Trockenrasen – Extremer Standort mit seltenen Arten

Hier berichtet Michael Tetzlaff, Naturschützer und Landschaftspfleger, regelmäßig von den Wildtieren auf den Flächen des Guts Klepelshagen und in der Umgebung. Auf ihrem Gutsbetrieb in Vorpommern zeigt die Deutsche Wildtier Stiftung, dass wildtierfreundliche Landwirtschaft möglich ist

Etwas abseits des Gutes Klepelshagen, versteckt zwischen zwei größeren Waldbeständen, befindet sich eine eher unscheinbare, fast bieder wirkende Graslandschaft. Doch dieses vermeintlich unauffällige Gebiet bietet bei genauer Betrachtung weit mehr als eintönige Steppe. Es handelt sich um einen sogenannten Trockenrasen. Hier herrschen extreme Lebensbedingungen. Die nährstoffarmen und trockenwarmen Flächen sind meist unwirtschaftlich und damit für den Menschen unattraktiv; vielerorts verbuschen sie stark. Daher sind Trockenrasen besondere und seltene Biotope, die stark vom Aussterben bedroht sind – genau wie die wenigen Tier- und Pflanzenarten, die an diesen speziellen Standort angepasst sind.

Faszinierende Spezialisten

Die sogenannte Lichtleitung am Andreasbusch in Klepelshagen ist ein einer dieser seltenen Trockenrasenstandorte. Die Liste der hier vorkommenden Arten ist zwar kurz, beinhaltet jedoch hoch spezialisierte Pflanzen mit faszinierenden Lebensweisen. Fast alle Arten werden mittlerweile leider auf der Roten Liste als gefährdet oder stark gefährdet geführt.
Während viele solcher Standorte durch fehlende Pflege zusehends verschwinden, und Gehölze wie Ginster, Schlehe oder wilde Himbeere sich die Areale zurückerobern, werden in Klepelshagen entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen: Junge Gehölze werden regelmäßig beseitigt. Diese Maßnahme, in der Landschaftspflege als Entkusseln bezeichnet, wird hier wiederkehrend durchgeführt.

Wildbienen, Wespen und Wildblumen

Wer die Bewohner des Trockenrasens näher kennenlernen möchte, muss in die Knie gehen. Denn die charakteristischen Arten in diesem Mikrokosmos sind winzig. Verschiedene Sandbienenarten bilden die häufigsten Gruppe unter den hier lebenden Insekten. Bislang konnten insgesamt 23 Wildbienenarten registriert werden. Sie nutzen die offenen Bodenstellen zur Eiablage. Neben Bienen kommen viele weitere Insekten auf dem Gelände vor. Unter ihnen die räuberische Sandwespe, auf der Suche nach kleinen Faltern und deren Raupen.

Der absolute Star unter den Bewohnern ist jedoch die Blauflügelige Ödlandschrecke. Auf der Flucht fliegt sie einige Meter und zeigt dabei ihre wunderschön schwarzblau gefärbten Flügel. Da sie aufgrund ihrer nahezu perfekte Tarnung aber nur selten vor ihren Feinden Reißaus muss, bekommen selbst aufmerksame Naturbeobachter dieses schillernde Geschöpf nur selten zu Gesicht.

Das trockenwarme Klima und die offenen Bodenstellen sind die wichtigsten Gründe für die Beliebtheit der Trockenrasen-Areale. Sehr gerne nutzen die Insekten aber auch das Blütenangebot der hier heimischen Wildblumen, die den widrigen Bedingungen wie Trockenheit und Hitze trotzen. So sind neben dem Sandglöckchen auch Sandstrohblume, Kartäusernelke und Heidenelke am Andreasbusch heimisch – ein reich gedeckter Tisch für die so schützenswerten Arten in Klepelshagen.

Streuobstwiese in Klepelshagen  Copyright © Michael Tetzlaff / Deutsche Wildtier Stiftung

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