Luchse vor der Kamera

Das Projekt zur Wiederansiedlung des Luchses im Pfälzerwald ist auf Erfolgskurs. Schon bald wird die geplante Anzahl von 20 Umsiedlungen erreicht sein. Wie gut sich eine Gründerpopulation entwickeln kann, zeigt das Luchsprojekt im Harz. Hier ist die geschützte Art inzwischen wieder weit verbreitet. Auch Wildkameras erfassen Luchse regelmäßig.

Hamburg, 27. Februar 2019

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Mit Gaupa, einem weiblichen Luchs aus der Schweiz findet nun bereits der 15. „Umsiedlungs-Kandidat“ einen neuen Lebensraum im Pfälzerwald. Wie überall in Zentraleuropa waren Luchse auch hier seit über 200 Jahren ausgestorben. Die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz ist Träger des Projektes zur Wiederansiedlung der faszinierenden Katzenart im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, das auch von der Deutschen Wildtier Stiftung unterstützt wird. Bereits Anfang Februar starteten die diesjährigen Umsiedlungen mit Mala. Auch diese Luchsin wurde in der Schweiz gefangen und als Mitglied der Gründerpopulation in den Pfälzerwald umgesiedelt.

Wie erfolgreich eine Wiederansiedlung von Luchsen sein kann, zeigt das Luchsprojekt im Harz. Ausgehend von 24 Luchsen, die zwischen 2000 und 2006 im niedersächsischen Teil des Nationalparks Harz angesiedelt wurden, ist eine gesunde Population erwachsen. Regelmäßig werden heute Luchse im gesamten Harz auch fernab des Schutzgebietes mit seinen Teilen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie im Thüringer Südharz nachgewiesen. Auch haben es Luchse aus dem Harz bereits geschafft, weiter entfernt gelegene Waldgebiete wie das nordhessische und nordthüringische Bergland und den Solling wieder für sich zu beanspruchen – die Erfolgsgeschichte eines Artenschutzprojektes! Im Harz und angrenzenden Gebieten ist der Luchs - auch in den Köpfen der Menschen - inzwischen wieder ein fester Bestandteil der heimischen Wildtiere.

An einer häufig von Wildkatzen aufgesuchten Felshöhle im Ostharz lässt sich regelmäßig auch Luchs „B1056m“ blicken, um den Standort zu markieren, oder um sich hier einige Stunden auszuruhen.

Beliebte Felsenhöhlen

Eine unserer Wildkameras dokumentiert im Ostharz, welche weiteren Arten eine Felshöhle besuchen, die auch gern von der Wildkatze, dem Tier des Jahres 2018, besucht wird. Neben Füchsen, Dachsen und Wildschweinen wird hier auch immer wieder ein Luchs erfasst, der einige Stunden in der Höhle verweilt oder hier lediglich seine Urinmarkierungen setzt. Die Höhle liegt innerhalb des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt (Forstbetrieb Süd), in dem die Anwesenheit von Luchsen wieder zur Normalität geworden ist. Dank des intensiven Monitorings der Nationalparkverwaltung Harz, das auf eine Wiedererkennung einzelner Luchse anhand ihres Fellmusters setzt, wurde festgestellt, dass es sich bei unseren Aufnahmen hier um den Luchskater „B1056m“ handelt, der die Felshöhle gelegentlich besucht und hier markiert. Der Luchs ist den Nationalparkmitarbeitern seit 2017 bekannt. Weitere spannende Aufnahmen von B1056m, Wildkatzen und anderen Wildtieren an der Felshöhle finden Sie hier.

In dem von der Fachjury der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ im Mai 2018 ausgezeichnet LIFE-Projekt der Stiftung Umwelt und Natur Rheinland-Pfalz werden im Zeitraum 2016 bis 2020 insgesamt 20 Luchse in den Pfälzerwald umgesiedelt werden - eine ähnlich hohe Anzahl wie im Harzer Luchsprojekt. Sie stammen aus stabilen Populationen in der Schweiz und der Slowakei, wobei überwiegend wild aufgewachsene Luchse umgesiedelt werden, die in geräumigen Fallen gefangen werden. Ein anderer Teil der Luchse wurde als Welpe aufgefunden und in abgelegenen Gehegen von Menschen aufgezogen. Bereits die Wiederansiedlung von Luchsen im Harz hat gezeigt, dass auch in Gefangenschaft aufgewachsene Luchse nicht ihren Instinkt verloren haben. Sie können selbstständig ausreichend Beute machen und finden geeignete Verstecke und Rückzugsräume – in der Freiheit nehmen sie ihre ökologische Rolle als große Beutegreifer vollständig ein. Ausgehend vom Pfälzerwald ist ein Verbund zu bestehenden Luchs-Vorkommen in den Zentralvogesen und im Jura bzw. in den Alpen möglich, was den langfristigen Erhalt der Populationen sichert. Bereits 2017 wurde der erste Nachwuchs im Pfälzerwald festgestellt, und im vergangenen Jahr haben mindestens drei weibliche Luchse Junge aufgezogen – gute Hinweise auf den Erfolg der Bemühungen!

Patenluchs „Juri“ erkundet den Pfälzerwald nun unbeobachtet

Seit Mitte März 2018 lebt Juri, der zweite Patenluchs der Deutschen Wildtier Stiftung, im Pfälzerwald. Der in der Schweiz gefangene Kuder fühlte sich bisher offensichtlich wohl in seinem neuen Lebensraum. Allerdings musste er sich erst noch zurechtfinden, wie Daten seines GPS-Senderhalsbandes zu Aufenthaltsorten und Wegen zeigen. Die Projektmitarbeiter der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland Pfalz haben über acht Monate hinweg regelmäßig Daten von Juris Aufenthaltsorten über den Sender geschickt bekommen. Der zweijährige Luchs hatte auf der Suche nach einem Streifgebiet im Frühjahr zunächst einen zentralen Bereich des Pfälzerwaldes intensiv erkundet und sich dann im Mai weit in Richtung Süden orientiert. In den Sommermonaten hielt er sich auch eine Weile auf französischem Terrain auf, bis er seinen Weg grenznah auf französischer Seite in Richtung Nordosten fortsetzte. Vom Spätsommer an bis zum November hielt sich Juri wieder überwiegend im Landkreis Südwestpfalz zwischen Primasens im Süden und Kaiserslautern im Norden auf. Die lang anhaltende Nutzung dieses Raumes könnte darauf hin deuten, dass sich Juri hier nun dauerhaft mit einem eigenen Streifgebiet einrichtet.

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Im Winter erhielten die Wildbiologen einen Hinweis des GPS-Senders, dass keine Bewegungen mehr registriert wird. War der Luchs verendet? Die Erleichterung war groß, als an einem Totholzhaufen schließlich nur das High-Tech-Halsband gefunden wurde. Die eingebaute Sollbruchstelle hatte sich geöffnet. Sie besteht aus Leder und soll ein Abfallen des Senders vom Luchs dann garantieren, wenn sich dieser mit dem Halsband im Gehölz verhakt oder wenn die Batteriekapazität verbraucht ist. Der Grund für das Öffnen von Juris Halsband ist bisher nicht klar, auch eine vorzeitige Materialermüdung der Sollbruchstelle kann die Ursache sein. Die Batterieleistung des Senders hätte ausgereicht, um noch drei bis vier Monate lang Aufenthaltsorte von Juri zu erfassen. Speziell ausgebildete Hunde haben Juris Spur am Fundort noch einige Meter weit verfolgen können – nun erkundet der Luchs ohne GPS-Sender, von Wildbiologen unbeobachtet weiter den Lebensraum im Pfälzerwald.

Luchse in Rheinland-Pfalz

Die Wiederansiedlung der Luchse in Rheinland-Pfalz wird mit 50% durch das EU LIFE-Programm gefördert und hat ein Gesamtvolumen von 2,75 Mio. €. Das Programm wird durch eine Vielzahl an Förderern unterstützt. Die Deutsche Wildtier Stiftung ist Teil davon. Projektträger ist die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Mehr Informationen zum LIFE Luchs Projekt Pfälzerwald der Stiftung und ihren Projektpartnern gibt es im Internet unter http://www.luchs-rlp.de.

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Der Luchs hat ein fantastisches Hörvermögen. Seine Haarpinsel an den Ohrenspitzen und sein auseprägter Backenbart unterstützen ihn dabei.

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Ein Luchs im Pfälzerwald

Luchs – Rückkehr in den Pfälzerwald

Der Pfälzerwald soll wieder Heimat für den Luchs werden. Die Deutsche Wildtier Stiftung ist Partner in diesem ehrgeizigen Projekt.

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