Lebensräume für Feldvögel werden immer seltener!

Interreg Rebhuhn-Schutzprojekt hilft

Winterlebensraum für Rebhühner und andere Feldvögel in der Nähe bei Göttingen

Das Interreg Rebhuhn-Schutzprojekt, an dem sich auch die Deutsche Wildtier Stiftung beteiligt, soll Feldvögeln eine Zukunft bieten und kommt auch unseren Insekten zugute. Im Rahmen des Projektes greifen jetzt Landwirte in Niedersachsen den bedrohten Feldvögeln "unter die Flügel".

Hamburg, 12. Dezember 2017

Tags:

Es tut sich was am südlichen Stadtrand von Göttingen: Landwirte aus Geismar und Diemarden haben im Herbst 2017 begonnen, erste Blühflächen einzurichten. Dafür wurde eine neue Mischung aus 24 einheimischen Pflanzenarten entwickelt (u.a. Mohn, Kornblume, Margerite, Flockenblume, Schafgarbe, Karde, Steinklee). „Wir wollen mit Hilfe der Landwirte ca. 7 % der Feldfläche in Blühflächen umwandeln, um positive Effekte auf das Rebhuhn, Feldhasen, Brutvögel und Insekten zeigen zu können“, so die Projektkoordinatoren Lisa Dumpe und Eckhard Gottschalk der Uni Göttingen.

Europaweit sollen Neuanlagen von Blühflächen gefördert werden

Argralandschaften müssen sich verändern!

Das EU-Interreg-Projekt PARTRIDGE hat sich zum Ziel gesetzt, in fünf westeuropäischen Regionen die Biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft zu fördern: Schottland, England, Belgien, Niederlande – und im Landkreis Göttingen. Bislang wurden im Landkreis mit allen vorhandenen Blühflächen lediglich 0,8 % der Agrarfläche erreicht. Die Demonstrationsgebiete des Interreg-Projektes PARTRIDGE sollen zeigen, was sich in der Agrarlandschaft verändern kann, wenn auf mehr Fläche (ca. 7 %) der Landschaft hochwertige Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Die Zielart des Projektes ist zwar das Rebhuhn, aber von den Maßnahmen profitieren auch viele weitere Arten der Feldflur.

Rebhühner in Deutschland gelten als bedroht - ihnen fehlt der Lebensraum

Auch Insekten profitieren von den Schutzmaßnahmen

Vor allem die Jungvögel werden mit Insekten gefüttert

Der starke Rückgang von Insekten in unserer Kulturlandschaft wird aktuell kontrovers diskutiert. Insekten übernehmen eine Schlüsselrolle in Ökosystemen, etwa bei der Bestäubung von Pflanzen oder als wichtiges Glied in der Nahrungskette. Für den Rückgang der Insekten sind viele Faktoren verantwortlich. Beispielsweise die veränderte landwirtschaftliche Nutzung von Ackerflächen, weniger Blüten an Feldrainen und auf Wiesen, zunehmender Neu- und Ausbau von Straßen und Siedlungsflächen. Dadurch steht den Insekten weniger geeigneter Lebensraum zur Verfügung.

Als Folge des Insektensterbens und in Kombination mit weiteren Ursachen gehen auch viele Vogelarten zurück. Am stärksten betroffen sind die Feldvögel, von denen zahlreiche Arten in den letzten drei Jahrzehnten mehr als die Hälfte ihres Bestandes verloren haben. Einzelne Arten wie das Rebhuhn sind noch stärker betroffen, nur noch 6 % des Bestands von 1980 hat in Europa überlebt - Tendenz fallend. „Die wichtigste Maßnahme für den Schutz der Feldvögel ist die Verbesserung ihrer Lebensräume“, bemerkt Tillmann Möhring vom Deutschen Jagdverband e.V., der das EU-Interreg-Projekt PARTRIDGE in einer internationalen Lenkungsgruppe begleitet.

Darum sind Wildpflanzen so wichtig!

Sie sind nicht nur fürs Auge viel schöner als "Mais- und Rapswüsten" - nein, Wildpflanzen spielen eine enorm wichtige Rolle, wenn es um den Erhalt unserer Artenvielfalt geht! Die Vorteile liegen auf der Hand:

  1. Wildpflanzenmischungen bieten im Sommer wie im Winter Nahrung und Deckung für Wildtiere.
  2. Die längeren Blühzeiten und große Blühflächen der Wildpflanzen verbessern das Nahrungsangebot für Insekten. Gleichzeitig erreichen ertragreiche Wildpflanzenmischungen heute bereits bis zu 80 % der Methanausbeute pro Hektar im Vergleich zum Maisanbau.
  3. Durch die Ernte ab Ende Juli wird die Gefahr von Mähverlusten bei Bodenbrütern (z. B. Wiesenweihe) und Jungtieren verringert.
  4. In den Mischungen werden nur heimische Wildpflanzenarten verwendet.
    Wildpflanzenmischungen eignen sich als Dauerkultur und erfordern keine jährliche Bodenbearbeitung und Ansaat.
  5. Auf mineralische Düngung und chemische Pflanzenschutzmittel kann weitgehend verzichtet werden.

Mehr zum Thema Energie aus Wildpflanzen finden Sie in unserem Praxisratgeber und auf der Internetseite Netzwerk Lebensraum Feldflur

Ohne die Unterstützung der Landwirte geht es nicht

Ziel von PARTRIDGE ist es, die gewonnenen Erkenntnisse in die bestehenden Agrarumweltmaßnahmen und auch auf andere Naturschutzprojekte zu übertragen. „Langfristig werden wir das Rebhuhn und viele andere Arten der offenen Feldflur nur erhalten, wenn die Agrarpolitik zukünftig ausreichend Mittel für Umweltleistungen, die Landwirte auf freiwilliger Basis erbringen, zur Verfügung stellt,“ sagt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung, die die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt koordiniert.

Das Projekt wird vom „Game and Wildlife Conservation Trust“ in England geleitet und in Deutschland von der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen durchgeführt. PARTRIDGE wird von der EU, der Deutschen Wildtier Stiftung, dem Deutschen Jagdverband und der Manfred Hermsen Stiftung gefördert.