Süßes oder Saures?

Während die einen um die Häuser ziehen, lassen sich andere hängen

Großes Mausohr © imageBROKER.com / Franz Christoph Robiller

Unsere heimischen Fledermäuse ernähren sich hauptsächlich von Insekten, die im Winter Mangelware sind. Deshalb halten die fliegenden Säugetiere Winterschlaf. Das fortschreitende Insektensterben führt dazu, dass Fledermäuse auch im Frühjahr wenig zu futtern finden.

Hamburg, 29. Oktober 2020

Halloween ist die Zeit der abgefahrenen Fledermaus-Kostüme. Während die einen „Fledermäuse“ um die Häuser ziehen, um Süßes oder Saures zu sammeln, hängen die wilden Exemplare ab Ende Oktober bereits in Höhlen, Stollen, Kellern und Bunkern ab. Hier wird jetzt nicht mehr genascht! Statt Süßes oder Saures stellen Fledermäuse die Nahrungsaufnahme ein und fahren ihren Stoffwechsel herunter. Im Winter heißt das Motto: „Ruhe, bitte!“ Jetzt wird geschlafen.

In Deutschland ernähren sich Fledermäuse fast ausschließlich von Insekten – und die sind im Winter rar. Wer schläft, hungert nicht. Damit ist dieses Problem clever gelöst. Trotzdem steht vielen Fledermausarten ein böses Erwachen nach dem Winterschlaf bevor. „Das auch durch intensive Landwirtschaft hervorgerufene Insektensterben ist ein Gefährdungsfaktor für viele heimische Fledermausarten“, sagt Sebastian Brackhane, Artenschützer bei der Deutschen Wildtier Stiftung.

Großer Abendsegler - Nyctalus noctula (© piclease / Hans-Joachim Fünfstück)

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)

Die Deutsche Wildtier Stiftung erforscht die Fledermausvielfalt auf ihren Stiftungsflächen in Mecklenburg-Vorpommern mithilfe spezieller Aufnahmegeräte und einer Analysesoftware, um mehr über die Nachtschwärmer zu erfahren. Dabei werden die Ultraschallrufe der Fledermäuse aufgenommen und am Computer einzelnen Arten zugeordnet. „Besonders erfreulich ist die hohe Aktivität des Großen Abendseglers – Nyctalus noctula – auf den Flächen des Gutbetriebs Klepelshagen der Deutschen Wildtier Stiftung. „Die Art scheint von der ökologischen Landwirtschaft und der strukturreichen Landschaft mit einem Mix aus Feldern, Hecken, Wiesen und alten Buchenwäldern zu profitieren“, so Brackhane.

Leider sind solche Idealbedingungen sehr selten geworden. Damit nicht genug: Gefährdete Arten wie der Große Abendsegler geraten immer wieder in die Rotoren von Windkraftanlagen oder sterben durch Luftdruckveränderungen in deren unmittelbarer Nähe. „Den bedrohten Fledermäusen platzen die Lungen; der Fachmann spricht vom Barotrauma“, erläutert Brackhane.

Graues Langohr (Plecotus austriacus) (© piclease / Günter Hahn)

Graues Langohr (Plecotus austriacus)

Wie wichtig die Arbeit zum Schutz der Fledermäuse ist, zeigt die Situation des „Grauen Langohrs“ (Plecotus austriacus). Diese Art wurde auf der aktuellen Roten Liste als „Vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Die in Deutschland sehr seltene Fledermausart gilt als typische Dorffledermaus. Sie leidet unter dem Verlust gegliederter Kulturlandschaften mit Wiesen, Weiden, Brachen und Obstgärten sowie Hecken und Gehölzen. Außerdem machen ihr die Auswirkungen des Insektenrückgangs zu schaffen.

Einen Einblick in die Arbeit von Forstwissenschaftler Sebastian Brackhane erhalten Sie im Video „Projekte im Porträt: Fledermäuse – Jäger der Nacht“:

Fledermaus im Flug

Fledermäuse

Fledermäuse gehören zu einer sehr alten Säugetiergruppe, die seit Millionen von Jahren auf der Erde lebt. Sie haben kaum natürliche Feinde und trotzdem sind beinahe alle der in Deutschland vorkommenden Fledermausarten bedroht.

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