Eine Chance für Edelkrebse

Heimische Edelkrebse sind durch ihre amerikanischen Verwandten vom Aussterben bedroht

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Sie kommen aus dem Krebs-Kindergarten der Zuchtanlage Basthorst in Mecklenburg-Vorpommern, sind vom Aussterben bedroht und haben unter der Obhut der Deutschen Wildtier Stiftung in Klepelshagen ein sicheres Refugium gefunden.

Klepelshagen/Hamburg, 19. November 2021

2000 Edelkrebse (Astacus astacus) wurden von Dr. Sebastian Brackhane, Artenschützer der Deutschen Wildtier Stiftung, in sieben besonders gut geeigneten Solitärgewässern in Mecklenburg-Vorpommern ausgesetzt. „Die kleinen Krebse haben mächtige Feinde“, sagt der Bereichsleiter Naturschutz Gut Klepelshagen. „Wir hoffen, wir können etwas für ihre Arterhaltung tun.“

Die Sommerlinge – sie sind alle in diesem Jahr geschlüpft – haben jetzt vor der Winterruhe noch ausreichend Zeit, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Andernorts werden sie von eingeschleppten Krebsarten aus Amerika stark bedroht: Signalkrebse und Kamberkrebse brachten die sogenannte Krebspest mit sich. „Die gefürchtete Tierseuche wird durch einen Pilz hervorgerufen, gegen den sein europäischer Verwandter keine Chance hat, während die amerikanischen Neuankömmlinge mit der Erkrankung besser klarkommen“, erläutert der Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. Aktuell wird der Edelkrebs daher in Deutschland auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

Edelkrebse lat. Astacus astacus

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Die kleinen Krebse, die Sommerlinge, werden in besonders gut geeigneten Solitärgewässern in Mecklenburg-Vorpommern ausgesetzt.

Das Ende der infizierten Krebse ist grausam: Zunächst dringen die Sporen des Pilzes durch ihren Panzer ein und lösen einen Juckreiz aus. Dann kommt es zu Lähmungserscheinungen. Schließlich fallen dem Tier die Gliedmaßen ab und es verendet qualvoll. Die Wiedereinbürgerung der bedrohten Edelkrebse in Klepelshagen soll das Überleben in den abgeschiedenen Gewässern sichern, die für amerikanische Krebse nicht über Zuflüsse erreichbar sind.

Die heimischen Edelkrebse sind Allesfresser und verwerten tote Fische und Pflanzen, gehen aber auch aktiv auf die Jagd nach Würmern, Schnecken oder Insekten. Edelkrebse können bis zu 20 Jahre alt werden und eine Länge von 20 Zentimetern erreichen. Sie sind erst nach zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Im nächsten Jahr, wenn die Sommerlinge aus ihrer Winterruhe erwachen, sollen geschlechtsreife Artgenossen dazugesetzt werden. Sebastian Brackhane: „Wir hoffen, dass sich die seltenen Edelkrebse hier dauerhaft ansiedeln und die Besitzerinnen und Besitzer anderer geeigneter Gewässer unserem Beispiel folgen.“

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