Pssst! Zum Jahreswechsel können wir auch leise

Stilles Silvester tut Wildtieren gut

Nordlichter über den Lofoten Foto: imageBroker Nordlichter über den Lofoten Foto: imageBroker

Silvester wird in diesem Jahr coronabedingt also wieder weniger geböllert und geknallt. Der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist deutschlandweit verboten, in manchen Bundesländern dürfen auch keine Raketen aus dem letzten Jahr gezündet werden. Manch einer mag es vermissen – den Wildtieren, vor allem in der Stadt, wird es nicht fehlen.

Hamburg, 28. Dezember 2021

Zum zweiten Mal in Folge ein Jahreswechsel ohne flächendeckende Attacken, die unter Singvögeln und Eichhörnchen, bei Igel, Fuchs oder Reh in der Nacht zu Neujahr sonst regelmäßig Panik auslösen. „Das neue Jahr zu feiern bringt auch ohne Böller Spaß, wenn wir an die Tiere denken", sagt Jenifer Calvi, Pressereferentin der Deutschen Wildtier Stiftung.

Silvester-Knallerei ist für viele Wildtiere ein Kraftakt ohne Vorwarnung: Sie geraten in Aufruhr, Herzschlag und Atmung erhöhen sich und die Tiere müssen ihren Stoffwechsel hochfahren. „Das verbraucht lebensnotwendige Energie, die die Tiere für den kalten Winter benötigen", so Calvi. Studien der Universität Amsterdam haben gezeigt: Manche Wasservögel, die im Normalfall etwa 100 Meter hoch fliegen, steigen bei Raketenattacken am Stadtweiher vor Panik bis zu 1.000 Meter auf. Tausende von tagaktiven Vögeln fliegen in der Silvesternacht von ihren Schlafplätzen auf, um dem Böller- und Raketenszenario so schnell es geht zu entkommen. Sie verlieren während ihrer Flucht ihre Artgenossen und meiden noch Tage später ihre angestammten Futterplätze. Oft prallen die Vögel auch während der Flucht gegen Glas- und Hausfassaden. „Vogelschlag ist – nicht nur an Silvester – ein großes Problem", so Calvi.

Auswirkungen von Silvester-Knallerei bei Wildtieren

Eichhörnchen-Nothilfe Jahr für Jahr Silvester im Einsatz

Auch Eichhörnchen, die hoch oben in den Bäumen ihre Kobel genannten Nester haben und in der kalten Jahreszeit in der Winterruhe sind, werden vom Lärm in Angst und Schrecken versetzt. So verzeichnet die Eichhörnchen-Nothilfe Jahr für Jahr verstörte Tiere oder gar tote Eichhörnchen, die durch die Knallerei einen Herzstillstand erlitten haben.

Winterschlaf wird jäh unterbrochen

Einige Wildtiere, wie der Igel zum Beispiel, können sogar aus dem Winterschlaf geweckt werden. Beim Hervorkrabbeln aus ihrem Versteck atmen sie dann auch noch jede Menge Feinstaub ein: Rund 2.050 Tonnen Feinstaub werden Jahr für Jahr in Deutschland durch das Abbrennen von Feuerwerk in die Luft geblasen, der größte Teil davon in der Silvesternacht.

Wildtiere haben meist ein sehr empfindliches Gehör

Und auch für das sehr empfindliche Gehör der meisten Wildtiere sind Chinaböller und Pfeifraketen eine Qual. „Ein Fuchs auf Mausjagd kann seine Beute unter der geschlossenen Schneedecke hören – diese Geräusche liegen in einem Bereich von 10 bis 15 Dezibel. Da löst ein Böller, der in seiner Nähe mit 120 Dezibel explodiert, schon einen gewaltigen Stress aus", sagt Calvi.

Die Deutsche Wildtier Stiftung wünscht Ihnen einen ruhigen Jahreswechsel und ein
frohes und gesundes neues Jahr!

Ihr Team der Deutschen Wildtier Stiftung
Eine Haselmaus in einem Laubnest

STILLE NACHT - IM NORDEN SCHLÄFT DIE HASELMAUS

Auf der Suche nach dem Bilch entdeckten Biologen in und um Hamburg erstmals wieder Schlafnester. Die Haselmaus ist ein nachtaktiver Nager. Daher bleibt ihre Anwesenheit vom Menschen häufig unbemerkt – ebenso wie ihr Rückgang in einigen Teilen ihres Verbreitungsgebietes. Die Hauptursache ist das Verschwinden geeigneter Lebensräume. Haselmäuse leben vorwiegend in artenreichen Mischwäldern mit dichtem Unterholz und benötigen ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot.

Zum Projekt
Birkenzeisig (Foto: Holger Duty)

Besuch aus dem Hohen Norden

Hat der Winter Deutschland im Griff, sind die Insektenfresser unter den gefiederten Fliegern wie Schwalben, Grasmücken oder Rohr- und Laubsänger längst Richtung Süden davongeflogen. Doch nicht alle Vögel sind weg! Im Wald und in der Feldflur, in städtischen Parkanlagen und auf Friedhöfen hört man sie zwitschern und singen. Darunter sind nicht nur einheimische Arten wie der Zaunkönig, sondern auch Wintergäste aus dem Hohen Norden.

Zum Artikel
Futterglocke für Vögel Foto: Manfred Sattler

5-Punkte-Check zum Vögel füttern

Vogelfütterung ist kein Artenschutz. Trotzdem freuen sich unsere Gartenvögel über ein Futterhäuschen und gerade in winterlich-kahlen Gärten oder auf dem Balkon bringt es auch uns Spaß, die Vögel zu beobachten. Damit das Vogelfutter auch ein Festmahl für unsere Vögel wird und alle Freude daran haben, hier eine 5-Punkte-Checkliste und auch eine Anleitung, wie man einen Vogelfuttertontopf selber machen kann (Anleitung als PDF zum Downloaden).

Zum Artikel