Gämsen reagieren auf Klimawandel

Deutsche Wildtier Stiftung: Bergwälder werden immer wichtiger für das Alpenwild

Gämsen auf einer Wiese - Foto: ArcoImages / Westend61

Gämsen sind typische Bewohner alpiner und subalpiner Lebensräume. Die wichtigsten Voraussetzungen für ihren Lebensraum sind sonnige und damit im Winter wärmebegünstigte Lagen mit geringer Schneedecke. Neue Studien haben jetzt gezeigt: Die leichtfüßigen Alpenbewohner besiedeln auch kühle Bergwälder. Hier gilt es, die Gämsen nicht zu stören.

Hamburg, 14. September 2021

Tags:

„Gämsen zeigen sich bei veränderten Klimabedingungen besonders flexibel“, sagt Professor Dr. Klaus Hackländer, Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung und Mitautor einer aktuellen Veröffentlichung im Fachjournal Global Change Biology. „Wird es in der Felsregion zu warm, verlagern sie ihre Aktivitäten in tiefere Waldregionen“, so Hackländer. Arten, die in extremen Lebensräumen wie den Hochgebirgsregionen leben, sind an die jahreszeitlichen Umweltbedingungen sehr gut angepasst. Dadurch gelten sie aber auch als besonders empfindlich, wenn es um den Klimawandel geht. Die neue Studie belegt, dass die Erwärmung hochalpiner Lagen für Gämsen weniger dramatisch ist als bisher angenommen. „Wir konnten beobachten, dass Gämsen, die in den kühleren Bergwäldern leben, viele Vorteile im Vergleich zu ihren in den Hochlagen lebenden Artgenossen haben“, erläutert Hackländer. Wichtig für die Tiere sei dann allerdings, dass sie dort nicht von Menschen gestört werden.

Die Studie des Instituts für Wildtierbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur Wien und des Nationalparks Berchtesgaden basiert auf Untersuchungen an über 20.000 einjährigen Gämsen, die zwischen 1993 und 2019 in den Österreichischen Alpen beobachtet wurden. Ein wichtiges Kriterium der Untersuchungen war dabei der Ernährungszustand (Body-Mass-Index = BMI) der Tiere: Während Junggämsen in höheren, waldfreien Gebieten eine Verschlechterung des BMI aufwiesen, waren in Bergwäldern lebende Junggämsen konditionell bessergestellt. „Die Schlussfolgerung aus den Beobachtungen ist, dass Wälder wie ein Puffer den Klimaeffekt bei großen Pflanzenfressern abfedern können“, fasst Hackländer die Ergebnisse der Langzeitstudie zusammen.

Die Anpassungsfähigkeit der Gämsen ist erstaunlich, doch sie kann nur dort beobachtet werden, wo menschliche Störungen im Wald gering sind. Ganz entgegen dieser Notwendigkeit existieren im Bayerischen Bergwald großflächig sogenannte Schonzeitaufhebungsgebiete, in denen Gämsen unerwünscht sind und ganzjährig gejagt werden dürfen. Seit Kurzem stehen Gämsen sogar auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Tiere Deutschlands. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert daher seit langem, Wildruhe- bzw. Jagdschongebiete in den Bayerischen Alpen auszuweisen, wie sie in vielen europäischen Nachbarländern bereits existieren.

Studie

  • Gamslebensräume in den Bayerischen Alpen

    Gämsen sind typische Bewohner alpiner und subalpiner Lebensräume. Die wichtigsten Komponenten in ihrem Lebensraum sind sonnige und damit im Winter wärmebegünstigte Lagen mit geringer Schneedecke. Für Geißen und Kitze sind im Sommer zudem Almen oder alpine Matten notwendige Habitatstrukturen.

    Autor: Deutsche Wildtier Stiftung

    Jahr: 2021

    Herunterladen
Gams mit schwarzen Hintergrund

Gämse

Die Gämse ist etwas größer als ein Reh und lebt bei uns nur in Bayern und Baden-Württemberg. Sie ist an das Leben im Hochgebirge angepasst.

Zum Steckbrief
Gämsen auf einer Felskuppe

Gämse – der Konflikt in Bayern

Bei uns in Deutschland finden Gämsen vor allem in Bayern einen geeigneten Lebensraum: felsige Regionen für den Sommer und Wälder für den Winter. Doch Gamswild wird in Bayern gerade in öffentlichen Wäldern sehr intensiv gejagt.

Zum Projekt
spenden-gams

Spenden

Alle Spendengelder werden in voller Höhe ohne Abzug von Verwaltungskosten und Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit für Natur- und Artenschutzprojekte verwendet.

Jetzt Spenden