Mehr Futter für Falter!

Schmetterlingsflieder, Fetthenne und Majoran stehen bei Schmetterlingen hoch im Kurs, aber hauptsächlich brauchen sie magere Blumenwiesen

Filigran in rosa: Mittlerer Weinschwärmer

Sie sind wunderschön und hochgradig gefährdet. Wer einen Schillerfalter aus der Nähe betrachten konnte, wird ihn für einen Gast aus den Tropen halten. Rund 50 aller Tagfalterarten Deutschlands und Hunderte der nachts fliegenden Arten der Schmetterlinge sind in ihrem Fortbestand gefährdet; einige Arten gelten als verschollen oder bereits ausgestorben.

Hamburg, 30. August 2017

Weltweit gibt es etwa 180 000 Schmetterlingsarten, in Deutschland sind es 3700 Arten. Viele kämpfen ums Überleben, denn ihre natürlichen Lebensräume werden durch die industrialisierte Landwirtschaft und falsche Pflegemaßnahmen, wie unnötiges Mähen von Randstreifen, Dämmen und Deichen, zerstört. Viele Gärten und Anlagen taugen nicht mehr für Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten. Zu viel vom innerstädtischen Grün wird auf pflegeleichte Sträucher umgestellt und auf kurz geschorene Einheitsrasen getrimmt.

Ein Pfauenauge möchte bewundert werden

Je vielfältiger die Pflanzenwelt, desto mehr Schmetterlinge finden Nahrung

Die Falter ernähren sich von Nektar, den sie mit ihren Rüsseln aus Blüten saugen. Sommerflieder - auch Schmetterlingsbaum genannt - zieht die fliegenden Juwelen besonders an. Aber die Tagfalter schätzen - wie viele Bienen und andere Insekten auch - ebenso Blaukissen, Lavendel, Verbene, Phlox, Fetthenne oder Majoran. Was wir im Garten beobachten können, drückt aus, worum es draußen in der Natur geht: Um den Artenreichtum an Pflanzen. Dieser ist für die bedrohten Schmetterlinge überlebenswichtig! Wenn vom Frühjahr bis in den Herbst hinein immer irgendwo etwas blüht, das Nektar liefert, sind Tag- und Nachtfalter versorgt und sie finden Futterpflanzen für ihre Raupen. Da gibt es einiges, was wir Menschen den Insekten anbieten können:

  • Brennnesseln sind gerade für unsere auffälligsten Schmetterlinge wichtig: Die Raupen von Tagpfauenauge, Landkärtchen, Kleinem Fuchs und Admiral leben daran.
  • An Wilden Möhren, Dill oder Petersilie entwickeln sich die Raupen des Schwalbenschwanzes.
  • Die Raupen von Schachbrett und Ochsenauge ernähren sich von Gräsern.
  • An Weidenröschen oder am Drüsigen Springkraut können wir die eine Schlange vortäuschenden Raupen des Mittleren Weinschwärmers entdecken.
  • Manchen Faltern helfen Küchenkräuter auch wie Thymian, Minze und Zitronenmelisse.
  • Am weitaus wichtigsten für die Erhaltung unserer Schmetterlinge sind allerdings magere, extensiv bewirtschaftete Wiesen!
Ein Brauner Bär kommt im Mustermix daher

Kleine Inseln oder Randbereiche von Grünland sollten ungemäht bleiben

Prof. Dr. Reichholf

Auch wer den Rasen nur in Teilen mäht, tut Faltern Gutes!

Professer Dr. rer. nat. Josef H. Reichholf, renommierter Biologe und Botschafter der Deutschen Wildtier Stiftung, beschäftigt sich seit Jahrzenten mit Schmetterlingen. "Am günstigsten für Tiere und Pflanzen ist eine einmalige Mahd im Spätherbst", empfiehlt er. Falls mehrfach gemäht werden soll, dann möglichst nur auf Teilflächen und zeitversetzt , "etwa ein Viertel der Wiese im Mai, eines Ende Juni, eines im August und das letzte Viertel im November." Auf diese Weise erreicht man recht gute Überlebenschancen für Schmetterlinge und andere Kleintiere, beispielsweise Vögel.

Warum heißt der Schmetterling Schmetterling?

Ein Name, der aus dem Mittelalter stammt. Der Rahm - die Sahne - wurde in großen Bottichen hergestellt und hieß "Schmetten". Falter aller Art wurden von der Leckerei so stark angezogen, dass sie in Scharen herangaukelten. So kam der "Schmetter-ling" zu seinem schönen und unverwechselbaren Namen.

Auf Tuchfühlung mit einem Totenkopfschwärmer. Ein berührendes Foto aus den 60/70er Jahren

Agrarlandschaften schmetterlings- und wildtierfreundlich gestalten

Ein Umdenken in der Landwirtschaft würde ALLEN Insekten nützen

Warum aber geht es den Schmetterlingen in Deutschland so schlecht? "Es fehlt an Lebensraum", so sind sich die Experten einig. "Das Bild unserer Agrarlandschaften hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert", erklärt beispielsweise Schmetterlingsforscher Reichholf. Neben den Änderungen in der Landwirtschaft haben Flurbereinigungen, Entwässerungen, ländlicher Straßen- und Wegebau und die Vernichtung von Strukturelementen wie Hecken und Knicks, Feldgehölzen und Ackerrainen die Qualität der Agrarlandschaft als Lebensraum für Schmetterlingen, Wildbienen und Co nachhaltig negativ beeinflusst.

Das Verschwinden der Schmetterlinge

blauer Schmetterling

Schmetterling

Der Schmetterling gehört wie Badetage und Hitzewellen zum Hochsommer. In Deutschland leben über 3.700 Arten, die meisten sind Nachtfalter.

Zum Steckbrief
Mohn am Wegesrand

Energie aus Wildpflanzen

Im Netzwerk Lebensraum Feldflur wollen wir Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen mit Natur- und Artenschutzzielen vereinen.

Zum Projekt