Wie unterhalten sich eigentlich Fledermäuse?

Für ihre Forschung zur Kommunikation bei Hufeisennasen erhält Dr. Ahana Aurora Fernandez den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung

Verhaltensbiologin Dr. Ahana Aurora Fernandez bei der Feldarbeit

Sie koordinieren nächtliche Beutezüge, tauschen sich über sichere Schlafplätze aus und versuchen, das andere Geschlecht mit ihren Gesängen zu beeindrucken: Fledermäuse führen ein erstaunlich komplexes Sozialleben – und das vor allem über ihre Stimme. Wie gelingt ihnen das, sind die Lautäußerungen angeboren oder erlernt, und verändern sie sich im Laufe des Lebens? Das möchte die Verhaltensbiologin Dr. Ahana Aurora Fernandez herausfinden. Für ihre Forschungsprojektidee mit dem Titel „Von der Geburt bis zur Balz: Eine akustische Reise durch das Leben von Hufeisennasen“ hat sie den Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung erhalten. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wurde am 13. Januar 2026 in der Botschaft der Wildtiere in der Hamburger HafenCity verliehen.

Seit September 2025 leitet Fernandez an der Universität Münster eine Juniorforschungsgruppe zur Fledermausforschung. Sie untersucht, wie die nachtaktiven Tiere Laute entwickeln und erlernen. Ihre Forschungsobjekte sind bisher die neotropische Große Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata) und das einheimische Große Mausohr (Myotis myotis), eine streng geschützte Fledermausart, die in Europa weit verbreitet ist und auf der Roten Liste der Säugetiere als „nicht gefährdet“ geführt wird. Im Rahmen des von der Stiftung geförderten Projekts will sie ihre Untersuchungen nun auf die Familie der Hufeisennasen ausweiten. Sowohl die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) als auch die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) stehen in Deutschland unter besonderem Schutz: Die Kleine Hufeisennase wird als „stark gefährdet“ eingestuft, die Große Hufeisennase gilt sogar als „vom Aussterben bedroht“.

Für Ihre Arbeit kooperiert Fernandez mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. (LBV). In zwei Gebäuden des LBV bringen die Fledermäuse ihre Jungtiere zur Welt. Keller und Dachgewölbe der Quartiere sind mit Videosystemen ausgestattet, die Einblicke in diese sogenannten Wochenstuben ermöglichen. Mithilfe von Ultraschallmikrofonen an den Kameras hofft Fernandez nun mehr über die innerartliche Kommunikation der Hufeisennasen zu erfahren.

„Mithilfe der Kombination aus Video- und Lautaufnahmen können mein Team und ich das Lautrepertoire dieser faszinierenden Fledermausarten beschreiben und gleichzeitig mehr über dessen Sozialfunktion erfahren“, sagt Fernandez. Für den Artenschutz sind diese Erkenntnisse besonders wertvoll, wie die Wissenschaftlerin weiter erklärt: „Wenn wir das Sozialverhalten von Fledermäusen besser verstehen, können wir gezielte Schutzmaßnahmen entwickeln – etwa an Wochenstuben oder Balzquartieren.“

Gerade in der Wildtierforschung fehlen häufig die finanziellen Mittel – hier setzt die Deutsche Wildtier Stiftung mit ihrem Forschungspreis an. Wir freuen uns sehr, mit Dr. Ahana Aurora Fernandez eine Preisträgerin fördern zu können, die mit ihrem wissenschaftlichen Projekt einen wertvollen Beitrag zum Verständnis der heimischen Fledermäuse leistet.

Eindrücke von der Verleihung des Forschungspreises

Wir danken M.M.Warburg & CO für die freundliche Unterstützung der Preisverleihungsgala am 13. Januar 2026.

Fledermaus-Webcam

Werfen Sie einen Blick in ein Quartier der Großen Hufeisennase in Nordbayern:

Zur Fledermaus-Webcam beim LBV
Keggelrobbe

Forschungspreis

Wir vergeben alle zwei Jahre ein mit 50.000 Euro dotiertes Stipendium für die Forschung an heimischen Wildtieren. Mehr Infos über den Preis, die vorangegangenen Preisträger und die Jury gibt es hier.

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