DRK Waldkindergarten Worms

Berlin, 30. November 2016

Geschichte trifft Zukunft

Vieles hat Worms bereits gesehen in ihrer 2.000-Jährigen Geschichte als eine der ältesten Städte Deutschlands. Seit 2007 gehört nun auch ein Waldkindergarten dazu. „Die Eltern unserer Krippenkinder haben sich einen Waldkindergarten gewünscht“, erinnert sich die ehemalige Leiterin Annette Esselborn. Die Krippe gibt es schon seit 2002. Eine der damaligen Erzieherinnen wünschte sich mehr Möglichkeiten mit den Kindern in die Natur zu gehen und gründete den Wald-Minitreff für die Krippenkinder. Dieser fand bei den Eltern so viel Anklang, dass sie sich auch für ihre Kindergartenkinder mehr Natur wünschten. Die Eltern baten nicht nur darum, mehr Natur in der Kindergartenarbeit aufzunehmen, sondern wünschten sich einen neuen Waldkindergarten unter Trägerschaft des DRK. Und was dann als kleine, eingruppige Einrichtung begann, ist recht schnell gewachsen. „Heute treffen sich mittlerweile 40 Kinder Tag für Tag bei uns.“, erzählt Kathrin Lüthge, jetzige Leiterin des DRK Familienzentrums Worms, „Das Interesse und der Zuspruch der Eltern ist nach wie vor sehr groß und die Warteliste recht lang“, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu. Der Waldkindergarten ist Teil des DRK Familienzentrum Worms, zu dem auch ein „Hort im Grünen“ und eine Krippe gehören. Beides angesiedelt im Wormser Erlebnisgarten -einer öffentlichen umweltpädagogischen Einrichtung. Von den Waldkindern werden auf dem naturnah gestalteten Gelände drei Bauwägen und zwei Holzhütten genutzt.

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Steckbrief

Art : Waldkindergarten
Geografische Lage: Worms, am Tierpark
Gründungsjahr: 2007
Träger: Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Landesverband Rheinland-Pfalz
Anzahl der Kinder: 40
Alter der Kinder : 3 bis 6 Jahre
Betreuungsschlüssel: 4 Erzieher/innen (VZ/TZ) + 1 Praktikant

Natur für Klein und Groß

Treffpunkt der Waldkinder ist heute der Wormser Erlebnisgarten. Die Stadt stellte dem Waldkindergarten einen ungenutzten Teil des örtlichen Tierparks zur Verfügung, der von den Eltern zu einem gemütlichen Kindergartengelände umgestaltet wurde. Was mit einem knallgelben Bauwagen begann, wurde mit der Zeit immer größer und vielfältiger. Heute sind es vier Bauwägen, ein Piratenschiff und viele kleinere Schauplätze, an denen gespielt und getobt werden kann. Und auch die Nähe zum Tierpark zahlt sich aus. „Wir waren schon ganz oft da, wenn ein Tierbaby geboren wurde“, weiß Jakob zu berichten. Und Loreilei ergänzt „Oder wenn ein Kind Geburtstag hat, dann gehen wir auch in den Tierpark“. „Oder wenn es im Winter sehr kalt ist, können wir im Tropenhaus frühstücken. Das ist fast wie im Wald – nur wärmer“, lacht Kathrin. Doch auch der Erlebnisgarten hat einiges zu bieten. Der Waldkindergarten teilt sich das Gelände mit dem Hort im Grünen, einem Bauhof für Jugendprojekte, einem Schulgartenprojekt mit großer Draußen-Sommerküche und dem Wormser Umwelthaus. So werden auf kleinem Terrain vielerlei naturpädagogische Projekt für unterschiedliche Altersgruppen umgesetzt.

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Sonne, liebe Sonne

Rund um Tierpark und Kindergartengelände finden sich Park- und Waldflächen. Das Wetter ist den Waldkindern heute wenig freundlich gesinnt. Sie packen vorsorglich ihre Regenjacken ein und los geht es in Richtung Igelwiese. Hier waren die Waldkinder schon lange nicht mehr, weil das Gras so hoch gewachsen war. Gestern wurde gemäht. Ein Grund für die Kinder einmal zu schauen, was es dort neues gibt. Um die Regenwolken zu vertreiben, gibt Erzieherin Bettina den Kindern die Aufgabe, auf dem Weg zur Igelwiese je zwei Stöcker zu sammeln. Eifrig stürmen die Kinder los.

Durch die Stöcke haben wir nicht nur die sinnliche Naturerfahrung, sondern können gleich noch die Zahlen üben und die Kreativität der Kinder fördern.

Denn im gemeinsamen Gruppenkreis werden die Stöcke erst einmal durchgezählt. Anschließend dürfen die Kinder daraus eine Sonne legen. Bettina stimmt ein Sonnenlied an und schnell fallen alle Kinder mit ein. Mit vereinten Kräften singen sie gegen die Wolken an.

Konzentration, logisches Denken und Teamfähigkeit

Eine große grüne Plane wird auf der Wiese ausgebreitet. Sie ist heute die Basis der Waldkinder auf der Igelwiese. Von hier aus können sie ausschwärmen und ihren Beschäftigungen nachgehen. Lorelei, Emma und Laura gehen gemeinsam auf Schatzsuche. Sie zeichnen sich eine große Schatzkarte, dann geht es los. Auch wenn der große Schatz heute ausbleibt, freuen sich die drei über viele kleine Schätze, wie Käfer und Schnecken. Erzieherin Bettina nutzt die Zeit um die jährlichen Entwicklungsdaten der Kinder zu erfassen, denn auch das gehört zur Arbeit im Waldkindergarten. Einer nach dem anderen darf sich von Bettina messen und wiegen lassen. Den Jungs kann die Vermessung nicht schnell genug gehen. Ungeduldig hüpfen sie von einem auf das andere Bein und laufen so schnell es geht zurück zu Erzieherin Steffi Oswald. Die steht mit zusammen gebundenen Händen und Beinen auf der Wiese. Um sie herum hüpfen fünf Waldkinder, die versuchen sie mit Seilen und Knoten zu fesseln. „Eine super Aufgabe um Koordination, logisches Denken und Teamfähigkeit mit den Kindern zu üben“, erklärt Steffi. Geduldig lässt sie alle Fesselversuche über sich ergehen und gibt zwischendurch immer mal wieder den einen oder anderen Tipp. „Bis jetzt habe ich es immer innerhalb weniger Minuten geschafft, mich zu befreien. Es ist spannend zu sehen, wie schnell die Kinder besser und geschickter werden und sich neue Knoten ausdenken. Einmal waren sie so gut, dass ich wirklich fünf Minuten gebraucht habe, um wieder frei zu kommen. Da waren sie aber auch so clever, mich an einen Pfahl zu binden“, lacht sie. Die Kinder geben das Signal zum Entfesseln. Doch auch dieses Mal dauert es keine zwei Minuten bis alle Seile auf dem Boden liegen.

Ausgangspunkte und neue Erkenntnisse

„Lass mich auch mal gucken!“ sagt Jonathan und knufft Lukas in die Seite. Der dreht mit dem langen Stock in seiner Hand gerade eine tote Erdkröte auf die Seite. Gemeinsam untersuchen sie das Tier und überlegen, was zu tun ist. Schon sprudeln die Fragen aus den Kindern heraus: „Warum ist die Kröte tot?“, „Hätte man sie noch retten können?“ und wenn ja „Wer und wo hätte man ihr helfen können? Im Krötenkrankenhaus? Gibt es so etwas überhaupt?“. Die Kinder analysieren die Situation in absoluter Ruhe. Gemeinsam kommen sie zur Antwort: „Bestimmt ist die Kröte beim Mähen der Wiese überfahren worden. Da hätte ihr auch keiner mehr helfen können. Vielleicht noch der Tierarzt. Aber nicht im Krötenkrankenhaus. So was gibt’s nicht!“. Zustimmendes Nicken von allen Seiten. Die Kinder beschließen gemeinsam mit den Erziehern die Kröte dort liegen zu lassen, wo sie gefunden wurde.

Tote Tiere sind immer sehr faszinierend für Kinder und oft ein guter Ausgangspunkt um weiter zu denken und mit den Kindern zu philosophieren.

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Kleine und große Abenteuer

Das Sonnenlied im Morgenkreis hat leider nicht für den gesamten Vormittag gereicht. Die ersten Regentropfen fallen auf die Erde. Kinder und Erzieher sammeln sich an der grünen Plane und ziehen sich ihre Regenjacken an. Die Rucksäcke werden unter der Plane verstaut, die Kinder schwärmen wieder aus. Denn auch bei Regen lässt es sich super auf der Wiese spielen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der Regenstärke entscheiden sich die Erzieher nach einiger Zeit doch für den Aufbruch zurück zum Kindergartengelände. Auf der Suche nach den richtigen Rucksäcken kriechen die Kinder unter die grüne Plane. Schon beginnt das nächste kleine Abenteuer. Immer mehr Kinder sammeln sich unter der Plane, kichern und glucksen unter dem regensicheren Dach. Die Erzieher schnappen sich die vier Ecken der Plane und im Gleichschritt geht es zurück zum Erlebnisgarten. Unter der Plane hört man vereinzelt Rufe „Sonne komm wieder, Regen verschwinde“, welche schließlich zu einem lauten Chor anschwellen. Und tatsächlich am Kindergartengelände angekommen, hat es zumindest aufgehört zu regnen. Und die Kinder sind überzeugt, dass die Sonne nach dem Mittagessen wieder für sie da sein wird.

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