Ab in den Frühling: Die Hummel-Königinnen fliegen los

Frühblüher wie Obstbäume sind auf die Bestäuber angewiesen

Die Hummeln fliegen los (Foto: C. Mueller, piclease)

Sobald das Thermometer über null Grad klettert und die Sonne tagsüber zum Vorschein kommt, wachen die ersten jungen Hummel-Königinnen auf und verlassen voller Tatendrang ihre Winterquartiere.

Hamburg, 22. März 2018

Wer um sieben Uhr in der Früh das Haus verlässt, hat es längst bemerkt: Die dunkle Jahreszeit geht zu Ende, ja, sogar die Sommerzeit ist langsam wieder greifbar. Auch die jungen Hummel-Königinnen spüren, dass der Frühling kommt. Sobald das Thermometer über null Grad klettert und die Sonne den Boden erwärmt, krabbeln sie voller Elan aus ihren Überwinterungsquartieren. Als erste Hummelarten lassen sich ab März häufig Wiesenhummel, Dunkle Erdhummel und Ackerhummel beobachten.

Hummeln sind mit die ersten Bestäuber des Jahres und darum wichtig für alle Frühblüher

„Dabei geben die Königinnen alles an Kraft, was sie nur aufbringen können“, erklärt Manuel Pützstück, Wildbienenexperte von der Deutschen Wildtier Stiftung. „Bis Mitte April müssen sie ihre Nester gebaut haben, um darin viele hundert Eier abzulegen. Sie sind auf der Such nach Erd- und Baumhöhlen. Gerne werden auch Mäuselöcher und Vogelnistkästen angenommen, um eine Kolonie zu gründen. Jetzt im März ist auch die beste Zeit, um Hummelnistkästen im Garten aufzustellen.“

Hummeln brauchen gehaltvolle Nahrung

Mit Hilfe einer kleinen, mit Nektar gefüllten Honigblase im Körperinneren schaffen es die Insekten, die ersten Stunden an noch kühlen Tagen zu überleben, ohne zu verhungern. „Doch dann brauchen sie schnellstens gehaltvolle Kraftnahrung“, sagt Pützstück. Diese besteht – wie bei einem Profisportler – aus möglichst vielen Proteinen und Kohlenhydraten. Gartenbesitzer können für die fliegenden Königinnen den Tisch decken: Wo Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher und Weidenkätzchen wachsen, können Hummeln eiweißreichen Blütenpollen und zuckerhaltigen Blütennektar naschen.

Hummeln zählen zu den Wildbienen

Auch Hummeln sind Wildbienen. Ihr lateinischer Gattungsname Bombus bedeutet "das Surren". Frei übersetzt sind Hummeln also durchaus als Brummer zu bezeichnen. In Deutschland kommen ungefähr 40 Hummelarten vor, weltweit sind es circa 240 Hummelarten.

Hummeln sind mit die ersten fliegenden Bestäuber des Jahres und damit wichtig für alle frühblühenden Obstsorten wie Kirschen und Äpfel. „Pro Tag besuchen Hummeln bis zu tausend Blüten und mehr. Dafür ist die Wildbienenart bis zu 18 Stunden am Tag in der Luft“, erläutert Manuel Pützstück von der Deutschen Wildtier Stiftung. Das ist eine Höchstleistung! Wie kommt das sympathische Schwergewicht zu solchen Ausnahmerekorden? Möglich wird diese Höchstleistung nur durch eine Art „Spezialanfertigung“ der Flügel. „Im Gegensatz zu den Tragflächen eines Flugzeuges sind Hummelflügel in sich voll beweglich“, erklärt der Experte das Hummel-Geheimnis. „Durch eine Krümmung der Flügel und ein ganz spezielles Schlagmuster wird der benötigte Auftrieb erzeugt. Zuvor zittert sie sich mit ihren Muskeln warm und erhöht so ihre Körpertemperatur auf 30 Grad für einen perfekten Start in den blauen Frühlingshimmel.“

Hummeln bilden Staaten

Hummeln stechen nur, wenn sie sich verteidigen müssen

Manuel Pützstück, Deutsche Wildtier Stiftung

Entgegen der landläufigen Meinung haben die weiblichen Insekten durchaus einen Stachel. Besonders aggressiv sind Hummeln aber nicht! Sie stechen in aller Regel nur, um sich zu verteidigen – etwa falls ein Mensch versehentlich auf sie oder ihr Nest tritt. Hummeln stehen in Deutschland unter Naturschutz. Im Gegensatz zu anderen Wildbienen leben sie nicht solitär, sondern in einer sozialen Rangordnung, wie man sie von Honigbienen her kennt.

Die Hummel-Arbeiterinnen sind unfruchtbar

Auch wenn man Hummeln meist allein Nektar und Pollen sammeln sieht, leben sie – wie die Honigbiene – in Staaten mit einer Königin, unfruchtbaren Arbeiterinnen und Drohnen, den Männchen. In einem durchschnittlich großen Hummelstaat leben 50 bis 600 Exemplare - je nach Hummelart.

So entsteht die Hummel-Monarchie

  • In ihrem einjährigen Leben legt eine Hummel-Königin einige 100 bis 1000 Eier. Daraus entschlüpfen Arbeiterinnen, Drohnen und neue Hummel-Königinnen.
  • Es gibt befruchtete Eier und unbefruchtete Eier. Aus den befruchteten Eier entstehen die Weibchen, die Arbeiterinnen. Sie bewachen das Nest, sammeln Pollen und Nektar und füttern die Brut. Aus den unbefruchteten Eiern entstehen die Männchen - die Drohnen.
  • Die einzige Aufgabe der Drohnen ist die Befruchtung der neuen Hummel-Königinnen in den Sommermonaten. Drohnen haben übrigens keinen Stachel!
  • So entstehen die neuen Hummel-Königinnen. Aber nur eine von zehn Königinnen überlebt den nächsten Winter.

Was sind Kuckuckshummeln?

Neben den staatenbildenden Hummeln gibt es auch die Kuckuckshummeln. Sie leben als Einzelgängerinnen und dringen schmarotzerartig in die Nester anderer Hummeln ein. Kuckuckshummeln sind immer auf die Arbeiterinnen ihrer Wirtskönigin angewiesen! Sie selber können keine Pollen sammeln. Im Nest frisst die Kuckuckshummel zudem meist die Eier ihrer Wirtskönigin auf, während sie selbst Eier legt. Jede Kuckuckshummel ist auf eine oder wenige Hummelarten spezialisiert.

In Europa überlebt ein Hummelvolk nur einen Sommer lang. Allein die begattete neue Jungkönigin gräbt sich zum Überwintern in ein Versteck ein und kommt erst im Frühjahr wieder zum Vorschein. Dann sucht sie einen geeigneten Nistplatz zur Gründung eines neuen Volkes. Achten Sie mal drauf: Jede Hummel, die Ihnen im März vor der Nase fliegt, ist vermutlich eine Königin.

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