Huckepack in den Frühling: Lernen Sie doch mal die Erdkröte näher kennen

Der einheimische Lurch ist ein toller Nützling, er verspeist Nacktschnecken und andere Pflanzen-Schädlinge

Erdkröte im Frühling

"Pragmatisch, kräftig, gut gebaut, mit kleinen Schönheitsflecken" – so würde sich eine Erdkröte wohl selbst beschreiben, wenn sie auf Bräutigamsuche geht. Im März und April beginnt für unsere heimischen, wechselwarmen Erdkröten die Paarungszeit. Dann machen sich die Kröten auf Wanderschaft - vom Winterquartier zum Laichgewässer.

Hamburg, 05. April 2017

Wenn das Thermometer wärmere Temperaturen über zehn Grad anzeigt, machen sich die weiblichen Erdkröten auf zu ihren angestammten Laich-Gewässern. Es geht zur Paarung auf Hochzeitsreise - genauer gesagt: auf Wanderschaft. "Vor allem in ländlichen Gebieten kann es dann massenhafte Wanderungen vom Winterquartier zum Laichgewässer geben", erklärt Manuel Pützstück von der Deutschen Wildtier Stiftung. "Nur späte Frosteinbrüche führen zur Unterbrechung der Reise: Die Tiere graben sich dann an Ort und Stelle ein und verharren in der Erde, bis die Wetterbedingungen eine Fortsetzung der Wanderung zulassen." Erdkröten sind nicht zimperlich - sie wandern bei jedem Wetter los, wenn es um das Erreichen ihres Laichgewässers geht. Häufig ist dennoch Unterstützung von uns Menschen gefragt - vor allem der Straßenverkehr ist für die paarungswilligen Erdkröten ein Todesrisiko! An vielen Orten sammeln sich freiwillige Helfer an Straßenrändern und bringen die eingesammelten Tiere auf die andere Straßenseite. Auch Amphibienzäune helfen - fragen Sie am besten bei Naturschutzorganisationen an Ihrem Wohnort nach, was Sie tun können.

Erdkröten-Weibchen tragen ihren Partner auf dem Rücken zum Laichgewässer

Unterwegs treffen die Kröten-Damen ihre Prinzen - und die Auserwählten zögern nicht lang: Ruckzuck klettern sie auf den Rücken der Weibchen und lassen sich von diesen zum nächsten Gewässer tragen. Dort beginnt die Fortpflanzung der Erdkröten – und die dauert.

Ziemlich produktiv - 2000 bis 6000 Eier sitzen in einer Laichschnur

Denn beim Ablaichen – also beim Ablegen der Eier im Wasser – sondert das Weibchen die sogenannten Laichschnüre ab. In diesen eiweißhaltigen Hüllen befinden sich die Eier, die nach ihrem Ablegen ins Nasse von den Erdkröten-Männchen sofort besamt werden. So ein Zeugungsakt kann mehrere Stunden, manchmal sogar Tage dauern! Immerhin enthält eine zwei bis fünf Meter lange Laichschnur zwischen 2000 bis 6000 Eier. Ist der Laichvorgang getan, gehen „Herr und Frau Kröte“ wieder getrennte Wege. Aber der Krötennachwuchs lässt nicht lange auf sich warten.

junge Erdkroete

„Abhängig von der Gewässertemperatur schlüpfen nach mehreren Tagen die Krötenkaulquappen. Im Juli sind die kleinen Kröten soweit ausgewachsen, dass sie mit circa 10 Millimeter Größe ihr Laichgewässer verlassen können. Dann suchen sich die Jungkröten einen Platz an Land“, erklärtder Experte. Nach circa drei bis fünf Jahren werden die Tiere geschlechtsreif – dann gehen auch sie im März auf „Wanderschaft“. In freier Natur haben Erdkröten - wenn das Umfeld stimmt - eine Lebenserwartung von maximal zehn bis zwölf Jahren.
Und wenn Sie als Garten- oder Terrassenbesitzer keine Scheu vor „gutgebauten Kröten mit Schönheitsfleck“ haben, machen Sie es den Lurchen doch so schön wie möglich in ihrem Garten! Die Deutsche Wildtier Stiftung rät: „Kröten mögen an Land gern trockene und geschützte Plätze.“ Tagsüber verstecken sich die Amphibien unter Holzhaufen, im Wurzelbereich von Bäumen und unter Steinen. Nachts gehen sie auf die Jagd. Auf dem Kröten-Speiseplan: Insekten, die Kleingärtnern manchmal „nerven“: Nacktschnecken und ihre Eier, Käfer, Spinnen, Fliegen und Tausendfüßler.

Das lockt Erdkröten in Ihren Garten

Erdkröten brauchen einen giftfreien Garten, also bitte keine Chemie - weder in Sprüh- noch in Körnerform - verwenden. Die chemischen Mittel töten Insekten - Insekten sind aber das Hauptnahrungsmittel für die Amphibien.
Während des Tages und vor allem im Sommer bei starker Wärme hält sich eine Erdkröte am liebsten an feuchten und dunklen Orten auf. Einen sicheren Platz für Erdkröten schaffen Sie, wenn Sie Totholzhaufen, Laub- oder Reisighaufen, alte Mauern mit Versteckmöglichkeiten oder Hohlräume unter Baumwurzeln bereitstellen oder zulassen. An solchen Stellen kann die Erdkröte zudem gut überwintern. Auch die Ecken alter und ungenutzter Schuppen eignen sich bestens als Erdkröten-Versteck.
Haben Sie einen Gartenteich? Oder wollen Sie einen anlegen? Dann lassen Sie die Fische weg - denn die fressen Kröten- und Froschlaich.
Sträucher, Büsche und Pflanzen mit dicken Zweigen und Blättern bieten Erdkröten Versteckmöglichkeiten vor Feinden oder Tieren, die Unruhe verbreiten, wie z. B. Hunde. Stellen Sie ein Vogelfutterhäuschen nicht in Teichnähe auf - für Vögel sind kleine junge Kröten ein Festschmaus.

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Schmetterlinge

Der Schmetterling gehört wie Badetage und Hitzewellen zum Hochsommer. In Deutschland leben über 3.700 Arten, die meisten sind Nachtfalter.

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