Wildkatzen auf der Spur – Funkstille in Hunsrück und Eifel

In unserem Forschungsprojekt „Wildkatzen auf der Spur“ wurden im Frühjahr 2017 Wildkatzen mit GPS-Halsbandsendern ausgestattet, um Einblicke zu erhalten, wie die geschützte Art auf mögliche Störungen reagiert. Rund ein Jahr lang haben die Sender nun wertvolle Daten zu den Aufenthaltsorten der Tiere in Hunsrück und Eifel geliefert– nun gilt es, die Fülle an gewonnen Daten zu analysieren.

Hamburg, 29. Juni 2018

Über 12 Monate hinweg haben uns Wildkatzen mit GPS-Halsbandsendern Einblicke in ihre Aktionsräume und Streifzüge im Hunsrück und in der Eifel verliehen. Nun sind die letzten der insgesamt 36 hightec-Halsbänder, deren Lebensdauer begrenzt ist, ausgestiegen. Einige haben über längere Zeiträume als erwartet Daten zu Aufenthaltsorten geliefert, andere leider nur über einen sehr kurzen Zeitraum von wenigen Monaten. Dennoch – insgesamt gilt es nun, über 83.000 Einzel-Lokalisationen der Tiere auszuwerten – eine Herausforderung für die kommenden Monate.

Streifgebiete und Lokationen

Ziel der Studie

Ziel der Studie in insgesamt drei Untersuchungsgebieten in Rheinland-Pfalz ist ein Beitrag zur Bewertung potentieller Störungen in Wildkatzenlebensräumen. Es sollen fundierte Voraussetzungen für den Schutz der wichtigsten Rückzugsgebiete der Europäischen Wildkatze in Deutschland geschaffen werden. Dabei wird untersucht, ob und wenn ja in welchem Ausmaß vom Menschen verursachte Einflüsse auf den Lebensraum Wald die Europäische Wildkatze beeinträchtigen.

Naturnaher Laubwald

Nutzung der Telemetriedaten

Die Auswertung der Telemetriedaten zur Raumnutzung liefert Informationen darüber, wie die geschützte Art auf den Menschen und seine Aktivitäten reagiert bzw. welches Potential die Wildkatze hat, sich an Umweltreize zu gewöhnen. Besonderes Augenmerk wird auf mögliche Beeinträchtigungen gelegt, die vom Bau und vom Betrieb von Windenergieanlagen innerhalb von Wildkatzenlebensräumen ausgehen. Hierfür wurden Wildkatzen in der Nachbarschaft von Windenergieanlagen und in Gebieten fernab dieser Wirkfaktoren vergleichend untersucht. Die Auswertungen beinhalten unter anderem Distanzanalysen sowie Nutzungsmuster von Ruheplätzen. Darüber hinaus helfen Aktivitätsdaten, die von den Senderhalsbändern alle zwei Minuten aufgezeichnet wurden, die Raumnutzung zu interpretieren. Sie liefern zum Beispiel Auskunft über die Dauer von Ruhephasen, die eine Wildkatze an bestimmten Orten verbracht hat.

Zurzeit werden menschliche Faktoren erfasst, von denen Beeinträchtigungen ausgehen könnten. In Wildkatzenlebensräumen sind dies zum Beispiel forstwirtschaftliche Maßnahmen, Wanderwege, große Parkplätze sowie Bau und Betrieb von Windenergieanlagen. Können diese nicht anhand eigener Kartierungen oder vorliegender Daten ermittelt werden, erfolgt ihre Erfassung auch mit Unterstützung unterschiedlicher Akteure und Behörden. Darüber hinaus wird der jeweilige Wildkatzenlebensraum analysiert und bewertet. Dabei werden auch Strukturen registriert, von denen Wildkatzen bekanntermaßen profitieren. Dies sind Waldränder, sonnige Waldlücken und Windwurfflächen deren Brombeerdickichte von Wildkatzen ebenso gerne aufgesucht werden, wie totholzreiche Areale innerhalb des Waldes.

Habitat- und Distanzanalyse

Für unsere Analysen ist es wichtig, möglichst viel über die Wildkatzenpopulationen zu erfahren, in denen wir einzelne Individuen mit Sendern versehen haben. So erfassten wir auch im Frühjahr 2018 mit Hilfe von Lockstöcken in den Untersuchungsregionen, welche Artgenossen sich neben “unseren Senderkatzen“ noch in den Studiengebieten aufhalten. Hierfür werden rund ein Meter lange Stücken Dachlatten systematisch platziert in den Boden geschlagen und mit Baldriantinktur besprüht. Besonders in der Paarungszeit reagieren Wildkatzen – übrigens genau wie Hauskatzen – sehr intensiv auf den Geruch des Baldrians und reiben sich an dem Holzpflock. Dabei hinterlassen sie Haare an dem rauhen Holz, die für genetische Studien verwendet werden. Die Ergebnisse der Genanalyse zeigen dann, um welche Wildkatze es sich handelte. Eine simple Methode, um Gewebeproben zu erhalten, ohne die Wildkatzen fangen zu müssen.

Die Lockstock-Methode

Hat eine Wildkatze ausreichend viele Haare an einem der Lockstöcke hinterlassen, erfolgt zusätzlich eine Bestimmung des Stresshormon-Levels anhand von Haaren in einem weiteren Labor. Wir testen im Rahmen unseres Projektes, ob sich die Lockstock-Methode generell hierfür eignet, und ob die Ergebnisse der Stresshormon-Analysen bei der Bewertung von Wirkfaktoren berücksichtigt werden können.
In jedem der drei Gebiete erfolgte die Lockstock-Beprobung im Frühjahr 2018 und im vorherigen Jahr auf jeweils derselben Fläche. Je Gebiet wurden 15 Lockstöcke systematisch kontrolliert. Während die Annahme der Lockstöcke im letzten Jahr sehr stark war und über 70 Proben gewonnen werden konnten, war die Reaktion in diesem Jahr äußerst verhalten. Nur an wenigen Lockstöcken haben Wildkatzen Haare hinterlassen. Auch in einem Vergleichsgebiet in den rumänischen Karpaten, das Kollegen vor Ort freundlicherweise betreut haben, wurden die Lockstöcke nur selten von Wildkatzen aufgesucht. Warum Wildkatzen von Jahr zu Jahr so unterschiedlich stark auf Baldrian reagieren, ist bisher nicht bekannt.

Wildkatze beim Fauchen.

Wildkatze

Waldreiche Mittelgebirge sind die letzten Rückzugsräume der Wildkatze in Deutschland. Von hier aus erobert sie sich heute fast unbemerkt ehemalige Lebensräume zurück.

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Wildkatze im Unterholz

Wildkatzen – auf der Spur

Ein Forschungsprojekt zur Auswirkung von Störeinflüssen in den Lebensräumen der Europäischen Wildkatze

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Wildkatze

Tier des Jahres

Mit der Wahl des „Tier des Jahres“ setzt die Deutsche Wildtier Stiftung die langjährige Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild fort. Seit 1992 wird jedes Jahr ein Tier des Jahres gewählt, um es in den öffentlichen Fokus zu rücken.

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