Wasser ist Leben

Bericht aus Klepelshagen: Renaturierte Feuchtgebiete sind im Frühling Hotspots für Amphibien

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Auf den Flächen unseres Guts Klepelshagen haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, ehemalige Feuchtgebiete wiederherzustellen. In den vergangenen Jahren haben wir großflächig Moore, Bruchwälder und zahlreiche Offenlandgewässer renaturiert, sodass artenreiche Biotope entstanden sind. Für viele Amphibien sind sie zu wichtigen Laichgewässern geworden, an denen jetzt im Frühjahr wieder reges Treiben herrscht.

Eines der größten und ältesten Wiedervernässungsprojekte in Klepelshagen ist das Kienbruch, ein zusammenhängender, etwa zehn Hektar großer Bruchwaldkomplex mit Erlen, Eichen und Eschen. Im Herbst 2005 haben wir den Entwässerungsgraben des Kienbruchs mit einem regulierbaren Stauelement verschlossen, sodass wir in dem Gebiet ganzjährig einen hohen Wasserstand halten können. Wir regulieren ihn nur im Frühling bei hoher Niederschlagsmenge.

Das Kienbruch ist im zeitigen Frühjahr Laichgewässer für einen Frühaufsteher unter den Amphibien: Die Erdkröte (Bufo bufo), eine der größten hier heimischen Kröten, ist eine der ersten Arten, die ihre Winterquartiere im Wald verlassen, um ihre Balz- und Laichgewässer aufzusuchen. Hunderte von Erdkröten kehren jedes Jahr ins Kienbruch zurück, um sich im Wasser fortzupflanzen. Hier legt das Weibchen bis zu 8.000 Eier in Schnüren ab. Später werden die Tiere wieder zu Landgängern und verbringen den Rest des Jahres gut geschützt im Klepelshagener Wald. Gefahren wie viel befahrene Straßen kennen die Kienbruchkröten nicht.

Von der Wiese zum Amphibien-Paradies

Remontenwiese

Mit der Remontenwiese haben wir im Winter 2018 ein weiteres Feuchtgebiet in Klepelshagen wiedervernässt, indem wir einen regulierbaren sogenannten Bohlenstau gebaut haben. Die Wiese hatte durch jahrelange Entwässerungsmaßnahmen an Artenreichtum verloren. Mittlerweile zeigt sich das Gebiet wieder in seinem alten Glanz. Das sehr flach angestaute Gewässer bietet insbesondere wärmeliebenden Amphibien wie der Rotbauchunke (Bombina bombina) optimale Lebensraumbedingungen. Durch den flachen Wasserstand konnten sich außerdem großflächige Vegetationsschwimmteppiche bilden, die für eine Vielzahl an Tierarten wichtige Kinderstuben sind: Da Amphibienfeinde wie Fische in der Remontenwiese nicht vorkommen, kann sich der Nachwuchs fast ungestört entwickeln.

Das Umfeld der Remontenwiese bietet mit den sandigen Acker- und Grünlandflächen gute Bedingungen für die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus). Sie nutzt das krautige, flache Gewässer zur Eiablage. Ihren Namen verdankt sie übrigens ihrem Abwehrverhalten: Bei Gefahr sondert sie ein Sekret ab, dessen Geruch stark an Knoblauch oder Schwefel erinnert.

Galerie: Feuchtgebiete und ihre Bewohner

Froschkonzert statt Forstwirtschaft

Grenzbruch

Das Grenzbruch ist eines unserer jüngsten Renaturierungsprojekte. Das ehemalige Moor wurde einst mit einem Entwässerungsgraben trockengelegt, um mehr forstwirtschaftliche Fläche zu gewinnen. Im Winter 2021 haben wir den Graben mit einer regulierbaren Staueinrichtung verschlossen. Dank niederschlagsreichem Frühjahr füllte sich das zwei Hektar große Gebiet schnell mit Wasser und entwickelt sich seither positiv. Außerdem stellt es eine wichtige ganzjährige Wasserreserve für den umliegenden Altbuchenwald dar – gerade in Zeiten des Klimawandels eine bedeutende Funktion.

Mittlerweile haben sich hier auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten angesiedelt. Unter anderem hat sich das Grenzbruch zu einem der wichtigsten Laichgewässer für Moorfrösche (Rana arvalis) entwickelt. Sie können dort, je nach Witterungsverlauf, ab März beobachtet werden. Ihre Hochzeit ist ein besonderes Naturerlebnis: Um den Weibchen zu imponieren, entwickeln die Moorfroschmännchen in der Balzzeit eine intensive blaue Färbung.

Ab April findet auch der in Mecklenburg-Vorpommern gebietsweise sehr seltene Laubfrosch (Hyla arborea) im Grenzbruch optimale Lebensraumbedingungen. Der blattgrüne Frosch ist eine der bekanntesten Amphibienarten und mit seinen Haftscheiben an Fingern und Zehen ein wahrer Kletterkünstler. Für seine Kraxelaktivitäten findet er hier gute Strukturen wie Hochstaudenfluren, Gehölzbereiche und kleine Schilfflächen. Farblich gut getarnt, wird er häufig übersehen, ist aber zur Balzzeit gut zu hören Dann geben Hunderte Laubfrösche allabendlich ein fantastisches Konzert.

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Neues Zuhause für Molche

In Ergänzung zu unseren Wiedervernässungsprojekten haben wir im Frühjahr 2020 in einer Grünlandsenke ein ganz neues Gewässer geschaffen. Mit Radlader und Bagger haben wir eine Grube ausgehoben, die sich durch Niederschläge schnell gefüllt hat. Dieses kleine, aber mit zweieinhalb Metern recht tiefe Gewässer ist mittlerweile ein Hotspot für Teich- und Kammmolch geworden. Der etwas häufigere Teichmolch (Lissotriton vulgaris) kehrt im März aus seinen Winterquartieren zum Laichen hierher zurück. An Land eher unscheinbar, wechseln die Männchen im Wasser ihr Aussehen. In der Wassertracht haben sie einen hohen, gewellten und gezackten Rückenkamm. Dieser bildet sich nach der Balzzeit wieder zurück. Der seltenere Kammmolch (Triturus cristatus) ist etwas anspruchsvoller als sein kleiner Verwandter. Neben dem Laichgewässer sind für ihn auch verschiedene Landstrukturen wie mit Hecken durchsetztes Grünland und Saumbiotope wichtig. Beide Arten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetzt streng geschützt.

Unsere Renaturierungsprojekte in Klepelshagen zeigen, wie wichtig Feuchtgebiete für die Natur sind. Sie bieten seltenen Amphibien, Reptilien und vielen weiteren Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Jeder wiedervernässte Hektar ist ein Gewinn – für die Artenvielfalt, den Wasserhaushalt und das Klima.

Wildnisgebiete

Unser Wildnisgebiet

In Deutschland gibt es kaum noch Wildnisgebiete. Damit fehlen Lebensräume, in denen sich unsere heimischen Wildtiere und -pflanzen ungestört und frei entwickeln können. Die Deutsche Wildtier Stiftung engagiert sich dafür, das zu ändern.

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Foto: Michael Tezlaff

Renaturierung der Moore im Klepelshagener Forst

Die Stabilisierung des Wasserhaushaltes im Forst ist elementar, um den Wald als wertvollen Lebensraum zu schützen. Eine weitere Maßnahme zur Renaturierung des Goldbaches ist eine spezielle Stauvorrichtung für den Grenzbruch.

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Moore, Auen, Sümpfe

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