Tetzlaffs Tagebuch: Frühe Vögel - und verspätete

Hier berichtet Michael Tetzlaff, Naturschützer und Landschaftspfleger, regelmäßig von den Wildtieren auf den Flächen des Gutes und in der Umgebung. Auf ihrem Gutsbetrieb in Vorpommern zeigt die Deutsche Wildtier Stiftung, dass wildtierfreundliche Landwirtschaft möglich ist.

Hamburg, 27. April 2020

Die ersten Frühlingsboten

Unsere Kraniche besetzten in diesem Jahr extrem früh, bereits im Februar, ihre Brutreviere. Auch die Feldlerchen sangen fast eine Woche früher als sonst über den Klepelshagener Weiden. Das erste vielstimmige Frühlingskonzert wurde eindrucksvoll von Buchfink, Amsel, Singdrossel, Goldammer und Sumpfmeise vorgetragen. Es folgten weitere Sänger wie etwa Mönchsgrasmücke, Hausrotschwanz, Fitis und Teichrohrsänger.

Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen lockten das „Insekt des Jahres“ ungewöhnlich früh hervor. Die Ölkäfer gingen zeitig zur Eiablage. Dem aufmerksamen Naturbeobachter entgingen auch die vielen kleinen Sandbienen nicht, die umherschwirrten, um geeignete offene Sandstellen für die Eiablage zu suchen. Der von Büschen befreite Südhang am Fuchsberg bietet Sandbiene und Ölkäfer gleichermaßen optimale Bedingungen. Auch das „Kriechtier des Jahres“, die Zauneidechse, konnte dort bereits auffallend früh im Jahr beobachtet werden.

Zauneidechse

Foto: Zauneidechsenmännchen am Sonnenplatz

Bereits ausgebalzt

Die ersten Farbtupfer im Wald setzen pünktlich Anemone, Lerchensporn, Leberblümchen und Goldstern und dienten den Insekten als erste Nahrungsquelle. Tagpfauenauge, Zitronenfalter und Aurorafalter waren die ersten Schmetterlinge der Saison. Die Balzzeit bei Moorfrosch und Erdkröte ist bereits abgeschlossen und lange Laichschnüre in den Waldgewässern zeugen von einer erfolgreichen Paarung. Leider wird in einigen Gewässern in der Feldflur das wenige Wasser mit der Brut in den nächsten Tagen austrocknen, ohne dass es zum erfolgreichen Schlupf der Kaulquappen kommen wird.

Verspätete Adler

Doch nicht alle unsere Tiere waren dieses Jahr besonders früh. Die Fischadler ließen sich reichlich Zeit zur Rückkehr ins Klepelshagener Brutgebiet. Mit fast zweiwöchiger Verspätung kam der erste von vier Adlern bei uns an – es war wieder einmal das Männchen vom Mast am Hinterwiesenweiher. Auf diesen erfahrenen Adler ist eigentlich immer Verlass. Mit seiner Verspätung hat er den vermeintlichen Trend, dass auch diese Art immer früher zurückkehrt, erst einmal gebrochen. Auch aus anderen Brutgebieten in Mecklenburg-Vorpommern werden Adler-Verspätungen gemeldet.

Fischadler

Foto: Fischadler über Klepelshagen

Arbeiten und warten

Schon gleich nach der Ankunft beginnt das Männchen mit der Ausbesserung des angestammten Horstes. Hierfür wird eifrig Nistmaterial herangeschafft. Vor allem in den Morgenstunden fliegt der Fischadler im Minutentakt und schleppt Äste aller Größen zum Nest. Diese „sammelt“ er im Flug von den Kronen der umliegenden Bäume.

Unser Adler vom Hinterwiesenweiher schleppt hauptsächlich Äste der umliegenden Eschen heran. Ob er tatsächlich im Flug erkennt, ob die Äste abgestorben und daher leicht zu brechen sind, ist nicht bekannt. Für den Innenausbau verwendet er dann weniger sperriges Material und trägt Hinterlassenschaften der letzten Wiesenmahd wie etwa Heu ein. Tag für Tag wird er nun das Heim für seine Auserwählte vorbereiten und auf ihre Rückkehr warten.

Fotos: Michael Tetzlaff

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