Wer geht durch den Wildkatzentunnel?

Hamburg, 15. Oktober 2018

Tier des Jahres 2018

Die Wildkatze

Sie war zwischenzeitlich fast verschwunden und ist dabei, sich ihren Lebensraum zurück zu erobern. Mit der Wildkatze kürt die Deutsche Wildtier Stiftung eine Rückkehrerin, die auf naturnahe Wälder sowie hecken- und gehölzreiche Kulturlandschaften angewiesen ist. Die Wildkatze lebt zurückgezogen in strukturreichen Wäldern und verbringt den Tag versteckt in Baumhöhlen, Totholzhaufen oder ehemaligen Dachs- und Fuchsbauten. Scheu, einzelgängerisch und immer „in Deckung“ ist sie in ihren großen Streifgebieten unterwegs und von uns Menschen daher nur selten zu beobachten. Als geschickte Schleichjägerin erbeutet sie vor allem Mäuse. Beinahe ausgerottet leben heute wieder einige Tausend Individuen in Deutschland – vor allem in den Mittelgebirgen. Doch noch immer ist die Wildkatze gefährdet: ihr fehlen vor allem abwechslungsreiche Kulturlandschaften mit ausreichend Querungsmöglichkeiten im dichten Straßennetz, damit sie zwischen Waldgebieten wandern und sich ausbreiten kann. Alles Wissenswerte über das Tier des Jahres 2018 erfahren Sie in unserem Wildkatzen-Steckbrief und und in den Informationen zu unserem Forschungsprojekt zu der Art.

Fotofallen: Wer geht durch den Wildkatzentunnel?

Verkehrsopfer mit Querungshilfen verhindern

Die Deutsche Wildtier Stiftung dokumentiert mit Hilfe automatischer Kameras (Fotofallen), wie gut eine Querungshilfe im Ostharz von Wildkatzen angenommen wird und welche weiteren Arten sie nutzen. Die aus zwei Tunnelbauwerken und einem speziellen Zaun bestehende Schutzmaßnahme wurde an einem Abschnitt einer Bundesstraße installiert, an dem besonders viele Wildkatzen Opfer des Straßenverkehrs wurden. Bisher hat sie sich als sehr effektiv erwiesen und dient als Best-Practice Beispiel zur Verhinderung von Verkehrsopfern.

Querungshilfe im Landkreis Harz

Best-Practice-Beispiel im Landkreis Harz

Im Jahr 2011 wurde im Auftrag der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt an einem Unfallschwerpunkt im Ostharz eine Querungshilfe in die Bundesstraße eingebaut. Seitdem gibt es keine weiteren Wildkatzenverkehrsopfer mehr.
Die Deutsche Wildtier Stiftung dokumentiert mit Fotofallen, wie die beiden Tunnel von Wildkatzen heute angenommen werden und welche weiteren Arten von der Maßnahme profitieren. Alle zwei Monate werden die Kamerabilder ausgewertet und die Fotos der querenden Arten vorgestellt.

Die besten Fotofallenbilder September-Oktober 2018

Die besten Fotofallenbilder Juli-August 2018

Die besten Fotofallenbilder Mai-Juni 2018

Die besten Fotofallenbilder März-April 2018

Todesfalle Straßenverkehr

Die größte unmittelbare Gefährdung für Wildkatzen geht vom Straßenverkehr aus. Innerhalb ihrer großen Streifgebiete und auf weiten Wanderungen müssen die Tiere häufig Autobahnen, Bundes- und Landstraßen überqueren, auf denen es leider häufig zu Kollisionen kommt, die in der Regel tödlich enden. Vor allem sind junge Wildkatzen auf der Suche nach eigenen Revieren betroffen. Aber auch viele Erwachsene, die für den Nachwuchs sorgen, verunfallen im Straßenverkehr. Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier in unserem Blogbeitrag.

Häufig werden Wildkatzen an immer denselben Stellen überfahren. Diese Unfallschwerpunkte kommen in Waldgebieten dort zustande, wo Wildkatzen sich an den Duftmarkierungen ihrer Artgenossen orientieren und somit häufig dieselben Wege nutzen. Aber auch in der offenen Kulturlandschaft, wo versteckreiche Strukturen, wie Hecken und Gehölze, eine Straße kreuzen, gibt es solche Gefahrenschwerpunkte. Wildkatzen sind streng an deckungsbietende Lebensraumstrukturen gebunden und verlassen diese kaum.

Für den sicheren Wechsel der Straßenseite nutzen Wildkatzen, wie auch viele andere Wildtiere gerne vorhandene Unterführungen, wie Weg- oder Gewässerdurchlässe. In der Regel werden Unterführungen von Wildkatzen eher genutzt als Überführungen.

Unfallschwerpunkte können häufig durch spezielle Schutzmaßnahmen erfolgreich entschärft werden. Von solchen Maßnahmen profitieren immer auch viele andere Arten. So können Wildkatzen mit Hilfe von Gehölzplanzungen und einem speziellen, für sie unüberwindbaren Zaun zu vorhandenen Unterführungen gelenkt werden. Wo keine geeigneten Weg- oder Gewässerunterführungen vorhanden sind, muss geprüft werden ob es technisch möglich ist, Tunnel als Querungshilfen nachträglich in die Straße zu integrieren. Mit Hilfe von Gehölzpflanzungen werden die Tiere auch hier in Richtung Unterführung geleitet. Zusätzlich verhindert ein Zaun an der Straßenböschung, dass die Tiere versuchen, an falscher Stelle die Straßenseite zu wechseln.

Wildkatze beim Fauchen.

Wildkatze

Waldreiche Mittelgebirge sind die letzten Rückzugsräume der Wildkatze in Deutschland. Von hier aus erobert sie sich heute fast unbemerkt ehemalige Lebensräume zurück.

Zum Steckbrief
Tier des Jahres 2020: Maulwurf

Tier des Jahres

Mit der Wahl des „Tier des Jahres“ setzt die Deutsche Wildtier Stiftung die langjährige Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild fort. Seit 1992 wird jedes Jahr ein Tier des Jahres gewählt, um es in den öffentlichen Fokus zu rücken.

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