensch unbedingt vom verletzten Tier fernhalten, denn der Anblick eines Menschen wirkt keineswegs wie oft vermutet „tröstend“, sondern versetzt Wildtiere eher in Panik. Außerdem besteht eine Verletzungsgefahr für den Menschen; beispielsweise durch das Schlagen der Tiere mit den Läufen.

Unterm Messer

Intensivierung der Landwirtschaft

Rehe sind in Deutschland sehr häufig und müssen zum Glück nicht vor dem Aussterben geschützt werden. Allerdings existieren auch rund um diese häufige Art Konflikte durch die Landnutzung. Ein besonders dramatisches Problem ist das Verletzen und Töten von Rehkitzen während der Grünlandmahd, da der günstigste Termin zum Mähen in den Zeitraum der Jungenaufzucht der Rehe fällt. Rehkitze, die im Mai und Juni noch nicht vor nahenden Maschinen flüchten können, werden durch die Mähmaschinen verstümmelt und getötet.

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RehWas wir tun

Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich seit vielen Jahren für den Schutz von Wildtieren bei der Grünlandmahd ein. Wir sensibilisieren Landwirte für besonders schonende Mähverfahren und haben technische Lösungen auf unserem stiftungseigenen Gut Klepelshagen getestet. Die wirksamste Maßnahme zum Schutz der Wildtiere bei der Grünlandmahd ist jedoch ein späterer Mähtermin im Juli. Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich dafür ein, dass Landwirte, die ihre Flächen erst spät im Jahr mähen, einen finanziellen Ausgleich erhalten.

Einsatz gegen Mähtod

XXX Randspalte fehlt

Wir engagieren uns gegen den Mähtod von Wildtieren: Auf unserem stiftungseigenen Gut Klepelshagen in Mecklenburg-Vorpommern haben wir verschiedene Methoden getestet, die die Ricken dazu veranlassen sollen, kurz vor der Mahd ihre Kitze aus den betroffenen Wiesen zu führen. Gemeinsam mit ihren Partnern hat die Stiftung eine Broschüre zur Vermeidung des Mähtods von Wildtieren veröffentlicht , die kostenlos bei der Deutschen Wildtier Stiftung bezogen werden kann.

Mit gutem Beispiel voran

Artenschutzprojekte

Auf unseren stiftungseigenen Flächen führen wir die Mahd des Grünlandes besonders wildtierfreundlich durch. Die wichtigste Maßnahme ist dabei ein später Mähtermin – und zwar nach dem 1. Juli! So verzichten wir zwar auf einen frühen ersten Schnitt und damit auf besonders wertvolles Mähgut. Dafür sind im Juli die meisten Rehkitze groß genug, um vor den für sie lebensgefährlichen Mähmaschinen zu flüchten.

Projekte

Viele Projekte der Deutschen Wildtier Stiftung kommen Rehwild zugute. Denn überall dort, wo sich die Stiftung für den Lebensraum von Schreiadler, Feldhamster oder Feldhase einsetzt, leben Rehe. Ein besonders positiver Effekt für Rehwild ist das Projekt „Energie aus Wildpflanzen“. Der Aufwuchs artenreicher Wildpflanzenmischungen bietet den Rehen vor allem in der kalten Jahreszeit Nahrung und Deckung in ihrem ansonsten eher kahlen und kargen Lebensraum.

Mohn am Wegesrand

Energie aus Wildpflanzen

Im Netzwerk Lebensraum Feldflur wollen wir Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen mit Natur- und Artenschutzzielen vereinen.

Zum Projekt
Gut Klepelshagen

Gut Klepelshagen - wirtschaften mit der Natur

Auf Gut Klepelshagen zeigt die Deutsche Wildtier Stiftung, wie hervorragend ein Leben und Wirtschaften mit der Natur funktionieren kann.

Zum Projekt

RehHelfen

Wir setzen uns dafür ein, dass Rehe in Deutschland ihrer natürlichen Lebensweise nachgehen können. Mit Ihrer Spende können Sie uns dabei unterstützen.

weisse Blume.

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