Wie findet man Haselmäuse?

Haselmäuse klettern von Zweig zu Zweig und Strauch zu Strauch. Gar nicht so einfach, festzustellen, wo es sie gibt!

Haselmaus im Baum

Als nachtaktive Tiere lassen sich Haselmäuse kaum beobachten. Zudem kann man sie aufgrund ihrer geringen Größe und kletternden Lebensweise in Bäumen und Sträuchern nur schwer nachweisen. Um die Art effektiv schützen zu können, muss man aber genau wissen, wo sie lebt und was sie braucht. Wie also findet man Haselmäuse? Es gibt einfache Methoden, um das Vorkommen von Haselmäusen nachzuweisen.

Hamburg, 25. Juli 2017

Auf der Spur des winzigen Bilchs ist ein gutes Auge und eine gehörige Portion Spürsinn gefragt. Das steht fest: Haselmäuse überwinden nur ungern Streckenabschnitte auf dem Boden, sie klettern und hangeln lieber. "Darum müssen wir an Bäumen und in direkt angrenzenden Sträuchern nach Haselmaus-Spuren suchen", sagt Svenja Ganteför, Biologin der Deutschen Wildtier Stiftung. Welche Möglichkeiten es da gibt, erklärt sie hier:

1. Die Suche nach Frei-Nestern

Gras- oder Laubnest?

Haselmäuse bauen ihre Nester nicht nur in Baumhöhlen oder extra aufgehängten Kästen, sondern auch frei in dichten Büschen wie z.B. Brombeeren oder Weißdorn. Die kugeligen Haselmausnester sind fest gewebt aus Gras, Blättern und Moos mit seitlichem Eingang. Biologen unterscheiden zwischen Laub- und Grasnestern. Für das Auffinden der Nester bedarf es einiger Übung, da sie sich in sehr dichten Vegetationsstrukturen befinden und den Nestern von Zwergmäusen und Zaunkönigen ähneln. Zwergmausnester können Fachleute anhand der gespalteten Grashalme erkennen und Zaunkönige verwenden im Gegensatz zu Haselmäusen Moos und Federn für den Nestbau. Svenja Ganteför: "Im Zweifelsfall werden Haare aus den Nestern gesammelt und in ein Fachlabor zur Genanalyse geschickt."
Die beste Jahreszeit für die Haselmausnest-Suche ist der Winter und Frühling, wenn sich kein Laub mehr an Bäumen und Sträuchern befindet.

Haselmaus-Grasnest

2. Das Aufhängen und Kontrollieren von Haselmauskästen

Bilch oder Maus - wer schlummert hier?

Während ihrer Aktivitätsperiode (ca. April bis Oktober) nutzen Haselmäuse gerne an Bäumen angebrachte Kästen, in die sie ihre kugeligen Nester zum Schlafen einbauen können. Diese Behausungen werden bevorzugt an Buchen gehängt und haben eine zum Baumstamm gerichtete Öffnung. Die Bilche klettern am Baumstamm hoch und gelangen so von unten bzw. hinten in den Kasten hinein. Zur Kontrolle wird das Eingangsloch verschlossen und der Kasten in einen großen Behälter gestellt und geöffnet. Nicht immer sind es Haselmäuse, die die Kästen nutzen - oft finden Biologen bei ihren Kontrollgängen auch Sieben-, Baum- oder Gartenschläfer oder Waldmäuse - in den Verstecken. "Die Kästen werden in regelmäßigen Abständen, etwa einmal pro Monat, kontrolliert", erklärt Svenja Ganteför (Foto links). Zusammen mit ihrem Kollegen Malte Götz (Foto rechts) führt sie ein Haselmausmonitoring am Rande von Hamburg druch.

3. Fraßspuren an Haselnüssen – auf zur Nussjagd

Angenagte Haselnüsse verraten den Nussliebhaber

Haselmäuse lassen sich anhand ihrer charakteristischen Fraßspuren an Haselnüssen bestimmen. Hierzu werden in potentiellen Lebensräumen wie lichten Wäldern im Spätsommer und Herbst Haselnüsse gesammelt und auf Fraßspuren untersucht. Die Haselmaus hinterlässt ein sehr rundes und fein gearbeitetes Loch an der Haselnussschale. Die Zahnspuren verlaufen schräg oder parallel zum Lochrand – im Gegensatz zu Gelbhals- oder Waldmäusen, die Nagespuren senkrecht zum Öffnungsrand hinterlassen. Da Haselmäuse die Haselnüsse direkt am Strauch fressen und keine Vorräte anlegen, liegen die Nussschalen unter den Sträuchern verstreut.
Die Suche nach typisch angenagten Haselnüssen wird als Nussjagd bezeichnet und führt nicht nur zum Nachweis dieser Tiere, sondern eignet sich hervorragend als Basis für ein umweltpädagogisches Projekt mit Kindern. Im Rahmen von Nussjagden konnten in der Vergangenheit an vielen Orten durch interessierte Laien Haselmäuse nachgewiesen werden.

Haselnüsse angenagt von einer Haselmaus

4. Anbringen von Niströhren

Nachweis in Hecken und Sträuchern

Möchte man Haselmäuse in Gebieten mit vielen Hecken und Sträuchern nachweisen, sind Niströhren am besten geeignet. Diese Plastikröhren besitzen einen Holzsteg, der die Röhre an einem Ende verschließt. Sie werden an geeigneten Stellen (z.B. in der Nähe von Nahrungsquellen) in einer Höhe von 1 bis 2 m in einer waagrechten Position an Ästen angebracht und mit Draht fixiert. Haselmäuse nutzen diese Röhren als Tagesschlafplatz und selten für die Jungenaufzucht. Auch die Röhren werden regelmäßig alle 1 bis 2 Monate auf Besiedlung, Nester und sonstige Spuren kontrolliert.

Haselmauskasten der Deutschen Wildtier Stiftung

5. Untersuchung des Kots

Individuelle Hinterlassenschaften

Haselmauskot lässt sich mit etwas Übung vom Kot anderer Kleinsäuger unterscheiden – er ist recht klebrig und haftet oft an den Innenwänden der Haselmauskästen. Im Frühjahr besitzt er aufgrund von unverdauten Pollen oft eine schwefelgelbe Färbung. Auch die gefressene Nahrung lässt sich im Kot bestimmen: Unter dem Mikroskop findet man Reste von Blüten, Früchten und Samen. Insektenreste und Pflanzenfasern lassen sich jedoch nur mit Hilfe einer Genanalyse identifizieren und die erste genetische Untersuchung von Haselmauskot hat interessante Neuigkeiten zu Tage gebracht. Die Ergebnisse der Untersuchung können Sie hier nachlesen.

Haselmauskot / Haselmaus-Monitoring Deutsche Wildtier Stiftung

6. Die Gewöllanalyse

Nachweis anhand von Haselmauszähnen in Eulen-Gewöllen

In den Gewöllen von Eulen, insbesondere Waldkauz und Rauhfußkauz, lassen sich Reste von Haselmäusen finden. Man muss dabei berücksichtigen, dass der Ort, an dem ein Gewölle gefunden wurde nicht unbedingt der Fangort sein muss. Zwischen Nahrungsaufnahme und Gewöllabgabe können bei vielen Eulenarten bis zu 12 Stunden liegen. Am besten sind Untersuchungen von Gewöllen (ausgewürgte, weil unverdauliche Nahrungsreste) an Eulenkästen zum Ende der Brutsaison. Denn zu diesem Zeitpunkt kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Nahrungsreste aus dem Territorium der Eulen stammen. Die unverdaulichen Knochen und Zähne in den Gewöllen lassen sich dann den gefressenen Arten zuordnen. Haselmäuse lassen sich relativ einfach anhand ihrer Zahnmerkmale von anderen Kleinsäugern unterscheiden.

7. Der Lebendfang

Direkter Nachweis mit Lebendfallen

Zum direkten Nachweis von Haselmäusen werden einfache Holzkastenfallen (Lebendfallen) genutzt. Diese werden an Stellen mit potenziellem Haselmausvorkommen über Nacht an Ästen befestigt und mit zerkleinerten Haselnüssen oder Apfelstücken beködert. Eine erste Kontrolle erfolgt in der Nacht, eine weitere sowie der Abbau der Fallen am frühen Morgen. Die gefangenen Tiere werden auf Art, Geschlecht und Alter überprüft und im Anschluss wieder freigelassen. Der Lebendfang von Haselmäusen ist jedoch sehr aufwendig und nur erfolgsversprechend, wenn die Fallen direkt in geeigneten Strukturen angebracht werden. Das sind vor allem Äste, die fruchttragende Sträucher miteinander verbinden.

Haselmaus im Sprung

Haselmaus

Die Haselmaus ist keine Maus im eigentlichen Sinne sondern der kleinste Vertreter europäischer Bilche. Durch ihre versteckte Lebensweise in der Dunkelheit können Haselmäuse kaum beobachtet werden.

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Eine Haselmaus in einem Laubnest

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Haselmaus im Nest

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Mit der Wahl des „Tier des Jahres“ setzt die Deutsche Wildtier Stiftung die langjährige Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild fort. Seit 1992 wird jedes Jahr ein Tier des Jahres gewählt, um es in den öffentlichen Fokus zu rücken.

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