Frühlingsbote Rotmilan

Wissenschaftler bestätigen: Dörfer gehören für den Greifvogel häufig zu seinem „Land zum Leben“

Rotmilan mit Sender im Flug © J. Katzenberger

Auf dem Land heißt es: „Ist der Rotmilan gelandet, kommt der Frühling“. Denn sobald die Temperaturen steigen und die ersten Frühblüher aufgehen, zieht es den Greifvogel aus seinem Winterquartier im Süden Europas in seine angestammten Brutreviere in Deutschland.

Hamburg, 05. April 2019

Anfang April legen die rotbraunen Frühlingsboten mit den tief gegabelten Stoßfedern zwei bis drei Eier ins Nest und beginnen mit der Brut. „Rotmilane sind eigentlich in offenen Landschaften heimisch und suchen ihre Beute vor allem auf Wiesen und Feldern“ sagt Svenja Ganteför von der Deutschen Wildtier Stiftung. Häufig fliegen die Greifvögel zur Nahrungssuche aber auch in die Dörfer. Das zeigen Ergebnisse des bundesweiten Schutzprojektes „Rotmilan – Land zum Leben“.

Im Rahmen des Projekts wurde die Lebensraumnutzung von über dreißig Rotmilanen in Sachsen, Thüringen und Niedersachsen untersucht. „Die Vögel wurden mit solarbetriebenen Sendern versehen, die wie ein kleiner Rucksack auf ihrem Rücken sitzen“, erläutert Jakob Katzenberger vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), der im Projekt für die wissenschaftliche Evaluation zuständig ist. Die wenige Gramm leichten Daten-Rucksäcke speichern in regelmäßigen Abständen die genaue Position der Vögel und ermöglichen den Forschern so rund um die Uhr genaue Einblicke in das Leben der Milane.

Rotmilan mit solarbetriebenem Sender - Copyright DeWiSt

Rotmilan mit solarbetriebenem Sender

Die Ergebnisse zeigen, dass zahlreiche besenderte Rotmilane zur Nahrungssuche dörfliche Siedlungen aufsuchen. Und damit nicht genug: „Je höher der Anteil dörflicher Siedlungsfläche im Nestumfeld einzelner Milane ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Brut“, so Katzenberger. Damit bestätigen die Telemetrie-Daten nun, was die Auswertung von über 400 erfolgreichen Bruten des Rotmilans bereits vermuten ließ.

Leicht zugängliche menschliche Abfälle, z. B. Komposthaufen, machen Siedlungen für den Allesfresser Rotmilan attraktiv. „Aus Videoaufnahmen mit Nestkameras wissen wir aber auch, dass er in Siedlungen ebenfalls häufig Singvögel erbeutet“, erklärt Katzenberger. Bei Rotmilanen, die im Grünland ihre Nahrung suchen, dominieren dagegen Kleinsäuger wie Mäuse oder Junghasen das Beutespektrum. Das Vorhandensein von Grünland hat daher ebenfalls einen stark positiven Einfluss auf den Bruterfolg. Dass Rotmilane auf der Suche nach Fressbarem zunehmend in Dörfer kommen, kann auch mit der immer intensiver genutzten Feldflur zusammenhängen. „Die Intensivierung der Landwirtschaft macht den Greifvögeln zu schaffen“, sagt Svenja Ganteför von der Deutschen Wildtier Stiftung und ergänzt: „Mittlerweile gelangen viele Wildtiere in Gärten und auf Müllkippen anscheinend leichter an Nahrung als in der Agrarlandschaft“.

Infokasten

„Rotmilan – Land zum Leben“ ist ein bundesweites Projekt zum Erhalt des Rotmilans und zur Verbesserung seiner Lebensbedingungen, zu dem sich der Deutsche Verband für Landschaftspflege, der DDA, die Deutsche Wildtier Stiftung und regionale Partner zusammengeschlossen haben. In neun Modellregionen in sieben Bundesländern beraten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Land- und Forstwirtschaft sowie kommunale Partner zu rotmilanfreundlicher Landnutzung und den Bedürfnissen dieses ganz besonderen Vogels. Hauptziele des Projekts sind, die Nahrungsverfügbarkeit für den Greifvogel auf landwirtschaftlichen Flächen und die Brutbedingungen in Wäldern und Gehölzen zu verbessern. Das Projekt „Rotmilan – Land zum Leben“ startet ins letzte Projektjahr und wird vom Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert. Mehr Informationen unter:

www.rotmilan.org

Copyright Titelbild: Jakob Katzenberger, Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V.

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Rotmilan – Land zum Leben

Der Rotmilan kommt nirgendwo auf der Welt häufiger vor als in Deutschland. Ein Projekt für die Verbesserung seiner Lebensbedingungen.

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