Schneehasen im Liebestaumel

Bei der „March Madness“ testet die Häsin im Boxring, ob der Hase als Partner taugt

imagebroker.com-christoph-ruisz

Der März ist für Alpenschneehasen eine besonders hektische und kräftezehrende Zeit: Die sogenannte „March Madness“, zu Deutsch „der Märzwahnsinn“, hat die Hasen im Hochgebirge erfasst. Das Tier des Jahres ist im Liebestaumel – und der ist wild.

In der Paarungszeit, die im März einen Höhepunkt erreicht und bis in den Juni andauern kann, verfolgen die Männchen die Weibchen schnell und unermüdlich – und das sogar am helllichten Tag. Oft werden die Häsinnen von mehreren Verehrern gleichzeitig umgarnt. Um den stärksten Hasen zu ermitteln und sicher zu gehen, dass der Nachwuchs einen Vater mit guten Genen bekommt, testet die Häsin den Hasen in einem hitzigen Boxkampf: Wie im Boxring springen Hase und Häsin auf den Hinterläufen umeinander herum und teilen Hiebe aus. Nur kräftige Rammler halten dies durch und werden von den Weibchen zur Paarung zugelassen. Häsinnen können während einer Tragezeit von etwa 50 Tagen in seltenen Fällen sogar nochmals befruchtet werden. Dann befinden sich Junghasen unterschiedlicher Entwicklungsstadien zeitgleich in der Gebärmutter und der Abstand zwischen zwei Geburtsereignissen verkürzt sich trotz vergleichsweiser langer Trächtigkeit deutlich – diesen Trick von Mutter Natur nennt man Superfötation oder Schachtelträchtigkeit.

Belastung durch Tourismus und Klimawandel

Der Alpenschneehase leidet unter Stress

Zusätzlich zum innerartlichen Stress kommt noch eine weitere Belastung auf die Schneehasen zu: Der Schnee- und Skitourismus. Gerade in den Höhenlagen dringen immer mehr Wintersportler in die Rückzugsgebiete der Alpenschneehasen ein. Doch jede Störung durch Menschen bedeutet zusätzliche Belastung: Aufgeschreckte Hasen müssen flüchten, verbrauchen dabei wertvolle Energie. Studien deuten zudem darauf hin, dass ein hoher Stresslevel die Fortpflanzungsquote senkt. Ob es weniger erfolgreiche Paarungen oder eine geringere Überlebensrate der Jungtiere gibt, ist Gegenstand aktueller Forschung. Und durch den Klimawandel hat der Schneehase mit weiteren Widrigkeiten zu kämpfen. Denn sein Lebensraum verändert sich: Eine geschlossene Schneedecke gibt es immer weniger und nur in immer höheren Lagen. Dadurch schrumpfen die Rückzugsräume, in denen der Alpenschneehase mit seinem weißen Winterfell gute Deckung findet – Fressfeinde wie Steinadler oder Fuchs haben leichtes Spiel.

Die Alpenschneehasen, die den Winter überstanden haben, sind jetzt im März mit Geduld und dem nötigen Respekt für die Tiere zu beobachten – bei ihren verrückten Paarungsritualen in ihrer wilden, rastlosen „March Madness“.

Alpenschneehasen sind schwer zu fotografieren – besonders im Liebestaumel. Unser Titelfoto zeigt daher keine Alpenschneehasen, sondern zwei nordische Schneehasen, von denen ein Schnappschuss gelang. Das verrückte Paarungsritual gibt es bei allen Hasen.

Alpenschneehase gesichtet? Bitte melden!

Wir suchen den Alpenschneehasen! Bis Ende März 2025 bitten wir darum, Sichtungen von weißen Alpenschneehasen unter der E-Mail-Adresse Schneehase@DeutscheWildtierStiftung.de zu melden. Dabei sind genaue Angaben hilfreich: Standort (am besten in Form von Geodaten), Datum und Uhrzeit der Sichtung, die Anzahl der Tiere sowie, wenn möglich, ein Foto.