Spatz

Vom Allerweltsvogel auf die Rote Liste

Spatz in Großaufnahme

Population in Deutschland:

ca. 4.500.000 Brutpaare

Bedrohungsstufe:

1

nicht bedroht

Die Bestände haben zugenommen oder sind stabil.

2

rückläufig, aber nicht bedroht

Die Bestände sind bemerkbar zurückgegangen oder es ist eine Verschlechterung abzusehen.

3

bedroht

Die Bestände sind erheblich zurückgegangen oder durch menschliche Einwirkungen bedroht.

4

vom Aussterben bedroht

Ein extrem großes Risiko des Aussterbens in der Zukunft.

Einleitung

Der Haussperling – besser bekannt als Spatz - gehört zu den vertrautesten Singvögeln. Er ist dem Menschen fast weltweit in die Dörfer und Städte gefolgt. Dort lebt er gerne in Gesellschaft seinesgleichen und brütet bevorzugt in Gebäudenischen. Sein typisches Tschilpen ist wohl jedem geläufig!

Fakten

lateinischer Name

Passer domesticus

Spatz: Alter

bis zu 5 Jahre

Spatz: Gewicht

20 - 30 gr

KRALLENDETAIL

Illustration Spatz

Tschilpen des Spatzes

Nahrung

  • Samen und Kerne

  • Insekten

  • Wirbellose

Feinde

Sperber Turmfalke Schleiereule Hauskatze

Größe

SpatzAussehen

Der Spatz ist ein kleiner, etwa finkengroßer Vogel mit einer gedrungenen Gestalt auf kurzen Beinen. Er hat ein braun-rötliches Gefieder mit schwarzen Längsstreifen auf dem Rücken. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in ihrem Aussehen.

SpatzGefieder

Das Federkleid der Männchen ist kontrastreicher gemustert als das der Weibchen: Besonders markant sind der schwarze Kehlfleck und Brustlatz, der kastanienbraune Nacken und der aschgraue Scheitel. Die weiblichen Tiere sind dagegen matt-bräunlich gefärbt und eher unscheinbar. Sie haben einen grau-braunen Kopf und besitzen hinter dem Auge einen hellen Punkt.
Die Jungvögel sind den Weibchen ähnlich - ihr Gefieder ist nur noch etwas heller gefärbt. Haussperlinge besitzen im Winter übrigens maximal 3.615 Federn, im Sommer dagegen nur 3.197 Federn. Sie sind damit bestens an unser Klima angepasst.

SpatzGesang und Stimme

Obwohl er zu den Singvögeln gehört, ist der Haussperling kein großer Sangeskünstler. Sein typisches Tschilpen ist trotzdem für die meisten Menschen ein munteres und sympathisches Geräusch. Der Gesang des Männchens während der Balzzeit besteht aus monotonen, rhythmischen „Tschilp“-Lauten. Droht Gefahr aus der Luft warnt er mit einem getrillerten „drüüüü“. Befinden sich Feinde am Boden, ruft der Spatz energisch „terrettett“ oder „kew kew“. Er lernt sogar „Fremdsprachen“ und ahmt Stare und Amseln nach.

SpatzLebensweise

Spatzen sind tagaktiv und sehr gesellige Tiere. Zur Nahrungsaufnahme finden sie sich in kleinen Trupps zusammen und auch die Nacht verbringen sie meist gemeinsam mit Artgenossen in Hecken oder Hausbegrünungen. Viele Verhaltensweisen sind auf das Leben in der Gruppe und einem gemeinsamen Tagesablauf ausgerichtet. Spatzen suchen die Nähe zum Menschen und sind daher wenig scheu. Sie leben auf dem Land an einzelnen Höfen, aber auch in Städten, in denen Grünanlagen mit Sträuchern und Bäumen sowie Nischen und Höhlen zum Brüten vorhanden sind.

Lebensraum

Spatz auf Tisch an Imbissbude

Ein anpassungsfähiger Lebenskünstler

Ursprünglich in Baumsavannen beheimatet, gehören Haussperlinge heute zu den typischen Siedlungsbewohnern und leben in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Als sogenannte Kulturfolger haben sie sich mit ihrer Lebensweise perfekt an die des Menschen angepasst. Optimale Lebensräume für Spatzen sind Dörfer und Stadtränder mit Landwirtschaft, Tierhaltung, Gärten und Parks. Aber auch im Zentrum von großen Städten kommen sie vor, wenn es genug Nahrung und Nistmöglichkeiten gibt. Spatzen sind standorttreu und sie bewegen sich meist in einem Radius von fünf Kilometern. Vor allem während der Brutzeit entfernen sie sich vom Nest oft nicht weiter als 50 Meter.

Sozialverhalten

Spatzen leben in Kolonien

Gemeinsam sind sie stark

Spatzen sind sehr gesellige Tiere, die in kleinen Trupps zusammen leben und ihren Tagesablauf stark aufeinander abgestimmt haben. Alle Aktivitäten werden gemeinsam durchgeführt: der Gesang, die Futtersuche und Jungenaufzucht sowie das Baden. Selbst zum Schlafen sammelt sich der Trupp gemeinsam in einem Versteck. Das Leben in der Gruppe hat einen entscheidenden Vorteil: Es bietet Schutz, denn viele Augen erkennen Gefahren schneller als zwei. Auch die Jungvögel tun sich aus diesem Grund zusammen, wenn die Eltern mit der nächsten Brut beginnen. So können sie auch einzelne Verhaltensweisen voneinander lernen.

Fortpflanzung

Spatzen bei der Fortpflanzung

Brut und Jungenaufzucht

Spatzen nisten am liebsten in Gebäudenischen und in naher Umgebung zu Artgenossen. Sie sind bei der geeigneten Nistplatzwahl aber nicht wählerisch: ein kleiner Hohlraum hinter einer Spalte genügt. Es gab sogar schon Brutplätze in Lüftungsschächten, Ampeln oder unter Storchennestern. Gebrütet wird zwischen April und August und meist gibt es zwei bis drei Bruten. Das Weibchen legt drei bis sieben Eier, und nach 12 bis 14 Tagen schlüpfen die Küken. Wenn es zum Verlust der Eltern kommt, füttern die Nachbar-Spatzen die Jungen oft weiter. Nach weiteren zwei Wochen etwa ist der Nachwuchs flügge. Nur weniger als 50 % der Jungvögel überleben das erste Jahr.

SpatzBedrohungen

Noch gehört der Spatz zu den häufigsten Singvögeln. Es ist jedoch fast unbemerkt geblieben, dass die Bestände seit 1970 in ganz Deutschland und Mitteleuropa erheblich abnehmen - in Großstädten wie London, München und Hamburg um etwa die Hälfte! Der Spatz steht darum auf der Vorwarnliste der Roten Liste bedrohter Tierarten.

Kein Platz für den Spatz

Menschliche Infrastruktur

Dem Spatz fehlen Nahrung und Nistmöglichkeiten – vor allem in der Stadt. Denn die modernen Entwicklungen im Siedlungsbereich machen ihm das Leben schwer. Neue und sanierte Gebäude mit glatten Fassaden bieten keine Nischen, die als Brutplatz dienen können.
Als Hauptursache für seinen Bestandsrückgang gilt jedoch der Mangel an Insekten als notwendige Nahrung für die Jungen. Naturnahe, „verwilderte“ Grünflächen und einheimische Vegetation werden immer mehr verdrängt zu Gunsten von Neubauten und exotischen Pflanzen. Artenarmes Einheitsgrün und fremdländische Pflanzen sind für Spatzen jedoch nutzlos, denn dort können keine heimischen Insekten leben. Zusätzlich lässt der vermehrte Einsatz von Pestiziden die Insektennahrung knapp werden.

Glatte Fassaden bieten dem Spatz keinen Lebensraum

Natürliche Feinde

Prädatoren

Katzen und Steinmarder zählen zu den größten Bodenfeinden, die besonders in der Brutzeit junge und unerfahrene Haussperlinge erbeuten. Erwachsene Spatzen sind vor allem von Sperbern und Turmfalken bedroht, die bevorzugt an beliebten Futterstellen jagen. Dabei sind die bunter gefärbten Männchen mit ihrem auffälligen Kehlfleck häufiger das Opfer der Greifvögel. Schleiereule, Waldkauz und Rabenkrähe gehören zu den selteneren Feinden.

Katze mit Spatz im Maul

SpatzWas wir tun

Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich mit ihrer Kampagne „Rettet den Spatz!“ für den Schutz des Haussperlings ein. Im Rahmen dieser werden der Spatz und seine Gefährdung zu einem Thema in der Naturbildungsarbeit mit Kindern. Kita- und Grundschulkinder werden mit Hilfe einer Vogelerlebniskiste für das Thema sensibilisiert und in die Umsetzung von konkreten Schutzmaßnahmen mit eingebunden. Auch Garten- und Hausbesitzer können viel für den Spatzen tun - die Deutsche Wildtier Stiftung gibt Tipps zu praktischen Maßnahmen.

Lernen mit dem Spatz

Naturbildung

Wir zeigen Kindern die Welt des Spatzen - denn nur was sie kennen und schätzen, werden sie auch schützen.
Der Spatz eignet sich hervorragend für die Naturbildungsarbeit. Einerseits ist er durch seine freche Art und sein Auftreten in Gruppen bekannt und beliebt. Andererseits gehen seine Bestände zurück und Schutzmaßnahmen sind erforderlich. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat daher die Janosch-Spatzenkiste entwickelt, eine Vogelerlebniskiste für Kinder im Kita- und Grundschulalter.
Diese umfangreiche Materialsammlung kann von Bildungseinrichtungen ausgeliehen werden, um Kindern die interessante Welt der Vögel näher zu bringen. Die Janosch-Spatzenkiste bietet viele praktische Anregungen, wie man gemeinsam mit den Kindern unseren gefiederten Nachbarn helfen kann: durch das Aufhängen von Nistkästen, eine richtige Vogelfütterung oder die spatzenfreundliche Gestaltung des Schulhofs oder Kita-Gartens kann aktiver Artenschutz betrieben werden.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat eine artgerechte Nisthilfe entwickelt, das sogenannte Spatzen-Reihenhaus . Im Rahmen von „Spatzen-Retter-Aktionen“ werden die Spatzen-Reihenhäuser in unterschiedlichen Städten an die Grundschulen vergeben. In Kombination mit der Janosch-Spatzenkiste kann das Thema „Heimische Vogelwelt“ somit ganzheitlich und nachhaltig vermittelt werden.

Lebensräume schaffen

Lebensraum schaffen

Gerade Haus- und Gartenbesitzer können mit einfachen Maßnahmen Lebensräume für Spatzen schaffen:

Spatzenfreundlich gärtnern

Dichte Hecken aus einheimischen Sträuchern, blühende Wildkräuter und Nutzpflanzen sehen nicht nur schön aus, sondern machen einen Garten auch spatzenfreundlich: Hier kann er sich verstecken und findet das ganze Jahr über Insekten, Sämereien und Früchte als Nahrung. Mit wilden Ecken bietet man Schmetterlingen, Käfern, Bienen sowie anderen Wildtieren einen guten Lebensraum. Auf den Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln muss verzichtet werden.

Brutplätze schaffen

Vorhandene Nistplätze an Gebäuden sollten erhalten und bei der Planung von Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Durch begrünte Fassaden oder mit dem Spatzen-Reihenhaus können neue Brutplätze geschaffen werden.

Artgerecht zufüttern

Im Winter und zur Unterstützung während der Brutzeit kann man den Vögeln Sämereien anbieten. Die Deutsche Wildtier Stiftung rät zum 5-Punkte-Check bei der Vogelfütterung.

Staubbäder und Vogeltränken anbieten

Von wegen „Dreckspatz“: Spatzen brauchen Staub- und Wasserbäder, um ihr Gefieder parasitenfrei zu halten. Als Wasserstelle kann man beispielsweise einen maximal 4 cm tiefen Blumentopfuntersetzer verwenden. Das Wasser muss regelmäßig ausgetauscht werden, sonst können Krankheitserreger übertragen werden. Um ein Staubbad anzubieten kann man ebenfalls eine Schale mit Sand befüllen oder einfach Sandflächen auf dem Boden frei lassen.
Sowohl Vogeltränken als auch Sandstellen sollten frei stehen und genügend Abstand zum nächsten Gebüsch haben. Ansonsten sind die Vögel dort leichte Beute für Fressfeinde.

Projekte

Wir helfen dem Spatz genug Nahrung und Nistmöglichkeiten zu finden und unterstützen unseren gefiederten Nachbarn mit einer Reihe von Projekten, über die Sie im Folgenden mehr erfahren.

Spatz sitzt auf Holzbalken

Die Janosch-Spatzenkiste

Mit der Janosch-Spatzenkiste können Kinder im Kita- und Grundschulalter die Welt des Spatzen und anderer heimischer Vögel spielend begreifen.

Zum Projekt
Kind hält Eicheln und Eichenblatt in den Händen

Lernwerkstatt Natur

Die Lernwerkstatt Natur soll Kindern in Berlin zeigen, wie sie in der Stadt Natur erfahren können und welche wichtige Rolle die Natur in ihrem Leben spielt.

Zum Projekt

SpatzHelfen

Auch Sie können dem Spatz helfen, indem Sie zum Beispiel eine Nisthilfe in Ihrem Garten aufhängen oder eines unserer Naturbildungsprojekte unterstützen.

Spatz mit Nistmaterial.

Spatzen-Reihenhaus bestellen

Mit dem Spatzen-Reihenhaus bieten Sie gleich zwei Spatzenfamilien ein Zuhause in Ihrem Garten. Es wurde von unseren Biologen entwickelt.

Zum Shop
Wildpflanzen im Garten für den Spatz.

Spatzenfreundlich gärtnern

Mit einem Platz für ein Staubbad und einer wilden Ecke in Ihrem Garten machen Sie nicht nur dem Spatz sondern auch anderen heimischen Vögeln eine Freude.

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Spatz auf der Bank.

Spenden für den Spatz

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie unsere Projekte zur Rettung des Spatzen wie zum Beispiel kostenlosen Verleih der Janosch-Spatzenkiste.

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