Wiesenweihe

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Population in Deutschland:

ca. 500 Brutpaare

Bedrohungsstufe:

1

nicht bedroht

Die Bestände haben zugenommen oder sind stabil.

2

rückläufig, aber nicht bedroht

Die Bestände sind bemerkbar zurückgegangen oder es ist eine Verschlechterung abzusehen.

3

bedroht

Die Bestände sind erheblich zurückgegangen oder durch menschliche Einwirkungen bedroht.

4

vom Aussterben bedroht

Ein extrem großes Risiko des Aussterbens in der Zukunft.

Einleitung

Die Wiesenweihe ist ein mittelgroßer und wendiger Greifvogel des Offenlandes. Sie jagt ihre Beutetiere im niedrigen Flug. Als Bodenbrüter ließ sie sich früher bevorzugt in Wiesen und Sumpfgebieten nieder. Heute ist sie meist in Getreidefeldern zu finden. Da sie hier während der Erntezeiten als Bodenbrüter ihre Jungen aufzieht, leben diese in ständiger Gefahr, von Erntemaschinen getötet zu werden! Als Zugvogel verbringt die Wiesenweihe die Winter in Afrika.

Fakten

lateinischer Name

Circus pygargus

Wiesenweihe: Alter

bis zu 8 Jahre

Wiesenweihe: Gewicht

250 - 380 gr

Flugtechnik

Die Wiesenweihen sind Langstreckenzieher. Sie haben eine andere Flugtechnik als viele andere Zugvögel: sie nutzen seltener die warmen Aufwinde, um zu segeln, sondern sie bewegen sich meist als Schlagflügler vorwärts.

wiesenweise

Ei der Wiesenweihe

Nahrung

  • Kleinsäuger

  • Kleinvögel und Vogeleier

  • Insekten

Feinde

Fuchs Dachs Waschbär Wildschwein

Größe

WiesenweiheMerkmale

Die ausgewachsene Wiesenweihe ist mit einer Körperlänge von 38 bis 44 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 102 bis 116 Zentimetern fast so schwer wie eine Straßentaube. Wer aufmerksam hinschaut, kann Männchen und Weibchen gut voneinander unterscheiden: Die Männchen sind überwiegend grau mit schwarzen Flügelspitzen, die Weibchen sind braun mit ebenfalls schwarzen Flügelspitzen.

WiesenweiheGefieder

Während die Männchen hellgrau gefärbt sind, hebt sich der schmale weiße Schwanzansatz von dem braunen Gefieder des Weibchens besonders gut ab. Dunkel gefärbte Streifen ziehen sich beim Männchen und beim Weibchen gleichermaßen über die Armschwingen der Flügel. Im Flug sind die V-förmig ausgestreckten Flügel geradezu typisch. Alle jungen Wiesenweihen – auch die männlichen – sehen den Weibchen ähnlich: Ihr Gefieder ist von unten rötlich-braun gefärbt. Die Schwanzfedern der Wiesenweihen sind meist länger und fächerartiger als bei anderen Greifvogelarten.

WiesenweiheVerhalten

Die Männchen stechen durch ihr auffälliges Balzverhalten andere Greifvogelarten aus: Ist ein Wiesenweihen-Männchen an einer Dame interessiert, vollführt es spektakuläre Flugmanöver in großer Höhe, um dann wie ein fallendes Blatt abzutrudeln! So imponiert es dem Weibchen. Ein weiterer „Liebesbeweis“ ist eine erbeutete fette Maus oder anderes Futter, das vom Männchen am Brutplatz dem Weibchen übergeben wird.
Beim Jagen der Beute auf dem Boden fliegen die Wiesenweihen im langsamen „gaukendeln“ Suchflug niedrig über Äcker oder Wiesen. Weihen erkennt man gut an den V-förmig gehaltenen Flügeln. Am Nest herrscht dann Arbeitsteilung: Während das Männchen Nahrung heranschafft, wärmt das Weibchen das Gelege. Sind die Jungen geschlüpft, zerlegt das Weibchen die vom Männchen gebrachte Beute und verteilt sie an ihre drei bis fünf Küken.

WiesenweiheLebensweise

Wiesenweihen brüten dicht am Boden. Das geschah früher gewöhnlich in feuchten oder nassen Wiesen oder Sumpfgebieten, daher der Name der Art. Nachdem aber in den letzten Jahrzehnten immer mehr Feuchtwiesen trockengelegt wurden, wurde ihr Lebensraum knapper. Die Wiesenweihe wurde vom Menschen förmlich gezwungen „umzuziehen“. Heute baut sie ihre Nester mit einem Durchmesser von rund 40 Zentimeter perfekt getarnt in Getreidefeldern.

Lebensraum

Wiesenweihen sind bodenbrütende Zugvögel.

Erkenntnisse durch Telemetrie

Wiesenweihen gehören zu den Langstreckenziehern. Sie fliegen im August und September nach Süden und überwintern in den Savannen südlich der Sahara. Im Gegensatz zu anderen Zugvögeln nutzen Wiesenweihen seltener die warmen Aufwinde um zu segeln, sondern schlagen aktiv mit den Flügeln. So legen sie Tausende von Kilometern zurück. Rastplätze sind für die über Frankreich, Spanien oder Italien ziehenden Greifvögel überlebenswichtig. Im Frühling kehren sie wieder nach Deutschland zurück. Mit Satellitensendern konnten Wissenschaftler ihre Wanderungen in den letzten Jahren genauer verfolgen. Damit wurde immer mehr über die vielfältigen Gefahren – unsichere Rastplätze, geringe Beute, Fressfeinde, Wetterumschwünge - bekannt, denen die Weihen auf ihrer langen Reise ausgesetzt sind.

Nahrung

Die bevorzugte Nahrung von Wiesenweihen sind Mäuse.

Mausbestand bestimmt das Brutgebiet

Wiesenweihen fressen im Brutgebiet vorwiegend Mäuse. Deshalb bestimmt häufig der Mausbestand in einem Areal, ob überhaupt und wo genau gebrütet wird. Dieser Nahrungsbestand kann sich von Jahr zu Jahr ändern. Bei der Suchjagd über dem Boden erbeuten die Weihen aber auch regelmäßig kleine Vögel, Eidechsen und größere Insekten.
Im afrikanischen Winterquartier in der südlichen Sahara besteht die Hauptbeute der Weihen aus Heuschrecken oder Kleinvögeln wie der Kalandarlerche. Beim Beutejagen ist die Wiesenweihe ausgesprochen geschickt: Die Nahrung wird aus dem niedrigen Flug von ihr aus kurzer Distanz erst überrascht - und dann blitzschnell mit den Krallen gegriffen.

Fortpflanzung

Wiesenweihen bauen ihr Nest am Boden inmitten von Feldern.

Bodenbrüter leben gefährlich

Wiesenweihen verstecken ihre Nester gut in Feldern – nur wer ganz genau hinschaut, kann sie entdecken. Die Nester werden aus getrockneten Pflanzenresten gebaut. Das Gelege einer Wiesenweihe besteht aus drei bis fünf Eiern. Während das Weibchen rund 30 bis 40 Tage die matt bis bläulich-weißen Eier bebrütet, wird sie vom Männchen mit Futter versorgt. In der Brutzeit leben die Paare monogam. Nach dem Schlüpfen der Jungen braucht es noch rund zwei Monaten, bis diese flügge werden und zusammen mit ihren Eltern das Nest verlassen. Dann können die Jungen selbst ihre Beute jagen. In Schutzprojekten der Deutschen Wildtier Stiftung wird versucht, möglichst viele Nester, die auf den Feldern gut versteckt liegen, noch vor der Ernte aufzuspüren und bei der Ernte auszusparen.

WiesenweiheBedrohungen

Die Intensivierung der Landwirtschaft verändert die Struktur der Lebensräume für die Wiesenweihe. Feuchtgebiete wie Wiesen oder offene Heidelandschaften sowie Moore gibt es kaum noch. In häufig gemähten Wiesen und Weiden fehlt dem Vogel die Deckung. In Kornfeldern bedrohen Erntemaschinen die Jungvögel.

Erntemaschinen töten Jungvögel

Intensivierung der Landwirschaft

Feuchtgebiete als ursprüngliche Lebensräume bieten bei uns den Wiesenweihen schon seit vielen Jahren keine geeigneten Brutplätze mehr. Auch Moor- und Sumpfgebiete sowie brachliegende Flächen gibt es kaum noch. Seit ihrem „Umzug“ ins Getreide ist die größte Gefahr für die Wiesenweihe die Getreideernte. Denn ihre Jungen werden nicht vor Juli flügge – das ist genau die Zeit, in der die Ernte beginnt. Nur wenn Ornithologen und Landwirte das Nest rechtzeitig vor der Ernte finden, kann der Verlust mit dem Bau eines Schutzgitters auf dem Feld verhindert werden.

Erntemaschinen bedrohen bodenbrütende Vögel.

Schutzgitter bewahren vor Fressfeinden

Prädatoren

Fressen und gefressen werden gehört zur Natur. Eier und Jungvögel der Wiesenweihe sind willkommene Beute für viele Tierarten! Die Nester und Jungvögel der Wiesenweihen sind besonders durch Prädatoren wie Wildschweine und Füchse gefährdet. Wenn Experten und Landwirte zusammenarbeiten, können Schutzgitter, die von ihnen aufgestellt werden, auf einer Fläche von 2 x 2 Meter während der Brutzeit Abhilfe schaffen. Die Gitter halten Fressfeinde am Boden fern vom Nest.

Auch Prädatoren stellen eine große Gefahr für Wiesenweihen dar.

WiesenweiheWas wir tun

Die Deutsche Wildtier Stiftung hilft gemeinsam mit Landwirten und ehrenamtlichen Ornithologen in Mecklenburg-Vorpommern den bedrohten Vögeln. In mühevoller Detektivarbeit spüren Helfer die perfekt versteckten Nester in den Getreidefeldern auf. Oft werden Felder mehrere Tage lang beobachtet, bis klar ist, wo sich die Wiesenweihen niedergelassen haben.

Wir retten Jungvögel

Artenschutzprojekte

Damit Wiesenweihen erfolgreich brüten können, die Jungvögel überleben und ihre Anzahl wieder zunimmt, ist ein aktiver Schutz der Nester dringend nötig. Um sie vor der Zerstörung durch Erntemaschinen oder Prädatoren zu bewahren, schützen in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren ehrenamtlich tätige Ornithologen gemeinsam mit Landwirten die Nester vieler Wiesenweihen-Brutpaare. Da sie ihre Nester perfekt in Feldern verstecken, müssen die Naturschützer oft genau beobachten und suchen, um sie aufzuspüren! Das kann Stunden bis Tage dauern. Sind die Nester gefunden, errichten die Helfer 2 x 2 Meter große Schutzzäune um die Nester herum. Eine Getreideinsel von 50 x 50 Metern bleibt zusätzlich bei der Ernte stehen. Die schweren Maschinen rollen so an den Vögeln vorbei.

Wir unterstützen Forschung

Politisches Engagement

Die promovierte Diplom-Biologin Christiane Trierweiler vom Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ in Wilhelmshaven wurde 2009 mit dem Forschungspreis ausgezeichnet. Sie hat die Bedeutung von nordafrikanischen Rast- und Überwinterungsplätzen der Wiesenweihe untersucht. Dafür konnte sie Wiesenweihen mit Miniatursendern ausrüsten und hinter ihnen her nach Afrika reisen. Sie fand heraus, dass die Vögel im Winter standorttreu sind und sich in wenigen ausgewählten Gebieten konzentrieren. Dieses Verhalten ist eine wichtige Erkenntnis, wenn es um nachhaltige Schutzmaßnahmen in der heimischen Region geht. Durch die Forschung von Dr. Trierweiler ist es nun möglich, konkrete Empfehlungen zum Schutz der Wiesenweihe während des kompletten Jahreszyklus zu geben.

Projekte

In unserem Projekt "Nestschutz für Wiesenweihen" ergreifen konkrete Maßnahmen zum Schutz von Jungvögeln. Indem wir Flächen aus dem Nationalen Naturerbe übernehmen, bieten wir vielen heimischen Wildtieren einen artgerechten Lebensraum.

Wiesenweihe

Wiesenweihe - Nester schützen

Weil es kaum noch Feuchtgebiete gibt, nisten Wiesenweihen heute in Getreidefeldern. Ein Risiko! Wir schützen ihre Nester.

Zum Projekt
Totholz bietet zahlreichen Tieren Lebensraum.

Wildtierland

Mit dem Kauf von Flächen können Lebensräume für Wildtiere und Wildpflanzen dauerhaft gesichert werden.

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